Natalie Zemon Davis Die wahrhaftige Geschichte von der Wiederkehr des Martin Guerre

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Inhaltsangabe zu „Die wahrhaftige Geschichte von der Wiederkehr des Martin Guerre“ von Natalie Zemon Davis

Im Jahre 1548 verläßt Martin Guerre, ein Bauer aus dem südfranzösischen Languedoc, bei Nacht und Nebel seinen Hof, sein Kind und seine junge Frau, um in den Krieg zu ziehen. Gerüchteweise hörte man, daß er in Flandern ein Bein eingebüßt habe. Nach acht Jahren taucht er wieder im heimatlichen Dorf auf, wo er als verlorener Sohn begrüßt wird. Doch nach ein paar Jahren kursieren Gerüchte: Der junge Bauer sei gar nicht der wahre Martin Guerre, sondern vielmehr ein Erbschleicher. Es kommt zum Prozeß, den er gewinnt. Gleich nach dem Freispruch wird er erneut verhaftet. Der Richter Coras, der später einen vielgelesenen Bericht über diesen Fall verfassen sollte, ist geneigt, dem souverän auftretenden jungen Bauern Glauben zu schenken, als plötzlich ein Mann mit einem Holzbein auftaucht - niemand anderer als der wahre Martin Guerre. Der Betrüger ist geständig und wird zum Tode verurteilt. Seine Geschichte lebt - 400 Jahre später noch - in den Erinnerungen der Bauern seiner Heimat als Legende f ort.§Das abenteuerliche Schicksal des Martin Guerre wurde im "Pitaval" aufgezeichnet, der klassischen Sammlung berühmter Kriminalfälle, und faszinierte gleichermaßen Juristen, Historiker und Dichter, nicht zuletzt Montaigne, der Augenzeuge des Prozesses gewesen war.§Die amerikanische Historikerin Natalie Zemon Davis hat diese Cause cel bre erneut aufgegriffen. Sie untersucht die psychologischen Aspekte - insbesondere die mysteriöse Rolle der Ehefrau - und das Motiv des Doppelgängers. Nicht zuletzt aber nimmt sie diese dramatische Geschichte eines Individuums zum Anlaß, um den Alltag der Bauern zu jener Zeit zu rekonstruieren. Die Geschichte des Martin Guerre ist ein kulturhistorisches Dokument, in dem der "gemeine Mann" im Vordergrund steht. (Quelle:'Flexibler Einband')

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  • Vom Verlassen-Werden im 16. Jahrhundert

    Die wahrhaftige Geschichte von der Wiederkehr des Martin Guerre
    Sokrates

    Sokrates

    Die amerikanische Historikern Natalie Zemon Davis hat sich in diesem schmalen Wagenbach-Bändchen der mysteriösen Geschichte des Martin Guerre gewidmet. Verfilmt und vielfach Stoff literarischer Erzählungen hat das plötzliche Verschwinden des jungen Guerre seit dem 16. Jh. Menschen immer wieder bewegt. Die Quellenlage lies für Zemon Davis zumindest eine plausible Rekonstruktion zu: sehr jung verheiratet, möglicherweise impotent und damit als Erbe eines Hofes in Frankreich in leichter Bedrängnis, hält es Martin nach einigen Ehejahren nicht mehr aus und verschwindet. An verschiedenen Orten wird er gesehen, heuert schließlich auf einem Schiff an, zieht in den Krieg. Mehr als zehn Jahre bleibt er so vom Erdboden verschwunden. In der Zwischenzeit entdeckt ein Betrüger seine Geschichte, trifft Martin irgendwann auf einer seiner Stationen und nimmt schließlich dessen Identität an. Fotos gab es im 16. Jh. noch nicht, weshalb der Schwindel bei Frau und Verwandtschaft nicht auffällt. Bertrande, die junge Ehefrau des Verschwundenen, erkennt im Schwindler jedoch irgendwann noch, dass es sich nicht um ihren Ehemann handelt – sie macht bei dem Schwindel indes mit, wohl auch deshalb, weil sie sich mittlerweile in ihren „neuen“ Mann verliebt hat. Die Geschichte nimmt eine fatale Wendung, als schließlich Martin Guerre, nunmehr mit Holzbein und gute 15 Jahre älter, zurück zu seiner Familie kommt und der Schwindel auch den übrigen Dorfbewohnern sowie der Justiz auffällt... Zemon Davis Essay über diese wundersame und kuriose Ehegeschichte stellt, historisch gesehen, einen Glücksfall dar, denn aufgrund des sich anschließenden Gerichtsverfahrens sind Akten erhalten, Verhörprotokolle existent, die Historikern die Erschließung der Materie und eine – wenn auch im kleinen Rahmen – Eigenbewertung der Materie ermöglichen. Das Verschwinden einzelner Personen ist zur damaligen Zeit indes keine Besonderheit, besonders ist im vorliegenden Fall nur, dass Martin Guerre schließlich aus uns unbekannten Gründen zurückkehrt und seinen „alten Platz“ einzunehmen fordert. Für den „Schwindler“, der sich in der Zwischenzeit eine beachtete und ehrbare Position in der dörflichen Gemeinschaft erarbeitet hat, endet die Rückkehr mit dem Tod. Das Buch erschließt mithilfe dieser Geschichte nicht nur die Sitten- und Mentalitätsgeschichte Frankreichs im späten 16.Jh., sondern auch ein wenig Alltags- und Rechtsgeschichte, die sonst gleichsam wie abstrakter Lehrstoff nur vermittelbar sind, weil die historischen Quellen eine individuelle Geschichtsschreibung nicht zulassen. Zemon Davis schreibt lebendig, auf den Leser eingehend, auch wenn die Erschließung des Buches Vorwissen verlangt.

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