Natalie Zemon Davis Mit Gott rechten

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Inhaltsangabe zu „Mit Gott rechten“ von Natalie Zemon Davis

Glikl bas Judah Leib heiratete sehr jung einen jüdischen Großhändler, bekam vierzehn Kinder und verlor ihren Mann nach dreißigjähriger Ehe. Aus »Herzeleid« begann sie, ihre Lebenserinnerungen aufzuschreiben, führte daneben aber die Geschäfte weiter, handelte mit Strümpfen, besuchte Messen, verlieh Geld und verheiratete ihre Kinder. Natalie Zemon Davis, die Grande Dame der Sozial- und Mentalitätsgeschichte, rekonstruiert in diesem lebendigen Buch das Leben der Glikl, die Alltagsgeschichte einer ungewöhnlichen Frau in der Frühen Neuzeit. Vor genau einhundert Jahren wurden Glikls Memoiren, die erste erhaltene, bekannte Autobiographie einer Frau in Deutschland, erstmals durch Bertha Pappenheim aus dem Jiddischen ins Deutsche übersetzt und veröffentlicht. Bei Wagenbach außerdem lieferbar: "Leo Africanus. Ein Reisender zwischen Orient und Okzident"; "Drei Frauenleben"; "Metamorphosen. Das Leben der Maria Sibylla Merian" und "Die wahrhaftige Geschichte der Wiederkehr des Martin Guerre".

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  • Frauenalltag in der Frühen Neuzeit

    Mit Gott rechten

    Sokrates

    13. April 2014 um 21:08

    Die Amerikanische Kulturhistorikerin Natalie Zemon Davis widmet sich in diesem schmalen biographischen Essay der jüdischen Kaufmanns-Witwe Glikl bas Judah Leib, die Mitte des 16. Jahrhunderts in Hameln lebte und wirkte. Entgegen den gängigen Geschlechterklischees wirkte diese Frau weit außerhalb des ihr gesellschaftlich wie ökonomisch zugestandenen Rahmens: als ihr erster Ehemann verstarb, übernahm sie das Geschäft und konnte es um internationale Kontakte erweitern. Erst die Aussicht auf eine späte, wenn auch gewinnbringende zweite Ehe lies sie in Hameln ihre Geschäfte einstellen und nach Menz umziehen. Da wie dort widmet sie sich der Erziehung von mehr als sieben Kindern – zunächst ihre eigenen, dann denen ihres zweiten Ehemannes, der erst kurz vor ihrer Hochzeit seine erste Frau verloren hatte. Die zweite Ehe stand jedoch unter keinem guten Stern: der Ehemann stirbt schließlich wirtschaftlich bankrott und Glikl um gute 2/3 ihrer Mitgift gebracht vor Glikl. Während all dieser Jahre schreibt Glikl indes Tagebuch – während jener Jahre eine übliche Art der Rechtfertigung, der Unterweisung und der religiösen Rückversicherung in der jüdischen Kultur der Frühen Neuzeit. Glikls Schriften offenbaren jedoch die weit individuellere Form dieser Schrift gegenüber vergleichbaren Zeitdokumenten: Glikl schreibt nicht nur viel über ihre Arbeit als Händlerin, sondern offenbart auch ihre in privaten Belangen weitreichenden Kompetenzen. Sie besaß insoweit weit größere Freiheiten, als man von Frauen jener Jahre annehmen würde. Zemon Davis widmet sich im ersten Drittel ihres Buches zunächst den biographischen Fakten, in den letzten 2/3 des Essays der Textinterpretation von Glikls Tagebuch. Lebendig geschrieben, viele Einblicke in das jüdische „Nischendasein“ in der Frühen Neuzeit gewährend, war dieses schmale Wagenbach-Bändchen ein angenehmes, wenn auch kurzweiliges Lesevergnügen. Andererseits ein Muss für alle Geschlechtergeschichte- und Frühe Neuzeit-Interessierten.

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