Natalja Sharandak

 4,3 Sterne bei 7 Bewertungen

Lebenslauf

Natalja Sharandak wurde in Kiev geboren; Studium der Kunstgeschichte an der Akademie der Künste in Leningrad. Sie lebt als freie Autorin seit 1992 in Berlin.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Natalja Sharandak

Cover des Buches Sofja Tolstaja (ISBN: 9783458353454)

Sofja Tolstaja

(3)
Erschienen am 18.08.2010
Cover des Buches Madame Blavatsky (ISBN: 9783458175728)

Madame Blavatsky

(2)
Erschienen am 01.07.2013
Cover des Buches Dostojewskij und die Frauen (ISBN: 9783458179061)

Dostojewskij und die Frauen

(1)
Erschienen am 09.03.2022
Cover des Buches Iwan Turgenjew und Pauline Viardot (ISBN: 9783458177692)

Iwan Turgenjew und Pauline Viardot

(1)
Erschienen am 14.11.2018
Cover des Buches Lew Tolstoj (ISBN: 9783644014848)

Lew Tolstoj

(0)
Erschienen am 14.06.2022

Neue Rezensionen zu Natalja Sharandak

Cover des Buches Iwan Turgenjew und Pauline Viardot (ISBN: 9783458177692)
Sikals avatar

Rezension zu "Iwan Turgenjew und Pauline Viardot" von Ursula Keller

Sikal
Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte

Als die Sopranistin Pauline Viardot mit 22 Jahren zum ersten Mal in Russland auf der Bühne steht, sitzt der angehende Schriftsteller Iwan Turgenjew im Publikum. Die Sängerin fasziniert ihn dermaßen, dass er sein künftiges Leben zum Großteil nach ihr ausrichtet und eine tiefe Verbundenheit ein Leben lang anhält.

 

"Seit jenem Augenblick, seit jener schicksalhaften Minute, gehörte ich nur noch ihr."

 

Dass Pauline Viardot zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem viel älteren Louis Viardot verheiratet ist, dürfte die beiden nicht sonderlich gekümmert haben. Eine Ménage à trois entwickelt sich im Laufe der Zeit und bleibt zeitlebens. Turgenjew bezeichnet die Viardots als seine Familie, geht mit Louis beispielsweise auch auf die Jagd, während er dessen Frau den Hof macht.

 

Die beiden Autorinnen Ursula Keller und Natalja Sharandak haben eine lesenswerte Doppelbiographie geschrieben, in der die Verbindungen der beiden Künstler aber auch der jeweilige künstlerische Werdegang behandelt wird.

 

Pauline Viardot hätte ihren Mann für Turgenjew nie verlassen, sie konnte aber wohl auch nicht ohne den Schriftsteller leben. Für diese Zeit damals möchte man meinen, dass ein großer Skandal daraus erfolgte. Doch irgendwie scheint es, dass dieses Liebesverhältnis eine Selbstverständlichkeit hatte. Man begegnet vielen bekannten Namen, wie beispielsweise Clara Schumann, Chopin, Liszt, Flaubert, Tolstoj, Dostojewski, … - alle haben die Verbindung der beiden offensichtlich als gegeben hingenommen.

 

Man darf sich hier keine umfassende aufschlussreiche Biographie erwarten – das wäre in diesen knapp 250 Seiten auch nicht machbar. Was mich etwas gestört hat, waren viele Wiederholungen von Ereignissen und so manche Zeitensprünge, die den Lesefluss etwas gehemmt haben. Ansonsten ein sehr diskreter Einblick in diese ungewöhnliche Liebe.

 

Alles in allem ein interessant zu lesendes Doppelporträt, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

 

Cover des Buches Sofja Tolstaja (ISBN: 9783458353454)
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Rezension zu "Sofja Tolstaja" von Ursula Keller

Sokrates
Rezension zu "Sofja Tolstaja" von Ursula Keller

Ein bewegendes Buch, zumal wenn man bereits die einschlägigen Werke Tolstojs und auch das Buch „Eine Frage der Schuld“ von Tolstaja gelesen hat. Letzteres Buch wird verständlicher, denn die Biographie über Sofja Tolstaja zeigt, wie autobiographisch der von ihr geschriebene Roman ist – und ihr eigenes Buch verdeutlicht, wie schwer ihr Leben neben Tolstoi war. Den beiden Autorinnen Ursula Keller und Natalja Sharandak gelingt ein recht gutes Buch; sprachlich konnte es mich nicht in Gänze überzeugen. Für mein Empfinden war die Sprache gut, aber ihr fehlte das „gewisse Etwas“. Trotz alledem liest sich das Buch flüssig; Vorkenntnisse sollte man jedoch mitbringen, da die Autorinnen sehr häufig Bezug zu den wichtigsten Werken Tolstojs nehmen und ihre inhaltlichen Zusammenfassungen knapp ausfallen. An sich verständlich, denn es soll keine Werkeinführung gegeben werden. Das Leben Sofja Tolstajas wird ausführlich durch Tagebuchauszüge und Briefe belegt. Zum Glück hat Sofja reichlich Aufzeichnungen hinterlassen: so lassen sich die beschwerlichen Ehejahre nachvollziehen. Da Tolstoj selbst eifriger Tagebuchschreiber war, liegen auch von ihm Aufzeichnungen vor, die die Schwierigkeiten der Ehe auf das Genaueste erahnen lassen. Die zunächst positiv beginnende Ehe gerät erstmals ins Stottern, als Sofja nicht lang nach der Eheschließung Tolstojs Tagebuchaufzeichnungen aus seinen Jugendjahren lesen soll. Das ausschweifende Leben erschrickt sie, doch sie verzeiht ihm. Tolstoj jedoch versucht sein schlechtes Gewissen ob dieser Jahre durch eine rechtmäßige Ehe auszugleichen; der strebt einem Ideal entgegen, dass möglichweise allzu idealistisch war, denn schon bald nach der Eheschließung muss er erkennen, dass es so einige praktische Unmöglichkeiten gibt. Darüber hinaus muss Sofja feststellen, dass sich das Sexualleben ihres Mannes auch im fortgeschrittenen Mannesalter und in der Ehe nicht bändigen lässt; insgesamt 13 Schwangerschaften muss sie ertragen und etliche Fehlgeburten. Ihren Mann kümmern Schmerzen und Qualen nicht. Das letzte Kind will sie – mittlerweile Mitte 30 – abtreiben, allerdings weigert sich die Hebamme, nachdem sie erfahren hat, wer sich da an sie gewandt hat. Nebenbei muss sich Sofja um Haushalt und Erziehung der Kinder kümmern; ihr Mann schreibt nur und interessiert sich nicht sonderlich für praktische Dinge. Ach so: und seine Werke tippt sie ab und redigiert sie. Erleidet Tolstoj einen seelischen Zusammenbruch, schafft sie die sichere Basis – Tolstaja ist in jedweder Hinsicht der sichere Hafen in Tolstojs Leben. Er jedoch „entgleitet“ in der letzten Hälfte seines Lebens, wird zum religiösen Radikalist, der selbst Zeitgenossen absonderlich und radikal erscheint. Sofja kann hier schon lange weder emotional noch intellektuell folgen, verliert zunehmend die Verbindung zu ihrem Mann. Das Eheleben wird beschwerlich; die Kinder entfremden sich von ihr, die „Jünger“ ihres Mannes beginnen die kritische Sofja als „Problem“ anzusehen. Streitigkeiten um Besitz, Eigentum und Vermögen sowie die Rechte an seinen Werken entstehen. – Den Autorinnen gelingt durch gute Einbindung der autobiographischen Hinterlassenschaften eine gute Darstellung dieses beschwerlichen Lebens. Ich halte das Buch daher für eine gelungene Sicht auf Tolstoj und sein Werk aus der Sicht seiner Frau, die viele philosophische, religiöse und gesellschaftliche Ansichten Tolstojs in seinen Werken komplettiert und in ein bisweilen anderes Licht rückt, mithin eine andere – notwendige – Perspektive erschließt.

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