Natalka Sniadanko

 2,9 Sterne bei 22 Bewertungen

Lebenslauf

Natalka Sniadanko, geboren 1973 in Lemberg, wo sie lebt und arbeitet. Schriftstellerin, Übersetzerin, Journalistin. Ihr Debütroman "Sammlung der Leidenschaften" von 2001 erschien 2007 auf Deutsch. Übersetzungen unter anderem von Elfriede Jelinek, Günter Grass, Herta Müller und Judith Hermann aus dem Deutschen und von Czesław Miłosz und Zbigniew Herbert aus dem Polnischen. Im Frühjahr 2016 erschien bei Haymon ihr Roman "Frau Müller hat nicht die Absicht, mehr zu bezahlen" erstmals auf Deutsch, im Februar 2017 erscheint ihr Kultroman "Sammlung der Leidenschaften" bei Haymon im Premium Paperback.

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Neue Rezensionen zu Natalka Sniadanko

Wilhelm von Habsburg - Held oder Aufschneider?

Gleich vorweg, dieses Buch hat mich etwas zwiegespalten zurückgelassen, weil ich etwas anderes erwartet habe.  

Ich habe mich auf eine (Lebens)Geschichte gefreut, die das Leben des Wilhelm von Habsburg, der auch heute noch in der Ukraine verehrt wird, zum Thema hat. Eine Geschichte, die seiner Enkelin Halyna anhand von Tagebüchern und/oder Briefen erzählt werden, hätte können, da Wilhelm 1948 im Kiewer Lukjaniwska-Gefängnis gestorben ist. Dem ist leider nicht so, denn da für den historischen Wilhelm aufgrund seiner homosexuellen Neigung keine Hochzeit und keine Nachkommen im Stammbaum der Habsburger verzeichnet sind, ist jener Teil des Romans, der sich mit (s)einer fiktiven Enkelin Halyna beschäftigt, der Fantasie der Autorin entsprungen. 

Die Erzählungen von Wilhelm, der in der Ukraine auch wegen seines mit ukrainischen Mustern bestickten Hemdes, Vasyl Vyshyvanyi, genannt, werden durch Abstecher in diverse Zeiten und Orte unterbrochen. Die Kindheit als Sohn eines Erzherzoges mit zahlreichen Bediensteten und einem strengen Zeremoniell wechselt plötzlich in die sowjetische Gegenwart der 1990-er Jahre und später in in das neue Jahrtausend zu Halyna, um dann plötzlich mit Kaiser Maximilian nach Mexiko zu reisen und dort dessen Scheitern und der Exekution beizuwohnen. Zahlreiche historische Fakten werden mit eigenartigen fiktionalen Ereignissen gemischt. So wird Kaiserin Elisabeth (neben ihren Kindern Sophie, Gisela, Rudolf und Marie Valerie) ein weiteres Kind angedichtet. Diese Szene erschließt sich mit nicht und bringt die Handlung keinen Millimeter weiter.  

Der Erzählstrang der Gegenwart rund um Halyna beginnt zuerst vielversprechend, um dann in einer für mich endlos scheinenden Debatte mit Ehemann Hryz über die Erziehung des gemeinsamen Sohnes Oles sowie der Schilderung des korrupten Schulsystems zu enden.  

Da ich gerne mehr über diese schillernde Figur erfahren möchte, werde ich wohl „Der rote Prinz. Die geheimen Leben des Wilhelm von Habsburg“ von Timothy Snyder lesen müssen. 

Fazit: 

Diese wilde Mischung aus Heldenepos und erfundener Familiengeschichte konnte mich leider nur stellenweise fesseln. Daher gebe ich diesem ziemlich kontrovers erzählten Roman rund um Vasyl Vyshyvanyi 3 Sterne.

 

Das absolute Chaos: das Wimmelbild und die verwirrenden Zeitsprünge

Analog zum sehr umfangreichen Titel des Romans „Der Erzherzog, der den Schwarzmarkt regierte, Matrosen liebte und mein Großvater wurde“, der mich beim ersten Anblick sehr neugierig gemacht hat, habe ich das Werk sogleich im selben Stil umgetauft, um mit meiner Headline gleich mit dem Finger in die Schwächen zu bohren und auf meine Probleme mit der Geschichte hinzuweisen.

Ich liebe ja epische Familienromane über mehrere Generationen, lese auch jedes Jahr extrem viel in diesem Genre und habe punktgenau davor zwei großartige Werke von Judith Fanto und von Daphne du Maurier kennenlernen dürfen. Der wesentlichste kritische Erfolgsfaktor von Mehrgenerationenromanen ist es, der Leserschaft Struktur zu geben, damit sie sich quer über die Zeiten und Personen im Plot zurechtfindet. Das kann durch aufgezeichnete Familienstammbäume realisiert und sollte unbedingt durch logisch gut strukturierte, einheitliche, möglichst sparsam eingesetzte Handlungsstränge mit homöopathisch angewandten Zeitsprüngen verwirklicht werden.

In dieser Geschichte war das Motto, anstatt Unterstützung anzubieten, bedauerlicherweise möglichst viel Verwirrung zu stiften: Zu viele Erzählstränge in unterschiedlichen Zeiten, die exzessiven Zeitensprünge zu abrupt und zu bunt gemischt, innerhalb der stroboskopartig servierten Handlungsstränge auch noch Rückblenden in andere Zeiten, zusätzlich noch jeden Furz von Nebenpersonen in die Handlung reingenommen, die wenig zum Plot beitragen und kein Familienstammbaum als kleine strukturelle Hilfe wird angeboten, sodass ein unentwirrbares Wimmelbild und ein absolutes Tohuwabohu entsteht. Der Roman hat ein bisschen etwas von Hundert Jahre Einsamkeit, fokussiert aber nicht die Stärken des Romans, die im Fantastischen Realismus begründet sind, sondern widmet sich ausschließlich dem Umstand, die Schwächen ganz massiv zu kopieren. Dieser Umstand ist auch darin begründet, dass der im Titel erwähnte Erzherzog tatsächlich einem historisch fast nicht relevanten Seitenarm der weitverzweigten und kinderreichen Habsburger entstammt, dessen Eltern auch Maria Theresia und Karl Stephan heißen aber nicht die Maria Theresia und der Karl Stephan sind. DAS ist die Analogie zu Gabriel García Márquez preigekröntem Roman. Alle heißen quer über die Generationen oft gleich mit dem Vornamen und das kombiniert mit permanenten Zeitsprüngen ließ mich als Leserin völlig konfus zurück. Ok, macht man sich die Mühe, diesen historisch nicht so wichtigen und noch nie gehörten Habsburger Willhelm den Bestickten zu googeln, bekommt man einen Familienstammbaum, aber so etwas sollte im Buch stehen und nicht erst durch ausführliche Sekundärrecherche zugänglich gemacht werden. https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Franz_von_Habsburg-Lothringen

So waren mir die Figuren und das Chaos von Anfang an verhasst und ich konnte auch kaum eine Beziehung zu den Protagonisten aufbauen, weil bis zu zwei Dritteln des Buches alles so wirr war. Als ich endlich ein bisschen durch die Familienzusammenhänge blickte, hatte mich sowohl die Gesamthandlung verloren, als auch waren mir die beschriebenen Figuren total egal. Was halt dann schlussendlich bleibt, sind ein paar witzige Anekdoten, wie zum Beispiel jene, dass eine deutsche Kellnerin Österreicher beim Bestellen eines Wienerschnitzels als Trockenesser bezeichnet, weil sie das Schnitzel nicht mit Tunke bestellen und ein paar mäßig interessante politische Informationen über die Ukraine (Galizien) während der Habsburgerzeit.

Fazit: Total chaotischer Roman, von mir gibt es keine Leseempfehlung. Eigentlich sehr schade, denn in dieser Geschichte wäre mehr drin gewesen.

Familiengeschichte quer durch Europa, hin und zurück

In Ihrem Roman "Der Erzherzog, der den Schwarzmarkt regierte, Matrosen liebte und mein Großvater wurde" bewegen wir kreuz und quer durch die Geschichte von Erzherzog Wilhelm von Habsburg.

Dabei erhalten wir nicht nur Einblicke in das Leben von Wilhelm, sondern auch in das seiner Frau, seiner Enkelin und engerer Vertrauter.

Was Wilhelm hier vor allem auszeichnet sind seine teilweise sprunghaften Gedanken. In vergleichbarer Weise ist auch dieser Roman verfasst. Eben noch im Jahr 2000 springen wir plötzlich zurück in das Jahr 1943. Dabei erfährt man als Leser einiges Interessantes und (für mich zumindest) neues aus den europäischen Adelshäusern, Revolutionen, Aufstieg und Zerfall so mancher Monarchie und viele andere spannende Ereignisse europäischer Geschichte. Hierbei um Fokus vor allem das Land Ungarn.

Der sprunghafte Erzählstil und die teilweise sehr langen Sätze machen das Buch zu einem sehr anspruchsvollen Lesevergnügen, für das man sich auch ausreichend Zeit und Ruhe nehmen sollte.

Gespräche aus der Community

Cover des Buches Der Erzherzog, der den Schwarzmarkt regierte, Matrosen liebte und mein Großvater wurde
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Ein totgeglaubter Erzherzog wird zur Schwarzmarktlegende, seine Enkelin steckt mitten in der Lebenskrise – und dich katapultieren wir ins 19. Jahrhundert und wieder zurück!

94 BeiträgeVerlosung beendet
Cover des Buches Sammlung der Leidenschaften
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Zwischen Culture-Clash und Gender-Gap - ein multikultureller Roman und ein Angriff auf die Lachmuskeln!

Erste Liebe, erstes Glück? Da hat sich die junge Olessja gehörig geschnitten. Ausgerechnet in den uncoolen Mitschüler und Bücherwurm Tolja verliebt sie sich, und der wagt es auch noch, ihre Liebe nicht zu erwidern. Eine schmachvolle Niederlage! Doch Olessja ist intelligent und selbstbewusst. Sie beginnt sich ernsthafte Gedanken über Leben, Liebe, Leidenschaften zu machen und beschließt, der Übersicht halber eine "Sammlung der Leidenschaften" anzulegen - eine höchst amüsante Studie der ukrainischen Gesellschaft unter besonderer Berücksichtigung des männlichen Teils. 

 

Charmantes Spiel mit Klischees verschiedenster Art

Ob Bücherwurm, Heavy-Metal-Rocker, Mathedozent oder verarmter Adliger: Die selbstbewusste junge Olessja verleibt sie alle ihrer einzigartigen Sammlung der Leidenschaften ein. Was in Lemberg seinen Anfang nahm, führt Olessja in Freiburg im Breisgau fort. Was dabei herauskommt? Ein charmantes Spiel mit Klischees der Nationalitäten, Kulturen und Geschlechter, dass der Leser nur so staunt. In Olessjas Liebesleben geht es indes munter weiter auf und ab. 


Natalka Sniadankos Debüt hat in der Ukraine längst Kultstatus erlangt

Mit Charme und viel Humor unterhält sie in ihrem Roman mit den "Geheimnissen des männlichen Herzens", der "Crux des vorehelichen Sex", mit "Windows für Unhöfliche" und einer "Gebrauchsanweisung für eine echte Galizierin" sowie mit einem Diskursversuch zum "Thema Leidenschaft im gesamtnationalen Kontext". Ein multikultureller Roman, der die Lachmuskeln von Lesern beiderlei Geschlechts ordentlich strapaziert!

Pointiert, subtil, komisch: Macht euch Natalka Sniadankos furiosen Roman zu eurer höchst eigenen Leidenschaft und gewinnt jetzt eines von 5 Exemplaren des ukrainischen Kultromans!

Bewerbt euch einfach bis zum 20.2. mit Klick auf den "Bewerben"-Button!

Weitere Infos zum Buch und zur Autorin findet ihr hier.

Wir drücken euch die Daumen und wünschen viel Glück beim Gewinnspiel

Euer Haymon-Team



* Jeder der mitspielt, sollte bereit sein, im Gewinnfall eine Rezension zu schreiben und zu posten. 


** Da es sich hier um eine Buchverlosung handelt und nicht um eine Leserunde, ist eine Diskussion mit der Autorin und Moderation nicht vorgesehen. Zum Diskutieren und zum regen Austausch eurer Leseerlebnisse seid ihr aber selbstverständlich herzlich eingeladen! Wir sind schon gespannt auf eure Erfahrungen und Eindrücke mit dem Roman!

59 BeiträgeVerlosung beendet

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