Natascha Wodin

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Autor von Sie kam aus Mariupol, Nachtgeschwister und weiteren Büchern.

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Nachtgeschwister

Neu erschienen am 20.11.2018 als Taschenbuch bei ROWOHLT Taschenbuch.

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Sie kam aus Mariupol

Sie kam aus Mariupol

 (29)
Erschienen am 21.08.2018
Nachtgeschwister

Nachtgeschwister

 (10)
Erschienen am 08.02.2011
Irgendwo in diesem Dunkel

Irgendwo in diesem Dunkel

 (2)
Erschienen am 21.08.2018
Die gläserne Stadt

Die gläserne Stadt

 (1)
Erschienen am 14.03.2017
Alter, fremdes Land

Alter, fremdes Land

 (1)
Erschienen am 28.08.2014
Nachtgeschwister

Nachtgeschwister

 (0)
Erschienen am 20.11.2018
Sie kam aus Mariupol

Sie kam aus Mariupol

 (2)
Erschienen am 24.08.2017
Irgendwo in diesem Dunkel

Irgendwo in diesem Dunkel

 (1)
Erschienen am 26.09.2018

Neue Rezensionen zu Natascha Wodin

Neu

Rezension zu "Irgendwo in diesem Dunkel" von Natascha Wodin

aber jedes Mal spürte ich, dass sich irgendwo in diesem Dunkel der Schlüssel zu ihrem Leben verbarg
sabatayn76vor einem Monat

‚aber jedes Mal spürte ich, dass sich irgendwo in diesem Dunkel der Schlüssel zu ihrem Leben verbarg. Alles schien von Anfang an um dieses Geheimnis zu kreisen, und weil das Eigentliche unaussprechlich war, war bei uns immer alles unaussprechlich gewesen, schon die simpelste, belangloseste Wahrheit war so etwas wie Gift, das auf keinen Fall in den Mund genommen werden durfte.‘ (CD 1 , Track 8)

Im Jahre 1989 kehrt die Ich-Erzählerin zur Beerdigung ihres Vaters in ihre alte fränkische Heimat zurück, wo sie in den 1950ern und 1960ern aufgewachsen ist. Ihr Vater kam 1944 mit seiner Ehefrau aus dem südukrainischen Mariupol als Zwangsarbeiter nach Deutschland, fühlte sich in diesem fremden Land jedoch nie zugehörig und nie heimisch. Und ebenso geht es seiner Tochter, die in der Schule angefeindet und ausgestoßen wird, die in Deutschland lange nicht Fuß fassen kann.

In ‚Irgendwo in diesem Dunkel‘ erzählt Natascha Wodin vom Leben ihres Vaters - vom Verlassen der ukrainischen Heimat, von Zwangsarbeit in Deutschland, von seiner Malaria und seinem Alkoholismus, von seinem Sterben und seinem Tod - und von ihrem eigenen Leben - von der Zeit im katholischen Kloster, vom frühen Tod der Mutter, von körperlichem und sexuellem Missbrauch, von Obdachlosigkeit.

Ich kenne ‚Sie kam aus Mariupol‘, Wodins Buch über ihre Mutter, noch nicht, obwohl es bereits in meinem Regal steht und ich nach der Lektüre von ‚Irgendwo in diesem Dunkel‘ sehr neugierig auf Wodins Erstling geworden bin.

Ich empfand die Schilderungen von Wodins trauriger und düsterer Kindheit und Jugend, die geschickt mit dem Leben ihres Vaters verbunden wurden, als sehr eindrücklich erzählt, oft bewegend und durchweg gelungen.

Der Erzählstil Wodins ist sehr lebendig und eindringlich, psychologisch überzeugend und mitreißend. Was ich jedoch als sehr anstrengend erlebt habe, war die weinerliche Stimme, in der das Hörbuch von Martina Gedeck gelesen wurde. Andere mögen diese Stimmlage als besonders emotional und zum Hörbuch passend empfinden, aber ich hatte wirklich Schwierigkeiten, dem Hörbuch zu lauschen, weil mir die Stimme zu klagend und zu plakativ erschien.

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Rezension zu "Irgendwo in diesem Dunkel" von Natascha Wodin

Schweigen
Buecherschmausvor 4 Monaten

„Ich schaue sie lange an hinter der Scheibe, bis es dunkelt, bis das Friedhofstor abgeschlossen wird und ich gehen muss. Ihr Gesicht ist fern und verschlossen, es verrät nichts von den Umständen ihres Sterbens, nichts davon, warum sie uns, meine Schwester und mich, doch nicht mitgenommen hat, warum sie am Ende allein gegangen ist.“
So endete Natascha Wodins im letzten Jahr erschienener und mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichneter Roman „Sie kam aus Mariupol“. Darin erzählt sie vom Leben ihrer Mutter, über das sie erst durch mühevolle Recherchen und nur bruchstückweise etwas erfahren hat. Denn die Mutter ging 1956, als Natascha Wodin gerade mal zehn Jahre alt war, ins Wasser der Regnitz, dem Fluss, an dem die fränkische Kleinstadt liegt, Wohnort der als ehemalige russische Zwangsarbeiter nach dem Krieg zu „Displaced Persons“ gewordenen Eltern. Die Suche nach Spuren dieser sehnlichst vermissten Mutter schilderte Wodin äußerst bewegend und schloss mit eben jenem Bild des kleinen Mädchens vor dem aufgebahrten Leichnam.
Über dreißig Jahre später, im Jahr 1989 und zu Beginn ihres neuen Buchs „Irgendwo in diesem Dunkel“ ist Natascha Wodin wieder auf dem Weg ins Mittelfränkische, diesmal zur Beerdigung ihres sehr alten Vaters. Der Vater, im „Mutterbuch“ nur mehr eine Randerscheinung, war ein verbitterter, brutaler Mann, zwanzig Jahre älter als die Mutter. Ein Mann, der sein Leben lang nur Gewalt erfahren hatte – russischer Bürgerkrieg, schreckliche Hungernöte, Terror und Verfolgung in der Stalinzeit, Verschleppung als Zwangsarbeiter nach Deutschland und nach Ende des Zweiten Weltkriegs als Displaced Person und Russe von den Deutschen gedemütigt und verachtet. Und der den Rest seines Lebens diese Gewalt und seine Verzweiflung weitergegeben hat.
Eine Rückkehr ins stalinistische Russland wäre für ihn einem Todesurteil gleichgekommen. Aber auch in Deutschland, der neuen „Heimat“ fasste der Vater niemals Fuß, weigerte sich zeitlebens die Sprache zu lernen, Kontakte zu knüpfen. Er war ein Trinker und ein Mann, der seine Frau und Tochter regelmäßig brutal verprügelte. Einer, der nach Ansicht von Natascha die Mutter in den Selbstmord trieb, nach deren Tod die kleinen Töchter ins Waisenhaus brachte, die pubertierende Natascha wochenlang einsperrte, misshandelte, schließlich vor die Tür setzte, und sie damit zur Obdachlosen machte.
Natascha Wodin leugnet an keiner Stelle den Hass, den sie bis heute auf ihren Vater hegt, es gibt für sie bisher kein Verzeihen.
Und doch ist der Ton, in dem sie hier darüber schreibt, ein ganz anderer als in ihrem vor fast dreißig Jahren erschienenen Buch „Einmal lebt ich“, das sich bereits mit ihrer Kindheit und Jugend auseinandersetzte und auf das sich „Irgendwo in diesem Dunkel“ explizit bezieht. Es ist, wenn nicht versöhnlicher, so doch voll Bemühen, diesen rätselhaften Mann, ihren Vater, zu verstehen. Es ist kühler, sachlicher, lakonischer erzählt. Es gibt im Gegensatz zu „Sie kam aus Mariupol“ keinerlei neue Recherchen zum Leben ihres Vaters. Natascha Wodin weiß nahezu nichts über seine vierzig Jahre in Russland. Außer, dass er nach dem Tod seiner Eltern wohl ein Straßenkind war und dass er vor der Begegnung mit der Mutter in der Ukraine bereits eine jüdische Frau und zwei Kinder hatte, die er in Russland zurückließ. Alles andere verschwindet „irgendwo in diesem Dunkel“. Und es scheint die Autorin auch nicht so dringlich zum Aufdecken dieser weißen Flecken in seinem Leben zu treiben wie bei der Mutter. Zwar lebte der Vater noch sehr lange, geredet hat er allerdings nie. Mit niemanden. Auch der Onkel, den Natascha Wodin in Russland ausfindig macht, möchte nichts sagen. „Wenn er dir nichts erzählt hat, werde ich dir auch nichts erzählen.“
Es mangelt an Informationen und Wodin versucht auch nicht, das Leben des Vaters herbei zu fantasieren. Sie lässt es als die Leerstelle stehen, die es für sie zeitlebens war. Das lässt den Fokus des Buches automatisch mehr auf sie selbst in ihren Kinder- und Jugendjahren rücken.
Das Gefühl des Ausgestoßenseins als „Russenkind“, als „Russenlusch“, der Hass, der ihr von vielen Deutschen entgegenschlug, die sowohl unter Hitler als auch nach 1945 im Kalten Krieg Russen immer nur als Feindbild kennenlernten, verletzte das Mädchen sehr. Ihre Gettoisierung in „den Häuser“, wo alle Displaced Persons zusammen untergebracht wurden, gleich neben den „Zigeunerbaracken“ - diese Zeit hat bei Natascha Wodin ebenso große Wunden gerissen, wie die Gewalt und die Demütigungen, die sie von ihrem Vater erfuhr. Ihre Zeit als Streunerin, eine brutale Vergewaltigung, eine daraus resultierende Schwangerschaft, der selbst durchgeführte Abbruch derselben – das sind brutale, kaum zu ertragende, erschütternde Episoden. Episoden, die Natascha Wodin dicht, intensiv, aber völlig unpathetisch erzählt. Und die gerade dadurch eine umso größere Wirkung erzielen.
Nein, ein Verzeihen kann es da wohl nicht geben. Aber Natascha Wodin wusste um die unendliche Einsamkeit, die ihren Vater für den Rest seines Lebens umgab, auch wenn sie sich in seinen letzten Lebensjahren im Altersheim um ihn kümmerte. Auch ihr gegenüber hat er sein Schweigen niemals aufgegeben. Ein Schweigen, das die ganze Umgebung, ja in gewisser Weise ganz Deutschland umfasste. Und das Natascha Wodin zur Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit geradezu zwang. Als Akt der Selbstvergewisserung.
Kein Verzeihen, aber am Ende die Überzeugung, dass der Mensch immer das weitergibt, was er selbst erlebt hat. Und das war beim Vater eben Gewalt und Schweigen.
Wie man sich daraus befreien kann, wieviel Glück man dafür aber auch benötigt, das beschreibt Natascha Wodin in ihrem beeindruckenden autobiografischen Roman „Irgendwo in diesem Dunkel“.

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Rezension zu "Sie kam aus Mariupol" von Natascha Wodin

Spurensuche
MilaWvor 10 Monaten

Natascha Wodin begibt sich auf die Suche nach der Vergangenheit ihrer Mutter, die Selbstmord beging. Sie weiß, dass ihre Eltern als Ostarbeiter aus Mariupol kamen, aber der größte Teil ihrer Vergangenheit liegt im Dunkeln. Das Buch ist in drei Teile eingeteilt. Zunächst sucht sie im ersten Teil vom heimischen Computer aus mit Hilfe eines Ahnenforschers nach Hinweisen. Zufällig stößt sie auf eine Spur und kann im zweiten Teil aus der Sicht ihrer Tante erzählen. Im dritten Teil trägt sie die Informationen über ihre Mutter zusammen.

Die Suche gleicht einem Krimi. Die Verwandtschaft der Autorin ist wirklich mehr als ungewöhnlich. Enttäuschte Liebe, Mord, Adelige, die ihre Stellung verloren haben, Zwangslager in der Sowjetunion und in Deutschland, Hunger, allgegenwärtige Gewalt… Daraus hätte man einen historischen Roman machen können, aber Natascha Wodin entscheidet sich für eine eher dokumentarische Vorgehensweise, indem sie ihre Suche chronologisch darstellt. So wird das Hinzugedachte auf ein Minimum reduziert und man begleitet Natascha Wodin auf ihrer fast detektivischen Suche und ist ganz nah bei ihr. Man starrt selbst auf die Fotos der Familienmitglieder und versucht die Geschichte, die sich hinter dem Bild verbirgt, zu ergründen. Nur schade, dass die Bilder so klein sind, dass man nicht viel erkennt. Das hätte man vielleicht anders lösen können.

Der erste und letzte Teil sind natürlicherweise recht weit weg von den Figuren, da sie größtenteils auf Vermutungen basieren bzw. die Suche thematisieren. Besonders den zweiten Teil habe ich als emotional packend empfunden, gerade die vielen Details, die die Geschichte so real machen und das Grauen so greifbar. Manchmal musste ich ob der Grausamkeiten doch schlucken und das Buch eine Weile weglegen. Ein sehr wichtiges Buch über das Schicksal der Ostarbeiter in Deutschland, das selten angesprochen wird, aber auch über die Geschehnisse in der Ukraine während der Revolution und in der Zeit danach.

An diese Erzählweise muss man sich erst gewöhnen, aber man wird mit einem sehr bewegenden, vielschichtigen und ungewöhnlichen Leseerlebnis belohnt, das keine einfachen Lösungen anbietet. Zugleich eine sehr erschütternde Geschichte über die Vernichtung von Menschen im Krieg durch Hunger, Zwangsarbeit und Deportation.

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