Natascha Wodin

 4,1 Sterne bei 156 Bewertungen
Autor von Sie kam aus Mariupol, Nastjas Tränen und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Natascha Wodin

Natascha Wodin, 1945 als Kind sowjetischer Zwangsarbeiter in Fürth/Bayern geboren, wuchs erst in deutschen DP-Lagern, dann, nach dem frühen Tod der Mutter, in einem katholischen Mädchenheim auf. Auf ihr Romandebüt "Die gläserne Stadt", das 1983 erschien, folgten etliche Veröffentlichungen, darunter die Romane "Nachtgeschwister" und "Irgendwo in diesem Dunkel". Ihr Werk wurde unter anderem mit dem Hermann-Hesse-Preis, dem Brüder-Grimm-Preis und dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet, für "Sie kam aus Mariupol" wurde ihr der Alfred-Döblin-Preis, der Preis der Leipziger Buchmesse und der Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil 2019 verliehen. 2022 wurde sie mit dem Joseph-Breitbach-Preis für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet. Natascha Wodin lebt in Berlin und Mecklenburg.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Nastjas Tränen (ISBN: 9783499006999)

Nastjas Tränen

 (15)
Erscheint am 14.02.2023 als Taschenbuch bei ROWOHLT Taschenbuch.

Alle Bücher von Natascha Wodin

Cover des Buches Sie kam aus Mariupol (ISBN: 9783499290657)

Sie kam aus Mariupol

 (55)
Erschienen am 21.08.2018
Cover des Buches Begrabt mich hinter der Fußleiste (ISBN: 9783453405738)

Begrabt mich hinter der Fußleiste

 (29)
Erschienen am 05.02.2009
Cover des Buches Nastjas Tränen (ISBN: 9783499006999)

Nastjas Tränen

 (15)
Erscheint am 14.02.2023
Cover des Buches Der Rest war Schweigen (ISBN: 9783596305995)

Der Rest war Schweigen

 (16)
Erschienen am 15.12.2015
Cover des Buches Tod und ein bißchen Liebe (ISBN: 9783596306015)

Tod und ein bißchen Liebe

 (13)
Erschienen am 15.12.2015
Cover des Buches Nachtgeschwister (ISBN: 9783442741274)

Nachtgeschwister

 (11)
Erschienen am 08.02.2011
Cover des Buches Die Stunde des Henkers (ISBN: 9783596306008)

Die Stunde des Henkers

 (10)
Erschienen am 15.12.2015
Cover des Buches Irgendwo in diesem Dunkel (ISBN: 9783499274497)

Irgendwo in diesem Dunkel

 (9)
Erschienen am 28.01.2020

Neue Rezensionen zu Natascha Wodin

Cover des Buches Nastjas Tränen (ISBN: 9783499006999)
Nils avatar

Rezension zu "Nastjas Tränen" von Natascha Wodin

Man hat ihr die Welt genommen
Nilvor 2 Monaten

„Bestand Freiheit, die sie so ersehnt hatte, etwa darin, dass man keinen Schutz mehr besaß, dass man niemanden mehr etwas anging, dass es für niemanden mehr eine Rolle spielte, ob man am Leben blieb oder starb?“ (S. 34)

Natascha Wodin verknüpft die Realität mit der Fiktion und schreibt aus ihrer Sicht über eine Ukrainerin, der sie zunächst als Putzfrau in Berlin begegnet um dann über die Jahre eine enge Bindung zu ihr zu bekommen. Da Natascha Wodin selbst von durch ihre Eltern eine ukrainische Prägung hat, auch wenn sie dort nie lebte, ist dies ein Roman in dem sich zwei ungleiche Gleiche begegnen.

„Es war immer sonderbar, wenn ein Ukrainer zufällig einen anderen Ukrainer im Ausland traf. Man sah Ihnen beiden nicht an, wo sie herkommen, aus was für einem armseligen, verwahrlosten Winkel der Welt, sie liefen im Westen herum wie alle anderen auch, aber die Augen eines ukrainischen Gegenübers konnte man nicht täuschen – sie sahen die Wahrheit, und es war, als ertappt man sich gegenseitig bei der Vorspiegelung falscher Tatsachen, bei einer Hochstapelei.“ (S. 108)

Der Roman spielt im Berlin der 90er Jahre und die Zeit rinnt dahin. Die Protagonistin kommt nach dem Zerfall der Sowjetunion nach Berlin und lebt bei ihrer Schwester und verdient so viel Geld wie möglich um ihren Enkelsohn in der Heimat zu ernähren, der für diese Zeit beim Ex-Mann unterkam. Alles ist höchst-pragmatisch, sie schuftet für die in der Heimat und gibt sich fast selbst auf.

Eine großartige Prosa, so melancholisch und doch so leicht zu lesen. Ich habe jede Seite genossen trotz der prekären Erläuterungen. Es bringt einem Nahe, was doch den meisten so fern ist.

„Ich war es müde, in einem ständigen Spagat zu leben, alles doppelt denken zu müssen, russisch und deutsch, immer alles mit zweierlei Maß messen zu müssen und nie zu wissen, welches Maß eigentlich das meine war.“ (S. 48)

Das Einzige was ich Natascha Wodin ankreide ist die Verwechslung von Britz im Roman, hier müsste überall Rudow stehen. Das beschrieben passt nicht zur sonst so richtigen Berliner Realität zusammen. Der trostlose Stadtrand mit Feldern ist Rudow nicht Britz!

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Cover des Buches Sie kam aus Mariupol (ISBN: 9783499290657)
bigpandas avatar

Rezension zu "Sie kam aus Mariupol" von Natascha Wodin

Wie viel Leid kann ein einzelner Mensch ertragen?
bigpandavor 6 Monaten

Die Autorin begibt sich auf die Suche nach ihrer Familie von der sie nur vage Erzählungen kennt. Als Zwangsarbeiter kamen ihre Eltern während des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland nachdem sie schon viel Leid in ihrem Leben erfahren mussten. Es ist sehr bewegend, wie die Autorin ihr eigenes wie auch das Schicksal ihrer Eltern beschreibt und die Recherche nach ihren Vorfahren berichtet. 

Kommentare: 2
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Cover des Buches Nastjas Tränen (ISBN: 9783839819197)
Welterleserins avatar

Rezension zu "Nastjas Tränen" von Natascha Wodin

Ein besonderes Hörbuch!
Welterleserinvor 6 Monaten

Nastjas Tränen von Natascha Wodin ist ein großartiges Buch! Über die Ukraine gibt es aus traurigem Anlass aktuell viel zu lesen. Die Geschichte dieses Landes und der ehemaligen Sowjetunion im letzten Jahrhundert besser kennenzulernen, von der Zeit des zweiten Weltkrieges bis in die 90er Jahre ist unglaublich interessant und aufschlussreich und ergänzt die aktuelle Berichterstattung. 

Im Mittelpunkt des Romans steht Nastja, eine Bauingenieurin aus Kiew, die nach dem Zerfall der Sowjetunion nach Berlin kommt, weil sie als Bauingenieurin in der damals völlig bankrotten Ukraine nichts mehr verdienen kann. Ihr letztes Gehalt wird ihr in Form eines Sackes Reis ausbezahlt. Weil sie aber auch ihren Enkel versorgen muss, beschließt sie, in den Westen aufzubrechen, um dort das nötige Geld zu verdienen. Jahre zuvor ist ihre einzige Tochter denselben Weg gegangen. Die Lektüre macht wieder einmal deutlich, wie viele Menschen nicht in ihrer Heimat bleiben können und dass sie diese niemals leichtfertig verlassen.   

Zunächst mit einem Touristenvisum, schließlich illegal, lebt sie bei ihrer Schwester im Wohnzimmer und schlägt sich als Putzfrau durch. Dabei lernt sie die Erzählerin des Romans kennen, die – ohne Namen unverkennbar autobiographische Züge hat, da sie wie die Autorin russisch-ukrainische Wurzeln hat und als Übersetzerin russischer Literatur arbeitet. Und hier geschieht gleich bei einem der ersten Treffen der titelgebende Vorfall, der ansonsten sehr untypisch für Nastja ist: Beim Anhören eines ukrainischen Liedes bricht sie in Tränen aus. Die Erzählerin kehrt damit zu den Schrecken ihrer eigenen Kindheit zurück, da ihre im Zweiten Weltkrieg zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppte Mutter diese Entwurzelung nie verkraftet hat. 

Die Geschichte wiederholt sich: An Nastjas Leben werden nun Themen wie Zwangsarbeit, Deportation, Displaced Persons, Entwurzelung und Migration vermittelt. Die einerseits sachlich-nüchterne Darstellung, aber dennoch poetische Sprache bewirken, dass man der Protagonistin Nastja sehr nahekommt und großen Anteil an ihrem Leben nimmt. Der Kulturschock, den Nastja erlebt und der sich vor allem beim Thema Essen manifestiert, ihre Erfahrungen in der Diktatur und die damit verbundene Angst vor Behörden, das Ertragen von Entbehrungen aller Art und das Gefühl der Minderwertigkeit werden authentisch und eindrucksvoll beschrieben. Beim Lesen des Textes trifft Martina Gedeck genau den richtigen Ton, deshalb von mir eine klare Hörempfehlung! 

 

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