Natasha Walter

 4.1 Sterne bei 25 Bewertungen
Autor von Living Dolls, The New Feminism und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Natasha Walter

Natasha WalterLiving Dolls
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Living Dolls
Living Dolls
 (24)
Erschienen am 01.05.2012
Natasha WalterThe New Feminism
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The New Feminism
The New Feminism
 (1)
Erschienen am 22.01.1998
Natasha WalterOn the Move
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On the Move
On the Move
 (0)
Erschienen am 01.09.2000
Natasha WalterLiving Dolls: The Return of Sexism
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Living Dolls: The Return of Sexism
Living Dolls: The Return of Sexism
 (0)
Erschienen am 26.05.2011

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Rezension zu "Living Dolls" von Natasha Walter

Rezension zu "Living Dolls" von Natasha Walter
Mario_Veraguthvor 4 Jahren

Wie andere Bereiche der positiven Gesellschaftstransformation kam auch der Feminismus in den 70er und 80er Jahren zu einer Hochblüte, die sogar zu vorurteilsfreien und gleichberechtigten Spielkonzepten in der Kindererziehung und einem Abrücken von Klischees, Rollenbildern und Stereotypen führte. Leider muss rückblickend betrachtet von einer ernüchternden bis deprimierenden Bilanz gesprochen werden.

Nicht nur, dass sich die Unterdrückung und Verdinglichung des weiblichen Geschlechts in subtilerer und besser zu vermarktender Form in das Bewusstsein der Menschen geschlichen hat. Viel mehr fördern die emsigen Meinungsmacher eine Toleranzentwicklung für Dinge, die früher undenkbar gewesen wäre. Denn um der Sexualisierung von Kindheit und Jugend zur Konditionierung auf angebliche geschlechtsspezifische Verhaltensmuster ein ehrbares Gewand zu geben, wird es als freie und individuelle Entscheidung verkauft. Also soll die neue Form der Gleichberechtigung aus der Farbe Pink, der Salonfähigkeit von Stangentanz und der Verherrlichung oberflächlicher Filmsternchen bestehen.

Ungünstig nur, dass die so generös offerierte Berechtigung zu permanenten Modewahn, Schminkfetisch und oberflächlicher Prinzessinenwelt zwar der Traum der narzisstischen Opportunistinnen, dafür aber das Gefängnis von individuellen und kritischen jungen Frauen und Mädchen wird. Wenn promiskuitives und von Jugendwahn geprägtes Denken und Handeln zum Ideal erhoben wird, freuen sich vor allem die Vermarkter von Kleidung, Tand und darauf vorbereitendem Spielzeug.

Denn frei über die Köpfe der involvierten Personen hinweg angenommen, nutzt die lebenslängliche und nicht zu gewinnende Hatz auf perfektionierte Oberflächlichkeit und sinnentleertem Innenleben vor allem Handel, Wirtschaft und ewigem Wachstum. Wo käme man mit einer Majorität der Einkaufsasketen hin? Gar in eine Postwachstumsökonomie samt nachhaltiger, verantwortungsbewusster Wirtschaftsweisen. Nicht auszudenken.

Also darf ruhig auch Softpornografie durch Werbung, Musik, Film und Fernsehen zusehends als tolerierbar und Zeichen eines modernen Denkens gewertet werden. Denn, und das ist durchaus gewitzt, wer sich darüber brüskiert, gilt automatisch als prüder und unterhaltungsfeindlicher Miesmacher aus vorsintflutlichen Zeiten.

Bei echter, harter Pornografie, die noch nicht ganz so verharmlosend dargestellt werden kann, liegt das Problem im schlichten Totschweigen der Tatsache, dass durch die Verbreitung des Internets und Smartphones jedes Kind mit Dingen konfrontiert wird, zu denen früher teils nicht einmal Erwachsene Zugriff hatten. Wie sich das Beziehungsbild dieser Generation definieren wird, das durch Videos voll tiefster Frauenverachtung und gewalttätigen, entmenschlichenden Darbietungen ohne Gefühl geprägt wird, bleibt abzuwarten.

Ironischerweise gehörten die neokonservativen, fundamentalistischen Gruppierungen, die auf der anderen Seite Neoliberalismus verherrlichen, zu den schärfsten Kritikern des immer zügelloseren und schnelleren Verfalls der Sitten. Es entspricht ganz ihrem schizophrenen Weltbild, eine Wirtschaftsordnung zu fördern, die derartige Auswüchse verursacht, steigert und bewusst idealisiert, während sie sich über die daraus resultierenden Konsequenzen echauffieren.

Es werden von den vielen Studien zu den spezifischen Eigenarten von Männern und Frauen vornehmlich diejenigen, die einseitige und unwissenschaftliche Schlussfolgerungen zulassen, in den Medien groß herausgebracht. Von der überwiegenden Mehrheit der, Geschlechtsunterschiede als unwesentlich bestätigenden, Untersuchungen wird dagegen kaum gesprochen.

Für ein Mädchen vom Kleinkind bis zur jungen Frau ist es der Gruppendynamik sei Dank mittlerweile schwer geworden, sich sozial ungeächtet den Trends zu verschließen. Wenn suggeriert wird, dass durch billiges zur Schau stellen und leichtlebige Moral Erfolg und Ansehen garantiert sind, bedarf es beträchtlicher Willensstärke und dem eher raren Glück eines guten Freundeskreises, um der Versuchung des billigen Glanzes zu widerstehen.

Ganz abgesehen von den Auswirkungen auf die Beziehungen und späteren Mutterrollen und Vorbildfunktionen dieser jungen Menschen.

Wenn das Ziel und unhinterfragbare Ideal eines Gesellschaftssystems darin besteht, nach den phänomenalen Erfolgen der früheren Frauenbewegungen und Gleichberechtigungsinitiativen, den Rückschritt in eine schon anachronistisch gewähnte Blau-Pinkmalerei zu forcieren, anstatt das enorme Potential der Hälfte der Bevölkerung durch Bildung und die Schaffung erstrebenswerter Vorbilder vollends nutzbar zu machen, können Zweifel an der Dünkelhaftigkeit der westlichen Industrienationen und ihrer verlogenen Moral aufkommen.

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Impas avatar

Rezension zu "Living Dolls" von Natasha Walter

Living Dolls
Impavor 5 Jahren

Zu Anfang befindet  sich die Autorin in der Spielwarenabteilung eines Kaufhauses. Hier ist sie sehr erschrocken von dem neon rosa, welches ihr aus allen Ecken und Enden entgegen schreit. Die Art und Weise wie schon kleine Mädchen von der Flugzeugindustrie zu kleinen Püppchen gemacht werden sollen schockiert. Die Autorin klärt kurz auf über einige bedeutende Szenen des Feminismus und scheut sich nicht für ihre Recherche tief ins Rotlicht- und die so genannte Glamourmodelingwelt einzutauchen. Sie unterhält sich mit Stripperinnen, Prostituierten und Nacktmodellen und befragt sie zu ihrem Selbstbild und natürlich auch zu ihrem Job. Ein paar sind nicht sehr angetan, schämen sich und wollen raus aus diesem Umfeld, nennen aber auch die Gründe die sie dazu bewegten einen Job in diesem Milieu anzunehmen. Bei einigen war es die Illusion vom schnellen und leicht verdienten Geld. Andere wollten sich ihr Studium finanzieren. Viele sind aufgewacht und sehen der unglamourösen Realität ins Auge. Andere aber finden ihren Job toll und können sich kaum etwas besseres vorstellen. Es ist zum Teil erschreckend was und wie diese Menschen aus ihrem Leben und ihrem Erfahrungsschatz berichten. Aber es sind wichtige Informationen die man für sich selbst nutzen sollte. Egal ob in der Erziehung der eigenen Kinder oder einfach nur im täglichen Umgang miteinander.

Mit fortschreitender Lektüre ergibt die zunehmende Anzahl an jungen Frauen die scheinbar jegliches Interesse an Bildung verloren hat langsam Sinn. Es ist wirklich überaus interessant zu lesen wie schon die Kleinsten der Kleinen manipuliert werden. Es werden viele Studien und Untersuchungen angeführt die viele Thesen der Autorin bestätigen. Man merkt direkt, dass es sich hier nicht um irgendwelche haltlosen Behauptungen dreht sondern, dass die Autorin sich wirklich viel Mühe gemacht hat das Thema so neutral wie Möglich zu analysieren und zu recherchieren. Außerdem lernt man ganz nebenbei noch ein bisschen Neurobiologie.

Alles in allem kann ich nur der Wertung von "Psychologie Heute" zustimmen: "Ein Kluges und wichtiges Buch."

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Rezension zu "Living Dolls" von Natasha Walter

Rezension zu "Living Dolls" von Natasha Walter
Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren

Inhalt:

Mit ihrem Buch "Living Dolls - Warum junge Frauen heute lieber schön als schlau sein wollen" versucht Natasha Walter, eine der renommiertesten und bekanntesten Feministinnen Großbritanniens, zu ergründen, wie es in unserer Gesellschaft so weit kommen konnte, wo sich doch Tausende von Frauen im ausgehenden letzten Jahrhundert für eine andere, bessere Welt einsetzten. Nach einer Einleitung, die sie mit eigenen Erfahrungen in der Konsumwelt beginnt, geht sie in Teil 1 "Der neue Sexismus" auf sechs Themen unserer Gesellschaft ein, an denen sich der Sexismus deutlich zeigt. Die Kapitel heißen zum Beispiel "Jung und süß", wo sie auf die Problematik der Anforderungen, die schon an ganz junge Mädchen gestellt werden, eingeht, "oder "Pornographie". Im zweiten Teil des Buches, "Der neue Determinismus", erörtert sie in vier Kapiteln, wie angeblich wissenschaftliche und unabhängige Studien die Unterschiede zwischen Frauen und Männern belegen. Untermauert sind ihre Aussagen und Quellen mit Fußnoten, die man am Ende des Buches nachschlagen kann. Dort finden sich auch Adressen zur weiteren Vertiefung.

Meine Meinung:

Ich habe das Buch mit großem Interesse aber auch mit ständigem Kopfschütteln gelesen: ich konnte es garnicht glauben, was uns die moderne Wissenschaft alles weismachen will, wo sie doch selbst unzulänglich oder voreingenommen arbeitet, und wie viel davon wir ihr glauben.

Zunächst erfährt der Leser von alltäglichen Ansichten über die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen, über Sex als käufliche Leistung und über Pornographie. Es wird aufgezeigt, wie junge Mädchen heutzutage ihren Körper sehen und wie sie sich von der Außenwelt unter Druck gesetzt fühlen, so oder so zu sein, dieses oder jenes zu machen. Walter lässt sowohl Pro- als auch Contra-Stimmen zu Wort kommen, wobei sich herauskristallisiert, dass viele Contra-Stimmen sich auf das angebliche Gesetz der Freiwilligkeit berufen. Frauen, die ihren Körper verkaufen, tun das freiwillig. Mädchen, die schon mit 13 Jahren ihr Erstes Mal erleben tun das freiwillig. Walter beleuchtet kritisch: Ist das wirklich so? Ist das ein Zeichen der weiblichen Freiheit?

Im zweiten Teil wird der Leser von Versuchen und Studien überschwemmt, die den biologischen Determinismus unterstützen, also die Annahme, dass alle Unterschiede zwischen den Geschlechtern auf den Genen beruhen und demnach auch nicht geändert werden könnten. So sei es absolut natürlich, dass sich Männer für Zahlen und Dinge interessieren, währen Frauen mehr an Beziehungen und Gefühlen gelegen ist. Walter zeigt auf, wie sehr sich die Medien auf diejenigen Belege stürzen, die diese Vorstellung unterstützen, auch wenn die Zahl der Versuche, die das Gegenteil oder schlicht garnichts beweisen, weit größer sind.

Dem Leser wird die Manipulation durch die Gesellschaft bewusst und man ertappt sich dabei, wie man selbst an einigen althergebrachten Rollenmodellen festhält. Es gibt sogar Tests, die beweisen, dass sich Probanden anders verhalten, wenn vorher angebliche frühere Testergebnisse bekanntgegeben werden oder wenn ihnen genau gesagt wird, was das Ziel der Studie ist. Zum Beispiel schlossen Frauen in einem Mathetest schlechter ab, wenn zuvor behauptet wurde, dass Frauen bisher immer schlechter abgeschlossen hatten als die Männer. Frauen drängten sich demnach gerade zu in das Stereotyp, das ihnen vorgegeben wurde, was natürlich das Ergebnis beeinflusst.

Ebenso wird deutlich, dass noch lange keine Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen herrscht, was an einem Versuch mit Videos belegt wurde, bei dem männliche und weibliche Berufsbwerber beim Vorstellungsgespräch um höheres Gehalt verhandeln wollten. Das Ergebnis: Männer zeigten stets weniger Bereitschaft, mit einer Frau zusammenzuarbeiten, die zu verhandeln versucht hatte (S.270). Auch daran, welche Kritik Frauen in hohen Führungspositionen hinsichtlich ihres äußeren Erscheinungsbildes entgegengebracht wird, zeigt sich, dass es noch ein langer Weg zur Gleichberechtigung ist.

Ich kann das Buch nicht hinsichtlich seines Wahrheitsgehaltes beurteilen. Die Quellen scheinen alle einwandfrei, doch ich habe sie natürlich nicht geprüft. Ich stimme auch nicht mit allem überein, was Walter vorbringt, doch ich habe das Buch gerne und großteils zustimmend gelesen. Trotz der vielen Quellen und wissenschaftlichen Belegen liest sich das Buch recht flüssig. Manchmal ergeht sich Walter in Wiederholungen, die jedoch der Thematik geschuldet und verkraftbar sind. Ein weiterer Knackpunkt ist, dass sich Walters Arbeit hauptsächlich auf Großbritannien bezieht. Aber die Problematik endet ja nicht an den Ländergrenzen. Viele der genannten Werke wurden von der Übersetzerin auch mit dem deutschen Titel angegeben und auch einige der hinten aufgeführten Adressen sind deutsch, so dass man sich als deutsche/r Leser/in nicht fehl am Platz fühlt.

Das Buch legt zwar sein Hauptaugenmerk auf die Situation der Frauen, doch dadurch ergibt sich gleichzeitig auch ein Rollenklischee für die Männer. Deshalb halte ich dieses Buch für ein tolles und wichtiges Werk für Frauen und Männer, die sich nicht in angebliche biologisch festgelegte Rollen drängen lassen möchten.

Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

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