Nathalie Weidenfeld

 3.7 Sterne bei 12 Bewertungen

Lebenslauf von Nathalie Weidenfeld

Die deutsch-französische Schriftstellerin und Dozentin Nathalie Weidenfeld wurde 1970 in Frankreich geboren, wuchs aber in Deutschland auf. Sie studierte amerikanische Literaturwissenschaft, promovierte in Kulturwissenschaften. Sie arbeitete zunächst bei Film und Fernsehen. Heute lebt weidenfeld mit ihrer Familie in München und lehrt dort an der Universität. Ihr aktueller Roman "Der Tag, an dem Mama die Krise kriegte" erscheint im September 2015 bei Knaus.

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Rezension zu "Der Tag, an dem Mama die Krise kriegte" von Nathalie Weidenfeld

Nettes Büchlein für Zwischendurch das mitunter an den eigenen Ansprüchen scheitert
Schoensittichvor 2 Jahren

Das Buch „Der Tag an dem Mama die Krise kriegte“ der Autorin Nathalie Weidenfeld erschien im September 2015 über den Albrecht Knaus Verlag. Es handelt sich um eine Hardcoverausgabe mit 144 Seiten.



Inhalt:

Leonie ist sechs Jahre alt. Sie hat einen Papa, der Platon liest und davon überzeugt ist, dass nur karge Weihnachtsbäume schön sind; eine Mama, die an Kindergeburtstagen ökologischen Nusskuchen kauft, den niemand essen will; eine kleine Schwester, die nicht redet, dafür aber Kung Fu-Meisterin ist, und eine Katze, die gerne den Kater verrückt macht, ihn aber nicht heiraten will. Kein Wunder, dass es bei Leonie zuhause meistens drunter und drüber geht und Mama mächtig genervt ist.



Cover und Gestaltung:

Das Cover ist in einem Grünton. Es zeigt ein blondes Mädchen, dass den Schminkkoffer der Mama geplündert hat und einer Schlange, die eine Krone auf dem Kopf trägt, die Lippen rot angemalt hat. Die Schlange zieht sich über den Buchrücken (eine Katze sitzt auf ihr) bis hin zum Backcover. Der Schwanz der Schlange wird hier von einem weiteren Mädchen hochgehalten. Im Buch finden sich noch einige weitere gelungene Bilder.



Story und Stil:

Das Buch ist in 12 Kurzgeschichten unterteilt, die sich mit verschiedensten Alltagssituationen befassen. Die Texte sind gut geschrieben und leicht zu lesen. Ich muss allerdings zugeben, dass bei uns der Funke nicht komplett übergesprungen ist. Zwar sind einige der Passagen wirklich lustig, aber an vielen Stellen wirkt vor allem die Beschreibung der Eltern etwas zu sehr „drüber“. Hier fehlt im Vergleich zu Jan Weiler doch die Leichtigkeit der Texte.



Fazit:

Nettes Büchlein für Zwischendurch das mitunter an den eigenen Ansprüchen scheitert.


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AnneMayaJannikas avatar

Rezension zu "Der Tag, an dem Mama die Krise kriegte" von Nathalie Weidenfeld

Jeder Tag kann eine Krise oder eine Herausforderung?
AnneMayaJannikavor 3 Jahren

Zum Cover:
Es ist ein blondes Kleinkind zu sehen, was eine Schlange schminkt und verkleidet.
Für mich ein klarer Hinweis, das in diesem Buch ein paar Absonderheiten und der witzige Alterwahnsinn auf mich wartet.

Zum Buch:
Leonie ist eine sechsjährige, die mit den Widrigkeiten des Lebens zurecht kommen muss.
Oma Musi hat Alzheimer, sagt das die Hunnen kommen und beschimpft die Nachbarn.
Mama sagt immer "Super!" und Leonie weiß, das Mama das Gegenteil meint.
Papa hat auch so seine Ansichten, steht aber mit Rat und Tat den Kindern zur Seite und auch mit Erklärungen für alles.
Und Schwester Kiki macht in Streßsituationen Kung-Fu, redet aber dafür nicht viel.

Meine Meinung:
Ich habe sehr wenig gelacht.
Alle Voraussetzungen für ein witziges Buch mit Alltagssituationen war da. Die sechsjährige Protagonisten, die selbst aus der Ich-Perspektive die Geschichten/Kapitel erzählt.
Leonies Erkenntnisse, Weisheiten und Ansichten sind ganz klasse beschrieben. Das wissbegierige kleine Mädchen, was alle Fremdworte nachfragt und auch Erklärungen bekommt.
Eine typische hohe Bildungsfamilie, aber der Funken springt nicht über.

Die nicht bastelnde Mutter, die es nicht schafft, die Kinder zu einer kindgerechten Uhrzeit ins Bett zu bringen und an Geburtstagen nicht auf die Wünsche der Kinder eingeht, finde ich eher traurig.

Der Vater, der nicht unterstützt, sondern spießig an seinen Gewohnheiten festhält.

Die Schwester, ein Zirkuskind? KungFu-Meisterin, aber doch irgendwie vergessen.

Die Großmütter - anstrengend, jede auf ihre Weise.

Vom Titel her hätte ich erwartet, das die kleinen Episoden sich hochschaukeln, bis dann der Tag kommt, an dem Mama nicht mehr kann. Dem war nicht so. Der Satz fällt, als Oma Mama bevormundet und sie dazu keine Lust hat. Dann gucken sich alle eine Runde böse und wieder lieb an und flugs ist die Krise vorbei.
Schön, wenn es so funktioniert, dann kann doch nicht schief gehen und es ist auch nicht schlimm, wenn Mama mal die Krise kriegt.
Der dargestellte Alltag ist in der Realität noch viel grausamer und dadurch anders witzig.

Fazit:
In zwei Tagen durchgelesen, aber hängen bleiben wird nicht viel.

 

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Eva-Maria_Obermanns avatar

Rezension zu "Der Tag, an dem Mama die Krise kriegte" von Nathalie Weidenfeld

Herrlich, kindisch, chaotisch, schlau
Eva-Maria_Obermannvor 3 Jahren

Protagonistin ist Leonie, sechsjährige Tochter, große Schwester, Erstklässlerin, eine wie alle. Und eben nicht. Denn Leonie kann vor dem Schulstart lesen, spielt Klavier, spricht Fremdsprachen. Leonie ist ein Kind der höheren Bildung. Darum nimmt der Leser ihr den Spagat zwischen tiefen Überlegungen und kindlichen Ansichten schnell ab, schmunzelt hier und da, lässt sich in diesen vom Erwachsenen für kindlich gehaltenen Blick auf die Welt hineinziehen.

In dem Büchlein gesammelt sind kleine Episoden, die Leonie beeinflussen, ihren Alltag prägen. Etwa, wenn die Oma aus Frankreich zu besucht ist, die Mutter plötzlich noch ein Brüderchen im Bauch hat, der verhasste Italienurlaub zum Paradies wird. Zwischen Alltag und Besonderheit pendeln diese Geschichten, wie Leonie zwischen der Stimme einer erwachsenen Autorin und kindlichen Erzählerin. Das ist interessant, lustig zu lesen und tatsächlich aus der kindlichen Sicht frei von Klischees.

Mit Leonie als Erzählerin fallen manche Punkte der typischen Mama-Literatur einfach weg. Ihr Blick auf ihre Eltern und die Umwelt ist (noch) nicht dem gesellschaftlichen Druck, was eine Mutter alles zu leisten hat, unterworfen. Leonies Mama arbeitet an der Uni (wie die Autorin – was für ein Zufall), arbeitet viel, liebt ihre Kinder trotzdem, kann nicht basteln, lässt die Kinder Klavier spielen, aber bringt sie nicht rechtzeitig ins Bett, schreit manchmal, ist genervt, gegen Zucker, für soziale Kontakte. Sie ist ein ganz normaler Mensch und trotzdem Leonies Mama.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Die Sprache ist in dieser herrlichen Mischung aus eloquentem Stil und kindlichen Bildern gemacht, die auf einer seltenen Ebene amüsiert, fesselt und die Welt in einem anderen Licht erstrahlen lässt. Mit ihrer wunderbaren Naivität und ihren  felsenfesten Überzeugungen ist Leonie ein herrlicher Charakter, der, ihrem Alter geschuldet, wandelbar ist, lernt, sich entwickelt, wie es ein guter Charakter auch soll. Und auch ihre Umwelt entwickelt sich. Ja, selbst ihre Mutter lernt noch dazu.

Mitunter wird durch diese kindliche Blume auch das ein oder andere ernste Thema angesprochen. Demenz, Fortpflanzung, Gesellschaft, Beziehungen, Psyche. Für all das ist Platz und nichts ist zu viel. Der frische Humor, der durch die Seiten weht, gepaart mit dem etwas hohen Intellekt einer Sechsjährigen, das fand ich erfrischend, lustig, aber nicht auf eine zwanghafte Art. Vielmehr auf eine Art, wie sie das Leben schreibt.

Wer mit einem Kind lachen kann, das vielleicht nicht immer nur Kind ist, der sollte zugreifen. Ich kann Der Tag, an dem Mama die Krise kriegte wärmstens empfehlen. Absolut kein Mama-Buch, sondern ein Lebens-Buch. Herrlich, kindisch, chaotisch, schlau.

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