Nathan Englander

 3,9 Sterne bei 53 Bewertungen

Lebenslauf von Nathan Englander

Unter den besten Geschichtenscheibern Amerikas: Nathan Englander, geboren 1970 in New York, wuchs auf Long Island und in West Hempstead auf. In New York und Jerusalem studierte er Englische Literatur und Jüdische Geschichte und arbeitete im Anschluss einige Zeit als Filmemacher und Fotograf.

Nebenbei schrieb er bereits Kurzgeschichten und Essays, die häufig in verschiedenen amerikanischen Magazinen und Zeitschriften veröffentlicht wurden. Einige davon wurden sogar in die jährliche Anthologie der „Best American Short Stories“ aufgenommen. Im Jahr 2000 schließlich erschien eine eigene Anthologie mit seinen Texten, sein erstes Buch „Zur Linderung unerträglichen Verlanges“.

Sein nächstes Buch erscheint erst Jahre später, da er sich für die Recherche zu seinem ersten Roman lange Zeit lässt. „Das Ministerium für besondere Fälle“ wird schließlich 2008 veröffentlicht und ebnet den Weg für Englanders Karriere als Schriftsteller vollständig. Seine Bücher erscheinen heute in über 20 Sprachen und sind mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem beispielsweise mit dem Bard Fiction Prize.

Heute lebt Nathan Englander gemeinsam mit seiner Frau und Tochter in Brooklyn, wo er stets an neuen Geschichten arbeitet.

Alle Bücher von Nathan Englander

Cover des Buches Das Ministerium für besondere Fälle (ISBN: 9783641187828)

Das Ministerium für besondere Fälle

 (24)
Erschienen am 26.10.2015
Cover des Buches Zur Linderung unerträglichen Verlangens (ISBN: 9783630621357)

Zur Linderung unerträglichen Verlangens

 (9)
Erschienen am 09.05.2008
Cover des Buches kaddish.com (ISBN: 9783442771547)

kaddish.com

 (4)
Erschienen am 11.10.2021
Cover des Buches Dinner am Mittelpunkt der Erde (ISBN: 9783630874074)

Dinner am Mittelpunkt der Erde

 (1)
Erschienen am 22.04.2019
Cover des Buches Dinner at the Center of the Earth (ISBN: 9781524732738)

Dinner at the Center of the Earth

 (1)
Erschienen am 05.09.2017
Cover des Buches The Ministry of Special Cases (ISBN: 9780571235445)

The Ministry of Special Cases

 (1)
Erschienen am 03.07.2008
Cover des Buches Haggadah (ISBN: 9780241143605)

Haggadah

 (0)
Erschienen am 22.03.2012

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Nathan Englander

Cover des Buches kaddish.com (ISBN: 9783442771547)
schokoloko29s avatar

Rezension zu "kaddish.com" von Nathan Englander

Späte Schuldgefühle
schokoloko29vor 3 Tagen

Inhalt des Buches:

Larry lebt in New York in der Werbebranche und hat sich dem orthodoxen jüdischen Glauben total abgewendet. Als sein Vater stirbt ist Larry 32 Jahre alt. Und als einziger hinterbliebener Sohn ist er dazu verpflichtet dass Kaddisch (den Totengesang) nach dem Tod seines Vaters 11 Monate  + 8x am Tag zu singen/ sprechen/beten. Ansonsten ist die Seele seines Vaters verdammt und er kommt nicht in den Himmel. Larry sieht sich dieser Aufgabe nicht gewachsen und findet im Internet eine Platform kaddisch. com. Diese hat sich auf den Totengesang der Hinterbliebenen spezialisiert. Larry überweist das Geld ung er ist glücklich von dieser Verantwortung befreit zu sein.

Zehn Jahre später ist Larry Shuli und wieder eine orthodoxer Juden. Er hat die Thora studiert ist Rabbi und unterrichtet in New York jüdische/ orthodoxe Jungen die Thora. Durch ein Schicksal eines Jungen, der seinen Vater verloren hatte, holt ihn seine Vergangenheit wieder ein. Er entwickelt Schuldgefühle, dass er seinem Vater nicht das Kaddish gesprochen hat. Seine Frau Miriam versucht ihn zu beruhigen und ist der Meinung, dass man sich auch für Verfehlungen verzeihen kann. Für Shuli entwickelt dieses Schuldgefühl so eine Eigendynamik, dass er nach Jerusalem fährt, um den Menschen zu finden, der das Internetforum leitet, damit dieser ihm wieder symbolisch das Recht als Sohn wieder übergibt. Denn man kann dieses Recht auf andere Menschen übertragen, in dem diese das Kaddisch für die Verstorenen sprechen.

Fazit:

Alles in Allem hat mir das Buch sehr gut gefallen. Es hat jüdischen Humor, der Protagonist wird nicht als fanatischer Mensch dargestellt, sondern ein Mensch mit Fehlern und  Stärken. Es  ist ein durch und durch menschlicher, warmherziger, humorvoller Roman.

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Cover des Buches kaddish.com (ISBN: 9783442771547)
vanessaliests avatar

Rezension zu "kaddish.com" von Nathan Englander

kaddish.com
vanessaliestvor einem Jahr

Once again – der Klappentext hat mich im Stich gelassen! Ich hab etwas ganz anderes erwartet, war am Ende aber nicht enttäuscht.

Nachdem Schuli (vormals der Larry aus dem Klappentext) zurück zur Religion gefunden hat macht es ihn ganz wahnsinnig, dass er seine Sohnespflicht, das Kaddisch für seinen toten Vater zu sprechen, an eine Internetseite abgetreten hat und versucht ganz verzweifelt sie zurückzubekommen. Allerdings ist das schwieriger als zuerst vermutet und er macht sich letztlich sogar auf nach Jerusalem…

Ich kenne ein paar der Basics was das Judentum angeht, bin aber bei weitem nicht so bewandert, wie das Buch es voraussetzt. Was ist ein Kaddisch? Keine Idee. Im Buch gibt es zwar ein Glossar, aber das hat mich auch nur unzureichend informiert. Wer sich also für das Buch interessiert, sollte im besten Fall kein Judentum-Noob sein, oder sich wenigstens darauf vorbereiten, den ein oder anderen Begriff nachzuschlagen.

ich hab bis jetzt ein paar Romane gelesen, die einen jüdischen Twist hatten und ich hab sie alle gerne gelesen. „kaddish.com“ war jetzt allerdings die erste Geschichte zum jüdischen Glauben hin und das fand ich spannend. Am Anfang des Buches haben wir Larry, der sich vom Glauben losgesagt hat und am Ende haben wir Schuli, der so fest an etwas glauben kann, dass er diesem Glauben alles andere unterordnet. Wenngleich ich so einen tiefen Glauben nur bedingt nachvollziehen kann und ich es zweitweise schon ein bisschen gruselig fand wie weit Schuli für diesen Glauben zu gehen bereit war und wie gefangen er in seiner selbst auferlegten Aufgabe war, war es auf der anderen Seite sehr anschaulich und nachvollziehbar von Nathan Englander geschrieben.

Ich mochte den Jist der Geschichte – es ist in Ordnung sich selbst zu vergeben, der Glaube sollte nicht dazu da sein dich einzuengen und ein paar Glasdildos hier und da können auch der ernstesten Geschichte nicht schaden.

ich hab ein bisschen was anderes erwartet und ich gebe hier dem Klappentext die Schuld, aber es war ein gutes Buch, das ich gerne gelesen habe

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Cover des Buches kaddish.com (ISBN: 9783442771547)
talishas avatar

Rezension zu "kaddish.com" von Nathan Englander

Ein schlechtes Gewissen
talishavor einem Jahr

Auf diesen Roman war ich sehr neugierig. Beim Lesen musste ich allerdings feststellen, dass nicht die im Klappentext angegebene Geschichte erzählt wird - jedenfalls nicht was der Zeitpunkt betrifft.

Nach dem Tod seines Vaters sitzt der etwa 30jährige Larry eher gezwungenermassen Schiwa und streitet sich mit seiner Schwester. Larry würde lieber anders trauern als so streng vorgegeben wie es in der talmudischen Tradition üblich ist. Am Ende der siebentägigen Trauerzeit erwartet ihn die Ansage, dass er als Sohn des Verstorbenen die Pflicht hat, für die nächsten elf Monate täglich das "Kaddisch" (eins der wichtigsten Gebete im Judentum, ähnlich dem christlichen "Vater unser") zu beten. Larry jedoch findet schnell einen Weg, dies zu umgehen und ist ganz happy mit seiner Idee: jemanden dafür zu bezahlen, wie es auf der entsprechenden Website kaddish.com angeboten wird. 

Jahre später bereut er seinen damaligen Entschluss und wird wieder fromm. Er ändert seinen Lebensstil, studiert die Thora, wird Lehrer, heiratet, hat eine Familie. Nochmals einige Jahre später - aus dem mittlerweile etwa 50 Jahre alten Larry ist Rabbi Shuli geworden - wird er an einem Anlass stark getriggert. Die zwanzig Jahre zwischen dem Tod seines Vaters und diesem Anlass ist nur kurz zusammengefasst und erst jetzt geht es eigentlich richtig los mit der Geschichte.

Seine Schuldgefühle lassen Shuli keine Ruhe mehr und er nimmt sich vor, den damaligen Jeschiwa-Schüler Chemi aufzuspüren, damit er ihm die Verantwortung für seinen verstorbenen Vater, quasi sein Geburtsrecht, was traditionell durch dem Anderen etwas in die Hand legen bestätigt wird, wieder zurück gibt.

Nun beginnt eine abenteuerliche und für die Leser, weniger für Shuli, amüsante Reise, die gleichzeitig aber auch etwas Trauriges und Tragisches an sich hat. Nathan Engländer erzählt wie Shuli sich in sein Vorhaben rein steigert, wie nicht nur seine Familie unter seinem Aktionismus leidet, sondern er sich vor lauter Besessenheit auch nicht mehr an einige seiner selbst aufgestellten Regeln wie zum Beispiel dem Thema Computernutzung hält und Schüler für ihn "arbeiten" lässt. 

Ich selbst erwartete laut Klappentext eine andere Geschichte, bzw. dass es eben um "Larry, direkt im Trauerjahr" geht und nicht um "Larry, dreissig Jahre später". Mich hätte das Trauerjahr mit einem ungläubigem Larry, der Rituale und den Glauben hinterfragt und vielleicht zu einem eigenen Glaubensverständnis findet, viel eher interessiert, als einen geläuterten Rabbi mit schlechtem Gewissen. 

Die Theologin in mir würde am liebsten eine Abhandlung über Shuli schreiben, denn der Roman birgt vieles. Shuli ist so fixiert darauf Abbitte zu leisten und den starren Regeln zu entsprechen, so dass er überhaupt nicht mehr frei ist in seinem Glauben. Das Zureden seiner Frau "Du darfst dir selbst vergeben" kann er mit seinen Schuldgefühlen als der vermeintlich verlorene Sohn nicht für sich annehmen. Er kann ihr nicht mal richtig zuhören und überhört das Friedensangebot vor lauter Gefangensein in seinem Sühnedenken. 

Obwohl die Story zwar ganz anders als erwartet war, fand ich sie schlussendlich gut durchdacht und auf eine spezielle Art witzig. Ab einem bestimmten Zeitpunkt kam ich dem Kern der Geschichte auf die Schliche und war mächtig gespannt, wie Shuli damit umgehen wird. Diesen letzten Teil mochte ich am liebsten. 

Zukünftige Leser von "kaddish.com" sollten aber unbedingt ein bisschen Ahnung vom Judentum und seinen speziellen Ausdrücken haben, sonst kann ich mir vorstellen, dass es mit dem Verständnis der diversen Rituale und Bezeichnungen enorm schwierig wird, den Zugang zu der Geschichte zu finden. Es gibt am Ende zwar ein Register, doch da müssten Leser ohne Vorwissen viel zu viel nachschlagen, um alles zu verstehen. 

Fazit: Lesenswert und unterhaltend, wenn man sich mit dem Judentum auskennt, ansonsten wohl eher schwer verständlich. 

4 Punkte. 

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