Nathan Englander Worüber wir reden, wenn wir über Anne Frank reden

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Inhaltsangabe zu „Worüber wir reden, wenn wir über Anne Frank reden“ von Nathan Englander

Ein amerikanisches Ehepaar bekommt Besuch aus Israel und verbringt mit dem ultraorthodoxen Pärchen einen geselligen Abend – bis sie am Ende das »Anne-Frank-Spiel« spielen: Wer würde dich verstecken, wenn es zu einem zweiten Holocaust käme … »Diese Erzählsammlung ist wie ein Stromschlag mitten ins Herz, mitten in den Kopf, mitten in den Leib. Das ist traumhaft schön geschrieben, mutig und provokant, bissig und zeitlos. Man muss Englander in einer Reihe nennen mit Isaac B. Singer, Raymond Carver und Alice Munro. Mit anderen Worten: Englander ist einfach einer der besten Autoren Amerikas.« COLUM MCCANN

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— Linatost

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  • Worüber wir reden, wenn wir über Anne Frank reden von Nathan Englander.

    Worüber wir reden, wenn wir über Anne Frank reden

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    30. March 2013 um 22:28

    Eine Sammlung aus Erzählungen unterschiedlicher Länge, fast ausschließlich sich mit dem Thema Judentum und jüdische Lebensrealität auseinandersetzend. Ob es nun um die Folgen strenger Rabbiner Erziehung bei einem Anwalt mittleren Alters geht, um den täglichen Antisemistismus und die, die sich dagegen zu wehren lernen oder befreundete Siedlerpioniere im noch jungen Israel, die ein verzweifelter Handel für immer entzweit… Mit dieser Sammlung aus mal tragisch-ernsten mal heiter-ironischen Geschichten schreibt sich Nathan Englander nicht nur in das Gedächtnis der Herausgeber einschlägiger Literaturmagazine, sondern auch in mein bescheidenes, aber doch durch und durch Literatur liebendes Herz. Die Welt, die Nathan Englander dabei, häufig aber nicht ausschließlich, porträtiert, ist die der jüdischen Mittelklasse im Osten Amerikas. Eine Welt, die der meinen stärker gleicht als so manch andere Lebensrealität auf diesem Planeten und die mir trotzdem bis vor der Lektüre dieses Erzählbandes völlig fremd war. Daher freue ich mich Nathan Englander und seine Geschichten entdeckt zu haben und mit ihnen all die Welten, die sich mir beim Lesen öffneten. Englanders Stil ist dabei literarisch, aber doch unkompliziert, kommt ganz ohne schriftstellerische Kapriolen aus und gibt dem Leser doch ein gutes Gefühl. Das Gefühl nicht alles auf dem Silbertablett serviert zu bekommen, sich Teile der Geschichte selbst erarbeiten zu müssen. Denn nicht alles steht im Text, bei Nathan Englander steht auch vieles zwischen den Zeilen. Da genügt es oft einer Anspielung, eines Blickes der Hauptfigur zu Boden, aus betretener Scham oder Ratlosigkeit um mich als Leser tief zu berühren, manchmal auch zu erschüttern. Doch gerade das ist es, was ich an Kurzgeschichten so schätze, im Vergleich zum Roman, die unbeantworteten Fragen, die losen Enden, und ich irgendwo dazwischen. Nathan Englander macht es seinen Leser dabei nie einfach, erschreibt sich vorzugsweise und vorzüglich, schwer zugängliche Charaktere. Ob es sich nun um einen Mann mittleren Alters handelt, der in einer Peep Show langsam den Verstand verliert oder den jungen Leiter eines Sommerferienlagers, der Mitwisser bei einem Mord wird, den er hätte verhindern können, oder den Ehemann, der im Fall des Falles sein eigenes Leben über das seiner jüdischen Frau stellen würde. Nathan Englander blendet bei keinem Konflikt aus und lässt nicht zu, dass der Leser weg hört, wenn hier über Anne Frank geredet wird, wenn auch nur hypothetisch, und über die anderen tragischen Figuren in diesen Geschichten. Eine intelligente Prosasammlung, die es dem Leser nicht leicht macht, dafür aber noch lange und gut im Gedächtnis bleibt.

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  • Rezension zu "Worüber wir reden, wenn wir über Anne Frank reden" von Nathan Englander

    Worüber wir reden, wenn wir über Anne Frank reden

    Mr. Rail

    Nathan Englanders Erzählsammlung „Worüber wir reden, wenn wir über Anne Frank reden“ hat bereits auf der diesjährigen Buchmesse in Leipzig seine Fühler nach uns ausgestreckt und Interesse geweckt. Natürlich macht der Titel neugierieg – natürlich ist es hochinteressant zu lesen, was ein knapp über 40jähriger moderner jüdischer Schriftsteller schreibt, wenn er im Brückenschlag von Historik zur Moderne Kurzgeschichten verfasst, in deren Mittelpunkt das jüdische Leben in all seiner religiösen und kulturellen Komplexität steht. Natürlich ist es spannend, dieses Buch auf sich wirken zu lassen, von dem namhafte Autoren und Kritiker behaupten, es sei eine einzigartige und beeindruckende Verbindung feinsinniger Komik und erschütternder Tragik (Jonathan Frantzen). Und natürlich ist es genial, ein Buch zu öffnen, dessen Umschlag den Leser eindringlich zum Anhalten ermahnt. Wir sind der Empfehlung des Verlages gefolgt, haben Tempo aus dem Alltag genommen, sind stehen geblieben und haben dann, an einem sehr ruhigen Tag unsere Leseampel auf „grün“ geschaltet. Wir lieben dieses Cover, da es sich zum Synonym konzentrierten Lesens erhebt ohne dabei mit erhobenem Zeigefinger zu mahnen. Schon der erste Schritt zeigte uns, dass wir auf dem richtigen Weg waren – wir fühlten uns willkommen. Was wir lesen, wenn wir über Anne Frank lesen wurde uns schon zu Schulzeiten in die Wiege gelegt. Der Name allein löst unauslöschliche Assoziationen aus und setzt Gefühle frei, die auch in der heutigen Zeit ihre Wirkung nicht verfehlen. Diesen Namen über das gesamte Buch zu stellen macht Sinn, denn jede einzelne Geschichte ist getragen von den Verletzungen, Hoffnungen, Träumen, Erlebnissen, unerfüllten Wünschen und Perspektiven einer Generation der Shoa-Überlebenden und ihren Nachfahren. Und genau hier beginnt die große Überraschung in den Erzählungen des Autors. Eine berührende Komik, mutige Innenansichten und überraschende Selbstbetrachtungen verdrängen hier das in der Literatur oftmals übermächtige Opferschema solcher Erzählungen. Wir lernen jüdische Menschen kennen, die das sogenannte „Anne-Frank-Spiel“ spielen, in dem es darum geht, sich mit der folgenden Frage auseinanderzusetzen: „Wenn wir heute an der Schwelle eines erneuten Holocausts stünden, welcher unserer Freunde würde uns für die nächsten Jahre unter Einsatz seines eigenen Lebens bei sich zuhause verstecken und versorgen?“ Die Antworten werden zum persönlichen Debakel. Wir lernen Überlebende des Holocaust kennen, die sich in der heutigen Zeit in der Sauna begegnen und deren eintätowierte Häftlingsnummern nur um drei Ziffern voneinander abweichen. Sie müssen damals im KZ unmittelbar beieinander gestanden haben – unglaublich… Die Erkenntnis aus diesem Zufall ist allerdings noch unglaublicher, als man es sich nur vorzustellen vermag. Wir lernen Menschen kennen, die sich von ihrem jüdischen Glauben losgesagt haben und in einem emotionalen Befreiungsschlag zum ersten Mal eine Peep-Show betreten. Als sich die kleine Klappe öffnet, erscheint jedoch keinesfalls das heiß ersehnte Lustobjekt, sondern die tiefe Erkenntnis des Lebens. Wir erfahren einen dramatischen Wechsel amüsanter Passagen gepaart mit den tiefen Wurzeln eines Lebens im jüdischen Glauben. Lernen nebenbei viel über die inneren Ansichten zur umstrittenen israelischen Siedlungspolitik und die Zweifel moderner Juden, was sie der hochkomplizierten Lebensgeschichte ihrer Familien eigentlich noch hinzufügen können. Wir lernen einen Autor kennen, der nach jahrelangem Schreiben während einer Lesereise immer nur einem einzigen Zuhörer begegnet – einem einzigen Leser, der auch noch den Anspruch erhebt, die Veranstaltung möge bitte stattfinden, da die wichtigsten beiden Menschen anwesend seien. Autor und Leser. Momente unglaublicher Komik – Momente unglaublicher Melancholie – Momente großer Tragik. Keine einzelne Erzählung kann man für sich isoliert betrachten – sie sind in ihren inneren Kernen miteinander verwoben. Wir sehen das Buch in einem dichten Spinnennetz der geschichtlichen, religiösen und menschlichen Entwicklung. Wenn man den Faden einer Erzählung berührt, schwingt der gesamte Erzählband harmonisch, wagemutig und provokant mit und hält seinen Leser gefangen. Nathan Englander gelingt das absolut Unfassbare in der Kombination traditioneller Erzählkunst mit modernen Techniken. Er überwindet Schranken und reduziert Berührungsängste mit Gedanken, die häufig nur in Demut gedacht werden dürfen. „Worüber wir reden, wenn wir über Anne Frank reden“ ist ein mutiges und wichtiges Buch. Illustrierter Artikel auf Literatwo: http://literatwo.wordpress.com/2012/09/11/woruber-wir-reden-wenn-wir-uber-anne-frank-reden/ Exklusives Interview mit Nathan Englander am 12.09.2012 in München: http://literatwo.wordpress.com/2012/09/15/woruber-wir-reden-wenn-wir-mit-nathan-englander-reden/

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