Nathan Filer Nachruf auf den Mond

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Inhaltsangabe zu „Nachruf auf den Mond“ von Nathan Filer

Der preisgekrönte Überraschungserfolg aus Großbritannien endlich im Taschenbuch! Matthew Homes ist ein begnadeter Erzähler und Patient der Psychiatrischen Klinik in Bristol. Um dort dem trostlosen Alltag zu entfliehen, schreibt er seine Geschichte auf – und die seines Bruders Simon, der im Alter von elf Jahren während des Campingurlaubs in Cornwall starb. Selbst nach zehn Jahren gibt sich Matthew immer noch die Schuld am Unfalltod seines Bruders. Doch eigentlich ist Simon für ihn gar nicht tot – und Matthew auch kein gewöhnlicher 19-Jähriger. Denn Matthew leidet an Schizophrenie …

Irgendwie war das Buch für mich verwirrend und unstrukturiert...

— Jinscha
Jinscha

Es war okay. Nichts reisserisches aber auch nicht einschläfernd. Würde es nicht nochmals lesen

— DontBlink
DontBlink

Enttäuschend

— Amber144
Amber144

Mich hat das Buch etwas verwirrt. Ich weiß nicht ob ich es mag oder nicht:-)

— buecherwuermli
buecherwuermli

Ein sehr authentischer, eindrucksvoller und trauriger Roman. Sehr unterhaltsam.

— Ein LovelyBooks-Nutzer
Ein LovelyBooks-Nutzer

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    Nachruf auf den Mond
    Amber144

    Amber144

    14. April 2017 um 17:44

    Leider habe ich von diesem Buch vom Klappentext her etwas anderes erwartet.
    Der Schreibstil hat mich nicht gefesselt und ich fand die Schreibweise auch sehr verwirrend.
    Die Geschichte hat finde ich langweilig erzählt.
    Wirklich schade, da das Buch überall groß beworben wurde habe ich ein wirkliches Highlight erwartet und wurde bitter enttäuscht.

  • Ungeschönt. Ehrlich.

    Nachruf auf den Mond
    StMoonlight

    StMoonlight

    18. February 2017 um 18:38

    Der Titel verrät nicht viel über den Inhalt des Romans. Sollte man meinen. Die Wahrheit ist aber genau andersherum:Mit „Mond“ ist hier nicht der Trabt gemeint den man fast allabendlich am Himmel erblicken kann, sondern der Bruder des Hauptprotagonisten: Simon. Simon hat ein rundes Gesicht, eben wie der Mond. Oder besser: Er hatte. Simon ist gestorben. Die Schuld daran trägt Matthew. Zumindest glaubt er das. Und jeder andere auch. Matthew Homes, 19 Jahre jung, erzählt in „Nachruf auf den Mond“ von seinem Leben. Seinem Leben mit Simon – und ohne Simon. Er berichtet von den gemeinsamen Abenteuern, aber auch darüber, wie er stets im Schatten seines Bruders stand, denn „der Mond“ litt am Down-Syndrom.Inzwischen ist Matt Patient in einer psychiatrischen Anstalt. Unter anderem von dort berichtet er. Von seinem täglichen Kampf mit sich selbst und den Vorurteilen der Menschen. Und natürlich von seinem Schmerz. Nicht nur Schmerz über den Verlust seines Bruders, sondern auch die Angst davor ihn ganz zu verlieren. In der Klinik gibt man ihm Medikamente, um seine Symptome zu lindern. Doch was diese erreichen sollen ist genau das Gegenteil von dem was Matthew möchte. Er will Simon, den lieben Mond, nicht verlieren. Bald entspinnt Matt die Idee, dass sein Bruder noch immer bei ihm ist oder zumindest seine Atome. Überall: Im Wind, im Regen und im Mond … Jedes einzelne Atom ist auch Simon, da ist er sich ganz sicher und er sieht eine Möglichkeit bei ihm zu sein … Mit „Nachruf auf den Mond“ hat der Autor eine Mischung aus „echtem“ Leben und der „eigenen Welt“, den Gedanken, geschaffen. Dazu benutzt er keine verblümten Ausdrücke, sondern schreibst genau so wie im „echten“ Leben geredet wird: Ungeschönt. Genauso unschön ist es manchmal auch Matthew zu begleiten. Aber nicht wegen den Zeilen im Buch, sondern wegen der eigenen Gedanken die den Leser schnell einholen können. Dieses Werk ist alles andere als eine leichte Lektüre. Auch wenn der Schreibstil flüssig zu lesen ist, so hält man doch öfter Inne und fragt sich: „Kann es sein…?“. Ein schönes Buch mit Hang zur Philosophie aus dem echten Leben gegriffen. – Nach der Lektüre dieses Buches wird der Leser die Welt mit anderen Augen sehen … 

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  • Nachruf auf den Mond

    Nachruf auf den Mond
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    29. September 2016 um 19:28

    Kurzbeschreibung Matthew Homes ist ein begnadeter Erzähler und Patient der Psychiatrischen Klinik in Bristol. Um dort dem trostlosen Alltag zu entfliehen, schreibt er seine Geschichte auf – und die seines Bruders Simon, der im Alter von elf Jahren während des Campingurlaubs in Cornwall starb. Selbst nach zehn Jahren gibt sich Matthew immer noch die Schuld am Unfalltod seines Bruders. Doch eigentlich ist Simon für ihn gar nicht tot – und Matthew auch kein gewöhnlicher 19-Jähriger. Denn Matthew leidet an Schizophrenie … Rezension Leise rieselt der Regen an die Fensterscheibe, an denen sich die Tropfen in einer geradförmigen Choreografie, ihren Weg nach unten bahnen. Der auf dem Tisch stehende Kaffee dampft und duftet herrlich. Der leckere Kuchen lässt mir das Wasser im Mund zusammenlaufen. Mit dem Gefühl vollkommener Zufriedenheit, widme ich mich meinem Gesprächspartner. Matthew Homes sitzt mir mit einem breiten Grinsen gegenüber und erzählt mir aus seinem Leben. Von seinem Bruder Simon; der ja eigentlich Tod ist, seinen Eltern; die irgendwie seltsam sind, seiner Kindheit, über seinen Aufenthalt in einer Psychiatrischen Klinik und natürlich davon, wie er sich die Schuld an dem Tod seines Bruders gibt. Genauso fühlte ich mich beim Lesen dieses Buches. Es kam mir so vor, als hätte Matthew Homes mir gegenüber gesessen und mir einfach so, bei einem netten Plausch seine Geschichte erzählt. Matthew berichtet gerne aus seinem Leben und das Ganze so, wie ihm ihm das gerade in den Sinn kommt. Unter Schizophrenie leidend, wird er in eine Psychiatrische Klinik eingewiesen, in der er beginnt mit Hilfe von „Zwinker-Steve“ und einigen anderen seine Geschichte aufzuschreiben. Auch wenn die Geschichte oft etwas wirr zu sein scheint und die Kapitel oft zeitlich springen, schafft es Matthew, auf seine ganz eigene Art und Weise eine Geschichte zu erzählen. Nicht nur Matthew, sondern natürlich auch der Autor Nathan, schafft es mit einer großen Portion Humor und Charme, sowohl ernste als auch lustige Momente, dem Leser als Mattews selbstgeschriebene Geschichte näher zu bringen. „Das ist mein Leben. Ich bin neunzehn Jahre alt, und das Einzige, worüber ich in meinem Leben frei bestimmen kann, ist diese Geschichte und wie ich sie erzähle. Allein schon deswegen will ich es nicht vermasseln. Es wäre nett von Ihnen, wenigstens zu versuchen, mir zu vertrauen.“ (Seite 75) Stilistisch ist es ein sehr außergwöhnliches Buch. So ändern sich z.B. die Schriftarten der einzelnen Kapitel. Je nachdem wo Matthew gerade war, als er seine Erzählung aufschrieb. So hatte er während seiner Zeit in der Klinik einen Computer zur Verfügung, jedoch hatte er zu Hause nur eine Schreibmaschine in Benutzung. Verschiedene Zeichnungen und Berichte runden das Ganze ab. Das Buch ist so gestaltet, dass man denkt, man würde eine Art Tagebuch in Händen halten. Matthew richtet sich direkt an den Leser und das nicht immer sehr freundlich. Matthew ist ein durchaus kluger und sehr sensibler Mensch, der versucht sein Leben trotz des Schickssalschlags und seiner Krankheit so ironisch und zynisch zu sehen, wie es nur eben geht. Filer schafft es auf eine sehr sympathische Art und Weise, ein Bild der Krankheit Schizophrenie zu vermitteln. Oft verliert Matthew in seiner Erzählung den Bezug zur Realtiät und schweift in seine, eben kranke Welt ab. Dadurch wird die Erzählung aber nicht weniger ausdruckslos. Fazit Abschließend lässt sich sagen, dass es sich bei Nathan Filers „Nachruf auf den Mond“ um einen unterhaltsamen, authentischen, eindrucksvollen und auch trauriger Roman handelt. Hin und wieder ein wenig zu verwirrend, aber trotzdem ein Roman der zum Nachdenken anregt und einem eine Krankheit auf eine andere Weise näherbringt, als man es erwarten würde.

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  • Andere Vorstellungen gehabt

    Nachruf auf den Mond
    iur83

    iur83

    12. June 2016 um 21:47

    Nachruf auf den Mond wurde von Nathan Filer geschrieben und ist mit 315 Seiten im DroemerVerag erschienen.Zum Inhalt:Matthew Holmes spielt in diesem Buch den Hauptcharakter. Er hat  in jungen Jahren bei einem Campingurlaub seinen Bruder verloren. Dieser ,,Unfall'' wird ca. in der Mitte des Buches aus seiner Sicht beschrieben.In der geschlossenen Psychatrie bringt er die Geschichte schriftlich zu Papier, mit der Schreibmachine, die ein Geschenk von Nanny Noo (seine Oma) war.Er kann Simon hören und verliert den Verstand.Mein Fazit:Es war bestimmt der falsche Zeitpunkt, um das Buch zu lesen, denn ich hatte mir wirklich mehr erhofft. Ich fand es teilweise zu langatmig und nicht packend und fesselnd, aber auf der anderen Seite doch emotional. Allerdings bin ich froh, dass ich das Buch zu Ende gelesen habe, sodass ich mir auch mein persönliches Bild davon machen kann. Der Schreibstil ist gut und abwechslungreich, mal mit Briefen, mal Auszüge von der Schreibmaschine.

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  • "Ich bin ich, seit ich denken kann, ich bin derjenige, vor dem es kein Entrinnen gibt.“

    Nachruf auf den Mond
    buchstabentraeumerin

    buchstabentraeumerin

    25. May 2016 um 20:36

    „Ich bin neunzehn Jahre alt, und das Einzige, worüber ich in meinem Leben frei bestimmen kann, ist diese Geschichte und wie ich sie erzähle.“ (Seite 95) Zu Beginn lernen wir Matthew als kleinen Jungen kennen, der mit seiner Familie – seinen Eltern sowie seinem Bruder Simon – Urlaub in Frankreich macht. Diese Zeit wird Matthew’s Leben vollkommen verändern, sie ist der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Immer wieder kehren wir dorthin zurück und erleben einzelne Augenblicke, ohne jedoch einen Sinnzusammenhang zu sehen. Was geschah dort? Was ist seither mit Matthew los? Das erfährt der Leser erst am Schluss, einiges lässt sich aber schon vorher erahnen. Hierzu muss ich sagen, dass der englische Titel „The Shock of the Fall“ sehr viel besser zum Inhalt des Buches passt. Er erschließt sich einem erst auf den letzten Seiten, doch er ist der Inbegriff von einfach allem, was  Matthew widerfahren ist. Matthew selbst erzählt als junger Mann rückblickend von seinem Leben. Er ist in der geschlossenen Psychiatrie und bringt seine Geschichte zu Papier. Dabei ähnelt sie einem Flickenteppich, Erinnerungsfetzen verweben sich miteinander. „Nachruf auf den Mond“ liest sich wie ein Lückentext, nur dass man nicht weiß, was in die Lücken passen könnte. Das macht es recht mühsam, stellenweise war ich vollkommen orientierungslos. Dennoch übte der Roman eine Faszination auf mich aus, der ich mich nicht entziehen konnte. Das lag vor allem an der dichten Atmosphäre, die Autor Nathan Filer schuf. Die Stimmung schwankte ständig – mal war sie medizinisch kalt, dann voll des staubtrockenen Humors, dann wieder geheimnisvoll und entrückt, wie man sich manchmal auf einer Reise in ein unbekanntes Land fühlen mag. Zwischenzeitlich fühlte sich alles falsch an und ich empfand Beklommenheit und Unbehagen. Das klingt zwar alles nicht besonders positiv, doch gerade das war das Spannende! Schreibstil„Ich schiebe meine Erinnerung durch die Wohnung wie ein Möbelstück oder ein gerahmtes Bild, für das ich keinen geeigneten Platz finde.“ (Seite 135) Vor allem Dank des sehr gelungenen Schreibstils schafft es Nathan Filer, die Gedanken und Gefühle von Matthew nachvollziehbar und lebendig zu gestalten. Er findet die richtigen Worte für ihn als kleinen Jungen, aber auch für ihn als erwachsenen Mann, der psychisch krank ist. Durch seine Worte entstehen diese Kopf-Welten sehr eindrücklich und authentisch. Erinnerungen sind nicht klar, sie sind verworren und unvollständig. Filer erlaubt sich Lücken und wagt es, den Leser zu verwirren, damit seine Geschichte ganz nah an der Realität bleibt. Ich wurde selten so in eine mir völlig fremde Gedankenwelt hineingezogen. Charaktere„Meine Seele ist nicht gespalten. Ich habe nicht mehrere Persönlichkeiten. Ich bin ich, seit ich denken kann, ich bin derjenige, vor dem es kein Entrinnen gibt.“ (Seite 247) Matthew steht als Protagonist und Ich-Erzähler natürlich im Mittelpunkt. Lange blieb er mir dennoch fremd. Seine Art zu erzählen, seine von Rissen durchzogenen Erinnerungen, das alles brachte ihn mir nur schwer näher. Das blieb für den Großteil des Romans auch so, zu verdeckt wurde er für mich von anderen Dingen. Mein Fokus wanderte also von ihm weg woanders hin – zu seiner Familie, zu seinem Bruder, zu seinen Beobachtungen und Erfahrungen. Ich versuchte zu verstehen wie es ist, die Welt mit seinen Augen zu sehen. Erst viel später nahm ich Matthew als Person wirklich war. Ob ich ihn mochte? Schwer zu sagen – und auch irgendwie nicht wichtig. Die Familie von Matthew ist schwierig. Ein Schicksalsschlag kann das aber wohl mit einer Familie machen. Seit dem Urlaub in Frankreich ist auch sie nicht mehr dieselbe. Doch Filer macht daraus kein Familiendrama, sondern räumt jedem Familienmitglied die Freiheit ein, so zu sein wie er oder sie sein möchte beziehungsweise sein kann. Und trotz aller Belastungen hält die Familie ganz unaufgeregt und selbstverständlich zusammen. Fazit „Nachruf auf den Mond“ ist aufwühlend, intensiv, berührend und eindringlich. Kein Buch für zwischendurch, sondern eines, über das es sich nachzudenken lohnt. Faszinierend!

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  • Von Atomen und Ameisen

    Nachruf auf den Mond
    Marapaya

    Marapaya

    20. March 2016 um 23:30

    Die Ameise auf dem Cover habe ich erst nach der Lektüre bewusst entdeckt. Mein Blick war so angezogen von der Treppe zum Mond und meinen eigenen Gedanken dazu. Das ist wohl typisch für mich intuitiven Büchermensch, der Romane nach dem Cover wählt und nicht mal richtig hingeschaut hat. Auch auf den Klappentext hatte ich als Ratgeber zur Auswahl verzichtet. Nichts konnte mich auf die Geschichte vorbereiten und demzufolge sitze ich nun etwas erschlagen im Lesesessel. Meinen Leseeindruck will ich ganz kurz loswerden, dann kann ich mich schneller von den Figuren lösen. Matthew ist nämlich ein bisschen anstrengend als Erzähler. Er ist schonungslos und nicht sehr verblümt. Ich möchte nicht mit ihm tauschen, sein Leben ist gerade alles andere als stimmig und rund. Die Trauer frisst sich durch alle Seiten und die Schuld frisst Matthew auf. Darum schreibt er mir als Leser auch auf, was denn passiert ist, wie er seinen Bruder verlor, wie sich seine Familie dadurch veränderte und wie er schließlich den Boden unter seinen Füßen verlor. Mehr will man ja gar nicht verraten, das Beste ist wirklich, das Buch ohne Vorinformationen zu lesen. Nathan Filer ist ein amüsantes wie anstrengendes Debüt gelungen, unterhaltsam, furchteinflößend, traurig, mitfühlend und aufwühlend zugleich.

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  • Das Lachgesicht im Mond

    Nachruf auf den Mond
    Greedyreader

    Greedyreader

    17. March 2016 um 19:24

    In Nathan Filers Debütroman “Nachruf auf den Mond” erzählt der 19jährige Matthew Homes seine Geschichte. Zehn Jahre zuvor starb während eines Campingurlaubs der Familie sein älterer Bruder Simon, der an Muskelschwäche und am Down-Syndrom litt, bei einem tragischen Unfall, für den Matthew sich immer noch die Schuld gibt und der bei ihm eine schwere psychische Erkrankung auslöste. Er hat lange Zeit in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie in Bristol verbracht und wird inzwischen in der Tagesklinik therapiert, wo er an Aktivitäten teilnimmt, seine Medikamente bekommt und als Teil der Therapie seine Geschichte aufschreibt.Die Erzählung wirkt sprunghaft, enthält Rückblenden und Vorausdeutungen. Matthew fungiert als Ich-Erzähler, behält teilweise einen kindlichen Ton bei und streut allerlei Zeichnungen und Kritzeleien ein. Die Geschichte ist aber durchsetzt von Reflexionen eines deutlich älteren Erzählers. Erinnern und Vergessen spielen eine zentrale Rolle, außerdem Themen wie Krankheit, Tod und Schuld und wie eine solche Tragödie eine Familie zerstört Die Geschichte ist jedoch nicht nur traurig. Es gibt ausgesprochen witzige Passagen, zum Beispiel, wenn sich der gelernte Krankenpfleger Nathan Filer über den Psycho-Jargon mokiert (“Schreibverhalten”).Filer verfügt über das notwendige Insiderwissen, um dem Leser das schwierige Thema der psychischen Erkrankungen näher zu bringen. Sein vorurteilsfreier Blick kann insofern auch beim Leser Einstellungen verändern. Das scheint mir einer der großen Verdienste dieses ansonsten ernsten, nicht auf bloße Unterhaltung abzielenden Romans zu sein.Spannung wird dadurch aufgebaut, dass der Autor wichtige Informationen bis fast zum Schluss zurückhält. So erfährt der Leser erst sehr spät, wie sich der Unfall zugetragen hat und ob Matthew damals Schuld auf sich geladen hat.Das Buch ist nicht nur wegen des nicht-linearen Erzählens keine ganz leichte Lektüre. Drucktechnisch spielt es mit vielen verschiedenen Schrifttypen auf die Tatsache an, dass Matthews Manuskript über einen langen Zeitraum am Computer und mit Hilfe einer alten Schreibmaschine von Nanny Noo, seiner Großmutter, erstellt wird und zunächst nichts weiter ist als eine Loseblattsammlung.Filers innovativer Roman wurde mit dem Costa Book of the Year Award ausgezeichnet und machte seinen Autor, Multitalent Filer, auf Anhieb berühmt. Der Roman lohnt sich, wenn man bereit ist, sich auf das schwierige Thema einzulassen. 

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  • Traurig, heiter, lesenswert!

    Nachruf auf den Mond
    renie

    renie

    28. January 2016 um 12:36

    Sätze, die einen sprachlos machen!„Ich werde Ihnen erzählen, was passiert ist, denn bei der Gelegenheit kann ich Ihnen meinen Bruder vorstellen. Er heißt Simon. Ich glaube, Sie werden ihn mögen. Wirklich. In ein paar Seiten wird er tot sein. Danach war er nie mehr derselbe.“ (S. 11) Worum geht es in diesem Buch?Matthew Homes ist ein begnadeter Erzähler, und Patient der Psychiatrischen Klinik in Bristol. Um dort dem trostlosen Alltag zu entfliehen, schreibt er seine Geschichte auf – und die seines Bruders Simon, der im Alter von elf Jahren während des Campingurlaubs in Cornwall starb. Selbst nach zehn Jahren gibt sich Matthew immer noch die Schuld am Unfalltod seines Bruders. Doch eigentlich ist Simon für ihn gar nicht tot – und Matthew auch kein gewöhnlicher 19-Jähriger. Matthew leidet an Schizophrenie … (Quelle: Droemer Knaur) Als Matthew 9 ist, kommt durch einen tragischen Unfall sein Bruder Simon ums Leben. Es scheint, als ob Matthew eine Rolle bei Simon’s Tod gespielt hat. Nur welche das ist, offenbart sich dem Leser erst mit der Zeit.  Matthew trägt die Schuld seit 10 Jahren mit sich herum. Er scheint daran psychisch zu zerbrechen. Das Ausmaß der psychischen Probleme, die Matthew hat, offenbart sich im Verlauf der Geschichte. Dabei lässt Matthew (Ich-Erzähler) immer wieder Andeutungen in seine Erzählung einfließen, die Schreckliches ahnen lassen.„Jacob schaltete seine PlayStation 2 ein und legte Resident Evil ein, und ich sackte auf dem Teppich zusammen und starrte auf den Bildschirm und verlor mich in der Gewalt und dachte darüber nach, Arzt zu werden, Gutes zu tun, Jacobs Mum zu heilen, und auch meine. Und da war noch etwas, noch etwas, das in der Rauchwolke lauerte.“ (S. 93)Hinzu kommt, dass er genetisch vorbelastet ist. In seiner Familie sind psychische Störungen nicht ungewöhnlich. Ein Großonkel hat sein Leben in der Psychiatrie verbracht, seine Mutter leidet unter Depressionen. Ob diese erst durch den Tod von Simon ausgelöst wurden, oder bereits vorher schon vorhanden waren, lässt sich nicht herausfinden. Der Tod des Älteren der beiden Brüder bewirkt, dass die Mutter Matthew „in Watte packt“. Er wird aus der Schule genommen und von ihr zuhause unterrichtet. Matthew hat keine Freunde, seine einzige Bezugsperson ist seine Mutter, die seinen Tagesablauf bestimmt und ihn vor den Gefahren des Alltags beschützt. Erst durch den Zuspruch einer Ärztin, die erkennt, dass Matthew’s Entwicklung unter der übervorsichtigen Obhut seiner Mutter leidet, wird er wieder in der Schule angemeldet.„‘Ich war nicht immer eine gute Mum, oder?‘‚Hat die Ärztin das gesagt?‘‚Ich mache mir solche Sorgen, Matthew, ständig.‘“ (S. 65)Im weiteren Verlauf seiner Kindheit und Jugend wird Matthew’s psychische Erkrankung immer schlimmer. Er hat Halluzinationen, sieht überall seinen verstorbenen Bruder Simon und kommuniziert auch mit ihm. Der Versuch, sich von dem Einfluss seiner Mutter zu lösen, indem er mit 17 in eine eigene Wohnung zieht, scheitert. Allein auf sich gestellt, ist er nicht mehr in der Lage, gegen seine psychischen Störungen anzukämpfen. Er ist eine Gefahr für sich und wird in die Psychiatrie eingewiesen, wo er therapiert wird. Dieses Buch ist keine leichte Lesekost. Trotz des flotten und lockeren Sprachstils des Ich-Erzähler’s klingt immer wieder die seelische Belastung von Matthew durch. Er registriert seine Probleme und versucht sie zu analysieren. Zwischenzeitlich spürt man Matthew‘s ungläubiges Staunen über das, was in seinem Kopf passiert. Seinem Erzählstil merkt man das Fortschreiten der Krankheit an. Das ist unheimlich, da man sich als gesunder Mensch kaum vorstellen kann, wie ein Alltag mit Schizophrenie verläuft.„Wir sind egoistisch, meine Krankheit und ich. Wir denken nur an uns. Wir biegen uns die Wirklichkeit zurecht, um Botschaften zu empfangen, geflüsterte Geheimnisse, die nur für uns bestimmt sind.“ (S. 146)Und trotzdem hat dieser Roman auch seine heiteren Momente. Die treten meistens dann auf, wenn Matthew über den Klinikalltag berichtet. Wahrscheinlich braucht man ein gewisses Maß an Humor, um mit derartig belastenden Situationen fertig zu werden. Matthew’s Geschichte hat mich nachdenklich gemacht. Sein Schicksal und das seiner Familie ist einfach nur schrecklich. Aber ich habe mich immer wieder gefragt, ob die Eltern dem Ausbruch von Matthew’s Krankheit nicht hätten entgegen wirken können. Nach dem Tod von Simon gab es kein Miteinander, um die Trauer zu bewältigen. Die Mutter versank in Depressionen, der Vater spielt in diesem Roman nur eine untergeordnete Rolle. Man erfährt nicht viel über ihn. Und Matthew? Der 9-Jährige steht mit seiner Trauer und Schuld allein da. Keiner, der ihm hilft, den Tod seines Bruders zu verarbeiten. Der seelische Druck wird im Laufe der Jahre immer größer und sucht sich sein Ventil im Ausbruch von Matthew’s Krankheit. „Jeden Morgen nach dem Aufwachen, wenn ich sekundenlang glaubte, alles wäre normal, alles wäre in Ordnung, bevor ich wie durch einen Tritt in den Magen daran erinnert wurde, dass nichts in Ordnung war. Da waren die tuschelnden Erwachsenen, die verstummten, sobald ich das Zimmer betrat. Alle wussten es, alle dachten es, alle waren verzweifelt bemüht, nicht zu denken, dass es meine Schuld war. Dass er noch am Leben wäre, wenn ich nicht wäre.“ (S. 266 f.)Fazit:Ein lesenswertes Buch, das mich den seelischen Druck hat spüren lassen, mit dem Matthew sein bisheriges Leben verbracht hat. Es machte mich betroffen und nachdenklich. Gleichzeitig gewährt es einen Einblick in die Seele eines psychisch Kranken und trägt somit dazu, die Distanz und Voreingenommenheit zu überwinden, die oft bei seelisch „Gesunden“ gegenüber seelisch „Kranken“ vorherrscht. „Ich bin psychisch krank, kein Idiot.“ (S. 229) © Renie

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  • Nachruf auf den Mond

    Nachruf auf den Mond
    cLooch

    cLooch

    20. October 2015 um 16:38

    erschienen bei Droemer zum Preis von 19,99 Autor Nathan Filer war Krankenpfleger in einer psychiatrischen Klinik, bevor er seine Liebe zum Schreiben entdeckte. Mit „Nachruf auf den Mond“, seinem Debütroman, konnte er unter anderem den „Costa Book Award“ gewinnen. Er ist verheiratet und hat eine Tochter. Er lebt mit seiner Familie in Bristol. Inhalt Matthew Homes ist Patient in einer psychiatrischen Klinik in Bristol. Sein Alltag ist ohne Ereignisse. Um die Tage verstreichen zu lassen schreibt er seine Geschichte auf. Es ist nicht irgendeine Geschichte – es ist die Geschichte seines verstorbenen Bruders Simon. Im Alter von elf Jahren ist dieser verstorben. Für Matthew der Wendepunkt in seinem Leben. Er kann es nicht glauben, dass sein Bruder tot ist und für ihn ist er das auch nicht. Aber Matthews Welt gleicht nicht der, der anderen, denn er ist schwer krank – er leidet an Schizophrenie … Nathan Filers schafft einen männlichen Protagonisten, der es dem Leser schwer macht, ihn nicht zu mögen. Die Geschichte, die Matthew aufschreibt, ist etwas ganz besonders und er möchte unbedingt seine Geschichte richtig erzählen. Ohne die schönen Details, die nach außen verbreitet werden. Der Leser wird in „Nachruf auf den Mond“ direkt angesprochen, was der Geschichte etwas sehr Intimes und Einzigartiges verleiht. Vollgepackt mit Erzählungen aus seinem Leben und Weisheiten, die oft nur zwischen den Zeilen zu finden sind. Ein Buch, das in aller Ruhe gelesen werden will, um es wirklich zu verstehen. Eine weitere Schwierigkeit beim Lesen sind die Zeitsprünge. In klaren Momenten seiner Krankheit ist der Stil ebenfalls einfach und die Erlebnisse einfacher nachzuvollziehen. Der Buchklappentext erwähnt ja schon, unter welcher Krankheit Matthew leidet. Interessanter wäre es vielleicht gewesen, den Leser erst späterer darüber zu unterrichten. Das Buch ist auch nicht wie gewöhnlich in Kapitel unterteilt, sondern Zeichnungen und verfasste Briefe sind zwischendurch zu finden. Der Roman teilt die Meinungen der Leser. Für all jene, denen die Geschichte von Matthew und Simon nicht zugesagt hat, rate ich, das Buch erneut in die Hand zu nehmen. Vielleicht kann der bewegende Inhalt doch noch überzeugen. Fazit Ein gefühlvoller Roman über Gefühle, die lange nachklingen. Von Anfang bis zum Ende eine einzigartige Geschichte.

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  • Nachruf auf den Mond

    Nachruf auf den Mond
    Kleine8310

    Kleine8310

    15. October 2015 um 22:12

    "Nachruf auf den Mond" ist ein Roman des Autors Nathan Filer. In dieser Geschichte geht es um den Protagonisten Matthew Homes. Matthew ist Patient in einer psychiatrischen Einrichtung in Bristol. Da er ein begnadeter Erzähler ist und etwas zu verarbeiten hat, beginnt Matthew seine Geschichte aufzuschreiben, seine und die seines Bruders Simon, der mit elf Jahren während eines Campingurlaubs starb. Matthew fühlt sich dafür verantwortlich und hat selbst zehn Jahre nach den Geschehnissen noch stark mit seinen Schuldgefühlen zu kämpfen. Doch für Matthew ist Simon eigentlich nicht wirklich tot, denn Matthew leidet an Schizophrenie ...   Die Erzählung liest man aus der Sicht von Matthew, was die gesamte Geschichte ungeheuer emotional, berührend und authentisch macht. Man ist als Leser/in mitten im Geschehen und kann mitfühlen. Matthew's Geschichte bis zu dem Aufenthalt in der Psychiatrischen Klinik in Bristol ist interessant dargestellt und enthält ein Auf und Ab der Emotionen.   Der Schreibstil von Nathan Filer hat mich sehr gefesselt und das Buch ist auch noch spannend, besonders weil mit der Erklärung, wie es zu Simon's Tod gekommen ist, bis zum Schluss gewartet wird. Die Geschichte ist an manchen Stellen beinahe poetisch geschrieben, aber an anderen Stellen wird auch durch Eintönigkeit Matthew's monotoner Alltag in der Psychiatrie verdeutlicht. Filer gibt dem Leser/ der Leserin mit dieser Geschichte einen kleinen Einblick in die Krankheit Schizophrenie und unterstützt das Thema mit Matthew's berührenden Erlebnissen.   "Nachruf auf den Mond" ist eine besondere und starke Geschichte, die bei mir einiges an Emotionen aufgewirbelt hat und mir sicher noch lange im Gedächtnis bleiben wird!  

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  • Matt und Simon, Simon und Matt

    Nachruf auf den Mond
    NiWa

    NiWa

    Matt bringt seine Geschichte zu Papier, er erzählt von seinem bisherigen Leben und wie sich darüber von Anfang an der Schatten seines Bruders legt. Denn sein Bruder Simon ist längst tot, doch verlassen hat er ihn dennoch nicht. Matthew ist Patient in der Psychiatrie. Er hat den Tod seines großen Bruders Simon nie verkraftet, gibt sich daran selbst die Schuld und es ist ihm zumindest ein Trost, dass Simon nicht nur in ihm sondern mit ihm weiterlebt. Denn Matt ist schizophren und hat nicht nur mit seinem eigenen Geist sondern vor allem mit dem seines Bruders zu kämpfen. Kern der gesamten Handlung ist Matts Weg zur Erkrankung und wie er zumindest irgendwie zu genesen versucht, obwohl er sich nicht einmal sicher ist, ob er das überhaupt will, weil es bedeuten würde, Simon zu verlieren. Matt selbst würde es so ausdrücken: „Ich richte meinen Blick zwanghaft nach innen. Meine Gedanken kreisen ausschließlich um mich, so wie diese Geschichte. Es geht um meine Gefühle, meine Gedanken, meine Trauer.“ (S. 277) Aber nicht nur! Der Autor zeigt, wie sich psychische Erkrankungen in den Alltag einschleichen und wie lange es dauern kann, bis sie als solche begriffen werden. Er beschreibt traumatisierte Eltern, die mit der Situation überfordert sind, und eigentlich nur das beste wollen und damit vielleicht das schlimmste anrichten. Nathan Filer geht aber auch auf die Umstände in Nervenheilanstalten ein. Zeigt, wie sich alle zwar wohlwollend bemühen, und es dennoch viel zu wenig Aufmerksamkeit für die einzelnen Patienten gibt. Er zeichnet ein Bild von tristen Raucherhöfen, überarbeitetem Pflegepersonal, das schon einmal die Grundregeln der Pilleneinnahme vergisst, und Menschen, die in ihrem Job alles geben und trotzdem nicht das Mindeste schaffen können. Hier merkt man meiner Ansicht nach, dass der Autor von seinen eigenen Erfahrungen als Pfleger schöpft, und die Chance ergreift, um auf Missstände hinzuweisen. Die Geschichte von Matt und Simon bzw. Simon und Matt ist sehr drückend beschrieben. Matt wendet sich persönlich an den Leser, in dem er in der Psychiatrie mit dem Computer schreibt oder in seiner bescheidenen Wohnung in die Tasten einer alten Schreibmaschine haut. Matts geistigen Zustand entsprechend ist der Erzählstil teilweise verworren, denn der junge Mann ist eben an Schizophrenie erkrankt. Manchmal führt er den Leser genau wie sein Umfeld an der Nase herum, dann schlägt er mit einer entwaffnenden Ehrlichkeit zu oder ist sich selbst nicht so sicher, was überhaupt noch der Realität entspricht. Dieser Erzählstil war sehr fordernd und gleichzeitig interessant zu lesen. Manchmal hatte ich das Gefühl tatsächlich Matts Notizen in den Händen zu halten, diese Zettel, auf denen er seine Seele entblößt, und die ich als Leser in seiner schäbigen Wohnung gefunden und an mich genommen habe. Spannend ist auch, dass Matt dem Leser lange vorenthält, was überhaupt mit Simon geschehen ist. Gleich zu Beginn stellt er seinen großen Bruder vor, den er über alles liebt, nur um darauf hinzuweisen, dass man sich gar nicht erst an ihn gewöhnen soll: „ … bei der Gelegenheit kann ich Ihnen meinen Bruder vorstellen. Er heißt Simon. Ich glaube, Sie werden ihn mögen. Wirklich. In ein paar Seiten wird er tot sein. Danach war er nie mehr derselbe.“ (S. 11) Die Geschichte von Matt und seinem Bruder Simon war für mich eine spezielle Lektüre und regelrecht beklemmend zu lesen. Es ist ein behutsamer Einblick in eine geschundene Seele, dabei zeigt der Autor Zustände in Psychiatrien auf und möchte dem Leser vielleicht mitteilen, dass ein geistig verwirrter Mensch einfach nur krank ist, und genau deshalb Hilfe braucht.

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  • Beklemmende Eindrücke in eine verworrene Welt

    Nachruf auf den Mond
    MiraBerlin

    MiraBerlin

    Matthew und Simon sind Brüder und ein Herz und eine Seele. Aber eines Tages stirbt Simon bei einer nächtlichen Unternehmung mit Matthew. Für Matt bricht eine Welt zusammen und er gibt sich auch die Schuld für das Ganze. Was zu diesem Zeitpunkt noch keiner weiß: Matthew leidet an Schizophrenie und kann seinen Bruder weiterhin sehen. Dementsprechend lässt sich ein Aufenthalt in der Psychiatrie nicht vermeiden, in der er auch seine Geschichte niederschreibt. Ich interessiere mich sehr stark für psychische Erkrankungen, weshalb ich sehr gespannt auf dieses Buch war. Mit der Schizophrenie hatte ich mich bis dahin noch nicht so auseinandergesetzt und wollte deswegen einen besseren Einblick in diese Krankheit bekommen. Auch, weil dieses Buch so gehypt wird, war ich gespannt, was hinter diesem Debüt steckt. "Alles verändert sich, ständig. Auch die Wahrheiten." (S. 133) Das Buch war sehr häufig ziemlich beklemmend. Man merkt, wie durcheinander der Protagonist ist. Auch wenn er aus der Ich-Perspektive schreibt, konnte ich mich nicht mit ihm identifizieren und wollte das auch nicht. Hin und wieder machte mir sein Denken Angst, weil ich merkte, dass seine Darstellung falsch ist, aber da ich die Realität nicht kannte, wusste ich nicht, wie sehr seine Gedanken von dieser abweichen. Dieses Gefühl war ziemlich unheimlich. Mit dem Protagonisten bin ich nie wirklich warm geworden. Ich hatte kein Mitleid mit ihm und konnte mich auch nicht so in ihn hineinversetzen. Erschreckend fand ich es, wie es immer mehr bergab mit Matthew ging. Auch wenn es immer wieder Hoffnungsschimmer gab, konnte ich mich nie wirklich für ihn freuen. Ich fand es einfach so deprimierend, dass es für ihn keine wirkliche Heilung zu geben scheint, was der Protagonist aber auch zu wissen scheint. Er lebt zwar in seiner eigenen Welt, aber er beschönigt sein Leben nicht. Dennoch übt er sich aber auch nicht in perfektem Selbstmitleid. Darüber war ich ziemlich froh, weil mich das irgendwie sehr genervt hätte. Was ich sehr schade fand, war die Tatsache, dass man nicht wirklich etwas über seine Therapien erfahren hat. Er wird nur medikamentös behandelt, aber das war es dann auch schon. Stattdessen wird der typische Alltag in der Psychiatrie sehr gut geschildert. Das hat mir mit am besten gefallen. Insgesamt werden in diesem Buch sehr viele Themen behandelt, aber meines Erachtens sind es manchmal schon zu viele. Hin und wieder hat mir einfach der rote Faden gefehlt, weil es auch immer wieder Zeitsprünge gab, die ich sehr irritierend fand, auch wen das natürlich sehr authentisch die Innenwelt von Matt dargestellt hat. Gerade wegen der Authentizität hat mir das Buch besonders gut gefallen. Man merkt, dass der Autor sich mit psychischen Erkrankungen auskennt und vom Fach ist. Auch den Umgang von Matts Familie mit dem Tod Simons und Matts Krankheit gefiel mir sehr gut. Dennoch muss man anmerken, dass dieses Buch keine leichte Kost ist. Diese Lektüre bereitet keine gute Laune, sondern stimmt einen nachdenklich. Auch nach dem Lesen kreisten meine Gedanken um dieses Buch. Dennoch ist es empfehlenswert, weil man beginnt, sich mit dieser Krankheit mehr auseinanderzusetzen und sieht, wie zerstörerisch diese Krankheit ist - nicht nur für den Betroffenen selbst, sondern auch für sein soziales Umfeld.

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    • 4
  • Seelenleben in Aufruhr

    Nachruf auf den Mond
    jenvo82

    jenvo82

    Die beiden Brüder Matthew und Simon sind ein gutes Team und halten zusammen, obwohl der ältere am Down-Syndrom leidet und der jüngere an Schizophrenie, haben sie sich eine eigene gemeinsame Welt aufgebaut, die sie zu Freunden und Gleichgesinnten werden lässt. Als Simon mit elf Jahren während eines Campingurlaubs tödlich verunglückt, beginnt für Matthew eine schwere Zeit. Seine Krankheit übernimmt nun das Ruder in seinem Leben und er verlässt die Schule, später wird er in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, die ihm sowohl die persönliche Freiheit raubt als auch seine Emotionen abstumpfen lässt. Lediglich die Geschichten, welche er auf einer Schreibmaschine tippt, bieten ihm einen Hoffnungsschimmer und natürlich die Gespräche mit Simon, der für ihn nicht wirklich tot ist … Auf diesem Roman bin ich dank zahlreicher sehr positiver Kritiken aufmerksam geworden, so dass ich mir unbedingt selbst ein Bild davon machen wollte. Und meine Erwartungen wurden erfüllt. Die Lebensgeschichte der beiden Brüder geht zu Herzen, sie bietet viele Momentaufnahmen aus dem Leben zweier besonderer Menschen und sensibilisiert für eine psychische Krankheit, von der ich bisher nur wenig gelesen habe. Der Schreibstil ist holprig, stellenweise unlogisch und in wechselnden Schriftarten verfasst, zwischendrin findet man sogar Skizzen. An sich trifft das nicht ganz meinen Geschmack, passt aber zur Erzählung, denn Matthew schreibt als Ich-Erzähler. Besonders faszinierend fand ich das menschliche Verhältnis der Geschwister zueinander, ihre Zuneigung, die keine Fragen stellt, ihre Hilfsbereitschaft, die keine Grenzen kennt und nicht zuletzt ihre tiefe seelische Verbundenheit, die keiner aus ihrem persönlichen Umfeld restlos nachvollziehen konnte. Aber auch die düsteren Begebenheiten im Klinikalltag, die Abhängigkeit von ungewollten Medikamenten und den Verlust des normalen gesellschaftlichen Status auf Grund einer Erkrankung wurden hervorragend herausgearbeitet. Fazit: Dieser Roman bietet ein hohes Potential, er befasst sich mit verschiedenen Themen unter vollkommen unterschiedlichen Gesichtspunkten. Er stellt die Frage nach der Schuld und behandelt die einhergehende Reue – aber vor allem ist es ein Appell an die Menschlichkeit, die Verbundenheit und den Mut, Menschen zu lieben, die nicht der Norm entsprechen. Lesenswert!

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    • 7
  • Nachruf

    Nachruf auf den Mond
    bblubber

    bblubber

    27. July 2015 um 12:16

    „Nachruf auf den Mond“ ist ein überraschendes Werk. Dies beginnt schon bei dem liebevoll gestalteten Cover, welches zwar im ersten Moment - vor dem Genuss der Lektüre - keinen logischen Sinn macht , mich aber trotzdem sehr angesprochen hat. Ich wollte wissen, was es mit der Ameise und dem Mond auf sich hat. Schon beim schnellen Durchblätter sieht man, dass das Buch mit verschiedenen Schrifttypen spielt, um den Eindruck zu vermitteln, dass hier eine Sammlung von verschiedensten Papieren in die Geschichte einfließt. Beim Lesen erfährt man dann, dass es sich tatsächlich um Blätter von Matthew handelt, der all seine Gefühle und Gedanken auf unterschiedlichste Weise festhält. Auch kleine Zeichnungen und Kritzeleien gehören dazu und man bekommt ein Gefühl, als wäre man ganz nah dran an dem Ich-Erzähler. Matthew leidet an Schizophrenie – von der ich wenig Handfestes weiß – und wird in der Psychatrie deswegen behandelt. Seine Erzählungen prasseln ungefiltert und zeitlich ohne Chronologie auf den Leser ein und anfangs musste ich mich erst mal etwas einlesen und hätte mir vielleicht auch einige wirkliche Fakten vorab gewünscht, um die Zusammenhänge in ihrem Kontext besser zu verstehen. Etwas seltsam finde ich, dass er sich immer an den Leser direkt wendet und ich habe mich gefragt, ob er vielleicht diese Blätter auch für seinen Psychater verfasst hat. Auf jeden Fall muss er ja damit gerechnet haben, dass es jemand liest. Könnte natürlich auch ein weiterer Ausdruck seiner Schizophrenie sein, die sich sonst vor allem dadurch äußert, dass er seinen verstorbenen Bruder sieht oder wahnhafte Vorstellungen anderer Art hat. Man durchschaut das natürlich nicht immer gleich und stolpert manchmal in die Fallen des Autors/Erzählers, bis man merkt, hoppla, das war jetzt nicht die Wirklichkeit. Ich bin ja prinzipiell nicht so der Fan von Ich-Erzählungen, da diese Sicht manches Mal zu eindimensional ist. In diesem Buch hätte mir gut gefallen, wenn man noch mehr vom Leid der Eltern erfahren hätte, denn diese hatten erst ein krankes Kind, dass ein Kind das stirbt und das zweite Kind wird dafür schwer krank. Aber Matthews Krankheit und seine Erlebniswelt kommen gut rüber und das Buch hat einen anspruchsvollen und eindringlichen Ton, der mir gut gefallen hat.

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  • Die wunderbare Welt eines Jungen und seiner Krankheit

    Nachruf auf den Mond
    Wortteufel

    Wortteufel

    Matthew Homes verbringt einen wunderschönen Urlaub mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder Simon an der englischen Küste. Doch am Ende ist Simon tot und für Matthew plötzlich alles anders als zuvor. In kleinen und großen Episoden aus seiner Erinnerung erzählt Matthew nun seine Geschichte und die seines Bruders, in dem verzweifelten Versuch, mit der Vergangenheit abzuschließen. Das Bildnis eines Jungen und seiner Krankheit Simon war anders. Er hatte das Down-Syndrom und doch hat Matthew seinen Bruder geliebt. Die beiden Jungen waren die besten Freunde und als Simon während eines Familienurlaubs zu Tode kommt, gerät Matts Welt aus den Fugen, denn ihn lässt die Frage nicht los, ob der Tod seines Bruders nicht doch seine Schuld war. Doch auch Matt ist anders und die Schlange, die sich böse zischelnd durch die Äste seines Familienstammbaums schlängelt, hat ihn nicht verschont. Matt ist schizophren und eigentlich ist Simon gar nicht wirklich fort, denn er spricht noch immer zu Matt, steckt im Rauschen des Windes und in dem Rieseln der Salzkörner im Streuer und fordert seinen kleinen Bruder auf, mit ihm zu spielen. Matt erzählt seine Geschichte selbst. Er tippt sie auf der alten Schreibmaschine, die seine Großmutter ihm geschenkt hat, oder auf dem Computer in der Tagesklinik, die er besucht. Es sind lange und kurze Kapitel aus seinem Leben und aus dem Simons und nach und nach wird das Bild um die beiden Jungen immer deutlicher, auch wenn die Geschichten aus Matthews schizophrenem Geist nicht immer ganz klar und eindeutig sind. Es ist eine herrlich leichte Geschichte, die Matt erzählt. Mit seinen einfachen Worten stimmt er den Leser manchmal tottraurig, rühert ihn auf der nächsten Seite zu Tränen und bringt ihn darauf wieder zum Lachen. Am Ende ist vielleicht nicht alles wieder gut und doch ist es irgendwie besser. Fazit: Wer "Rain Man" oder "Ich habe dir nie einen Rosengarten versprochen" mochte, wird sich auch mit Matt gut verstehen und seine Geschichte gerne lesen. Es ist die Geschichte eines verrückten Jungen, der eigentlich gar nicht so verrückt ist, mit viel Einfühlungsvermögen und Fachkenntnis erzählt.

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    • 4
    heidi_59

    heidi_59

    20. July 2015 um 12:18
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