Geister

von Nathan Hill 
4,3 Sterne bei104 Bewertungen
Geister
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Neue Kurzmeinungen

jockel12s avatar

Ein ganz tolles Buch, das aus verschiedenen Perspektiven und Zeiten der Protagonisten erzählt. Sehr unterhaltsam!

marieliliths avatar

Man will, dass es nicht aufhört! Ein Lesevergnügen, tolle Sprache!

Alle 104 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Geister"

Ein Anruf der Anwaltskanzlei Rogers & Rogers verändert schlagartig das Leben des Literaturprofessors Samuel Anderson: Nach dem tätlichen Angriff auf den republikanischen Präsidentschaftskandidaten braucht seine Mutter dringend Samuels Hilfe – doch die beiden haben sich seit über zwanzig Jahren nicht gesehen. »Geister« ist ein allumfassender, mitreißender Roman über Liebe, Unabhängigkeit, Verrat und die lebenslange Hoffnung auf Erlösung, ein Familienroman und zugleich eine pointierte Gesellschaftsgeschichte von den Chicagoer Aufständen 1968 bis zu Occupy Wall Street.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783492311984
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:864 Seiten
Verlag:Piper
Erscheinungsdatum:01.12.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 05.01.2017 bei Audible GmbH erschienen.

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Rezensionen und Bewertungen

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    Bibliomanias avatar
    Bibliomaniavor 3 Monaten
    Geister

    Nach anfänglicher Skepsis und einigen Schwierigkeiten hat mich diese Geschichte doch noch überzeugt.

    Chicago 1988: Samuel ist 11 Jahre alt, als ihn seine Mutter von einen Tag auf den anderen verlässt. Jahre später, er ist mittlerweile  Literaturprofessor,ruft ihn ein Anwalt mit der Bitte an, einen Brief zugunsten seiner Mutter an den Richter zu schreiben. Sofort gerät Samuel in den Strudel der Vergangenheit und möchte herausfinden, was damals wirklich geschah, wer seine Mutter eigentlich ist und wieso zum Henker sie ihn verlassen hat.
    Parallel dazu spielen die Geschehnisse im Sommer 1968 in Chicago eine wichtige Rolle und sind ein historisch wahrer Aspekt der Geschichte. Dabei geht es um die Studenten-Proteste, die zu der Zeit in den Medien immer mehr hochkochten.
    Samuel selbst hat sich mit seinem unzufriedenen Leben arrangiert und verbringt seine Tage mit einem Online-Computerspiel. Außerdem ist er Schriftsteller, oder wollte es zumindest werden, und sein Literaturagent wartet seit 10 Jahren auf ein Buch, das Samuel nicht schreiben kann. Da kommt ihm dieser Brief, in dem er für seine Mutter bürgen soll, gerade recht.
    An der Hochschule läuft es für Samuel nämlich auch nicht gut. Er gerät an eine Studentin, die ziemlich faul ist, permanent betrügt und das nicht einmal einsieht. Die Szenen, die Samuel mit dieser Studentin ausficht, sind dabei besonders komisch und haben mich sehr amüsiert.
    Die Geschichte von Samuels Mutter Faye wird nach und nach aufgerollt und ist dabei äußerst interessant. Auch die Kindheit Samuels ist spannend, so dass man durch die Geschichte fliegt und die verschiedenen Zeitebenen eine zusätzliche Spannung bringen.
    Am Ende muss Samuel sein eigenes Leben irgendwie retten und alle Ereignisse seines Lebens und des Lebens seiner Mutter kommen zusammen.
    Das Buch war wirklich richtig spannend und interessant und ließ sich dabei recht flott weglesen. Der historische Bezug ist gut gelungen und muss wirklich grausam gewesen sein. Kein Wunder, dass Chicago Kopf stand. Ich glaube Nathan Hill ist eine sehr interessante neue Stimme in der Literatur und obwohl ich nicht mehr so häufig Geschichten lese, die in Amerika spielen, hoffe ich doch, dass wir von diesem neuen Autor noch mehr zu lesen bekommen werden.

    Kommentare: 1
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    black_horses avatar
    black_horsevor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Habe mich schwer getan, Story konnte mich nicht mitreißen und die Figuren waren teilweise anstrengend.
    Die ich rief die Geister ...

    Dieses Buch stand lange auf meiner Wunschliste, aber ich habe erst jetzt die Muße gefunden, das umfangreiche Werk zu lesen. Ich bin aufgrund der guten Bewertungen mit großen Erwartungen an das Buch gegangen.

    Leider wurden sie nicht erfüllt. Ich habe teilweise mit längeren Pausen gelesen und fand viele Szenen zu ausschweifend. Insbesondere die Flucht in die Elfscape-Welt und die Nebenfigur Pwange nahmen mir zu viel Raum ein und lenkten von der eigentlichen Handlung um Samuel und Faie ab.
    Mit diesen Beiden konnte ich mich aber leider nicht so richtig anfreunden. Sie waren mir unsympathisch und blieben unnahbar.

    Die Rückblicke in die Zeit der 1968 haben mir gut gefallen. Hier bekam man einen guten Einblick in die Stimmung der damaligen Zeit. Auch die Figur Sebastian fand ich gelungen.

    Am Ende fügte sich auch das Gesamtbild sehr deutlich zusammen. Eine geschickte Auflösung, die mich ein bisschen mit dem Werk versöhnt hat.

    Insgesamt eine interessante Geschichte, die sich aber in Details verliert, die das Lesen mühsam machen.

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    Insider2199s avatar
    Insider2199vor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Ein absolut beeindruckendes Debüt: handwerklich perfekt mit interessanten Figuren, unterhaltsamem Plot und innovativen Ideen (*****)
    „Das, was du am meisten liebst, wird dir eines Tages am meisten wehtun.“

    "Das was du am meisten liebst, wird dir eines Tages am meisten wehtun."

    Der 1978 geborene Autor arbeitete als Journalist und unterrichtete Schreiben an der Florida Gulf Coast University. Heute lehrt er Kreatives Schreiben und Literatur an der University of St. Thomas in St. Paul, Minnesota. Dieser Roman ist sein Debüt, der zurzeit in über zwanzig Sprachen übersetzt wird.

    Inhalt (Klappentext): Ein Anruf der Anwaltskanzlei Rogers & Rogers verändert schlagartig das Leben des Literaturprofessors Samuel Anderson: Nach dem tätlichen Angriff auf den republikanischen Präsidentschaftskandidaten braucht seine Mutter dringend Samuels Hilfe – doch die beiden haben sich seit über zwanzig Jahren nicht gesehen.

    Meine Meinung: Welcher angehende Autor wünscht sich nicht, so ein Debüt hinzulegen? Ein Debüt, das mich völlig beeindruckt sagen ließ: „Das ist nicht nur ein Highlight des Jahres, sondern der letzten Jahre!“

    Hier stimmt einfach alles: Figuren, Plot, Sprache – handwerklich gibt es einfach nichts zu beanstanden und aus meinem Mund mag das schon was bedeuten, weil mir in der Regel schon alle Kleinigkeiten auffallen. Selbst wenn man beanstanden wollte, dass manch Sub-Plot (z.B. der Computer-Freak oder die ehrgeizige Studentin) vielleicht etwas zu ausschweifend geriet, kann ich nur darauf erwidern: ja, mag sein, der Computer-Freak hat nur in kleinen Teilen mit der Kernhandlung zu tun (er hätte z.B. einen wunderbaren Helden für einen völlig eigenständigen Roman abgegeben!) und dennoch möchte ich diese beiden Sub-Plots nicht missen, weil sie für mich mitunter die Highlights des Buches darstellten. Man nehme z.B. nur den 11-seitigen Satz (!!), der in leidenschaftlicher Manier beschreibt wie der Computer-Freak beschließt, sein geliebtes Computer-Spiel zu beenden und ins reale Leben zurückzukehren: völlig beeindruckend, nicht nur sprachlich, sondern auch formal!

    Des Weiteren besticht der Autor nicht nur durch sein psychologisches Gespür – die Background-Stories erklären in sehr eindrücklicher Weise, was eine Figur ausmacht und was sie im Leben antreibt, natürlich oder im besonderen Maße auch ihre Wunden und Verletzungen – sondern auch durch seine unheimlich gute Beobachtungsgabe, die dafür sorgt, dass die Schilderungen nicht nur sehr lebendiges Kopfkino auslösen, sondern auch tief bewegen und die Seele berühren. Anders ausgedrückt: der Autor könnte mir auch für mich völlig uninteressante Dinge näherbringen und ich würde dennoch wie gebannt an seinem „Mund“ hängen. Hier eine kleine Kostprobe:

    „… und ihr küsst euch noch immer, tief, wild, ihr verschlingt einander, und du bist dir bewusst, dass du dir all dessen bewusst bist und in der Lage zu sein scheinst, dich auf all das zu konzentrieren und es gleichzeitig zu fühlen, deine Hände, ihre Haut, deinen Mund, ihren Mund, ihre Hände, ihren Atem und wie ihr Körper auf deinen reagiert, diese Eindrücke kommen dir nicht wie getrennte Wahrnehmungen vor, sondern wie Schichten einer einzigen größeren Empfindung, jener Bewusstseinsverschiebung, zu der es kommen kann, wenn man ineinander verschlungen ist und sich alles richtig anfühlt, und es ist fast so, als wüsste man genau, was die andere Person will, als könnte man die Emotionen spüren, die ihren Körper durchzucken, ganz so, als würden sie den eigenen Körper durchzucken – als hätten eure Körper vorübergehend jede Kontur verloren und wären zu entgrenzten Gebilden geworden.“

    Besonders beeindruckt haben mich aber die innovativen Ideen des Autors, eine Geschichte in formaler Hinsicht mal auf eine andere Weise zu erzählen: da gibt es den Teil mit der Studentin, die mit witzigen Headlines abgetrennt ist. Oder ein Kapitel, in dem der Leser vom Erzähler mit „du“ angesprochen wird, damit er sich noch stärker mit dem Held auseinandersetzen kann und das Gefühl hat, der Held selbst zu sein und die Entscheidungen für ihn zu treffen. Abgerundet mit überaus humorvollen Aufforderungen wie z.B.: „wenn du xy helfen willst, xy zu tun, dann blättere bitte auf die nächste Seite.“ Einfach nur göttlich!!

    Am Ende gibt es sogar noch eine gelungene Wende, die zwar dramaturgisch nicht unbedingt nötig war, aber sie beantwortet einige Fragen. Auch sonst bleiben keine Fragen offen, was ich sehr gut fand, und der Autor findet zu einem sehr stimmigen, harmonischen Ende, das mir sehr gut gefiel und dem Plot auch sehr angemessen ist. Der Roman hat zwar Überlänge, aber hier ist keine Seite überflüssig oder langweilig und ich hätte gerne noch weitergelesen.

    Fazit: Ein absolut beeindruckendes Debüt: handwerklich perfekt mit interessanten Figuren und unterhaltsamem Plot, innovativen Ideen zum formalen Aufbau, dem längsten Satz der Literaturgeschichte (!), bewegend und einen nachhaltigen Eindruck hinterlassend. Diesen Roman werde ich sicher noch ein 2. Mal lesen und kann das nächste Buch des Autors kaum erwarten, hoffentlich braucht er dieses Mal nicht erneut 10 Jahre, das wäre ungeheuer schade. Ein Highlight der letzten Jahre, für das ich auch 10 Sterne vergeben würde, und der Autor wandert auf meine Favoriten-Liste. Unbedingt lesen!

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    Yolandes avatar
    Yolandevor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Sprachlich hervorragend mit grandiosen Dialogen und interessanter Story
    Man wird die Geister der Kindheit nie los

    Nathan Hill wurde in Cedar Rapids, Iowa, USA geboren. Er erwarb den Bachelor in Englisch und Journalismus an der Universität von Iowa und den Master in Kreativem Schreiben an der University of Massachusetts Amherst.

    Er arbeitete als Journalist und ging anschließend an die Academy of American Poets. Danach lehrte er an der Florida Gulf Coast University und an der University of St. Thomas in St. Paul, Minnesota.
    Hill veröffentlichte Erzählungen in verschiedenen Literaturzeitschriften. Sein erster Roman "The Nix" (dt. Geister) erschien 2016. Er gewann damit einen Los Angeles Times Book Prize. Der Roman wurde noch 2016 in Deutschland und weiteren 19 Ländern übersetzt und veröffentlicht.  (Quelle: Wikipedia)

    Inhalt (Klappentext):
    Ein Anruf der Anwaltskanzlei Rogers & Rogers verändert schlagartig das Leben des Literaturprofessors Samuel Anderson: Nach ihrem vermeintlichen Angriff auf einen republikanischen Präsidentschaftskandidaten soll er für seine Mutter bürgen. Ein Gedanke, der ihm zunächst völlig abwegig erscheint - denn die beiden haben sich seit über 20 Jahren nicht mehr gesehen. Doch Samuel will auch endlich begreifen, was damals wirklich geschehen ist.

    Der Sprachstil dieses Buches ist überwältigend. Ich habe selten so ausgefeilte, humorvolle und sprachlich ausgereifte Dialoge gelesen wie hier. Vor allem die Selbstgespräche und Gedanken der Protagonisten sind grandios. Man konnte sich mit vielen (zum Glück nicht mit allen) Zweifeln und Grübeleien identifizieren und sich somit hervorragend in die Gefühlslage der jeweiligen Person hineinversetzen. 
    Die Geschichte spielt auf mehreren Zeitebenen. Diese wechseln zwar immer wieder ab, sind aber gut gekennzeichnet und es fällt dem Leser nicht schwer, den Zeitabläufen zu folgen. Nathan Hill gelingt es sehr gut, den jeweiligen Zeitgeist zu erfassen und darzustellen. Besonders die Paranoia der Regierung, bzw. der Polizei gegenüber Andersdenkenden oder auch einfach nur nichtkonformen Personen wird erschreckend deutlich.
    Die Story insgesamt ist interessant und zeigt deutlich, wie groß der Einfluss der Kindheitserlebnisse auf den heutigen Charakter und Persönlichkeit ist. Niemand kann sich von seiner Vergangenheit frei machen, man muss versuchen, sie zu akzeptieren und das Beste daraus zu machen. 
    Einzig den Nebenstrang mit den Computerspielern fand ich überflüssig, auch wenn es amüsant zu lesen war, wie leicht man sich doch selbst betrügen kann.

    Fazit: Ein sprachlich hervorragendes Buch mit einer interessanten Story. Leider flachte es ganz zum Schluss leicht ab, deshalb gebe ich 4 (sehr gute) Sterne.

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    KlaasHarbours avatar
    KlaasHarbourvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Ein unglaublich tolles Buch, dass sowohl sprachlich als auch inhaltlich begeistert!
    Der neue Star der Literaturwelt?

    Die Rezension könnt ihr auch HIER auf unserem Blog "DieBuchblogger" einsehen! Ich würde mich sehr freuen!

    Nathan Hill ist wirklich einer der ganz großen Erzähler. Dies merkt man schon jetzt nach seinem ersten Buch. Der Art-Seidenbaum-Award-Gewinner von 2017 beschreibt virtuos die Geschichte rund um einen Mann, der seiner Mutter helfen soll, nachdem diese einen Präsidentschaftskandidaten angegriffen hat. Dabei trifft er sie nicht nur zum ersten Mal, seit sie ihn als Kind verlassen hat, sondern wickelt auch ihre gesamte Lebensgeschichte neu auf. Jedoch muss man sagen, dass der Plot, der auf dem Klappentext beschrieben wird, nur relativ wenig Platz einnimmt. Vielmehr webt er als roten Faden die Erzählungen der Kindheit der Mutter, ihres Sohnes und wie dieser sein Leben heute lebt zusammen (und es gibt noch viel mehr Aspekte und Personen, die beleuchtet werden). Die Hauptstory rund um den Anschlag auf den Gouverneur bringt alles ins Rollen und schließt als Klammer am Ende auch alles wieder ab.


    Bis man aber ans Ende des Buches gelangt, erlebt man als Leser so einiges. Manchmal entspannt und sogar romantisch, dann wieder rasant und brutal, erfährt man von den Studentenprotesten der Sechziger, dem Sich-selbst-Vergessen eines Computersüchtigen oder einfach nur dem engen Korsett aus gesellschaftlichen Regeln und Normen, verteilt auf wenige Tage von 1950 bis 2011. Flüssig wird der Leser durch das Leben von drei Generationen einer Familie geführt (ohne ein historischer Roman zu werden) und erzeugt so einen Querschnitt der amerikanischen Gesellschaft mit all seinen Facetten, in dem sogar die Nebencharaktere ein komplett eigenes Leben und Eigenheiten erhalten. Durch das scharfe Zeichnen seiner Figuren hält Nathan Hill seinen Lesern den Spiegel vor und zeigt die verschiedenen, manchmal trügerische Seiten des Menschen auf.


    Das Buch lebt aber nicht nur durch seine ausschweifende Geschichte, sondern auch durch die komplizierten und verschachtelten Satzkonstruktionen. Hervorragend übersetzen Werner Löcher-Lawrence und Katrin Behringer auch diese Eigenheiten und machen das Werk somit zu einem sehr lesbaren und gleichzeitig sprachlich spannenden Buch – auch für deutsche Leser! Fast 900 Seiten sind schon viel Text, doch Nathan Hill weiß diese zu füllen. Von Anfang an wird klar: Das hier ist kein hingeworfenes Familiendrama! Ohne dass es unangenehm auffällt, greift er manchmal so weit in der Geschichte aus und hängt einen Nebensatz an den nächsten, um seitenlangen Gefühlsausbrüchen Ausdruck zu geben. Wie ausholend und detailverliebt er dabei Dialoge beschreibt, ist wirklich unglaublich und gibt dem Buch eine ganz eigene Dynamik.


    Spannend wird die Geschichte rund um Samuel Anderson von Anfang an aufgebaut, um am Ende endlich einen Sinn zu ergeben und alles aufzudecken. Dabei ist es aber nicht so, dass man während des Lesens die ganze Zeit auf die Auflösung wartet, sondern vielmehr von den immer wieder neuen Handlungen auf den über 800 Seiten gepackt wird und nur selten einen Gedanken an den Schluss des Buches verliert. Als ich dann aber wirklich den letzten Seiten des Buches näher kam, war es mir fast schon ein wenig zu plötzlich. Das mag auch an dem Kontrast liegen, dass man das ganze Buch hindurch die einzelnen Geschichten der Charaktere erkundet, um dann am Ende alles in einem einzigen Kapitel, einem einzigen Dialog, erklärt zu bekommt, wodurch alles so einfach aussieht und man sich fragt: „Wie hat der Autor es geschafft, das so zu verheimlichen?“


    „Laura sitzt starr und aufrecht da, wachsam, das Gesicht kalt, das Weinen ist wie abgeschaltet. Es kann nicht genug darauf hingewiesen werden, wie schnell das ging. Samuel muss an einen Ausdruck denken, den er auf Gemüsepackungen im Lebensmittelladen gesehen hat: schockgefroren.“


    Man kann das Buch natürlich so auf Sprache und Rhetorik untersuchen, wie ich es getan habe, kann etwas ganz großes der Gesellschaftskritik in diesem Roman sehen, aber viel wichtiger ist wohl für viele: Es unterhält auch einfach sehr gut! Zwar ist es toll zu sehen, wie ein Autor es direkt in seinem ersten Buch schafft, ein Kapitel über 17 Seiten mit einem einzigen, endlos ineinander verschachtelten und zusammengefügten Satz zu füllen, nur um dann zu Intervallen von 1,5-Seiten langen Kapiteln zu wechseln und beeindruckend, wie er scheinbar unbemerkt zwischen Präsens und Präteritum wechselt, aber er schafft es genauso, seine Leser zu packen und zusammen mit den Protagonisten an sein Buch zu fesseln. Zwar muss ich zugeben, dass ich mich aufgrund des ausschweifenden und ausholenden Schreibstils auch hin und wieder zum Lesen überreden musste, aber es war einfach jede einzelne Stunde und Seite wert! Besonders je näher man dem Ende kommt, desto rasanter wird es und lässt einen als Leser nicht mehr aufhören. Außerdem sind einige der Charaktere einfach auf eine Art witzig, dass ich besonders am Anfang des Buches sehr häufig schmunzeln musste – ohne, dass es die Geschichte oder die Figuren selbst ins Lächerliche zieht.


    Hier noch ein sehr interessantes und gut geführtes Interview mit Nathan Hill!


    Nathan Hill liefert ein ausdrucksstarkes Buch über das Wegrennen, Verlust und Verzeihen ab, an dem sowohl Roman-Fans, als auch Sprach-Analytiker ihre Freude haben werden. Tief taucht er in die einzelnen Lebensgeschichten jedes einzelnen Charakters ein und verwebt schlussendlich alles miteinander zu einem dichten Netz aus unterschiedlichen Geschichten, die zu Anfang alle anders erscheinen, zum Ende aber alle die gleichen Muster aus Ablehnung und Schmerz aufzeigen. Dies muss man mögen, aber wenn man das tut, wird man hier gar nicht mehr aus dem Schwärmen kommen! – Ganz klar: 5/5 Sterne

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    Daniel_Allertseders avatar
    Daniel_Allertsedervor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Großartig!
    Großartig!

    Meine Meinung

    »Geister« ist, ohne sich genau mit dem Inhalt befasst zu haben, auf jeden Fall ein dickes Werk! Hunderte Seiten Geschriebenes, hunderte Seiten Inhalt – was mag uns da wohl erwarten? So war es jedenfalls bei mir, ich habe großes Erwartet, ein gefeiertes, amerikanisches Stück Literatur von einem jungen, ambitionierten Autor, der sich Nathan Hill nennt; ein Autor mit Perspektiven, ein Autor, der #beGEISTERt!

     

    Schon auf den ersten Seiten ein Konflikt, der überrascht: Ein Anschlag auf einen Staatsmann, verübt von der Mutter unseres Hauptcharakters – Samuel Anderson-Andresen, ein ungewöhnlicher Doppelname, der ihm selbst nicht ganz gefällt. Unser Protagonist ist ein junger Professor und lehrt in einer Universität. Zwischen einer konservativen Vorgesetzten und Teenagern, die überwiegend an Kopulation als an Studium denken vergeudet er sein Leben, lenkt sich mit Online-Spielen ab und müsste eigentlich schon seit zehn Jahren ein Buch abgeliefert haben – ein Leben, welches nicht ganz nach Plan verläuft, aber ein Ereignis, welches es redlich verändert…

      Mit einer Sprache, die überzeugt, und mit einem Sinn für Dramatik, der fasziniert, konzipiert der Autor eine erdrückende, aber so lebhaft und klug organisierte Geschichte, die über Jahrzehnte hinweg aufgebaut wird, und die mit Rückblicken erklärt und verdeutlicht wird. Zahlreiche Charaktere spielen eine tragende und wichtige Rolle; zahlreiche Charaktere sind ausschlaggebend für Persönlichkeitsveränderungen und Charakterentwicklungen diverser Personen. Nehmen wir zum Beispiel unseren Helden Samuel: Der einst so schüchterne und naive Junge wandelte sich zu einem Stern am Firmament, zu einem Professor, der Autorität wahrt, der sich durchsetzen kann – dies alles nur dank seinem alten Freund Bishop, welcher, und dies erfährt man ebenfalls erst später, selbst ein erschütterndes Geheimnis barg und erklärt, warum er als Kind so war, wie er war.

       Dieser 800-Seiten-Schinken muss erst einmal geschrieben werden, und bei diesem Punkt habe ich größten Respekt vor Nathan Hill, der vollen Einsatz bewiesen hat, und der mit einer Geschichte gepunktet hat, der ich zwanglos gefolgt bin. Und dieser Schreibstil … lebendig, offen, neugierig, und vor allem: stark und philosophisch, ein erbaulicher und sehr angenehmer Schreibstil, der stetig die Neugierde am Leben hält und immer wieder überrascht. Sehr viel Humor, ein wenig Polemik und eine große Portion amerikanische Geschichte, die nicht nur ins Fiktive, sondern auch ins Reale übertragen und abgeändert wurde – sehr lobenswert!

    Fazit

    Ein überzeugendes, großartiges Werk über tragende Säulen verschiedener Personen, aber ein Endresultat, welches bei unserem Helden Samuel endet. Tolle Sprache, intelligent verarbeitet, einfach bewegend!

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    S
    Starbucksvor 9 Monaten
    Der Weg ist das Ziel

    Es muss lange her sein, dass ich ein Buch mit über 800 Seiten Länge gelesen habe – Nathan Hills „Geister“ hat ganze 858 Seiten. Doch man fängt an, dieses Buch zu lesen und kann es zwar auch aus der Hand legen, aber der Roman ist so gut geschrieben, dass man einfach lesen möchte – ich habe nicht einmal darüber nachgedacht, wie der Roman wohl enden wird, es hat mich nicht gedrängt, ungelöste Fragen beantwortet zu bekommen. Der Weg ist hier das Ziel: Das Lesen selbst wird zum Erlebnis, nicht das Ende des Buches.

    Zum Inhalt: „Geister“ spielt in drei Zeitebenen und dreht sich um den Protagonisten Samuel Anderson Andresen, einen Literaturprofessor mit wenig Motivation für seinen Job, der eher spielsüchtig ist und seine Zeit mit einem Internetspiel verbringt. Man erlebt Samuel in seiner Kindheit und als Erwachsener. Außerdem geht es zurück in die Zeit der 68er, als seine Mutter, die ihn mit 11 Jahren verlassen hat, jung war. Sie hat einen Gouverneur angegriffen, und Samuel wird fast genötigt, ein Buch darüber zu schreiben, so dass er anfängt, in ihrer Vergangenheit zu recherchieren, als sie u.a. bei den Aufständen in Chicago in 1968 dabei war.

    Die Handlung klingt etwas kompliziert, weil sie zwischen drei Ebenen wechselt. Folgen kann man aber gut. Dabei ist die Handlung nicht extrem spannend, sondern so fantastisch erzählt. Z.B. gibt es einen weiteren Spielsüchtigen, der sich immer wieder vornimmt, sein „echtes“ Leben wieder in den Griff zu bekommen, der aber immer wieder daran scheitert. Hill schildert genau und extrem autentisch, warum dieser Spieler, der für Millionen Gleichgesinnte steht, nicht mehr davon los kommt. Am Ende wird hier zwar etwas übertrieben, aber das macht nicht. Weiterhin gibt es die Geschichten von Samuels Mutter, die als Musterschülerin später zur Rebellin wird. Es gibt einen Vater – Samuels Großvater – der aus Norwegen in die USA immigriert ist und die Geister seiner Vergangenheit nicht los wird. Und es gibt ein verbohrtes junges Mädchen, das von ihrem großen Erfolg träumt, den sie durch Lügen und Betrügen erringen will. So gibt es noch zahlreiche weitere Charaktere, die ich hier nicht alle aufzählen kann.

    Trotz der vielen Charaktere und Handlungsstränge verliert man sich als Leser nie. Nathan Hill ist ein Meister des Erzählens. Vielleicht ist dieser Roman auch so gut, weil es sein Debütroman ist. Er klingt sehr einzigartig, besonders, nicht wie ein Roman aus der Feder eines professionellen Autors, der Romane am laufenden Band produziert.

    Der hintere Teil mit den Unruhen in Chicago und auch die Auflösung hat mir nicht ganz so gut gefallen, obwohl alles geschichtlich gut recherchiert war und sich an die wahren Begebenheiten hält. Ich hatte nicht mit überraschenden Wendungen gerechnet, denn die braucht dieses Buch gar nicht. Aber es gibt sie dennoch.

    Fazit: Nathan Hills „Geister“ ist ein Meisterwerk, Nathan Hill ein Meister, der das Innerste der Protagonisten nach außen kehrt. Die ungewöhnliche Mischung der Charaktere und der ungewöhnliche Verlauf der Romanhandlung überzeugen. Dieses Buch hätte gern noch weitere 800 Seiten haben dürfen. 

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    leseleas avatar
    leseleavor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Leider kein Meisterwerk, sondern reine Durchschnittsware!
    Durchschnittsware

    Donald Trump sells. Anders kann ich mir den Hype, den Nathan Hills Roman Geister 2016 ausgelöst hat, nicht erklären. Und es scheint ja auf dem ersten Blick auch auf unheimliche Weise fantastisch: Der Immobilientycoon Trump wird Präsident, nachdem er im Wahlkampf mit populistischen, nationalistischen und eindeutig rechten Parolen für Aufsehen gesorgt hat. Und just in diesem Moment erscheint – nach 10 Jahren Arbeit – Hills Buch über einen republikanischen Präsidentschaftskandidat, der sich durch seinen „antiautoritären Populismus“ (S. 19) und seinen Fokus auf „nationale Belange“ (ebd.) profiliert. Was für eine Parallele! Natürlich muss das auf den Klappentext gedruckt werden, sozusagen als Aufhänger. Für mehr taugt der Trump-Verschnitt in Hills Roman nämlich auch nicht: Denn Geister erzählt primär vom Literaturprofessor Samuel Anderson sowie seine Mutter Faye. Letztere hat ersteren vor über 20 Jahren verlassen und rückt erst wieder in sein Blickfeld, nachdem sie den republikanischen Politiker attackiert und damit ein landesweites Medienecho ausgelöst hat. Fortan wird auf den knapp 860 Seiten vor allem die Lebensgeschichte der Mutter erzählt, die schwer durch die Chicagoer Aufstände von 1968 geprägt wurde, sowie das Trauma des verlassenen Sohnes skizziert. Beides reicht, um Geister die Etiketten „Familienroman“ und „pointierte Gesellschaftsgeschichte“ zu verpassen.

    Jetzt werden viele sicherlich einwenden, dass doch gerade das Geister zu einem herausragenden Roman macht. Alles gehört in diesen Tagen zusammen und hat zu der Situation geführt, die Amerika seit 2016 lebt: die Studentenunruhen der 1968er, die Medien und das Phänomen Fake News, das Aufbrechen der traditionellen Familie, die political correctness in den elitären, linksgerichteten Kreisen, der Niedergang der Arbeiterklasse in den ländlichen, industriell geprägten Gebieten, die Selbstdarstellung und vor allem Selbstvermarktung. Das alles steckt doch in dem Buch drin! Und ja, das tut es auch, Nathan Hill erzählt von all diesen Themen – doch er tut es meiner Meinung nach auf erstaunlich schlechte Weisen.

    Geister krankt meiner Meinung daran, dass es über große Teile eine fragmentarisch erzählte Geschichte ist. Fragmentarisch ist sie, weil Hill wie oben skizziert, alle wichtigen Themen der jüngeren amerikanischen Geschichte in seinen Roman reinpacken will. Leider schafft er das nicht mit dem Personal und der Grundstory, die er sich ursprünglich erdacht hat. Deswegen muss er erzählerische Umwege gehen, Nebenfiguren und -stränge erfinden, die mit der Hauptstory nichts zu tun haben, nur um dem Anspruch eines allumfassenden Gesellschaftsromans zu erfüllen. Dies bläht den Roman nicht nur unnötig auf (auf diesen 860 Seiten sind eindeutig einige Seiten zu viel und viele Sätze unnötig), Hill merkt selber, dass beispielsweise die Story über den computersüchtigen Pwnage und die Studentin Laura nicht in seine eigentliche Geschichte gehört. Deswegen beginnt er zu erklären – und zwar ausschweifend und sichtlich bemüht auf pseudopsychologische und pseudophilosophische Weise (und welche Wissenschaften sonst noch herhalten müssen). Das Buch verfällt daher immer wieder in einen nervigen Plauderton, der sicherstellen muss, dass die intendierte Kritik des Autors beim Leser tatsächlich ankommt. Hill verfügt scheinbar nicht über die erzählerischen Mittel, seine Gesellschaftskritik implizit durch seine Geschichte, ihre Handlung und Figuren, an den Mann bzw. an die Frau zu bringen.

    Dies trifft zugegebenermaßen nur auf den Erzählteil in der Gegenwart zu: Die Story um Samuel im Jahr 2011 gehört wirklich zu den schlechtesten Dingen, die ich je gelesen habe. Total überzogen, nicht realistisch und immer wieder haarscharf an der Grenze zur billigen Satire! Gott sei Dank greift Hill auf den stets beliebten Kniff zurück, seine Geschichte abwechselnd in die Gegenwart und die Vergangenheit springen zu lassen, um so den Leser peu à peu das Gesamtbild nahezubringen. Das führt glücklicherweise nicht nur zu Spannungsaufbau, Hill schafft es auch in den Teilen um Fayes Kindheit und Jugend durch atmosphärische Beschreibungen und authentische Darstellungen der vergangenen Jahrzehnte Nähe zu einer seiner Figuren entstehen zu lassen. Hier konnte mich der Autor tatsächlich abholen, Interesse für seine Protagonistin sowie Neugier auf den weiteren Verlauf erzeugen.

    Dies ist zugegebenermaßen eine sehr wütende und deswegen vielleicht nicht immer ganz faire Rezension. Wütend bin ich, weil ich mich gemäß meiner Maxime, nie ein Buch abzubrechen, wirklich über die Hälfte der Zeit durch das Buch gequält habe. Ich habe mich auf einen guten Schmöker gefreut, auf ein Meisterwerk, da so viele in dem Buch sehen, auf Spannung und Überraschungen. Doch Geister ist für mich hinsichtlich Thematik und Aufbau reine Durchschnittsware, etwas, das ich so oder so ähnlich schon häufig gelesen habe, kaum innovativ, selten unerwartet und in meinen Augen häufig auch handwerklich schlecht gemacht. Wäre nicht der historische Strang gewesen sowie Hills zugegebenermaßen anspruchsvolle Sprache und seine gelegentlichen erzählerischen Experimente, ich hätte das Buch vermutlich gegen die Wand geworfen. Daher nur enttäuschte 2,5 Sterne!

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    Aqua__s avatar
    Aqua__vor einem Jahr
    Geister

    Und plötzlich war sie nicht mehr da. Als kleiner Junge wurde Samuel von seiner Mutter verlassen und fortan von seinem Vater großgezogen. Mittlerweile erwachsen arbeitet er als Professor an einer Uni, wo er sich nach der Arbeit in seinem Büro in die Welt von Elfscape, einem fiktiven Rollenspiel, flüchtet. Mit seinem Leben ist er nicht besonders zufrieden, hatte er doch größere Pläne für dieses. Eines Tages bekommt Samuel einen Anruf einer Kanzlei aus Chicago.
    Seine Mutter hat den republikanischen Präsidentschaftskandidaten angegriffen und braucht nun seine Hilfe.
    Das erste Mal, wenn man das Buch sieht kann man schon einen Schock bekommen, da es nicht gerade kurz ist mit 857 Seiten. Jedoch sollte man sich davon nicht abschrecken lassen. Der Einstieg ist durch den ausführlichen Schreibstil von Nathan Hill locker zu lesen. Am Anfang des Romans bekommt der Leser zunächst nur einen genaueren Einblick in das Leben von Samuel. Bei einem öffentlichen Auftritt greift seine Mutter Faye den republikanischen Präsidentschaftskandidaten an, was aus der Sicht von Reportern erzählt wird.
    Beide führen ein Leben unabhängig voneinander - bis zu diesem einem Tag. Der Titel „Geister“ lässt einen vielleicht zunächst eine Horrorstory vermuten, aber es geht um die Geister aus der Vergangenheit, die einen wieder einholen können. Im Ganzen lässt sich der Roman eher der Kategorie Familiendrama/Gesellschaftsdrama zuordnen. Man hat beim Lesen das Gefühl, dass nichts ausgelassen wird. Es ist der Debütroman des 38-jährigen Nathan Hill, an dem er gute zehn Jahre geschrieben hat.

     

    Ein Teil des Buches behandelt die Gesellschaft der USA ab den Chicagoer Protesten von 1968. Unter anderem wurde damals gegen den Vietnamkrieg demonstriert. Andere Teile erzählen von einer Auswandergeschichte in Norwegen oder beleuchten das Leben einer englischen Studentin, die fast nur in Social-Media-Gruppen ihr Leben lebt. Außerdem erinnert der angegriffene Präsidentschaftskandidat an Donald Trump. Das soll zwar nur ein Zufall sein laut Nathan Hill, aber so ein Zufall ist schon ziemlich unglaublich. Jetzt fragt man sich vielleicht, wie das alles miteinander zusammenhängt, aber das findet ihr am besten selber heraus.

     

    Alles in allem ist es ein Buch, für das ein etwas längerer Atem benötigt wird, aber wer auf Familiendramen steht, die auch das geschichtliche Geschehen mit einbeziehen und verdeutlichen, welches Ausmaß Entscheidungen haben können, kommt hier ganz auf seine Kosten.


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    Federfees avatar
    Federfeevor einem Jahr
    Episches Meisterwerk, Familienroman, Gesellschaftskritik

    Es stand schon lange auf meiner Liste, aber als ich es dann für knapp 8 Euro (Mängelexemplar) da liegen sah, griff ich zu. Ein dicker Schinken von fast 900 Hardcover-Seiten (engl. The Nix, 2016), der mich beGEISTERnde Debutroman eines erst 38 Jahre jungen Autors. (Wo der das alles hergenommen hat?) Es ist wohl die Erstauflage mit dem ganz in hellgrau gehaltenen Cover mit Erhebungen, die an Blindenschrift erinnern und die Skyline von Chicago darstellen, wo der Roman hauptsächlich spielt.

    Der Einstieg gestaltete sich ein bisschen zähflüssig. Noch nie war ich bei einem Buch so hin- und hergerissen und – ich gestehe es - sogar mal kurz vor dem Abbrechen. Einige Passagen habe ich überflogen (z.B. die allzu langatmige Wiedergabe der verqueren Argumentation einer sich beschwerenden Studentin), doch am Ende war ich fast traurig, nicht länger im Buch verweilen zu können, es sei denn, ich läse es noch einmal. Das werde ich mit Sicherheit mit Genuss tun und bestimmt noch so einiges Überlesene entdecken.

    "Je mehr er schreibt, desto stärker weitet sich die Geschichte aus." (849)

    Noch vor kurzem habe ich bei einem anderen Roman die Überfülle an Themen kritisiert und nun finde ich hier genau das wieder, aber es stört mich nicht, wahrscheinlich, weil alles geschickt in die Geschichte der handelnden Personen verwoben ist.

    Was ist es nun, dieses monumentale Meisterwerk epischen Ausmaßes?

    Viele Romane in einem?
    Ein Familiendrama über mehrere Generationen hinweg, ein Mutter-Sohn-Konflikt?
    Eine Geschichte von Liebe und Freundschaft?
    Ein Gesellschaftsroman mit Bezug zur Gegenwart (oft zufällig), ein Spiegel der Gesellschaft zur Hippiezeit und heute?
    Zeitgeschichte mit den Protesten der 68er und Polizeigewalt (auch hier wieder ein aktueller Bezug)
    Die Methoden der Politik, Wahlen und Manipulation (774)
    Dazu kleinere Themen: Internetspielsucht, Bücher und Schreiben, Desinteresse von Studenten an Bildung, Schlachthöfe
    Ich vermag mich nicht festzulegen und es muss sicher auch nicht sein, dass man jedes Buch in eine Schublade steckt. Was aber kommt am Ende dabei raus? Einsicht? Lehren aus der Geschichte? Kluge Gedanken in eine schöne Sprache verpackt?

    Ist es eine Mahnung, Entscheidungen klug überdenken, da sie Einfluss auf das ganze Leben haben? Ist das Leben heute das Ergebnis früherer Entscheidungen? Hätte man dieses oder jenes anders machen können oder sollen? Was wäre, wenn … man damals anders entschieden hätte?

    "Uns selbst klar zu erkennen, das ist eine Lebensaufgabe." 782

    Gesellschaftskritik

    Die hat mir in dem Roman besonders gut gefallen, wahrscheinlich weil ich in vielem auch so denke, z.B.:

    "Wofür brauchen wir achtzehn Spaghetti-Marken?" 152 - "Man musste sich keine eigenen Wünsche mehr ausdenken, die Mall (Einkaufszentrum) wusste, was man wollte." 154

    "Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Lieblingszeitvertreib der Amerikaner längst nicht mehr Baseball, sondern die Zuschaustellung der eigenen moralischen Überlegenheit ist." 390

    Essrationen für Soldaten: "… diese Fertigrationen seien nach dem Enthaupten und den Sprengfallen die größte Bedrohung ihrer körperlichen Gesundheit." 442

    Medienkritik: "Je öfter etwas geschieht, desto weniger Nachrichtenwert hat es." 556

    "Der beste Weg, das Gefühl einer wirklichen Gruppenzugehörigkeit zu schaffen, besteht darin, eine andere Gruppe als Hassobjekt aufzubauen." 775

    "Was ist wahr? Was nicht? Für den Fall, dass es Ihnen noch nicht aufgefallen ist, die Welt hat sich von der alten Vorstellung der Aufklärung, dass man sich die Wahrheit aus der Weltbeobachtung zusammenstückeln könnte, so gut wie verabschiedet. Die Wirklichkeit ist viel zu kompliziert und schrecklich geworden. Es ist weit einfacher, alles zu ignorieren, was nicht in Ihre vorgefasste Meinung passt, und stattdessen zu glauben, was sie in Ihrem Denken bestätigt." 831/832

    "Wir sind politisch und religiös fanatischer denn je, weit rigider in unserem Denken und immer weniger empathiefähig. Die Art, wie wir die Welt sehen,ist verallgemeinernd und unumstößlich. Wir weichen komplett allen Problemen aus, die mit der Vielfalt der Wirklichkeit und der weltweiten Kommunikation einhergehen. Daher interessieren die alten Vorstellungen von wahr und falsch niemanden mehr. 832

    Kommentare: 1
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    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu
    Insider2199s avatar

    Wir haben beschlossen in der Insider Top-3-Voting-Challenge zusammen "Geister" von Nathan Hill zu lesen. 

    Wir beginnen jetzt und lassen uns bis zum Ende des Monats Zeit, um es zu beenden. Rezensieren ist keine Pflicht, aber bei der Challenge erhält man 2 Lose dafür. 

    Jeder liest mit seinem eigenen Leseexemplar, es gibt kein Buch zu gewinnen! 


    Es kann natürlich jeder mitmachen, der Lust dazu hat, auch wenn er nicht bei der Challenge angemeldet ist.    


    Vielleicht könnt ihr ne kurze Info geben, wann ihr mit Lesen anfangen wollt. Danke. 

    Viel Spaß uns allen :)
    Zur Leserunde
    abas avatar


    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.
    Und auf euch warten tolle Gewinne.

    Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!

    Liest du gerne Bücher mit Niveau?
    Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.

    15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.

    Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.
    Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.

    Die Regeln:
    1. Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an.
    2. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts.
    3. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein.
    4. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind!
    Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

    Nimmst du die Herausforderung an?

    Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.
    Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.


    Ich freue mich auf viele Anmeldungen!

    Teilnehmer:

    19angelika63
    AgnesM
    AmayaRose
    anushka
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    Blaetterwind
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    Die Geister der Vergangenheit.

    "Geister" von Nathan Hill ist das Erfolgs-Debüt des Jahres! Der Roman wird derzeit weltweit diskutiert und mit der Literatur von John Irving, Jonathan Franzen oder Charles Dickens verglichen. Die Ausgangslage des Plots ist brisant: Eine Frau greift den republikanischen Präsidentschaftskandidaten an. Ihr Sohn, der seine Mutter kaum kennt und sie seit Jahren nicht gesehen hat, wird mit der Tat konfrontiert. Wie positioniert er sich zu seiner Mutter und welche Auswirkungen hat das Ereignis auf sein Leben?

    Nathan Hill ist mit "Geister" ein großes Familienepos, ein tiefgründiges Psychodrama und ein Gesellschaftsroman der Extraklasse gelungen! Unterhaltsam und psychologisch meisterhaft erzählt, ist dieser fast 900 Seiten schwere Roman ein absolutes Must-Read für alle Literaturbegeisterten! 

    Mehr zum Buch:
    Ein Anruf der Anwaltskanzlei Rogers & Rogers verändert schlagartig das Leben des Literaturprofessors Samuel Anderson. Er, der als kleines Kind von seiner Mutter verlassen wurde, soll nun für sie bürgen: Nach ihrem tätlichen Angriff auf einen republikanischen Präsidentschaftskandidaten verlangt man von ihm, die Integrität einer Frau zu bezeugen, die er seit mehr als zwanzig Jahren nicht gesehen hat. Ein Gedanke, der ihm zunächst völlig abwegig erscheint. Doch Samuel will auch endlich begreifen, was damals wirklich geschehen ist. Ein allumfassender, mitreißender Roman über Liebe, Unabhängigkeit, Verrat und die lebenslange Hoffnung auf Erlösung, ein Familienroman und zugleich eine pointierte Gesellschaftsgeschichte von den Chicagoer Aufständen 1968 bis zu Occupy Wall Street.

    >> Neugierig geworden? Hier geht es zur Leseprobe!

    Mehr zum Autor:
    Nathan Hill wurde 1978 geboren und wuchs im mittleren Westen der USA auf. Eine Zeit lang lebte er außerdem in New England, New York und Chicago. Er arbeitete als Journalist, kümmerte sich um die Website Poets.org an der Academy of American poets und unterrichtete Schreiben an der Florida Gulf Coast University. Heute lehrt er Kreatives Schreiben und Literatur an der University of St. Thomas in St. Paul, Minnesota. "Geister" ist sein Debütroman, der zurzeit in über zwanzig Sprachen übersetzt wird.

    Gemeinsam mit dem Piper Verlag vergeben wir in dieser Leserunde 22 Exemplare von "Geister" an alle, die sich den Geistern der Vergangenheit stellen möchten.
    Was ihr dafür tun müsst? Bewerbt euch bis einschließlich 06.11. über den blauen "Jetzt bewerben"-Button, teilt folgendes Video bei Twitter oder Facebook mit dem Hashtag#beGeistert und fügt den Link zu eurem Posting in euren Bewerbungsbeitrag ein:

    ###YOUTUBE-ID=Yr8dQMKUgPc###

    Wenn ihr dieses Video mindestens 222 mal mit dem Hashtag #beGeistert bei Facebook oder Twitter teilt, steigt die Anzahl der Gewinner von 22 auf 44. Schaffen wir es, das Video 444 mal zu teilen, werden es sogar 66 Bücher, die wir verlosen können! 

    Aber das ist noch längst nicht alles! Einige der Exemplare von "Geister" werden wir in einer besonderen Box versenden. 

    Wer keine Social-Media-Kanäle hat, beantwortet einfach diese Frage, um sich für ein Exemplar von "Geister" zu bewerben: 

    Wurdet ihr schon mal von eurer Vergangenheit eingeholt? Teilt einen Moment mit uns, in dem die Vergangenheit plötzlich Einbruch in euer Leben gefunden hat!

    Ich bin schon sehr gespannt auf eure Antworten und freue mich auf die Leserunde mit euch!

    Bitte beachte vor deiner Bewerbung unsere Richtlinien für Leserunden.
    Henny176s avatar
    Letzter Beitrag von  Henny176vor 2 Jahren
    Sorry, dass ich mir mit der Rezi so viel Zeit gelassen habe. https://www.lovelybooks.de/autor/Nathan-Hill/Geister-1283005600-w/rezension/1413524838/ Mich konnte das Buch leider nicht ganz so sehr begeistern, aber ich möchte mich trotzdem recht herzlich für das Buch und die Möglichkeit hier mitzulesen bedanken.
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    Weitere Informationen zum Buch

    Pressestimmen

    »Nathan Hills Roman ist ein Psychodrama um eine Mutter und ihren Sohn, voller Geister und Politik, aber es ist auch eine Tragikomödie von Zorn und Scheinheiligkeit. Nathan Hill ist ein Maestro des Schrecklichen.« John Irving

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