Nathanael West Der Tag der Heuschrecke

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Inhaltsangabe zu „Der Tag der Heuschrecke“ von Nathanael West

Nirgends gedeihen Illusionen prächtiger als in Hollywood, nirgends werden sie brutaler zerschmettert. So sind es die Düpierten der Traumfabrik, denen der Autor hier ein Denkmal setzt. Seine filmreife Parodie ist ein Geniestreich – die imposante Entlarvung des neuzeitlichen Wahns, um jeden Preis ein Star werden zu müssen, und ein tiefer Seufzer angesichts evidenter Aussichtslosigkeit.

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    Der Tag der Heuschrecke
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    28. October 2013 um 14:06

      „Wests Besessenheit von Lebenslügen kommt nicht von ungefähr. Sein eigener Lebenslauf ist voll davon und hat ihn zum Experten prädestiniert“.   So schreibt es Bernd Eilert im Nachwort. Und genauso, wie die Biographie des durchaus  illusionäre Wendungen kennt, so ergeht es auch seinen Figuren im Roman.   1939 erstveröffentlicht, geographischer Schauplatz Hollywood, eigentlicher Schauplatz aber ist das innere Leben, die Suche, ja Sucht des Menschen nach Bedeutung, die Neigung zu einem „mehr Schein als Sein“, die viele der Figuren Wests im Buch in ungeahnte Höhen treiben. Figuren, die West durchaus hintergründig mit einigem an Verachtung zu schildern versteht. Menschen die nichts anderes letztlich kennen als sich und denen so gut wie jedes Mittel recht ist, sich zumindest ins rechte Licht zu rücken (wen  schon keine Substanz vorhanden ist). Ein Kaleidoskop der Verlierer ist es, das West in diesem Roman schonungslos offen legt. Eine Welt der Fassaden und des Kostüms, das mehr und mehr im Denken der Menschen zur eigentlichen Realität stilisiert wird.   Tod Hacket ist Kunstmaler. Einfach von Gemüt (noch) und als Kulissenmaler blind von einem Talentsucher verpflichtet worden. Und findet sich Schritt für Schritt zurecht fürs Erste, in der Glitzer- und Glamourwelt, umgeben von Menschen, die ihrem Reden nach Stars, dem Wesen nach aber höchstens Statisten (nicht nur) des Films sind.   Glücksritter wie der zwergenhafte Abe Kulisch. Den Tod auf einer Treppe entdeckt hat, und dessen „groteske Verkommenheit“ „ehrliche Empörung“ in Todd auslöst. Der ihn aber dennoch inspiriert, auf irgendeine Art und Weise,   Der ihm vor allem ein Appartement vermittelt hat in unmittelbarer Nähe Faye Greens. Immerhin einmal als Statistin eingesetzt, objektiv nicht schön genug für den Film und als Schauspielerin völlig unterbemittelt, dennoch reichen sich die ein oder andere Verehrer die Klinke in die Hand.   Und stolz (oder selbstüberschätzend) ist diese durchaus. „Er konnte ihr nichts bieten, weder Geld noch gutes Aussehen, und sie konnte nur einen schönen Mann lieben und sich nur von einem reichen Mann lieben lassen“.   Menschen auch wie Fayes Vater Harry. „Auf der Bühne war er ein totaler Versager. Dennoch behauptete er, dem Durchbruch einmal ganz nahe gekommen zu sein“.   Ob aber Tod Faye auf diese Weise näher kommt? Ob er seinen Weg durch das Dickicht der Möchtegerne findet oder selber in Zynismus abdriften wird? Fragen, denen der Roman im Weiteren in wunderbar trockenem Stil nachgeht. Ein Weg durch vielfache Figuren, Filmzitate, Drehungen, Wendungen und Verwicklungen hindurch, die Nathanael West in bester Atmosphäre schildert und dabei ständig den Finger auf der Wunde der Illusionen und der Egomanie, der mehr als peinlichen Inszenierung des eigenen Selbst lässt.   Bei aller Zeitgebundenheit der äußeren Geschichte und des äußeren Ortes im Buch, West greift ein zeitloses, grundlegendes menschliches Thema auf und beleuchtet dieses dann von allen Seiten. Die Neigung des Menschen zum  Schein. Zur Übertreibung. Zur Illustration der eigenen Geschichte. Zum naiven Träumen nach Größe und Glamour, die, im Buch zumindest, des Öfteren jede Bodenhaftung dann verliert.   Bildkräftig, mit ausgefeilter Sprache und überzeugenden Figuren bleibt dieser Roman auch über 70 Jahre dem ersten Erscheinen eine zeitlose und empfehlenswerte Lektüre, die nebenbei noch bestens unterhält.

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