Nathanael West Eine glatte Million

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Inhaltsangabe zu „Eine glatte Million“ von Nathanael West

Woody Allen meets Quentin Tarantino - ein zynisches Feuerwerk
Nathanael Wests bitterböse Satire auf das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist eines der abgründigsten Bücher der US-Literatur – von markerschütternder Tragik und zugleich zum Schreien komisch. Nie wurde der amerikanische Traum genüsslicher konterkariert als in dieser temporeichen Wildwestfarce.
Die Welt gehört den Braven und den Tüchtigen! Das jedenfalls glaubt Lemuel Pitkin, der in seiner jungenhaften Einfalt fortwährend an die Falschen gerät: an Revolverkapitalisten, Rattenfänger, Rowdys. Doch so sehr man ihn auch schröpft und schindet, hartnäckig hält unser Yankee von der traurigen Gestalt an seinen Idealen fest. Lemuel opfert nacheinander Auge, Daumen, Gebiss, Bein, Skalp, zuletzt gar sein Leben, um – Ironie des Schicksals – posthum doch noch zu höchstem Ansehen zu gelangen: als Märtyrer einer Sache, die nie die seine war.
Dieser Roman entlarvt den Aberwitz einer Welt, in der alles den Gesetzen von Show und Big Business unterworfen ist. Die heiter-beschwingte Art, in der der Erzähler die größten Ungeheuerlichkeiten Revue passieren lässt, macht das Buch zur aufwühlenden Provokation. Mit formvollendeter Perfidie strapaziert Nathanael West die amerikanische Glücksrhetorik, bis diese in puren Zynismus umschlägt.

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    Eine glatte Million

    Stefan83

    28. July 2012 um 15:29

    Schon oft in der Geschichte der Literatur ist der amerikanische Traum, das „vom-Tellerwäscher-zum-Millionär“-Denken, Ziel satirischer Betrachtungen geworden, wurde ein Blick hinter die Fassade des „Pursuit of Happiness“ geworden. Ich kann mich allerdings an kein Werk erinnern, dass dies so staubtrocken, bitterböse und tragikomisch getan hat, wie Nathanael Wests im Jahr 1934 erschienener Roman „Eine glatte Million“. Hier können wir einen Blick werfen auf den jungen, gutgläubigen Lemuel Pitkin, der voller Elan und Optimismus von der Provinz in die große Welt auszieht, um sein finanzielles Glück zu machen und damit den Verkauf des Hauses seiner Mutter zu verhindern. Was anfangs wie ein Ausflug im Stile alter Märchen klingt, würgt dem Leser schon recht bald das Lachen ab, denn Nathanael West zertrümmert die zarte Vase Hoffnung mit Schwung und übergroßem Vorschlaghammer. Bevor man sich auch nur annähernd auf die Situation eingestellt hat, ist der vermeintliche Held nicht nur bereits mehrmals gestolpert, sondern brutal zu Boden geschickt worden. Bereits im Zug Richtung New York wird er Opfer eines Trickdiebes, um anschließend als Diebstahl-Verdächtiger selbst in den Knast zu gehen, wo man ihn aus hygienischen Gründen prophylaktisch gleich mal sämtliche Zähne zieht. Was man bis hierhin nicht ahnen kann – es sollen nicht die einzigen Körperteile bleiben, die Pitkin im Verlauf der Geschichte verlieren wird. Wo Charles Dickens und Mark Twain ihre zynische Ader letztlich zügelten, das Gute am Ende ihrer Geschichten (z.B, in „Oliver Twist“) zumindest in Zügen triumphieren ließen, da macht West keinen Halt. Schonungslos und (selbst noch für heutige Verhältnisse) erschreckend drastisch reißt er die Luftschlösser nieder (besonders die vom Erzähler beiläufig geschilderte Vergewaltigung von Lemuels Freundin geht unter die Haut), unterstreicht mit teils immer absurderen Slapstick-Einlagen, die gnadenlose Realität, in der Ellbogen geschwungen werden und sich jeder selbst der Nächste ist. Der Stil ist unheimlich temporeich, mitreißend und kompromisslos, die oftmals beiläufige Brutalität berührender und zielsicherer, als manch blutiger Splatter-Thriller der Neuzeit. Garniert wird das ganze von einem Helden, der keiner ist. Ein dumpfer, gutmütiger Naivling, der Butter in der Händen aller ist, die ihn für ihre Zwecke formen wollen und welcher letztlich als Märtyrer einer Sache, deren Hintergrund und Ausmaß er nie verstanden hat, den Tod findet. Lemuel Pitkin ist es auch, der dieses Buch so einzigartig und nachhaltig beeindruckend macht. Ein ideenloser, tumber und schon aufreizend wohlmeinender Verlierertyp, der einem letztlich nicht leidtun kann und will, und der symbolisch für das folgsame, unkritische Selbstverständnis der Amerikaner steht. Bei all der bissigen Kritik bleibt „Eine glatte Million“ aber stets unterhaltend und kurzweilig, und, so widersprüchlich das angesichts der ernsten Thematik ist – unheimlich witzig. West hat die Balance bewahrt, so dass seine Ausflüge in die Entstehung und Motive des Faschismus (eine Parabel auf die Geschehnisse im Dritten Reich zur selben Zeit), den roten Faden der Geschichte nicht zerpflücken, sondern nur ein in Gänze stimmiges Gesamtbild abrunden. Dies wird in der neuen Manesse-Ausgabe durch ein aufschlussreiches Nachwort vom bearbeitenden Übersetzer Dieter E. Zimmer erweitert, welches dem Werk noch zusätzliche Tiefe verleiht und auch den deutschen Leser die ein oder andere Anspielung besser verstehen lässt. Insgesamt ist „Eine glatte Million“ für mich eine der gelungensten und intelligentesten Abrechnungen mit dem „American Dream“. Ein zeitloser, sprachgewaltiger und nachdenklich stimmender Klassiker – und für mich bisher einer der Entdeckungen des Jahres. Unbedingt kaufen, noch unbedingter lesen!

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  • Rezension zu "Eine glatte Million" von Nathanael West

    Eine glatte Million

    thomas_gatzemeier

    13. November 2011 um 13:07

    Selten schlug mir zwischen aufgeschlagenen Buchdeckeln eine so unbarmherzig klare Art des Erzählens entgegen. Das irritierte anfänglich und fesselte mich dann bis an das Ende des Romans. Da schreibt einer eine Geschichte eines ewigen Versagers im heiligen Land der Selbstverwirklichung auf. Es ist die Zeit der großen Depression so in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, in dem Illusionen zusammenbrachen und sich Lebensentwürfe in Nichts auflösten. Obwohl ich, teilweise dem Entsetztem nahe, mit mir im Halse steckenbleibenden Lachen Parallelen zu unserer Zeit in diesem Buch las, schreibt West nicht aufklärerisch im Sinne einer Anklage oder proklamiert einen neuen Gesellschaftsentwurf. Er beschreibt überspitzt und sarkastisch. Er schreibt Bilder, wie sie Otto Dix in den 20er Jahren zu malen verstand. Er ist Literat und kein Propagandist oder Moralist. Die tragische Komik eines Charlie Chaplin ist in „Eine glatte Million“ in Romanform zu erleben, lässt einen irritiert aber auch bereichert um eine wichtige Facette die Welt zu betrachten zurück.

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  • Rezension zu "Eine glatte Million" von Nathanael West

    Eine glatte Million

    lokoschade

    19. May 2011 um 12:45

    Gebundene Ausgabe: 224 Seiten Verlag: Manesse Verlag (21. März 2011) ISBN 978-3717522324 Preis: € 19,90 Pressestimmen «So kann man Nathanael Wests Hellsichtigkeit bewundern, seinen ätzenden Witz oder auch die Raffinesse, mit der er immer wieder das stilistische Register wechselt, um seine sich hehren Zielen entgegenreckenden Figuren auf den Hintern plumpsen zu lassen. Wenn man aber bedenkt, dass West erst 37-jährig bei einem Autounfall ums Leben kam, beschleicht einen das bittere Gefühl, dass die Welt tatsächlich so absurd und ungerecht ist, wie es in 'Eine glatte Million' den Anschein hat.» (DIE ZEIT ) «Nathaniel West persifliert die Klischees, führt sie ad absurdum... West dekonstruiert die traditionelle amerikanische Selbstvorstellung, aber er konstruiert auf deren Ruinen keinen anderen „Überbau“. Das gibt seinem überaus komödiantischen Werk eine einzigartige Tragik und Hoffnungslosigkeit.» (Oleg Jurjew, Der Tagesspiegel ) «Nun endlich unternimmt der Manesse-Verlag mit der Veröffentlichung seines Romans "Eine glatte Million oder Die Demontage des Lemuel Pitkin" aus dem Jahr 1934 einen weiteren Versuch, diesen großartigen Autor im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen. Im Laufe des Romans ahnen wir, wie zynisch die spätere New-York-Hymne eigentlich ist: "If I can make it there, I'll make it anywhere"... Dieser ungemein gewaltsame Schelmenroman ist zugleich auf groteske Weise brüllend komisch - wie bester Stummfilm-Slapstick.» (Die Welt kompakt ) Kurzbeschreibung Woody Allen meets Quentin Tarantino - ein zynisches Feuerwerk Nathanael Wests bitterböse Satire auf das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist eines der abgründigsten Bücher der US-Literatur – von markerschütternder Tragik und zugleich zum Schreien komisch. Nie wurde der amerikanische Traum genüsslicher konterkariert als in dieser temporeichen Wildwestfarce. Die Welt gehört den Braven und den Tüchtigen! Das jedenfalls glaubt Lemuel Pitkin, der in seiner jungenhaften Einfalt fortwährend an die Falschen gerät: an Revolverkapitalisten, Rattenfänger, Rowdys. Doch so sehr man ihn auch schröpft und schindet, hartnäckig hält unser Yankee von der traurigen Gestalt an seinen Idealen fest. Lemuel opfert nacheinander Auge, Daumen, Gebiss, Bein, Skalp, zuletzt gar sein Leben, um – Ironie des Schicksals – posthum doch noch zu höchstem Ansehen zu gelangen: als Märtyrer einer Sache, die nie die seine war. Dieser Roman entlarvt den Aberwitz einer Welt, in der alles den Gesetzen von Show und Big Business unterworfen ist. Die heiter-beschwingte Art, in der der Erzähler die größten Ungeheuerlichkeiten Revue passieren lässt, macht das Buch zur aufwühlenden Provokation. Mit formvollendeter Perfidie strapaziert Nathanael West die amerikanische Glücksrhetorik, bis diese in puren Zynismus umschlägt. Meine Meinung Einschmeichelnd im Märchenonkel-Erzählerton beginnt sie, die unglaubliche Geschichte von Lemuel Pitkin der auszog zu retten was längst verloren war. Er und seine Mutter sollen aus dem Farmhaus ausziehen in dem Lem aufgewachsen ist, denn ein findiger New Yorker Innenarchitekt möchte das Farmhaus originalgetreu in seinem Geschäft auf der 5th Av. aus/aufstellen. Unerschrocken und naiv macht Lem sich auf den Weg die Dinge zu retten und merkt dabei garnicht wie sich die Situation ein ums andere Mal verschlechtert. Man möchte ihn anschreien, ihm zurufen, man möchte sich ihm in den Weg schmeißen, ihn warnen um das von ihm abzuwenden was man als Leser kommen sieht. Aber Lem würde es in seiner Arglosigkeit bestimmt noch nicht einmal merken. So tappt er von einem Schicksalsschlag in den nächsten und die unglaublichsten Dinge nehmen ihren Lauf. Eine glatte Million ist tragisch, komisch, bitterböse, zynisch - 1934 veröffentlicht und von zeitlosem Charakter.

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  • Rezension zu "Eine glatte Million" von Nathanael West

    Eine glatte Million

    malamud

    31. March 2011 um 18:59

    Wer unvorbereitet zu diesem Buch greift und den Fehler begeht, sich auf den mitreißenden Erzählfluss dieser Geschichte emotional einzulassen, wird einen brutalen Tiefschlag nach dem anderen erleben. Der Niedergang des Helden Lemuel Pitkin wird so staubtrocken und beiläufig erzählt, dass man aus dem Staunen nicht heraus kommt. Das Buch stammt vom weithin unbekannten US-Autor und Hollywood-Lohnschreiber Nathanael West und ist im Jahr 1934, noch sehr unter dem Einfluss der großen Weltwirtschaftskrise erschienen. Nun wurde es in einer frisch bearbeiteten Übersetzung von Dieter E. Zimmer, der auch ein langes und aufschlussreiches Nachwort schrieb, neu aufgelegt. Die tragisch komische Farce beginnt damit, dass ein Rechtsanwalt die Nachricht überbringt, dass die Hypothek auf das Haus, in dem der 17-jährige Lemuel Pitkin mit seiner Mutter wohnt, binnen zwei Monaten fällig gestellt wird. Zeit genug, um in einem so tollen Land wie den USA sein Glück zu machen, befindet Mister Whipple, der im Ort eine Bank betreibt. Lem verpfändet also die einzige Kuh - bekommt dafür von Mister Whipple lachhafte 28 Dollar und zieht voll Optimismus und Tatkraft in Richtung New York. Am Weg zum Bahnhof rettet er die gleichaltrige Betty, in die er heimlich verschossen ist, vor einem tollwütigen Hund und einem brutalen Rüpel. Mit dem Ergebnis, dass er - als er schon gewonnen hat - überlistet und brutal bewusstlos geschlagen wird. Betty wird vergewaltigt und später von Mädchenhändlern in ein Bordell verschleppt. Lem ahnt davon nichts, zieht weiter nach New York, wird aber bereits im Zug so gründlich betrogen, dass er seine Barschaft verliert und obendrein - falsch beschuldigt - im Gefängnis landet. Dort zieht man ihm zur Begrüßung - und zur Vermeidung von Infektionen - gleich prophylaktisch alle Zähne. Wir halten mittlerweile gerade mal auf Seite 25 des Romans und die Zähne sollten bei weitem nicht die letzten Körperteile sein, die Lem im weiteren Fortgang der Geschichte einbüßt. West schrieb diesen Roman als eine persönliche Abrechnung mit dem Bestsellerautor Horatio Alger, der in seiner Jugendzeit in den USA millionenfach verbreitet war und in dessen Schmonzetten trotz aller Unbill des Lebens immer das Gute die Oberhand behielt. West drehte diese verlogene Botschaft radikal und konsequent ins Gegenteil. Er belässt es dabei aber nicht bei einer absurden Tragikomödie, sondern schafft beiläufig auch noch eine recht schlüssige Parabel auf die Entstehung und die Motive des Faschismus, der auf der anderen Seite des Atlantik gerade zu fataler Form aufläuft. Faschismus wird hier als eine Bewegung dumpfer ideenloser Verlierer charakterisiert, die tatsächlich erlittenes Unrecht mit brachialer Wut auf alles Fremdartige beantworten. Und wer könnte sich für so eine Bewegung besser als Märtyrer eignen, als ein Naivling wie Lem, der auf jeden erbaulichen Spruch und jede noch so hohltönende Rhetorik hereinfällt. Ich fand das Buch kurzweilig und interessant. Auch wenn die Eindimensionalität der Charaktere manchmal recht krass wirkt, so befördert sie doch den komischen Reiz dieser wirklich außerordentlichen Erzählung, wo ein Schicksalsschlag auf den nächsten folgt.

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