Nathanael West Miss Lonelyhearts

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Inhaltsangabe zu „Miss Lonelyhearts“ von Nathanael West

Eine schwarze Komödie im New York der 20er-Jahre 'Haben Sie Sorgen? Schreiben Sie an Miss Lonelyhearts! ' – Die Leserschaft des New Yorker Post-Dispatch macht regen Gebrauch von der Offerte, und die Briefe in der Redaktion stapeln sich höher und höher. Ob es um Pubertätsnöte geht, um Inzest oder gebrochene Herzen – Miss Lonelyhearts hat garantiert die passenden Worte auf Lager. Dass die beliebte Trostspenderin in Wahrheit eine durch und durch trostlose Existenz ist, wissen nur die feixenden Kollegen. Schonungslos deckt der Roman den faulen Zauber eines Systems auf, das auf billigen Illusionismus setzt und Menschen vorsätzlich für dumm verkauft.

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  • Schwarze Satire aus der Depressionszeit

    Miss Lonelyhearts
    Sakuko

    Sakuko

    30. March 2016 um 09:59

    Miss Lonelyhearts ist der mänliche Schreiber einer Beratungskolumne der Zeitung. Von den Kollegen und seinem Redakteur nur belächelt und als neuer Jesus oder Prophet veralbert gehen ihm aber die schlimmen Schicksale aus seinen Briefen aber sehr Nahe.Depressiv flüchtet er in Alkohol, Affären und Schlägerreien, aber er bekommt die Briefe nicht aus dem Kopf bis er schließlich krank wird. Das Buch ist sehr kurz und auch sehr trocken, minimalistisch geschrieben. Der Protagonist, der nur Miss Lonelyhearts genannt wird, wird einem nicht wirklich nahe gebracht. Er ist ein distanzierter Charakter. In Theorie leidet er unter dem Leid in seinen Briefen, und philosophiert über allgemeingültige Lösungen, allen voran Religion, aber mit den Menschen selbst konfrontiert weiss er nicht recht weiter, wird ob seiner Hilflosigkeit gewalttätig und rabiat.In dem Buch kommen immer wieder biblische Motive vor, vom Lamm bis zum gekreuzigten Jesus. Der Protagonist sagt selbst er hat einen Jesus Komplex. Dennoch fehlt ihm fast völlig die persönliche Verbindung zu den Menschen, die er so bedauert. Die Menschen in seinem eigenen Leben behandelt er rücksichtslos und gemein.Ich fand das Buch nicht schlecht, aber es ist nicht unbedingt ein Buch das man zur Unterhaltung liest. Leider finde ich das behandelte Thema auch nicht mehr zeitgemäss, so dass ich nicht viel aus dem Buch ziehen konnte.

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  • Nathanael West - Miss Lonelyhearts

    Miss Lonelyhearts
    miss_mesmerized

    miss_mesmerized

    08. April 2015 um 20:06

    Miss Lonelyhearts – ein Mann – schreibt eine Zeitungskolumne, in der er auf Leserbriefe antwortet und mehr oder weniger nützliche Tipps gibt. Leider sind diese Briefe unsäglich dämlich und voller Fehler, so dass er seinen Job mehr und mehr hasst. Von den Kollegen wird er ohnehin eher verspottet. Er trinkt zunehmend und gerät dabei auch in die eine oder andere Kneipenauseinandersetzung. Er macht sich an Frauen ran – auch die seines Chefs – und wird so auch nicht glücklicher. Auch die Religion bietet ihm keinen Halt. Eine seiner Leserinnen kann ihn ausfindig machen und eine kurze Affäre wird schließlich Miss Lonelyhearts Schicksal. Auch wenn diese Novelle überschüttet wird mit Lob ob ihres scharfsinnigen Sprachwitzes und der ironischen Zeichnung der amerikanischen Gesellschaft der 1920er Jahre, blieb sie für mich doch flach und unnahbar. Natürlich wird die Massenunterhaltung kritisiert und der Protagonist sucht vergeblich nach dem Sinn des Lebens, den er in den üblichen verdächtigen Wegen (schnelle/kurze Beziehungen, Alkohol, Religion etc.) nicht findet. Für mich jedoch gibt es mit Werken von Wharton oder Fitzgerald deutlich bessere Gemälde der damaligen Zeit. Der nicht erfüllte amerikanische Traum – doch hat Miss Lonelyhearts wirklich die erforderliche diligence und hard work gezeigt? Für mich nicht. Planlos und ziellos vegetiert er so vor sich hin, mal betrunken, mal in Depression versunken. Aktiv gestaltet er nichts in seinem Leben, sondern lässt es immer wieder von Betty, seiner Arbeitskollegin, geraderücken. Ein Protagonist, der das Buch tragen muss und leider in jeder Hinsicht schwach ist.

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  • Kolumne: Belletristik ist tot, es lebe die Belletristik

    muchobooklove

    muchobooklove

    Roman-Kolumne August 2013 von Mareike: Genreliteratur, das sind die Hamburger unter den Büchern Liebe Leser, Was ist eigentlich Belletristik Le belle et le triste – das Schöne und das Traurige – hierin liegt der französische Ursprung des Wortes Belletristik, das heute nicht viel mehr als ein Mysterium zu sein scheint. Dabei umfasst es so viele Aspekte, ohne die Literatur gar nicht zu denken wäre. Werte, Emotionen und die Ästhetik der Sprache sind für mich die wichtigsten Parameter dessen. Natürlich kann man auch etwas unprätentiöser an die Sache herangehen und einfach von „Romanen“ im Allgemeinen sprechen, wie auch der Titel der Kategorie hier auf Lovelybooks lautet. Doch dann geraten wir gleich ein bisschen in die Bredouille, denn Krimis sind ja auch Romane sowie Fantasy-Bücher und Chick-Lit ebenfalls. Von Kriminalromanen, Thrillern, Fantasy, Young Adult Fiction, Chick-Lit und Romantasy Naja, das sind ja eigentlich alles eher Genres, werdet ihr jetzt im Stillen und ganz zu Recht denken. Aber was sind denn überhaupt Genres? Der Versuch, Bücher in Kategorien zu pressen einerseits, eine Strategie des Buchmarktes andererseits, so scheint es mir. Denn was ist das Schreiben für ein bestimmtes Genre eigentlich anderes als der Versuch, seine Zielgruppe besonders im Blick zu haben. Mit bösen Zungen gesprochen ist das die Garantie dafür, beim Veröffentlichungsprozess bereits einschätzen zu können, wer das Buch am Ende kaufen wird. Darum wird auch immer schnell ein neues Genre entworfen, wenn gerade eine innovative Art des Schreibens mit Erfolg belohnt wurde. Eine kleine Geschichte: Ich sitze mit zwei Freunden von mir, nennen wir sie Justus und Gabi, an einem sonnigen Tag wie diesem in einer Eisdiele. Justus ist gerade dabei, sich eine Karriere im Verlagswesen aufzubauen, Gabi hat Journalismus studiert und steht kurz vor dem Mutterschutz. Justus erzählt uns von einem neuen Projekt, von dem er gehört hat und das sich im Bereich „Romantasy“ bewegt. Darauf Gabi: „Romantasy, nie gehört“ Justus: „Das ist ein neues Genre, das sich irgendwo zwischen Romantic Fiction und Fantasy bewegt, so Vampire und so“ wir nicken einstimmig, denn nun ist uns allen klar, dass hier die Nachfolgen von Stephenie Meyers „Twilight“-Saga spürbar werden. Wieder einmal wird ein Markt bedient. Man möchte so schnell wie möglich dabei sein, bevor er übersättigt ist und ein neues Genre gefunden werden muss. Ich seh' den Wald vor lauter Bäumen nicht Damit wird nicht nur die gesamte Belletristik oder alle Romane in logische Kategorien unterteilt, sondern diese werden wieder unterteilt, bis die gesamte Kriminalliteratur in Detektivromane à la Sherlock Holmes, Polizeiromane wie Mankels Wallander, Thriller der Dan Browns dieser Erde und Splatter im Stile von Karin Slaughter zerfällt, und die Fantasy-Literatur in High Fantasy à la Tolkien, Romantasy wie "Twilight", Dark Fantasy der Stephen Kings und Konsorten, Dark Romance im Stile von Edgar Allen Poe und historisch anmutende Fantasy, z.B. von George R.R. Martin. Und bei all diesen spezifischen Genres frag' ich mich wieder, wo denn nun die Belletristik abgeblieben ist? Denn wenn ich ehrlich bin, dann möchte ich gar nicht immer Genreliteratur lesen. Manchmal erscheint sie mir zu sehr auf ihr Publikum zugeschrieben. Manchmal sehe ich die Zutatenliste, die Autoren und Verlagen im Kopf herumgeschwirrt haben mag, zu deutlich vor mir. Aha, denke ich, hier ist ein bisschen Detektivroman mit den Zutaten verschrobener Ermittler aus zerrütteten Familienverhältnissen, hochintelligenter Täter, der eigentlich nur mit dem Ermittler spielen will, Frau oder wahlweise Kinder oder beides des Detektivs, die plötzlich in den Fall hineingezogen werden, gemischt worden, das Ganze wurde mit einem Hauch arktischer Kälte und einem leichten Hang zur Alkoholabhängigkeit garniert und schon war der skandinavische Kriminalroman in Anlehnung an Henning Mankell, Jo Nesbø oder Arnaldur Indridason fertig. Ich weiß ja, dass die meisten Schriftsteller mit viel Herzblut an ihr Werk herangehen, aber ich frage mich dennoch, woher dieser Hang zum an Fast-Food erinnerndem Literatur-Rezept kommen mag. Möchte denn niemand heute mehr eigene Gourmet-Kreationen entwerfen? Ist die Angst vor dem Scheitern so groß? Mehr Belletristik braucht das Land Ich sag es ganz offen – Ich mag Fastfood. Ein schöner Burger ab und zu ist ein herrliches Vergnügen, ebenso wie ein Krimi mit den oben von mir erwähnten Zutaten wunderbar sein kann. Aber irgendwie wünsche ich mir trotzdem öfter, mit Gourmet-Kreationen verwöhnt zu werden. Ich möchte Schriftsteller haben, die schreiben, weil sie damit das Schöne und das Traurige ausdrücken wollen, weil sie das Gute und das Böse im Menschen zeigen wollen und zwar ohne sich vorher zu überlegen, ob es dafür ein Publikum geben mag. Autoren, die der Wahrheit auf den Grund gehen mögen und mich damit überraschen, wie zum Beispiel Column McCann dies vor einigen Jahren mit „Der Tänzer“ getan hat oder Romane, die einen mit ernsten Themen zum Lachen bringen können wie Matt Ruff mit „Ich und die anderen“, Bücher, die unvergessen bleiben, weil sie anders sind, so wie auch Aravind Adigas „weißer Tiger“ oder Hermann Kochs „angerichtet“, um mal zwei jüngere Beispiele der Literatur zu nennen. Und wenn ihr es euch doch lieber überlegen und kein Risiko eingehen wollt, so rufe ich euch hiermit zu, liebe Autoren, liebe Verleger: Es gibt uns noch, uns Leser, die gerne einmal bis zum Äußersten getrieben werden möchten, die lachen und weinen wollen, die beim Lesen nicht mit Genrestrategien überrascht werden wollen, sondern mit richtig guten Geschichten, mit richtigen 5 Sterne Menüs, wie sie eben nur die immer weniger zu findende Belletristik für uns bereithält! Ja, das rufe ich laut und hinter vorgehaltener Hand wende ich mich fast gleichzeitig zu euch Lesern da draußen und frage euch leiser: Es gibt uns doch noch, die Belletristik-Leser, oder?

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  • Miss Lonelyhearts von Nathanael West.

    Miss Lonelyhearts
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    30. March 2013 um 23:20

    Miss Lonelyhearts ist der Mann hinter der gleichnamigen Ratgeberkolumne im “Post-Dispatch”. Sein Weg aus dem Postraum in die Journalistenriege, doch so einfach ist der Absprung dann doch nicht. Denn die Briefe der verzweifelten, einsamen Herzen, von denen er täglich dutzende liest und mehr schlecht als recht beantwortet, lassen ihn auch nach Feierabend nicht mehr los. Ein Buch aus den frühen dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts in neuer Übersetzung, ob man hier von einem Klassiker sprechen kann ist die Frage. Vor der Lektüre kannte ich das Buch gar nicht und danach bin ich nun nicht gerade von dessen Wichtigkeit im Angesicht der Literaturgeschichte erfüllt. Meiner Meinung nach ist es dafür zu stark in der Zeitgeschichte verankert, so sehr sogar, dass man ohne sechzehn Seiten Anmerkungen gar nicht mehr hinter den Text schauen kann – es sei denn man ist von vorneherein historisch interessiert oder blättert einfach gerne zurück, dann wieder vor, dann wieder zurück. Was mich an diesem Buch beeindruckt ist seine Mustergültigkeit im Vergleich zum typischen Stil der amerikanischen Schriftsteller seiner Zeit. Kein Wort zu viel, auch wenn es am Ende nur knapp über hundert Seiten werden. Stilistisch wie eine Kurzgeschichte, schnörkellos und oft ein bisschen trist beschriebene Szenen, gleich einer Kamera, die eine Standaufnahme der Handlung macht und sich dann dem nächsten Modell zuwendet. Insofern ein Leckerbissen für sprachlich Interessierte, selbst schreibende, auch in der Übersetzung. Ansonsten fehlt hier aber zu viel um diesen Roman heute noch zu lesen. Zu stark kettet sich der Text an seine Zeitepoche, zu wenig wissen deutsche Leser über das Amerika der dreißiger Jahre und seine Ratgeberkolumnen. Die Handlung lässt sich nicht übertragen und verliehrt sich wohl irgendwann im Sumpf der Bücher, die sich nicht ohne weiteres über Jahrzehnte hinweg setzen. Warum man das ganze dann noch einmal übersetzen, bzw. neu auflegen muss, ist die Frage. Schließlich können Leser mit dem Text wohl nicht mehr viel anfangen, auch wenn er sich pointiert und satirisch auf die damalige Zeit bezieht. Ein Roman dessen gesellschaftskritische Dimension über die Jahrzehnte verloren gegangen ist und der so nur noch einen geringen Unterhaltungswert bietet.

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  • Rezension zu "Miss Lonelyhearts" von Nathanael West

    Miss Lonelyhearts
    thomas_gatzemeier

    thomas_gatzemeier

    13. January 2013 um 21:56

    Ein Stück unserer Zeit 1933 aufgeschrieben – Miss Lonelyheardts Sagenhafte, schiere, unbeschreibliche hunderttausend belletristische Neuveröffentlichungen wurden dem deutschen Publikum im letzten Jahr zugemutet. Und dann das. Einer schreibt mir eine Geschichte auf, die ich zu kennen glaube. Klar und unter Entsagung jeglicher intellektueller Sahnehäubchen. Kapitalistischer Realismus? Die Miss, deren Männername wir nicht erfahren, arbeitet als Redakteur einer Zeitung und beantwortet Lesebriefe von Damen mit Problemen. Es wir nicht beschrieben, aber ER, Miss Lonelyhearts, hat sich sein Leben anderes vorgestellt. Natürlich kommt es zu Begegnungen mit seinen Kundinnen. Einige der Lesebriefschreiberinnen erkennen, dass die Miss hormonell anders veranlagt ist. Die unvermeidlichen Verwicklungen bleiben nicht aus. Wer kann sich als Mann fremden Ehekrisen verschließen, wer kann, als Mann, Annäherungen auf Dauer widerstehen? Und das unter Einwirkung von Alkohol? Miss Lonelyhearts kann damit genauso wenig umgehen wie mit seinem Job und lässt sich treiben. Verzweifelt schier und sein Leben rutscht unaufhaltsam auf der Bahn hinab, die er niemals betreten wollte. Eine derjenigen, die er durch seine Kolumne zumindest trösten sollte, aber nicht wollte, reißt er mit. Oder sie ihn? Wenn der Verlag Manesse, dem die Ehre zuteilwird den Roman veröffentlicht zu haben, behauptet dieser durchaus ernste Roman sei eine Komödie so irrt er gewaltig. Für mich ist der Roman Realismus – eventuell Verismus. Darüber ließe sich streiten. Die Zeit war danach. Wie die unsere auch danach ist. Man denke an Otto Dix und George Grosz – an Neo Rauch?. Es sollte heute auch so klar geschrieben werden. Denn wer auch immer in die Schreibstuben, Formatentwicklerbuden und Projektentwicklerhöhlen sehen kann, schriebe Ähnliches auf - wenn ihm nichts Besseres einfiele. Denn die Themen sind so zahlreich wie die Menschen und ich und du und unser Sein. Dass die Entertainmentgruppe 47 einen Celan verabscheute (oder zumindest verdrängte), nehme ich ihr schon immer übel. Aber dass uns diese - schon immer alten Männer - mit ihren Verdrängungsmechanismen eine so verquaste Literaturauffassung hinterlassen haben, ist wirklich hart für die deutsche Literatur nach der Schoah. Wir ersaufen in der Langnesecrem der Verkopftheit. Nathanael West, ein Jude, der vermutlich deutsche Herkunft war, war für mich neben Oksana Sabuschko, die eine Ukrainerin ist, wohl die größte Entdeckung 2012. (Vorbehaltlich der nicht entdeckten Bücher)

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  • Rezension zu "Miss Lonelyhearts" von Nathanael West

    Miss Lonelyhearts
    Gospelsinger

    Gospelsinger

    13. September 2012 um 00:36

    Was zu unserer Zeit Dr. Sommer in der „BRAVO“ ist, ist in diesem Kurzroman, der 1932 spielt, Miss Lonelyhearts bei der „Post Dispatch“. Die Briefkastentante, in Wirklichkeit ein Mann, bekommt jeden Tag ganze Stapel Briefe, die zum größten Teil erschütternde Schicksale beschreiben. Von den Kollegen wird Miss Lonelyhearts nicht ernst genommen; die Kolumne dient nur der Auflagensteigerung und ist nicht als wirkliche Hilfe gedacht. Die wäre wahrscheinlich, wenn man die im Buch abgedruckten Briefe als Maßstab nimmt, per Kolumne auch nicht möglich gewesen, zu schwerwiegend sind die beschriebenen Probleme, die allenfalls mit Hilfe von Ärzten, Sozialarbeitern oder Juristen lösbar wären. Miss Lonelyhearts, ein Christusfanatiker, zerbricht an dem geballten Elend, das ihm aus den Briefen entgegenschlägt. Nach monatelanger Auseinandersetzung mit immer schlimmeren Schicksalen weiß er einfach nicht mehr, was er antworten soll. Um die Kolumne so zu schreiben, dass sie die Auflage der Zeitung steigert, bräuchte er eine gehörige Portion Zynismus, die zwar sein Verleger, nicht aber Miss Lonelyhearts selbst besitzt. Das wird ihm zum Verhängnis. Dieser Roman ist kurz. Für meinen Geschmack zu kurz, denn er verzichtet weitestgehend auf Beschreibungen und Betrachtungen. Mit einer Hauptperson, von der man nicht einmal den richtigen Namen erfährt, kann man schlecht warm werden, so ging es mir jedenfalls mit Miss Lonelyhearts. Seine Verzweiflung hätte mich eigentlich emotional berühren müssen, aber dazu war mir die Sprache des Romans zu knapp. Berührt dagegen haben mich die abgedruckten Briefe, die das Elend der damaligen Verhältnisse greifbar machen. Ein weiterer Pluspunkt des Buches ist, neben der bei Manesse üblichen liebevollen Ausstattung, der ausführliche Anhang mit Fußnoten und einem kompetenten Nachwort. Nathanael Wests scharfzüngige und intelligente Analyse des menschenverachtenden Umgangs der Medien mit Hilflosen und Verzweifelten hätte ich mir etwas ausführlicher gewünscht.

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