Nathaniel Rich Schlechte Aussichten

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Inhaltsangabe zu „Schlechte Aussichten“ von Nathaniel Rich

Nur wenn sich Mitchell in die Logik des Untergangs vertieft, schafft er es, seine Angst zu beherrschen. Die Vorstellung von einem ökologischen Kollaps, einem Kriegsausbruch oder einer Naturkatastrophe hat für ihn etwas Beruhigendes - was ihn in seinem Beruf als Risikoanalyst zu einem der Besten macht. Trotzdem versucht er händeringend, einen letzten Kontakt mit der Realität aufrechtzuerhalten. Denn seine ehemalige Kommilitonin Elsa Brunner muss mit einer angeborenen Krankheit leben und kennt daher überhaupt keine Angst. Doch gerade als Mitchells Prognosen einen albtraumhaften Höhepunkt erreichen, sucht ein Unheil Manhattan heim. Mitchell begreift, dass niemand sonst so gut davon profitieren könnte wie er. Aber zu welchem Preis?

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  • "Chaos gewinnt letztlich immer"

    Schlechte Aussichten
    Gospelsinger

    Gospelsinger

    29. June 2013 um 01:17

    Das menschliche Leben ist fragil, überall lauern Gefahren für Leib und Leben. Auch unsere zivilisatorischen Errungenschaften und unsere Infrastruktur sind ständig von Katastrophen aller Art bedroht. Diese Tatsache verdrängen wir in der Regel erfolgreich. Nicht so Mitchell Zukor. Er hat all diese Gefahren ständig in seinem Bewusstsein. Das hat ihn an der Universität zu einem Außenseiter gemacht, aber gleich nach dem Studium hat er seine berufliche Nische gefunden: Er arbeitet als Risikoanalyst für eine mysteriöse Beratungsfirma. Seine Recherchen bringen wirklich Angsterregendes über die Stadt New York zutage. So haben zum Beispiel drei Viertel der Wasserleitungen der Stadt ihre Betriebsdauer längst überschritten, teilweise sogar seit einem ganzen Jahrhundert. Sollten die Belüftungsventilatoren an den beiden Enden des Holland Tunnels ausfallen, würden die Fahrer, die sich gerade im Tunnel befinden, an Kohlenmonoxidvergiftung sterben, bevor sie das Ende des Tunnels erreichen können. Und das Wind-Phänomen eines Microburst ist für zahlreiche Flugzeugunglücke verantwortlich. Tagtäglich berechnet Mitchell die Wahrscheinlichkeit für Naturkatastrophen aller Art, für einen Nuklearkrieg, für terroristische Angriffe, Seuchen, Cyberangriffe, Chemieunfälle und ähnlich gefährliche Ereignisse. Kein Wunder, dass er in ständiger Angst lebt und stets mit dem Schlimmsten rechnet. Mitchells Gegenpol ist seine ehemalige Kommilitonin Elsa Brunner. Sie müsste eigentlich viel ängstlicher sein als Mitchell, lebt sie doch mit dem Brugada-Syndrom, einer Herzerkrankung, an der sie jederzeit sterben kann. Aber im Gegenteil, Elsa ist ein durch und durch mutiger Mensch und lebt weitab von jeder ärztlichen Hilfe in einer ökologischen Gemeinschaft. Elsa und Mitchell schreiben sich Briefe, bis Mitchell die Nachricht bekommt, dass Elsa ins Koma gefallen ist. Mit solch einer privaten Katastrophe hatte er nicht gerechnet. Und dann kommt es zu einer echten Naturkatastrophe. Auf eine extreme Dürre folgen ebenso extreme Überschwemmungen, New York wird evakuiert. Zusammen mit seiner geschäftstüchtigen Kollegin Jane versucht Mitchell, sich zu Elsa durchzuschlagen. Dabei wächst er immer mehr über sich hinaus. Denn nach der Katastrophe, die gerade bei Männern die brutale Seite zum Vorschein bringt, geht es ums nackte Überleben. Mitchell ist ein außergewöhnlicher Charakter, der mir sofort ans Herz gewachsen ist. Seine Andersartigkeit stellt keinen Makel, sondern in der Not sogar einen Überlebensvorteil dar. Es hat mir Spaß bereitet, seine Entwicklung mit zu verfolgen. Von einem ängstlichen Büromenschen mausert Mitchell sich zu einem wahren Helden, dem auch der Verlust der – vermeintlichen – Sicherheit nichts mehr ausmacht. Das „Chaos gewinnt letztlich immer“ (S. 285), heißt es im Buch, und das ist nicht nur negativ zu sehen. Aus dem Chaos entstehen auch Chancen, und Mitchell hat sie ergriffen. Nathaniel Rich schreibt flüssig und mit einem subtilen Humor. Lediglich das Ende fand ich nicht ganz schlüssig, und die Nebencharaktere bleiben ein wenig blass. Trotzdem ist dieses Buch empfehlenswert, denn ein ängstlicher Protagonist mit einem Faible für die Apokalypse und eine Naturkatastrophe mit dramatischen Ausmaßen ergeben ein lesenswertes Road-Movie der ganz besonderen Art.

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