Natsume Sōseki

 3.8 Sterne bei 6 Bewertungen
Autor von Der Bergmann.

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Natsume SōsekiDer Bergmann
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Der Bergmann
Der Bergmann
 (6)
Erschienen am 12.03.2018

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Rezension zu "Der Bergmann" von Natsume Sōseki

Hinein in den Menschenverstand!
Bucheulevor 23 Tagen

Das Buch besticht durch seine sonderbare Erzählweise. Der Protagonist wird von seinen Gedankengängen hin und her geschmissen wie ein kleines Boot im Sturm. Unentwegt wird überlegt.  Düsternis und Verzweiflung werden abgelöst von Entschlossenheit, um dann wieder Unsicherheit zu weichen. Hat dennoch nicht ganz meinen Geschmack getroffen. 

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pantaubookss avatar

Rezension zu "Der Bergmann" von Natsume Sōseki

Ein Großstadtroman über die bürgerliche Gesellschaft Japans
pantaubooksvor 2 Monaten

Der Bergmann ist aufgrund seiner gesellschaftskritischen Haltung und dem Bezug zur japanischen Hauptstadt Tokio dem Genre Großstadtroman zuzuordnen. Die Geschichte über den 19-jährigen namenlosen Jungen, der sich aus Tokio aufmacht um zu sterben, hat mich von Anfang an fasziniert. Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive des jungen Mannes. Sein innerer Monolog und seine intensive gedankliche Auseinandersetzung mit sich selbst und seinem Leben, lassen den Leser unmittelbar an der Figur teilhaben. Gleichzeitig werden dadurch Einblicke in seine Überzeugungen zugelassen, aber auch in seine Ängste und Unsicherheiten.

Sobald man schläft, verschwindet die Zeit. Jeder, für den der Fluss der Zeit eine Qual ist, sollte schlafen. Sterben ist allen Anschein nach ähnlich. Es scheint so einfach und ist doch ziemlich schwierig. (S. 58)

Obwohl man über die Vorgeschichte des jungen Mannes weitestgehend im Unklaren gelassen wird, sind seine Zerrissenheit und sein Wunsch nach Suizid durch seine philosophischen Gedanken greifbar. Immer wieder bezieht er Erlebtes auf den eigenen Geist oder Körper und philosophiert bspw. über den Charakter des Menschen, über die Konsistenz des Herzens, über menschliche Tränen oder das abgestumpfte Bewusstsein.

Kurz, ich hatte die Absicht, an einen dunklen Ort zu gehen, genauer gesagt war ich gezwungen, aber beim geringsten Anlass ergriff ich die erstbeste Gelegenheit, in dieser mir vertrauten Welt zu bleiben. (S. 28-29)

Interessant fand ich vor allen Dingen, wie unentschlossen der Protagonist ist, was sein eigenes Leben anbelangt. Ständig will er aus seinem eigenen Fluchtversuch ausbrechen und dem Todeswunsch entkommen, um ihn dann ein ums andere Mal wieder zu verfolgen. Sōseki ist mit Der Bergmann ein fesselndes, literarisches Werk gelungen, das trotz weniger Handlungsstränge und eines abrupten Endes vollkommen wirkt. Der Protagonist, der sich nach Dunkelheit sehnt, erkennt in derselben, dass das Leben lebenswert ist.

In dieser Situation wurde mein Schicksal mehr durch äußere Umstände als durch meinen eigenen Charakter bestimmt. Bei solchen Gelegenheiten rutscht mein Charakter dabei oft unter das Durchschnittsniveau. Wieder einmal ein besonders glänzendes Beispiel von vielen dafür, wie mein in langer Zeit im Selbstvertrauen aufgebauter Charakter in sich zusammenstürzte. (S. 176)

Sōsekis unterschwellige Kritik an den Zuständen im Bergwerk und die harten Lebensbedingungen der Bergmänner, die sich in ihren ausgemergelten Gesichtern widerspiegeln, haben mich sehr angesprochen. Seine Darstellung der Welt unterhalb der Erdoberfläche ist so eindrücklich, dass die Enge und das Gefühl eingesperrt zu sein erschreckend realistisch wirken. Sprachlich schafft es der Autor, durch detailgenaue, bildhafte Beschreibungen und prägnante, eindrückliche Sätze, die Wahrnehmung des Protagonisten lebendig wirken zu lassen. Spannende Höhepunkte in der Geschichte sind jedoch nicht vorgesehen, aber genau aufgrund dieser Andersheit konnte mich Der Bergmann überzeugen.

Fazit & Bewertung

Der Bergmann von Natsume Sōseki ist ein Großstadtroman, der die bürgerliche Gesellschaft Japans zum Thema nimmt und anhand eines Einzelschicksals deutlich macht. Spannende Handlung ist in diesem Roman von Anfang an nicht vorgesehen, trotzdem sind die Gedanken und Wahrnehmungen des namenlosen Protagonisten so packend, dass man Höhepunkte nicht vermisst.

https://pantaubooks.wordpress.com/

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R_Mantheys avatar

Rezension zu "Der Bergmann" von Natsume Sōseki

" … alles entspricht der Wahrheit." Deshalb "ist das hier kein Roman geworden"
R_Mantheyvor 5 Monaten

Ein Mädchen hat er geliebt, einem anderen war er versprochen. Wenigstens das kennt man auch aus vormaligen europäischen Gesellschaften. Der Erzähler dieser Geschichte sieht sich außerstande, diesen Konflikt, den er auch innerhalb seiner Familie ausstehen müsste, zu lösen und flieht aus seinem Elternhaus in Tokio irgendwohin "ins Dunkle". Scheinbar des Lebens überdrüssig, aber zu einem Selbstmord nicht in der Lage, wandert er ziellos umher, bis er auf einen Schlepper trifft, der ahnungslose junge Menschen mit haltlosen Versprechungen zur Arbeit in einer Kupfermine überreden soll.

Eigentlich, so liest man es in diesem Buch und im ausgezeichneten Vorwort von Murakami, wäre das überhaupt kein Roman. Interessant ist diese Geschichte jedoch dennoch, auch wenn man sie ohne die Hilfe von Murakami nicht wirklich verstehen würde. Zu fremd sind uns die japanische Geschichte und die Probleme der japanischen Gesellschaft am Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Mehr noch, für Europäer sind selbst die heutigen Japaner ein seltsames Volk. Was man hingegen verstehen kann, sind die Schilderungen der Arbeits- und Lebensverhältnisse im Umkreis der größten japanischen Kupfermine zu Zeiten der Handlung.

Sosekis Geschichte war ein Auftragswerk einer Zeitung, in der sie als Fortsetzungsreihe erschien. Offenbar unterscheidet sie sich völlig von den anderen Werken dieses früh verstorbenen und dennoch bedeutenden japanischen Autors. Ohne das erklärende Vorwort von Haruki Murakami wäre sie wahrscheinlich für einen europäischen Leser eher unverständlich. Es fällt auch schwer, sie sich als Fortsetzungsreihe vorzustellen, weil sich ihr Erzähler in epischer Breite über seine Erlebnisse während seiner Wanderung und der Reise zur Mine auslässt. Die Bedingungen in dieser Mine und die Stimmung der dort arbeitenden, sklavisch gehaltenen Arbeiter kommen erst am Ende der Geschichte zur Sprache.

Während der Erzählstil der Geschwindigkeit in der Lebenswirklichkeit Japans vor mehr als hundert Jahren entspricht, verblüfft die Übersetzung. Mir ist noch nie so deutlich aufgefallen, wie man mit einer Übersetzung ein Originalmanuskript verändern und an eine andere Zeit anpassen kann. So kommen hier Worte vor, die es im damaligen Japan nicht gegeben haben kann, etwa Snack. Und obendrein – und das ist besonders lustig – versucht der Übersetzer einen japanischen Dialekt wohl irgendwie im Deutschen verständlich zu machen, was dann irgendwie ans Bayerische erinnert, gell?

Der Roman liest sich trotz fehlender Spannung recht gut und ist eine lehrreiche Schilderung von Lebens- und Arbeitsverhältnissen im damaligen Japan.

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