Natsuo Kirino

 3.9 Sterne bei 157 Bewertungen
Autor von Die Umarmung des Todes, Teufelskind und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Natsuo Kirino

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Die Umarmung des Todes

Die Umarmung des Todes

 (83)
Erschienen am 01.01.2005
Teufelskind

Teufelskind

 (42)
Erschienen am 01.10.2010
Grotesk

Grotesk

 (16)
Erschienen am 05.05.2010
Out

Out

 (5)
Erschienen am 02.09.2004
Real World

Real World

 (3)
Erschienen am 04.09.2008
Grotesque

Grotesque

 (2)
Erschienen am 29.06.2011
In

In

 (0)
Erschienen am 01.06.2013

Neue Rezensionen zu Natsuo Kirino

Neu
Navi_M_Grays avatar

Rezension zu "Teufelskind" von Natsuo Kirino

Das Portrait einer zynischen Serienmörderin <3
Navi_M_Grayvor 10 Monaten

"Provokant, diabolisch, abgründig:
das faszinierende Psychogramm
einer Frau, die ihre Seele verlor."– Goldmann

Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll...
Auf die japanische Schriftstellerin Natsuo Kirino bin ich nur zufällig gestossen. Amazon hatte sie mir vorgeschlagen. Ich klickte auf das Buch, las den Klappentext und dachte, das könnte etwas für mich sein. Kirino hatte mehrere Bücher geschrieben, welche sich nun in meinem Besitz befinden. Auf ZVAB habe ich ihre wunderbaren Werke gefunden. Zustand: Wie neu. Ich habe sowohl Taschenbücher aus auch Deckenbände erhalten, die wahrlich wie neue aussehen. Der Zustand ist jener gebrauchten Bücher ist besser, als jener der Neuware in den Filialen Orell Füsslis. Dort in den Regalen findet man oft Taschenbücher mit geknickten Rücken. Der Rücken von Teufelskind ist heil.

Ohne je ein Buch von Kirino gelesen zu haben, bestellte ich gleich alle. Dieser Entscheid war gut, denn sie werden gegenwärtig nicht mehr angeboten.

Hier kommen wir nun zum ersten Roman, jener fabelhaften Autoren, welches ich gelesen habe:


"Ich werde zu einem wahren Menschen!"
– Aiko Matsushima

In einem SatzAiko Matsushima ist eine wahre Lebenskünstlerin, die auf der Suche nach ihrem Ursprung und ihrer Mutter mordend und eiskalt durch Tokyo zieht und jeden aus dem Weg räumt, der ihr gefährlich werden könnte.

Empfehle ich dieses Buch? Wieso?はい!勿論ですよ!
Ja! Selbstverständlich!
Den Einstieg macht das Ehepaar Kadota. Misae, ehemalige Erzieherin im Kinderheim, in dem auch Aiko war, hat ihren damaligen Zögling Minoru geheiratet, der 25 Jahre jünger ist. Wir lernen die beiden kennen und fragen uns, wieso Misae mit so einem Typen zusammen ist. Minoru ist faul, ein schlampiger Zimmermann, der aktuell ohne Arbeit ist und von der Rente seiner Frau lebt, für die er sich zuweilen schämt. Allerdings nur in der Öffentlichkeit. Im Schutz des Hauses lässt er sich von ihr bedienen und verwöhnen. Kirino versteht es, unsyamptische Figuren zu gestalten, ist Minoru doch nicht der Einzige, den man prügeln möchte. Jedenfalls gehen sie in ein koreanisches Restaurant, wo ihnen die Kellnerin bekannt vorkommt. Aiko Matsushima. Ein kurzer Dialog findet statt und Misae lädt Aiko ein, ihnen Gesellschaft zu leisten. Sie gibt Aiko ausserdem ihre Adresse.
Misae und Minoru sind gerade zu hause angekommen und freuen sich auf eine, für mich sehr verstörende, Sexpraktik in dem Windeln eine grosse spielen, als es an der Tür klopft. Aiko. Sie übergiesst Misae mit Benzin und lässt es entflammen. Misae und Minoru verlassen Kapitel 1 als verkohlte Leichen.
In Kapitel 2 tauchen zwei Polizisten auf und befragen die Angestellten im Restaurant nach dem Ehepaar Kadota. Aiko spielt wunderbar und gibt Auskunft. Gleich darauf packt sie ihre Sachen und flieht ein weiteres Mal. Sie möchte Emi besuchen, eine Freundin von damals, die ein Geheimnis umgibt, welches Aiko gen Ende des Buches erfahren wird.
Aiko ist viele. Sie nimmt verschiedene Identitäten an. So wird sie Zimmermädchen bei einer Hotelinhaberin und muss auf deren verzogenen Jungen Yasushi aufpassen, den sie dann kurzerhand entführt. Dieses Gör ist derart verzogen und selbstgefällig, dass man es prügeln möchte. Aiko spielt mit dem Gedanken, ihn in den Sumida (Fluss in Tokyo) zu werfen, entscheidet sich dann aber für eine andere Option...
Aiko trifft auf Personen aus ihrer Vergangenheit. Die Einen tötet sie kaltblütig und gleichgültig. Andere lässt sie am Leben. Sie will ihre Mutter finden. Ihre leibliche Mutter. Denn Aiko ist in einem Bordell aufgewachsen. Von ihrer Mutter hat sie nur ein paar abgetragene weisse Schuhe.
Von Emi erfährt sie schliesslich, die Identität ihrer leiblichen Mutter...

Aiko ist so wunderbar abgrundtief böse, gleichgültig und kaltblütig. Sie ist eine wahre Lebenskünstlerin, für die nur zwei Digne von Bedeutung sind: Die Identität ihrer Mutter und Geld. Da ich ihre Abneigung gegen Kinder teile, war sie mir gleich noch sympathischer als ohnehin schon. ^_^

Markant ist, dass eigentlich jeder Mann in diesem Buch ein Arschloch ist. Kirino beschreibt sämtliche Männer als Paschas, die sich von ihren Frauen bedienen lassen, als wären sie Könige.
Masayo Sasaki zum Beispiel. Die Frau des Reinigungsbesitzers. Masayo hatte Nobuo geheiratet. Nicht aus Liebe, viel mehr weil dieser behauptete Geld und Landbesitz zu haben. Nobuo führte die Reinigung zusammen mit seinem Zwillingsbruder Yorio, die früher gute Kunden im Bordell waren. Masayo muss beide Männer bedienen, bekochen, hinter ihnen herräumen und auch noch in der Reinigung arbeiten. Sie wird von den beiden wie eine Sklavin behandelt. 
Die AutorinNatsuo Kirino gilt als Kämpferin. Man sagt ihr nach, sie sei kühl. Sie bricht Tabus. Ihre Romane haben eine Kontroverse ausgelöst.
Es war untypisch, gerade für Frauen, solche Romane zu verfassen. Kirino sagte einst in einem Interview, sie sei es leid, dass Frauen in Japan zwar studieren und arbeiten können, aber sobald sie heiraten und schwanger werden, wäre es das gewesen. Sie kümmern sich fortan um den Haushalt und die Familie.
In Kirino's Romanen geht es um meist um Aussenseiterinnen, die es im modernen Japan nicht geschafft haben. Wenige können sich aufrappeln und kämpfen. Sich selbst aus diesem Strudel aus Hoffnungslosigkeit befreien und den Sprung in ein halbwegs normales Leben schaffen.
Kirino identifiziert sich mit ihren Figuren.
Beispielsweise wurde sie zu einem Radiointerview eingeladen, jedoch weigerte sich der Moderator sie zu interviewen, da ihre Bücher "widerlich" wären. Kirino musste viel Kritik ertragen. Hat sie ertragen und vermochte, darüber zu stehen.

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thesmallnobles avatar

Rezension zu "Die Umarmung des Todes" von Natsuo Kirino

Fesselnd!
thesmallnoblevor einem Jahr

Die in tristen Verhältnissen lebende Yayoi bringt im Affekt ihren nichtsnutzigen Gatten um. Ihre drei, ein ebenfalls tristes Dasein fristenden, Kolleginnen helfen bei der Zerstückelung der Leiche und deren Entsorgung per Müllabfuhr. Die Polizei findet Leichenteile und verdächtigt ein Yakuzamitglied. Dem ist zwar nichts nachzuweisen, aufgrund der Untersuchungshaft verliert er aber seinen Amüsierbetrieb und damit seine Geldquelle. Er sinnt auf Rache, während ein Teil des Frauenquartetts einen Leichenentsorgungsbetrieb aufzuziehen versucht...........

Der Plot, der einen amerikanischen Autor vielleicht zur breiten Darstellung eines Gemetzels veranlasst hätte, einem Spanier möglicherweise zur Burleske geraten wäre, wird von der japanischen Autorin zu einem tiefgründigen, fesselnden Psychodrama von hoher Qualität komponiert.

Die Charaktere aller Hauptpersonen werden durch eine ständig wechselnde Erzählperspektive kunstvoll nahe gebracht. Das von Kirino dargestellte Leben der Durchschnittsjapaner ist freudlos. Die handelnden Personen sind nicht gut oder böse - nicht Schwarz oder Weiss werden dargestellt, sondern Abstufungen von tristem Grau.

In dieser Welt taugt jeder zum Verbrecher, das Verbrechen holt die Akteure kurzfristig aus dem immer gleichen Trott, bringt Emotion und Abwechslung.

So ist das Buch manchmal makaber, manchmal verstörend, aber immer von hoher literarischer Qualität und nie langweilig

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Pippo121s avatar

Rezension zu "Die Umarmung des Todes" von Natsuo Kirino

Brutal, aber auch tiefgründig...
Pippo121vor 2 Jahren

Vier Frauen arbeiten in der Nachtschicht in einer Lunchfabrik und lernen sich dort kennen und schätzen. Doch als Yayoi eines Tages erfährt, dass ihr Mann ihre gesamten Ersparnisse im Kasino verbraten hat, bringt sie ihn im Affekt um. Ihre drei Freundinnen helfen ihr mehr oder weniger freiwillig und zerstückeln den leblosen Körper um ihn so zu beseitigen. Doch die Leiche wird entdeckt und entfesselt so eine ungeheure Gewaltspirale, die ein sehr blutiges Ende findet.

 

Natsuo Kirino hat einen sehr eindrucksvollen Schreibstil. Ihr ausgezeichnetes sprachliches Niveau verschmilzt mit einem perfekt gezeichneten Spannungsbogen und zieht den Leser in seinen Bann. Die Charakterdarstellung der Protagonisten ist perfekt herausgearbeitet und die vielen, nicht zu langatmigen Beschreibungen, lassen einen tief in die japanische Welt eintauchen. Kirino legt den Finger in die Wunde und prangert nicht nur die Missstände in der japanischen Gesellschaft an, die so viele Leute in bitterer Armut alleine lässt, sondern zeigt, dass auch scheinbar normale Menschen zu den grausamsten Verbrechen fähig sind. Der psychologische Aspekt dieses Buches ist faszinierend und man spürt regelrecht, wie die Frauen immer mehr unter Druck geraten und sich schließlich komplett von ihrem früheren Leben abwenden. Kirino hat den Mut, diese menschlichen Abgründe zu schildern und schreckt auch nicht vor makabrer Brutalität zurück. Ich muss gestehen, dass ich Satakes Beschreibungen seines ersten Mordes teilweise nur überflogen habe, da dies mir dann doch zu blutrünstig war. Doch dies tut der Spannung keinen Abbruch und ist eher mein persönliches Gefühl, da ich mir solche Grausamkeiten nie allzu bildlich vorstellen möchte.

Die Protagonisten führen allesamt ein Leben, das sehr trostlos und unbefriedigend ist. Die Frauen haben große finanzielle Sorgen und auch das Familienleben bietet kaum Anlass zur Hoffnung. Sie jagen unverwirklichten Träumen hinterher oder sind einfach nur frustriert über ihr Leben, das so ganz anders verlief als erhofft. Während der ganzen Lektüre war ich mir nicht sicher, ob ich die Protagonistinnen, allen voran Masako und Yayoi verstehen, sympathisch finden oder aber verachten soll. Beide haben eine schreckliche Tat begannen, doch es gelang mir nicht, ihnen den Stempel des Bösewichts aufzudrücken. Die einzige Figur, deren Handeln ich nicht nachvollziehen konnte und die mir überaus unsympathisch war, war Kuniko.

 

Die verschiedenen Erzählperspektiven, die vor allem gegen Ende des Romans auftreten, verleihen dem Buch eine zusätzliche Spannung und lassen einen während der Schlussszene richtig mitfiebern. Dieser brutale Kampf um Leben und Tod wird aus Sicht der beiden Beteiligten geschildert und so kann man ihre verworrene Gefühlslage besser entwirren. So ganz nachvollziehen konnte ich Masakos Reaktion allerdings nicht, aber in Romanen ist ja Gott sei Dank alles möglich! 

 

Da dies mein erster asiatischer Roman war, hatte ich zunächst Bedenken ob ich mich bei den vielen asiatischen Namen zurecht finden würde. Glücklicherweise war das überhaupt kein Problem und ich vergaß den japanischen Hintergrund ziemlich oft während der Lektüre. So habe ich mir beispielsweise die Protagonisten allesamt mit europäischen Gesichtszügen vorgestellt und musste mich bei jeder Personenbeschreibung daran erinnern, dass dies nicht den Tatsachen entsprechen kann. Die aufgegriffenen Themen sind so brisant und klug gewählt, dass sie in jedem Land aktuell sind. Trostlosigkeit und Perspektivlosigkeit gepaart mit Armut und geringen Aufstiegsmöglichkeiten betreffen bei Weitem nicht nur die japanische Gesellschaft, sondern finden sich leider überall auf der Welt wieder. Die Frauen in diesem Roman haben ihren Ausweg gefunden, wenn auch auf ungewöhnliche und illegale Art und Weise. Aber werden Menschen in solch ausweglosen Situationen nicht geradezu in die Illegalität gedrängt? Dieser Roman ließ mich sehr nachdenklich zurück und ich fragte mich immer wieder, wie ich mich in einer solchen Situation verhalten hätte …

 

Dieses Buch hat es definitiv in sich und lässt den Leser nicht mehr los. Allerdings darf man keine schwachen Nerven haben, sonst kann man die Tiefgründigkeit dieses Buches nicht erkennen.

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