Nava Ebrahimi

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Autor von Sechzehn Wörter.

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Sechzehn Wörter
Sechzehn Wörter
 (24)
Erschienen am 14.01.2019

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Tini2006s avatar

Rezension zu "Sechzehn Wörter" von Nava Ebrahimi

Persische Familiengeschichte, die Einblicke in den Iran von damals und heute gibt
Tini2006vor 5 Monaten

Die Autorin hat den Österreichischen Buchpreis für Debütromane bekommen - so wurde ich auf dieses Buch aufmerksam. Nachdem ich mich durch jenes Buch einer bekannten Autorin gequält hatte, die den eigentlichen Buchpreis gewonnen hat, war ich anfangs etwas skeptisch, was mir dieses wohl bescheren wird: mühsame Metaphern? Langweilige pseudointellektuelle Ausführungen? Binsenweisheiten, die unter dem Deckmantel der Literatur als neuartige, fast philosophische Erkenntnis verkauft werden? - Nichts davon trat ein. Von der ersten Zeile an war ich von der Geschichte so gefangen genommen, dass ich nicht mehr zu lesen aufhören wollte.

Nava Ebrahimi erzählt ihre Geschichte aus der Sicht von Mona, deren Eltern mit ihr von Persien nach Deutschland ausgewandert sind, als sie selbst noch ein Kind war, Mona ist jetzt Mitte 30, Journalistin, spricht Deutsch wie ihre Muttersprache, schreibt als Ghostwriterin Biographien. Sie hat sich selbst Bindungsangst diagnostiziert, da sie quasi noch immer (mehr oder weniger) Single ist, auf jeden Fall aber unverheiratet. Als ihre Großmutter stirbt, reist sie mit ihrer Mutter in den Iran zur Beerdigung und dann mit ihrem persischen Teilzeit-Lover noch ein wenig im Land herum, die Mutter quasi im Gepäck. Während das Trio u.a. in die historische Stadt Bam reist, erfährt der Leser so einiges über Monas Familie.

Die Mutter war erst 13, als sie mit Monas Vater verheiratet wurde. Relativ rasch darauf kam auch schon Mona zur Welt. Die Ehe wurde auf Wunsch der Mutter geschieden, als diese 18 war. Die Großmutter bestand darauf, dass alle auswanderten, denn sie wollte nicht mit der Schande einer geschiedenen Tochter leben. Und schon sind wir bei der Großmutter, DER zentralen Figur in dem Buch (und das auch nach ihrem Ableben). Die Großmutter thront(e) wie eine Matriarchin über der Familie und steuert das Schicksal ihrer Tochter und auch von Mona. Sie selbst nahm sich, wie man mehr oder weniger deutlich erfährt, alle Freiheiten.... Mehr kann ich nicht verraten, denn am Ende des Buches offenbart sich ein Familiengeheimnis, das aus meiner Sicht zwar nicht zentrales Thema dieses Buches ist, aber durchaus für einen Überraschungseffekt sorgt.

Themen gibt es in diesem Buch viele: die Zerrissenheit der Ich-Erzählerin zwischen den Kulturen. Wie es war, das einzig "dunkle" Kind in einer Schar Europäerinnen zu sein. Die skeptischen Blicke, das Misstrauen, das Betonen der Andersartigkeit durch z.B. die Mütter ihrer Schulfreundinnen. Der Vater, der als gescheiterte Existenz sein Leben fristete - an der Seite einer deutschen Frau, die auch mir beim Lesen fremd blieb. Die Mutter, die eine ganz eigene Geschichte mit sich herum trägt, und die ich als Opfer sehe. Und vieles andere.

Wer sich für andere Kulturen interessiert, besonders für Persien,  und persönliche Geschichten trockenen Abhandlungen vorzieht, hat mit diesem Buch sicher einen Volltreffer gelandet. Den Buchpreis hat die Autorin auf jeden Fall voll und ganz verdient.

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sabatayn76s avatar

Rezension zu "Sechzehn Wörter" von Nava Ebrahimi

‚Das stört mich am meisten, wenn ich im Iran bin [...].'
sabatayn76vor einem Jahr

‚Das stört mich am meisten, wenn ich im Iran bin: dass ich wahr und unwahr manchmal nicht unterscheiden kann.‘

Die Ich-Erzählerin Mona lebt in Deutschland, aber ist gebürtige Iranerin. Gemeinsam mit ihrer Mutter reist sie nach dem Tod ihrer Großmutter ein letztes Mal nach Maschhad im Nordosten des Iran. Durch den Tod der Großmutter wird Monas einzige Verbindung zum Land gekappt und die ‚anstrengende On-Off-Beziehung‘ der Ich-Erzählerin zu ihrer alten Heimat beendet.

Eigentlich war nur ein kurzer Aufenthalt im Iran geplant und der Rückflug bereits gebucht, doch dann meldet sich Ramin, Monas Daueraffäre im Iran, bei Mona und lädt sie zu einer Abschiedsreise nach Bam ein, in die Stadt, die fünf Jahre zuvor bei einem Erdbeben vollkommen zerstört wurde.

Monas Mutter schließt sich den beiden Reisenden an, und für Mona stellt der Ausflug nach Bam eine Reise in die eigene Vergangenheit, in die Geschichte ihrer Familie, in das Leben ihrer Großmutter, ihrer Mutter und ihren Vater dar.

Anhand von 16 Farsi-Wörtern, die als Kapitelüberschriften und als roter Faden im jeweiligen Kapitel dienen, erzählt Nava Ebrahimi ihre Geschichte um Mona und die Vergangenheit ihrer Familie. Dabei entsteht ein ungewöhnlich erzählter Roman, bei dem die Ich-Erzählerin häufig die Zeitebene wechselt, den Leser so in verschiedene Epochen mitnimmt und ihre Geschichte mit großer Komplexität erzählt. Diesen Wechsel zwischen den Zeiten (z.B. Iran zu Zeiten des Schah-Regimes, Iran nach der Islamischen Revolution, Gegenwart) empfand ich stets als gelungen umgesetzt und nie als verwirrend oder unpassend.

Ebrahimi ermöglicht durch ihren Debütroman ‚Sechzehn Wörter‘ tiefe Einblicke in die Gedanken und Gefühle der Protagonisten und in das Leben im Iran, aber auch in die Fallstricke eines Lebens im Exil und in Besonderheiten des Farsi. Schön fand ich in diesem Zusammenhang auch die zweisprachigen Kapitelüberschriften (Farsi/Deutsch), da ich Farsi lesen kann und so die Aussprache der Wörter und Phrasen jenseits der vereinfachten Transkription kennenlernen konnte. Für alle, die Farsi nicht lesen können, sind die zweisprachigen Überschriften nichtsdestoweniger ein schöner Einblick ins persische Alphabet sowie ein hübsches Layout-Detail.

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Petriss avatar

Rezension zu "Sechzehn Wörter" von Nava Ebrahimi

Einmal Deutschland Iran und retour
Petrisvor einem Jahr

Auf dieses Buch musste ich lange warten. Ich hatte es schon vor Wochen in der Bücherei vorbestellt, doch die Warteliste war lang. Es scheint, dass sich in diesem Fall mein Büchergeschmack mit dem vieler anderen Leser*innen deckt. Aber das ließen ja auch schon die begeisterten Rezensionen vermuten.

Als ich es dann endlich in Händen hielt, schob ich das Buch, das ich gerade las, zur Seite und musste gleich loslegen. Obwohl ich im Moment sehr wenig Lesezeit habe, hatte ich es in wenigen Tagen gelesen. Es ließ mich begeistert und fasziniert zurück.

Die Protagonistin Mona, deren Eltern aus dem Iran sind, reist gemeinsam mit ihrer Mutter noch einmal in das Land ihrer Herkunft, um die Großmutter zu begraben. Sieben Tage Trauerfeierlichkeiten und dann noch einen Abstecher nach Bam, der historischen Stadt, die fünf Jahre zuvor von einem Erdbeben zerstört worden war. Sie fährt nicht wie geplant alleine mit ihrem Liebhaber Ramin, den sie in ihrer Zeit als Auslandskorrespondentin in Teheran kennengelernt hatte, ihre Mutter hatte beschlossen mitzukommen.
In Episoden, überschaubaren Kapiteln, jeweils immer einem Wort gewidmet, macht sich die Autorin auf Spurensuche. Der Blick ist kritisch aber voller Respekt und Liebe, manchmal einfach nur erstaunt, ob der Reaktionen, die die Unterschiede zwischen Iran und Deutschland auslösen.
In diesen Tagen im Iran kommt Mona sich selber ein wenig näher und vielleicht auch dem Knackpunkt, wieso es so schwer für sie ist, sich zu binden.

Ich mochte die Sprache, ich mochte die Protagonisten, mir gefiel die Geschichte, ich fand die Kapiteleinteilung sehr gelungen,… Kurzum, ein Buch, das mich begeistert, verzaubert und in eine fremde Welt entführt hat. 

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