Navid Kermani

 4 Sterne bei 235 Bewertungen
Autor von Sozusagen Paris, Große Liebe und weiteren Büchern.
Autorenbild von Navid Kermani (©Copyright:  Sabine Lohmüller  Kirchenstraße 70 81679 München  Tel.: 089/6422200)

Lebenslauf

Die Ästhetik der islamischen Mystik und des Koran: Navid Kermani ist ein deutscher Publizist und Schriftsteller irischer Herkunft. Er studierte Orientalistik, Philosophie und Theaterwissenschaft in Köln, Kairo und Bonn. Und schrieb bereits während seines Studiums für renommierte Zeitungen wie die Frankfurter Allgemeine. 

Während dieser Zeit fing Kermani an erste wissenschaftliche Texte sowie Romane rund um Themen wie menschliche Erfahrungen und die Ästhetik des Koran und der islamischen Mystik zu verfassen. Nach seinem Abschluss arbeitete er weiterhin für zahlreiche Zeitungen und war nebenbei als Kriegs- und Krisenreporter tätig. Darüber hinaus hält er regelmäßige Workshops und Vorlesungen an verschiedenen Universitäten. 

Für seine Arbeiten wurde der Schriftsteller mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. So u.a. mit dem Ernst-Bloch-Föderpreis, dem Hessischen Kulturpreis, dem Hannah-Arendt-Preis, dem Ehrenpreis des Kölner Kulturpreises, dem Kleist-Pries, dem Bürgerpreis der deutschen Buchhandlung und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Alle Bücher von Navid Kermani

Cover des Buches Das Buch der von Neil Young Getöteten (ISBN: 9783518464618)

Das Buch der von Neil Young Getöteten

(27)
Erschienen am 20.08.2013
Cover des Buches Große Liebe (ISBN: 9783499269707)

Große Liebe

(29)
Erschienen am 22.01.2016
Cover des Buches Sozusagen Paris (ISBN: 9783499273223)

Sozusagen Paris

(30)
Erschienen am 27.03.2018
Cover des Buches Ungläubiges Staunen (ISBN: 9783406804502)

Ungläubiges Staunen

(17)
Erschienen am 08.09.2023
Cover des Buches Einbruch der Wirklichkeit (ISBN: 9783406692086)

Einbruch der Wirklichkeit

(14)
Erschienen am 21.01.2016
Cover des Buches Ausnahmezustand (ISBN: 9783406682926)

Ausnahmezustand

(12)
Erschienen am 21.08.2015
Cover des Buches Dein Name (ISBN: 9783446244030)

Dein Name

(12)
Erschienen am 31.12.2019
Cover des Buches Entlang den Gräben (ISBN: 9783406803451)

Entlang den Gräben

(12)
Erschienen am 23.03.2023

Neue Rezensionen zu Navid Kermani

Cover des Buches Köln (ISBN: 9783406850950)
M

Rezension zu "Köln" von Navid Kermani

M.Lehmann-Pape
Innenansicht eines überzeugten „Immigranten“

Liebe mit Sorgen. Oder verwurzelt in einem Köln, dass es vielleicht nicht mehr gibt. Oder nie gab? Auf jeden Fall kundig. 

Das ist, was diese Sammlung an literarischen „Heimat-Texten“ von Nadim Kermani ausmacht.

 

Der schon mit vier Jahren „Fan“ war. Zumindest des „FC“. Und damit „leidensfähig“ aufgewachsen ist. Und genauso so, wie die wechselhafte Geschichte des FC Köln die Fans mitfiebernd, wütend, leidend, freuend, nie aber belanglos werden lässt, so betrifft es auch die Stadt und die Menschen, die in ihr Leben. 

Immer schon. Oder zugezogen, oder zuziehend.

Und eigentlich, wie beim „FC“, kann man das fast über die Stadt und ihre Befindlichkeit(en) sagen.

Eine Menge an auch ruhmreicher und denkwürdiger Vergangenheit und eine, objektiv betrachtet, leicht triste oder trister, zumindest auf „fürs Gefühl“ schwieriger werdende Gegenwart.

 

Hierzu ist ein Blick auf eins seiner Gespräche mit dem Kölner Stadtanzeiger aus 2025, im Buch abgedruckt, ein guter Einstieg. Empathisch, wie Kermani alle Dinge in Kunst und Leben angeht, mit einem gewissen Verständnis, aber auch mit spürbarer Trauer und deutlicher Kritik schaut er auf die „Verwahrlosung“ der Stadt. 

Den Müll. Den Dreck. Die „Besäufnis-Touren“, die in Hauseingängen, in den kleinen Parls, an allen Ecken und Ende nicht nur Müll, sondern auch reihenweise „menschliche Ausscheidungen“ hinterlassen. Derer die Stadt wenig Herr wird (oder nicht will?).

Und das an dem Ort, den er in Köln als Heimat empfindet, den Eigelstein.

Immer schon ein raues Viertel. 

Aber geerdet. 

Zu Rotlichtzeiten mit Härte, aber auch klaren „Ehren-“-Regeln.

 

Und nun aus dem Gleichgewicht geraten. Wie nicht wenig in Köln anbetracht wachsender Obdachlosigkeit und einer hohen Zahl an Menschen mit Migrationshintergrund.

Was Kermani sowohl in seinen „Eigelstein-Betrachtungen“, aber auch dezidiert im Blick auf die massiven Übergriffe der „Kölner Silvesternacht“ 2016 mit anderen bekannten Kölnern thematisiert.

 

Auch wenn immer und überall gilt: „Wir lieben Köln. Wie lieben die Vielfalt unserer Stadt, die Lebenslust…aber auch die Gastfreundschaft und Offenheit für Lebensformen“.

Aber das hat selbst für „Kölsche“ absolute Grenzen.

 

Die Realität also kommt vor. Kritisch. Samt Klüngel und Stadtarchiv.

 

Und dennoch, wenn Karmani über die Kunst der Stadt, die kleine und große, über die Kirchen, über die vertrauten Menschen, über seinen verstorbenen Buchhändler (der auch nach 28 Jahren als Buchhändler(!) nur gebrochen deutsch sprach spricht, wenn er durch die Gassen, Straßen und an den Rhein streift, dann spürt auch der „fremde“ Leser, was dieses „Gefühl“ ausmachte und auch heute noch, wenn auch bedrängt, noch ausmachen kann.

 

Und damit geht das Buch über den konkreten Ort hinaus. Denn vieles, was Kermani wie in einem Brennglas von Köln zu erzählen und zu „fühlen“ weiß, ist auch im Gesamten der gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland festzumachen.

 

Am Ende tut es einfach auch gut, eine reflektiert, persönlich emotionale und kluge Stimme (mit Herz) im Buch zu lesen, die nie den Zeigefinger anklagend oder besserwisserisch erhebt, aber einfühlsam die neuralgischen Punkte offen legt.

Cover des Buches Große Liebe (ISBN: 9783499269707)
KarenAydins avatar

Rezension zu "Große Liebe" von Navid Kermani

KarenAydin
„Das erste Mal hat er mit fünfzehn geliebt und seither nie wieder so groß.“

Jede Liebe, vor allem eine so große, ist es wert erzählt zu werden. Diese Ansicht teilt nicht jeder. Selbst sehr flexible Romanleser, rümpfen die Nase, wenn es um das Thema „Liebe“ geht, haftet dieser Grunderfahrung als Sujet doch immer etwas Triviales oder gar Profanes an. Und doch ist jeder Liebesroman etwas Besonderes, da trotz aller Parallelen jede Liebe einzigartig ist und die große Liebe immer wieder neu erzählt werden kann, sich immer wieder gleicht und doch völlig unterschiedlich ist.

Worum geht es in dem Roman? 

Erzählt wird in Rückblicken, aus der Sicht eines erwachsenen, 45-jährigen Mannes, die „große Liebe“ seines 15-jährigen Ichs zu einer Abiturientin namens Jutta, von den ersten Blicken bis zur wenige Tage später stattfindenden Trennung, die er sowohl aus der Erinnerung als auch aus seinen Tagebüchern („Traum und Chaos“) und Briefen rekonstruiert. Der Name des Jungen bleibt unerwähnt, steht er doch für alle jungen Liebenden. Diese Liebe wird vor der Kulisse einer protestantischen Kleinstadt im Jahr 1983 dramatisiert, mit der Raucherecke eines Gymnasiums, der Küche eines besetzen Hauses und in dem Haushalt der Einwandererfamilie aus dem „Land seiner Lieblingslektüren“ (42; 56). Die Requisiten lassen die 80er lebendig werden, der Opel Ascona, der Plattenspieler, die Flaschenkerzenhalter, die Räucherstäbchen, indische Decken und das Terracotta-Teegeschirr.

 

Insgesamt vereint der Roman selbst zwei unterschiedliche Elemente, der Blick auf die Liebe eines Schuljungen, und die Alltagsfassade der Affaire, die in sehr deutscher Art mit viel Selbstironie und einiger Nüchternheit erzählt wird, ob es nun um den gemeinsamen Einkauf oder seine Verhaftung bei der Friedensdemo, geht, und eine persisch-arabische Erzählweise, welche die Majestät seiner Liebe herausstellt, und in den Text Gedanken und Zitate aus der arabisch-persischen Liebesmystik hineinwebt. Beide  konglomerieren im Liebesakt und kulminieren in einem metafiktionalen Ende, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, verkörpert durch den Sohn des Erzählers, einem typischen Angehörigen der Generation Z, zusammenbringt. („Er liest ja eigentlich nicht mehr, (…) schämt sich geradezu mit Büchern gesehen zu werden (…),Film und Fernsehen interessieren ihn auch nicht, tippt etwas in den Rechner…“, 96), liest dann aber den Roman „Große Liebe.“ „Er ist verliebt! denke ich…“ (96).  

Intertextuell, interkulturell, selbstreferentiell, ein kluger und innovativer postmoderner Roman, in dem der Erzähler den Leser am Entstehungsprozess teilhaben lässt, ein Werk, das sicher auch zum interreligiösen Dialog beiträgt, und an vielen Stellen mahnend betont, dass Gott auch und gerade im Islam Liebe ist, das Wort Hingabe bedeutet (66) und die jugendliche Verliebtheit „übereinstimmend mit dem Ertrinken (…) des Mystikers in der alles überflutenden Liebe des Göttlichen.“ (13).

Man ist versucht bei den hundert Kapiteln an die 99 Namen Allahs denken. Der hundertste ist verborgen und das letzte Kapitel endet mit einem Ausspruch Bayzaid Bestamis „Das Wunderbarste ist nach meiner Meinung, dass aus dem Meere überhaupt jemand wieder zum Vorschein kommt.“ (S. 100).

 

Mein Fazit:  Das Buch war unglaublich interessant, es hat mir viel über die arabisch-persische Liebesmystik beigebracht. Ich werde das eine oder andere vertiefen. Der Autor ist als Orientalist auch ganz klar sachkundig. Das Buch ist mit seinen 100 Seiten gut zu lesen. Wunderschön, z.B. das Zitat aus Nizamis „Leila und Majnun“, als Majnun von seinem Vater nach Mekka gebracht wird, um ihn von der Liebeskunst zu heilen: „Lass mich lieben, o Gott, lieben allein um der Liebe willen und mache diese Liebe hundertmal, tausendmal, noch unendlich viel größer, als sie schon war und jetzt ist.“ (57). Insgesamt gebe ich dem Buch aber dennoch nur 8/10 Punkten. Ohne die vielen wunderbaren Zitate aus der arabischen Literatur wären es vermutlich noch weniger. Denn das Buch ist mir zu verkopft und zu konstruiert, der innere Monolog in seinem hypotaktischen Stil manchmal auch etwas langatmig bis langweilig. Mir hat das gewisse Etwas gefehlt, mit dem ich die Liebe nicht nur hätte kognitiv, sondern auch emotional nachvollziehen können.  

 


Cover des Buches Sommer 24 (ISBN: B0GCCHJDMZ)
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Rezension zu "Sommer 24" von Navid Kermani

sabatayn76
‚Wie soll man sich orientieren in einem Leben, dessen Koordinaten nicht mehr zu stimmen scheinen?‘

‚Wie soll man sich orientieren in einem Leben, dessen Koordinaten nicht mehr zu stimmen scheinen?‘ (Klappentext)

Navid Kermani erzählt in ‚Sommer 24‘ unter anderem die Geschichte von seinem Freund Rudolf, einem Juden, dessen Eltern die Shoah überlebt haben und der schließlich mit der AfD sympathisiert, rechte Parolen vertritt und durch assistierten Suizid stirbt.

Kermani berichtet auch von einer Frau, die er vor langer Zeit in einer Kneipe getroffen hat, die ihm von ihrer Vergewaltigung erzählt hat, über die er schließlich ohne ihr Einverständnis schreibt, was sie als zweite Vergewaltigung empfindet.

Kermani thematisiert zudem den Ukraine-Krieg, Antisemitismus und Gaza-Krieg und erzählt von anderen Konflikten auf der Welt.

In ‚Sommer 24‘ beschreibt Kermani Widersprüche in seinem Leben und in seinem Umfeld, in der heutigen Zeit und in unserem Alltag, zeigt dabei ein hohes Ausmaß an Ambiguitätstoleranz, was meiner Meinung nach eine ebenso wichtige wie seltene Eigenschaft ist.

Ich empfand nicht alle Teile dieses Hörbuchs als gleich spannend, und wie viele andere Leser:innen beziehungsweise Hörer:innen fand ich die Geschichte von der vergewaltigten Frau, über die Kermani recht unbedarft eine Geschichte schreibt und wie er auch später damit umgeht, als irgendwie pietätlos und enttäuschend - vor allem wenn man sich vergegenwärtigt, was für ein respektvoller, bedachter und reflektierter Mensch Kermani eigentlich ist.

‚Sommer 24‘ wurde grandios von Jens Harzer eingelesen. Seine einfühlsame, melancholische und damit perfekt passende Interpretation von ‚Sommer 24‘ hat dafür gesorgt, dass ich hier extrem gerne gelauscht habe.

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Also ich schau immer erst einmal, ob ich eines der Bücher gelesen habe. In diesem Jahr sieht es aber ganz schlecht aus, in meinem Regal liegen zwar noch ungelesen 'Léon und Louise' und 'Adams Erbe', aber gilt ja nicht. Wie ist es bei euch? Welche der nominierten Bücher kennt ihr und sind sie eurer Meinung zu Recht für den deutschen Buchpreis nominiert worden? Drückt ihr einem der Bücher besonders die Daumen? • Volker Harry Altwasser, Letzte Fischer (Matthes und Seitz Berlin, September 2011) • Jan Brandt, Gegen die Welt (DuMont, August 2011) • Michael Buselmeier, Wunsiedel (Das Wunderhorn, März 2011) • Alex Capus, Léon und Louise (Hanser, Februar 2011) • Wilhelm Genazino, Wenn wir Tiere wären (Hanser, Juli 2011) • Navid Kermani, Dein Name (Hanser, August 2011) • Esther Kinsky, Banatsko (Matthes und Seitz Berlin, Januar 2011) • Angelika Klüssendorf, Das Mädchen (Kiepenheuer & Witsch, August 2011) • Doris Knecht, Gruber geht (Rowohlt.Berlin, März 2011) • Peter Kurzeck, Vorabend (Stroemfeld, März 2011) • Ludwig Laher, Verfahren (Haymon, Februar 2011) • Sibylle Lewitscharoff, Blumenberg (Suhrkamp, September 2011) • Thomas Melle, Sickster (Rowohlt.Berlin, September 2011) • Klaus Modick, Sunset (Eichborn, Februar 2011) • Astrid Rosenfeld, Adams Erbe (Diogenes, Februar 2011) Hier die Livestream-Lesung zum Buch: http://www.lovelybooks.de/lesung/astrid-rosenfeld/ • Eugen Ruge, In Zeiten des abnehmenden Lichts (Rowohlt, September 2011) • Judith Schalansky, Der Hals der Giraffe (Suhrkamp, September 2011) • Jens Steiner, Hasenleben (Dörlemann, Februar 2011) • Marlene Streeruwitz, Die Schmerzmacherin (S. Fischer, September 2011) • Antje Rávic Strubel, Sturz der Tage in die Nacht (S. Fischer, August 2011)
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Zusätzliche Informationen

Navid Kermani wurde am 26. November 1967 in Siegen (Deutschland) geboren.

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