Navid Kermani Ausnahmezustand

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Inhaltsangabe zu „Ausnahmezustand“ von Navid Kermani

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  • Rezension zu "Ausnahmezustand" von Navid Kermani

    Ausnahmezustand
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    08. March 2013 um 13:21

    Reportagen von Kaschmir bis Lampedusa Navid Kermani vereint in sich selbst bereits „Welten“. Beheimatet in Köln, Moslem, sprachmächtig, Kriegsreporter. Einer, der auch hier einen anderen Akzent zu setzen versteht. Nicht die „objektive Reportage“ ist sein Ziel, sondern der „Bericht aus dem Inneren“. Einer, der mitten drin ist, der sich, auch innerlich, einmischt, der seine Meinung durch seine Worte transportiert. Und einer, der tatsächlich das Gesehene und Gemeinte sehr, sehr präzise und prägnant in Worte zu bringen versteht. Abstrakte Nachrichten, Bilder am Vorabend, Berichte aus Krisengebieten, all dies erhält durch seine sehr persönliche Zuwendung zu den Regionen, den Ereignissen und, vor allem, zu konkreten Menschen in diesen „Regionen im Ausnahmezustand“ eine Nähe für den Leser, eine persönliche Zugangsmöglichkeit, die in den allgemeinen Nachrichten meist nicht gegeben ist. Sei es in Kaschmir, Delhi, Gujarat, Afghanistan, Palästina und auch in Lampedusa selbst, Kermani ist da, wo der Ausnahmezustand herrscht. Sein Bericht vom „Eingang der Hölle“, aus Syrien Ende des Jahres 2012 . Da, wo in der „Mitte der Stadt“ und in den wohlhabenden Vierteln der „Krieg nur zu hören ist“ und doch alle sich fragen, wo denn nun genau die Granaten einschlagen. Gespenstisch ist die Atmosphäre, sehr eindringlich durch Kermani geschildert und auch in den Hintergründen beleuchtet. Dass in Syrien die Rebellion eben nicht, wie in anderen Ländern des nahen Ostens, von den Metropolen ausging, sondern vom Land aus, von den „Randgebieten“ aus. Eindeutig nimmt Kermani Stellung und öffnet mit seiner sachlich-nüchternen Sprache den Blick mitten hinein in die „Welt der einfachen Leute“. Knüppel, Schusswechsel, Massaker, all dies lässt er vor dem geistigen Auge des Lesers ablaufen. Bei Menschen, die „nichts erwarten vom Westen“, die auf sich alleine gestellt um das reine Überleben mittlerweile kämpfen. Das schon viel gewonnen wäre, „wenn der Westen mal gar nichts täte, statt die religiösen Kräfte direkt und indirekt zu sehr zu unterstützen“. Fast noch hoffnungsloser bildet Kermani im Rahmen einer Reportage aus dem Jahre 2005 die Situation der Menschen in Palästina ab. Schikanen durch die israelitische Armee, Gewalt bestimmter Palästinensergruppen, allgegenwärtige Korruption und eine Politik, der es nur darum geht, den eigenen Machtbereich um jeden Preis zu zementieren. „Alles, nur keine Lösung“ scheint das Motto, das Kermani bitter beschreibt und mit seinen Beobachtungen vor Ort unterfüttert. Eine Beschreibung, aus der heraus er „Schuld“ ganz eindeutig zuweist und diese Meinung vehement vertritt, auch wenn sie nicht der allgemeinen „political correctness“ entspricht. Eindringliche Reportagen sind es, mit denen Kermani dem Leser die „Welt dahinten“ ungefiltert vor Augen führt und damit den seelenlosen Nachrichten und Berichten aus aller Welt Namen und Gesichter gibt. Ursachen, Folgen, Hintergründe, konkrete Beteiligte, das sind Kermanis Interessen und das sind die Grundlagen für seine klaren Meinungen und Überzeugungen, die er klar erkennbar im Buch mitteilt. Ein durchaus aufrüttelndes und sehr persönliches Buches eines Reporters, der da war und dahin geht, wo die Welt alles andere als „in Ordnung“ ist. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

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