Navid Kermani Ayda, Bär und Hase

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Inhaltsangabe zu „Ayda, Bär und Hase“ von Navid Kermani

Ayda ist fünf Jahre alt und lebt in einem multikulturellen Viertel. Sie kann schon sehr viel: Gedichte aufsagen, bis 23 rechnen und zwei Sprachen, nämlich Deutsch und Persisch. Und sie kennt sogar ein türkisches Wort: 'üzüntülü' – 'betrübt'. Genau das ist Ayda oft, weil ihre Freunde aus dem Kindergarten sie nie mitnehmen, wenn sie mit den Fahrrädern unterwegs sind. Also macht sich Ayda allein auf den Weg und trifft auf Bär und Hase. Eine enge und ungewöhnliche Freundschaft zwischen den dreien beginnt – trotz ihrer großen Unterschiede.

Navid Kermani, u. a. ausgezeichnet mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, schuf mit seinem bislang einzigen Kinderbuch eine humorvolle Hymne auf das Leben und ein herzerfrischendes Plädoyer für das Miteinander unterschiedlichster Kulturen.

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  • Ein sehr gelungenes Buch

    Ayda, Bär und Hase

    WinfriedStanzick

    01. February 2017 um 10:03

    Ayda ist 5 Jahre alt und wohnt im Kölner Viertel Eigelstein direkt hinter dem Dom. Ihre Eltern stammen aus dem Iran und haben sich in Köln während ihres Studiums kennen gelernt.  Aydas Vater, sie nennt ihn auf persisch „Baba“, ist ein großer und treuer Fan des 1. FC Köln, obwohl die Mannschaft oft verliert. Aber treue Fans stört das nicht. Ayda versteht zwar nichts von Fußball, aber Babas Treue zu seinem Verein imponiert ihr doch sehr. Ayda ist ein intelligentes Kind. Sie besucht den Kindergarten, hat dort aber kaum Freunde. Paul und Lisa, mit denen sie am meisten zu tun hat und die beide ein ganzes Jahr älter sind als sie, nennen Ayda einen „Knirps“, obwohl Ayda doch bald zusammen mit den beiden in die Schule kommt. Ayda fühlt sich unglücklich und allein. „Üzüntülü“, wie die türkische Ladenbesitzerin Frau Oztürk immer sagt, „betrübt in der Seele“. Sie erzählt abends ihrem Vater davon, und der versucht ihr klar zu machen, dass das Traurigsein zum Leben dazu gehört, und es eben nur manches Mal Momente reinen Glücks gibt. Ayda ist nicht ganz davon überzeugt, und als sie sich am nächsten Tag im Kindergarten wieder so allein fühlt, fährt sie, ohne jemand Bescheid zu sagen, mit ihrem kleinen Fahrrad bis zum Rhein und dort am Ufer entlang. Sie passt -in Gedanken versunken- einen Augenblick nicht auf und stürzt. Blutend und verzweifelt liegt sie auf dem Asphalt des Fahrradwegs, als ein Hase und ein Bär vor ihr stehen, die im nahen Wäldchen wohnen. Sie bringen Ayda zurück, und nun beginnt die Geschichte einer großen Freundschaft. Aydas Eltern sind von den beiden neuen tierischen Freunden ihrer Tochter begeistert, sie dürfen bei Ayda übernachten, Ayda darf sie mit in den Kindergarten nehmen, und als die Ferien beginnen, macht es Aydas Vater sogar möglich, daß die beiden in einem Wohnwagen mitfahren können nach Spanien, wo sich die Großfamilie einmal im Jahr trifft. Verwandte mit Onkeln, Tanten, Großeltern, Cousins und Cousinen kommen aus dem Iran und aus den USA. Ayda verlebt einen glücklichen Sommer, zumal sie dort in Spanien noch einen Esel kennen lernen, der dann aber leider nicht nach Deutschland mit zurück kann. Doch sie haben dem armen Esel zu einer neuen Unterkunft verholfen, und was Ayda dem Esel zum Abschied  sagt, ist die wunderbare Schlüsselbotschaft des ganzen Buches: „Wenn man unglücklich ist, muss man sich nicht damit abfinden, sondern versuchen, es zu ändern!“ Zurück in Deutschland helfen die beiden Tiere Ayda, sich auch in der Schule durchzusetzen, indem sie bei einem Wettkampf die großen Jungs besiegen. Da Ayda besonders an den Wochenenden den Hasen und den Bären im Wäldchen besuchen kann, ist am Ende ihr Glück vollkommen. Obwohl ihr Vater sagt: „Wenn die nie ‚üzüntülü’ bist, dann weißt du auch gar nicht, was das Glück ist.“  Doch Ayda antwortet: „Aber wenn ich ganz fest daran glaube, dass es schöner wird, wirklich richtig mächtig dran glaube, dann kann es noch schöner werden, das Leben, oder ?“ Navid Kermani, 1967 in Siegen geboren, ist Orientalist und Islamwissenschaftler. Er besitzt die deutsche und die iranische Staatsbürgerschaft und lebt als freier Schriftsteller und Regisseur in Köln. Wichtige Themen seiner Werke sind das Verhältnis zwischen Westen und Orient, der Kampf bzw. der Dialog der Religionen, sowie die menschliche Ursuche nach dem Gottesbild und dem Sinn des Leids. Navid Kermani hat  -wohl ganz speziell für seine Tochter, nehme ich an- Schon 2006 ( damals erschien das Buch im Picus Verlag in Wien) ein schönes Kinderbuch der Hoffnung geschrieben, das Kindern Mut machen kann, sich für neue Erfahrungen zu öffnen, auch dort, wo sie fremd sind oder sich fremd fühlen. Er erzählt viel von persischen Redewendungen und Sitten. Schön ist z.B. die Schilderung von „taarof“ jener persischen Form der Höflichkeit, die dem anderen immer seine Würde lässt, auch dann, wenn man ihn hart kritisiert. Und er pflegt einen ganz eigenen Stil, als Autor mit seinen kleinen Lesern in einen lockeren und lustigen Dialog zu treten, bevor er dann unvermittelt mit der Geschichte fortfährt. Ein sehr gelungenes Buch eines Autors, dessen Werke( viele sind seitdem erschienen)  für Erwachsene noch der weiteren Entdeckung und Würdigung warten.

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