Navid Kermani Das Buch der von Neil Young Getöteten

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Inhaltsangabe zu „Das Buch der von Neil Young Getöteten“ von Navid Kermani

Bald nach ihrer Geburt wird die Tochter eines jungen Paars von furchtbaren Bauchkrämpfen geplagt; Tag für Tag drei Stunden grausamer Qual. Drei-Monats-Kolik nennen es die Freunde und Verwandten verharmlosend, das Geburtssouvenir eines zynischen Gottes, schimpft der Vater und ballt die Faust gen Himmel. Nach vier durchwachten Nächten rettet Neil Young das Gottvertrauen der Familie. Schon mit den ersten Gitarrenklängen beruhigt sich das Kind. Erstaunlich aber: der betörende Effekt stellt sich nur und ausschließlich bei der Musik Neil Youngs ein. Für Vater und Tochter beginnt eine Reise durch den Kosmos des kanadischen Kultmusikers hin zu verlorenen und wiedergefundenen Paradiesen und zur Möglichkeit ekstatischen Erlebens im Alltag.

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  • Die Vertreibung aus dem Paradies

    Das Buch der von Neil Young Getöteten
    rallus

    rallus

    15. December 2014 um 12:05

    Es gibt Situationen im Leben, da greift man zu den unkonventionellsten Maßnahmen, die einem einfallen. Nur wer es einmal erlebt hat, kann sich die Hilflosigkeit vorstellen, die Eltern überfällt, wenn Babys die sogenannten 3-Monats-Koliken haben. Da hilft fast gar nichts und Nächte werden mit einem krampfartig schreienden Bündel verbracht, kreative Strategien ausgedacht, um diese Qual zu lindern. Warum nicht zu Neil Youngs erster Soloplatte greifen und "The last Trip to Tulsa" auflegen? Und siehe da, es funktioniert! Das, was Navid Kermani passiert ist, brachte ihn dazu, ein kleines Buch zu schreiben, ein Buch das nur 144 Seiten lang ist, uns aber intensiv in die Wunder der Musik von Neil Young führt, dieser rumpelnde Singer-und Songwriter, der wie kein anderer es versteht, Emotionen und Musik zu verbinden - und das auf die einfachste Art und Weise. Im weiteren Leben des kleinen Erdenbürgers wird nach und nach eine Playlist erstellt, zufällig, die Navid Kermani mit interessanten Details aus der Biografie von Neil Young füllt und uns an seinen teils philosophischen Gedanken teilnehmen lässt. "[Pocahontas]...gerät ihm zur wiederkehrenden Metapher für das zentrale Motiv seiner Kunst: den Verlust des Paradieses.[] ...immer sind es ein ernüchterndes, verhängnisvolles Heute und ein unschuldiges, sagenumwobenes Gestern, das er in Umkehrung der Hegelschen Dialektik beschwört." Dabei ist gerade dies, der Verlust des Paradieses ein wiederkehrendes Motiv bei Neil Young. Ist Neil Young deswegen ein dauerdepressiver Weltankläger? Nein, nur wenn jemand düster denkt, muss er nicht gleich düster sein. "Die quälende Anstrengung, sich dem Unheil möglichst nicht zu verschließen, verwässert oder sublimiert sich nach einer Weile zu einer entspannten Schwermut, so ab dem 29. Lebensjahr" Nur als Fatalist läßt sich jeder Stolperstein im Leben ertragen, da man auf nichts anderes gefasst ist, doch niemand schafft es, diese Düsterkeit so emotional in seine Lieder zu verflechten wie Neil Young. Trotzdem ist auch Neil Young vor dem Kommerz nicht ganz gefeit, wobei Kermani fast schon hellseherische Fähigkeiten besitzt. "...mit äußerstem Befremden musste ich konstatieren, dass ein Stück daraus, 'Heart of Gold', in den Flugzeugen von Swissair als Hintergrundmusik Fron tat (mögen sie pleite gehen dafür)" Das kommt davon! Im Laufe des Buches erweitert sich die Playlist und man selber kommt mit guten alten 'Bekannten' in Kontakt. Faszinierend ist die Musik von Neil Young und seiner Hausband Crazy Horse, auch wenn die Musiker minimalistische Fähigkeiten haben, Neil Young selber nicht zu Gitarrengrößen wie Eric Clapton, Jimi Hendrix gehört und mit einer für Rockmusiker sehr hohen Fistelstimme ausgestattet ist, doch: "Ihre Kunst besteht aus der gedankenlosen Konzentration auf ein Motiv." Neil Young selber beschrieb die Plattenproduktionen als eine einzige Session, wobei meist die erste Aufnahme genommen wurde, da man diese Perfektion später beim Nachspielen nicht mehr erreichte. So hören sich auch seine Liveplatten an, rumpelnd, scheppernd und laut. Doch gibt es in der Musik Momente die einem den Atem aussetzen lassen, so auch bei Navid Kermani. Und Fans, die so verzückt und vertieft in seine Musik sind, werden von solchen Momenten einfach - getötet. So schließt sich der Kreis zu dem unkonventionellen Buchtitel, angelehnt an: "Das Buch der vom Koran getöteten" Viel Philosophie, viel Sozialwissenschaft, viel Religion, aber besonders viel Liebe zu Neil Young steckt in diesem kleinen Buch. Neil Young, dessen Musik Navid Kermanis Tochter zum Verstummen und Zuhören brachte. Können 144 Seiten ausreichend sein, um über das Werk von Neil Young zu schreiben? Natürlich nicht! Aber sie vermitteln dem Leser viel Tiefe und manche Neuigkeiten, dem Neil-Young-Neuling auf jeden Fall Lust, reinzuhören. Hier nun die schon angesprochene Playlist: The last Trip to Tulsa, Helpless, Prime of Life, Sugar Mountain, My Heart, A Dream that can last, Pocahontas (Live), Human Hughway (Live), Are you ready for the country, Out on the weekend, Cortez the Killer (Live), Down by the River, Cowgirl in the sand, Barstool Blues (Live) Campaigner Viel Spaß beim (wieder)hören.

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  • Rezension zu "Das Buch der von Neil Young Getöteten" von Navid Kermani

    Das Buch der von Neil Young Getöteten
    Chilischoten

    Chilischoten

    10. January 2010 um 18:22

    Der Titel dieses Buches ist genauso hintersinnig wie ein guter Neil-Young-Song, denn man fühlt sich beim Lesen immer wieder versucht, dem Autor zu schreiben und ihm sich zum Freund, wenigstens zum Gesprächspartner zu machen, ihm aus tiefstem Herzen zu danken dafür, dass er denn Bann, in den einen dieser Mann mit der "Fistelstimme" für immer geschlagen hat, sichtbar, nahezu greifbar gemacht hat, so dass vielleicht auch ein Nicht-Eingeweihter verstehen könnte, was einen tötet, obwohl es einen leben lässt...! Obwohl dieses Buch keine Biographie über Neil Young ist, so habe ich jedoch noch nie etwas Besseres über ihn gelesen. Ein absolutes muss für Fans!

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  • Rezension zu "Das Buch der von Neil Young Getöteten" von Navid Kermani

    Das Buch der von Neil Young Getöteten
    The iron butterfly

    The iron butterfly

    13. October 2009 um 20:58

    „Wann immer ihre Uhr begonnen hatte zu laufen – jetzt hörte sie sie ticken.“ Die kleine Tochter eines jungen Paares wird von Drei-Monats-Koliken geplagt und der junge Vater (Navid Kermani) weiß sich nach vier Nächten, in denen er hilflos mit anhören muss, wie seine Tochter unter ihren Koliken leidet, keinen anderen Rat, als Musik aufzulegen. Es kann ja nicht schaden. Er entscheidet sich kurzerhand für Neil Young. Aus dem Lautsprecher ertönt, „The last trip to tulsa“, eigentlich viel zu laut, viel zu abwegig, „aber in eben jener Zeit zwischen der Einsicht, die Musik leiser stellen zu müssen, und dem Impuls, zum Regal zu gehen, im Verlauf dieser zehntelsekundenwährenden Zeitlosigkeit zwischen zwei Gedankeneinheiten wurde meine Tochter still.“ Es scheint zu wirken und während Neil Young „i used to be a folk singer, keeping managers alive..." singt, entspannt sich das Baby in den Armen des leidgeplagten Vaters. Dieses Ritual spielen die beiden nun allabendlich durch und die Kleine lernt nach und nach Neil Young mit all seinen Facetten kennen. Sie arbeiten sich durch „Helpless“, „Prime of life“, „Sugar Mountain“, „Pocahontas“, „Cortez the killer“ und viele mehr…und Kermani interpretiert derweil Youngs Texte für uns. Seine Interpretationen sind interessant, einfallsreich, witzig, tiefsinnig, manchmal schlicht spekulativ, denn wer möchte nicht gerne in seinem Lieblingslied den besonderen Sinn wiedererkennen, die bezeichnende Botschaft heraushören, die einen mit dem Song so sehr zu verbinden scheint. Kermani, Publizist und Islamwissenschaftler zieht sogar Parallelen zu den Mystikern. Seine Argumente erscheinen einleuchtend und gar nicht so abwegig. „Das Buch der von Neil Young Getöteten“ - für alle Neil Young Fanatiker ein Muss! “It’s better to burn out than to fade away.“ – Neil Young

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