Navid Kermani Dein Name

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Inhaltsangabe zu „Dein Name“ von Navid Kermani

Am 8. Juni 2006 beginnt Navid Kermani sein neues Buch, und es wird einer der ungewöhnlichsten Romane unserer Zeit. Hier schreibt einer über alles, was es zu wissen gibt über sein Leben und das Leben überhaupt: die Gegenwart und die Vergangenheit seiner Familie, die Erinnerung an gestorbene Freunde und die mitreißende Lektüre Jean Pauls und Hölderlins. Die Geschichte seines Großvaters, der von Nahost nach Deutschland ging, wird zum Herzstück des Romans. Immer wieder drängt sich dem Romancier der entscheidende Moment dazwischen: der des Schreibens. „Dein Name“ ist ein Roman, der das Privateste ebenso in den Blick nimmt wie die Geschichte, in der wir leben - ein Buch, das unser Bild der Gegenwart nachhaltig verändern wird.

Ein starkes Buch, das dem Leser viel abverlangt, doch das jede Minute wert ist, die man damit verbringt, es zu lesen.

— Lesemanie
Lesemanie

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    Dein Name
    walli007

    walli007

    16. July 2017 um 10:47

    Über einen Zeitraum von ungefähr vier Jahren lässt der Autor seine Leser teilhaben an seinem Leben. Zwar schreibt er über jemanden, der Navid Kermani genannt wird, und schafft so eine gewisse Distanz. Man kann also nicht ganz sicher sein, was autobiografisch ist und was erfunden. Doch fühlt man sich beim Lesen recht nah am Leben des Autors.  In dem Buch „Dein Name“, das als Roman bezeichnet wird, geht es zum großen Teil um das Leben des Großvaters, die Wurzeln im Iran, die Lebensbeschreibung der Mutter und um die Verstorbenen, deren relativ kurze Beschreibungen über die Beziehung zum Autor zusammen mit einen Bild eine Art Kapitel-Einführung bilden können. Zusätzlich reflektiert der Autor über seine Affinität zu Jean Paul und Hölderlin. Mit über 1200 Seiten der Beschreibung stellt Navid Kermani seine Leser vor eine fast schon gewaltig zu nennende Aufgabe. Das Buch liest sich nicht einfach so weg, es verlangt, sich jeden Satz vorzunehmen. Mit der blumigen und ausdrucksstarken Sprache, die in Sätzen, die schon mal einen halben Absatz oder mehr einnehmen können, ihre Vollendung findet, versteht es der Autor Aufmerksamkeit einzufordern. In seiner Art immer wieder hin und her springend zwischen tagesaktuellen Geschehnissen, der Geschichte der Eltern und Großeltern, den Toten, den Gedanken über die hoch geachteten Klassiker, wirkt das Buch wie eine Art schriftstellerisches Brainstorming. Gerade im Moment wird entschieden, was in das Werk Eingang finden soll. Sollte genau das der Plan sein, scheint es fast genial, wie der Überblick behalten wurde, wie der Autor nach dem Schreiben, Formulieren, Feilen, möglicherweise in Echtzeit sagen konnte, Ziel erreicht. Als Leser ist man neugierig auf das von der Kritik enthusiastisch aufgenommene Werk und nimmt deshalb die Gelegenheit der Lektüre gerne wahr. Allerdings beginnt man schon bald, sich etwas abzumühen, mit der Wortgewalt, mit der eigenen Unwissenheit über den Iran, über die Toten und den Bogen von der orientalischen zur westlichen Welt. Die Lektüre dieses Buch ist nach der ersten Durchwanderung irgendwie noch nicht beendet. Jedenfalls fühlt es sich so an, als sollte man sich mindestens ein zweites Mal auf den Weg machen und sich noch mehr Zeit nehmen, um neben dem Buch auch erreichbare Sekundärliteratur zu wälzen, damit man den wahren Gehalt des Werkes besser zu würdigen weiß. Da sich die Rezensentin nicht über eine Bewertung klar werden konnte, schließt sie sich dem Durchschnitt der Bewertungen auf den üblichen Plattformen an.

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  • „Was ist denn das überhaupt, die Liebe?“ (S. 40)

    Sozusagen Paris
    leselea

    leselea

    Der Inhalt von Navid Kermanis Roman Sozusagen Paris ist auf den ersten Blick schnell erzählt: Ein Schriftsteller hat einen Roman über seine große Jugendliebe geschrieben. Diesen Roman stellt er eines Tages im Rahmen einer Lesung in einem kleinen Städtchen vor. Der Zufall will es, dass die Jugendliebe seines Romans sich unter den Zuhörern befindet. Sie gehen gemeinsam essen, danach lädt sie ihn noch zu einem Glas Wein in ihr Zuhause ein –das sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern bewohnt. Hier entspinnt sich schnell ein anregendes und offenes Gespräch zwischen den einst Vertrauten, das bis in die Morgenstunden andauert und das das größte Thema der Menschheit diskutiert: die Liebe. ...und von allem, was ich in einer Nacht über die Liebe erfahre, werde ich Bericht erstatten müssen, eben weil es vor Bedeutung immer dunkler leuchten wird. (S. 31) Ein Roman über die Liebe – das ist Sozusagen Paris scheinbar: Ein Roman, der erzählt, was passiert, wenn man die Jugendliebe nach 30 Jahren wiedertrifft und der versucht das Konstrukt „Große Liebe“ zu begreifen und anschaulich zu machen. Ein Roman, der aber auch zeigt, was aus der Liebe wird, wenn ein Paar viele Jahre zusammen ist, den Alltag miteinander teilt, Kinder in die Welt setzt. Am Ende steht vielleicht nicht immer das Glück: Liebe kann vergehen, Ehen werden geschieden oder das Glück nimmt andere Formen an, als man es sich einst vorgestellt hat. Es sind kluge, wahre und ehrliche Gedanken, die Kermani seinem Erzähler, der zugleich auch der Protagonist der Geschichte ist, und seiner Gesprächspartnerin hierzu in den Mund legt. Dabei bedient er sich einem Erzählton, der geschickt philosophisch-intellektuelle Betrachtungen mit witzigen Anekdoten verbindet und somit sowohl den Verstand als auch das Herz des Lesers anspricht. Juttas Ehe allein würde mich am Ende doch nicht genügend interessieren [...]. Interessant wird der Abend durch den Zufall, daß Jutta mit lauter Eheromanen als Kulisse von ihrer Ehe erzählt. (S. 141f.) Aufmerksamen Lesern der Rezension werden vielleicht schon die Einschränkungen „auf den ersten Blick“ und „scheinbar“ aufgefallen sein. Ja, Kermanis Roman ist ein Roman über die Liebe, doch nicht allein in dem engen Sinne, wie oben von mir erläutert. Tatsächlich weitet der Autor das Thema in zwei (durchaus miteinander verknüpfte) Richtungen aus: Sozusagen Paris ist über die eigentliche Handlungsebene hinaus ein Roman über die Liebe in der Literatur und zugleich über die Liebe zur Literatur. Ersteres wird daran deutlich, dass der erzählende Protagonist seine Ausführungen immer wieder durch motiv- und stoffgeschichtliche Bezüge aus der französischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts anreichert. Er versucht die Liebe zu verstehen, indem er Proust, Balzac, Stendhal etc. zu verstehen versucht. Gleichzeitig wird damit auch der literarische Anspruch Kermanis offenbar: Sozusagen Paris – auch der Titel deutet es schon an – ist ein intertextuelles, ein literarisches Spiel, geschrieben für Menschen, die in Literatur mehr als nur bloße Unterhaltung suchen. Im Geiste skizziere ich bereits den Roman, den ich schreiben werde, wenngleich die Skizze kaum etwas mit dem zu tun hat, was der Leser in den Händen hält. (S. 118) In diese Richtung stößt auch die zweite thematische Öffnung des Romans: Der Protagonist thematisiert auch immer wieder seine eigene Liebe zur Literatur, zum Schreiben und zum Leser des Endproduktes. Dabei  verfällt er immer wieder in Reflexionen über den Schreibprozess, die Rolle eines Autors, das Ziel von Literatur. Kermani spielt hier ein weiteres gewieftes Spiel, diesmal mit verschiedenen fiktiven Ebenen, indem er seinen Protagonisten (einen Schriftsteller) zum Erzähler macht, ihn gleichzeitig in auffälliger Ähnlichkeit zum Autor Kermani skizziert, und ihn über Einschübe und Vorgriffe immer wieder die Gemachtheit des Romans zur Schau stellen lässt. Ein Spiel, das man mögen muss, das aber ohne Frage kunstvoll ist! Daß ich in dem Roman, den ich schreiben werde, so oft beiseite spreche, ist nicht nur ein literarisches Spiel. Es ist jedesmal eine Gelegenheit, mir den Leser vorzustellen, der den Roman in Händen hält: Ich kenne dich gar nicht. (S. 267) Sozusagen Paris ist ein anspruchsvolles, intelligentes Werk mit einer tollen Sprache, das zugleich mit einer gewissen Leichtigkeit und viel Witz daherkommt. Für die Lektüre sollte man sich dennoch ausreichend Zeit lassen: Der komplexe Satzbau, die brüchige Erzählweise und die ständigen Verweise verlangen ein konzentriertes, langsames Lesen – dann kann die Geschichte jedoch einen richtigen Sog entwickeln. Letztlich fehlte für mich am Ende aber doch zu viel, um die volle Sternzahl zu vergeben: Auch wenn sich die intertextuellen Bezüge überraschenderweise gut in die Handlung einfügen und der Erzähler immer wieder versucht, die Geschichte als rund darzustellen, blieb sie mir am Ende doch insgesamt zu ausgefranst, zu breit, zu weitschweifend. Nichtsdestotrotz habe ich meinen ersten Kermani gerne gelesen und spreche eine abschließende Leseempfehlung aus.

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  • Ein fulminantes Lebensbuch

    Dein Name
    Maldoror

    Maldoror

    28. December 2015 um 11:42

    Mit dem Roman „Dein Name“ hat der habilitierte Orientologe Navid Kermani einen opulenten Brocken Literatur geschrieben, der so umfassend, vielfältig und schwer greifbar erscheint wie das Leben eines jeden einzelnen Individuums. 1230 Seiten ohne jede Unterteilung in Kapiteln, die Anzahl von Absätzen und Zeilenumbrüchen schneller gezählt, als die Lösung einer Sachtextaufgabe im Mathematikunterricht zu finden. Ein Gedankenstrom, der mit seiner ungehörigen Informationsflut von Sinneseindrücken, Erinnerungen, Assoziationen, Beschreibungen, Berichten, Thesen und-was-weiß-ich-noch-alles jegliche Speicherzellen des Gehirns flutet. Und nach dem Weichen der Flut bleibt doch so vieles in den tieferen Regionen des Verstandes hängen, wie Treibgut und sedimentäre Ablagerungen am Boden eines Gewässers. Obwohl eine Gliederung und Selektion der Themen und Motive in diesem Konglomerat schwer bis unmöglich ist, da Kermani selbst einräumt keinen Unterschied zwischen dem Unbedeutenden und Bedeuteten zu machen, denn dies alles gehört zum Leben und dem Versuch des Autors, mit der Komplexität und Vielfalt der Welt literarisch Schritt zu halten, obwohl Schrift und Wirklichkeit zweier unterschiedlichen Ordnungen angehören. Gegen die dokumentarische Abschweifungswut Kermani's wirkt selbst der epische Totalitätsanspruch eines Tolstois manchmal antiquiert. Im Zeitraum vom Juni 2006 – Juni 2011 hat der Berichterstattende wohl alles niedergeschrieben was im so durch den Kopf ging. Passt dies gerade nicht an eine vorherigen Abschnitt, so wird dies trotzdem konsequent und schonungslos sofort eingeschoben. Dabei keine Rücksicht auf den gerade noch laufenden Gedankengang, in den sich der Leser vielleicht endlich nach 2 Seiten hineinversetzen kann oder einen Lichtblick im Dickicht erkennt. Als Zusatz zum Haupttitel steht eindeutig die literarische Gattung „Roman“. Doch sprengt der Schriftsteller jegliche Genres wie Essay, akademische Abhandlung, Autofiktion, Reportage und was-weiß-ich-noch-alles. Das entstandene Kompendium - in dem das Kleine wie das Große, das Banale wie das Erhabene, das Vergangene wie das Gegenwärtige, das Mystische wie das Erklärbare zusammenfinden – ist eine wahre Zumutung und Anstrengung für den Leser, gerade in unserer heutigen forciert schnelllebigen Zeit der Beschleunigung, Ablenkung und Zerstreuung. Die sprachliche Umsetzung durch die Selbstdarstellung des Berichtenden, der von sich fast ausschließlich in der dritten Person spricht, dem vollständigen Verzicht von Namen lebender Personen, der ausufernden metafiktionalen Spinnweben die sich über ganze Seiten strecken können, erschweren die Lektüre zusätzlich. Dabei muss man festhalten, dass insgesamt kein Sprachvirtose sondern ein intellektueller Universalgelehrter (Religionswissenschaftler, Poetologe, Germanist, Orientalist, Soziologe, Kulturwissenschaftler ...) prosaisch tätig ist, sodass einige Passagen doch bleischwer im Magen liegen bleiben. Warum also die Anstrengung? Seine „Selbsterlebensbeschreibung“ stützt sich unter anderen literarisch auf den Stil Jean Pauls, in mystischen und religiösen Erhebungen auf Friedrich Hölderlin, seine Schilderung der eigenen Familiengeschichte und der modernen Geschichte Irans des 20. Jahrhunderts. Die umfasende Weltläufigkeit und Universalität der Reiseberichte und Beobachtungen zwischen Köln, Kabul, Kashmir, Teheran, Isfahan und Rom sind deshalb von enormer Qualität, weil ein zutiefst menschlicher, humanistischer und aufgeklärter Geist dies aufnimmt und selten von persönlichen Eitelkeiten und überhöhter Selbstdarstellung untergraben wird. Dabei ist das Buch auch eine Würdigung der Toten und eine Hymne an das Vergangene und Verlorene. Die gezeichneten Porträts von Künstlern, Freunden, Schriftstellern, zu welchen Kermani im Laufe seines Lebens mehr oder weniger innige und feste Beziehungen unterhielt, sind fast ausschließlich glänzende Nachrufe ohne überhöhten Pathos, Glorifizierung und Stilisierung der einzelnen Personen zu Ikonen. Weiterhin thematisiert: philosophische Metaphysik zu Leben und Tod und der eigenen menschlichen Begrenztheit und individuellen Wahrnehmung des eigenen Ich, Alltagsbeobachtungen in den deutschen Heimatprovinzen Siegen und Köln, persönliche Krisen und intimste Momente (Ehekrise, Krebserkrankung, Assoziationen zu Liebe und Sex), die mystische und spirituelle Kraft christlicher Malerei, die Poesie und sprachliche Schönheit des Korans, elegische Begegnungen und Erlebnisse bei Rockkonzerten (Neil Young), literaturwissenschaftliche Assoziationen, Vergleiche, Essays und Anektdoten zu Jean Paul, Friedrich Hölderlin, Heimito von Dodererer (wenn's ums Trinken geht^^^), Rolf Dieter Brinkmann, Philip Roth, J.M. Coetzee und vielen anderen. Den Wandel der arabischen Welt und Kultur im 20. Jahrhundert, der riesige soziologische, kulturelle Verlust von Vielfalt, Originalität, ästhetischer Kraft und humaner Größe in großen Teilen des muslimisch geprägten Orients vortrefflich aufzuzeigen und zu Recht zu beklagen und doch die Klarheit und den Verstand zu haben, Zusammenhänge richtig im komplexen kosmopolitischen Kontext einzuordnen ohne populistische Ressentiments zu übernehmen und dabei immer mit den Prinzipien der Menschlichkeit, des Verstandes und der Vernunft zu bewerten, ist du Recht sehr hoch einzuordnen.

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  • Ein Lebensbuch

    Dein Name
    Lesemanie

    Lesemanie

    26. May 2013 um 09:55

    Auf mehr als tausend Seiten folgen wir einem Mann, der ein Romanschreiber ist, ein Vater, Enkel, Nachbar, Leser, und der manchmal Navid Kermani genannt wird. Minutiös beschreibt Kermani den Alltag dieses Protagonisten, beginnend am 8. Juni 2006 um 11:17 Uhr. Zunächst hat der Romanschreiber das Ziel, ein Totenbuch zu schreiben: er will festzuhalten, was die Verstorbenen aus seinem Umfeld einzigartig gemacht hat, und auf welche Art und Weise sie ihn beeinflusst haben. Manche dieser Menschen sind nahe Freunde, andere lediglich Bekanntschaften, aus denen vielleicht mit ein wenig mehr Zeit Freundschaften entstanden wären. Einige wenige hat er nie selbst getroffen, aber ihr Schicksal beschäftigt ihn. Dein Name ist jedoch kein Buch über den Tod – es beschreibt vielmehr das Leben und all seine Facetten. Kermani mäandriert zwischen den großen Lebensthemen hin und her: Familie – das Leben seines iranischen Großvaters nimmt viel Platz ein in diesem Buch. Kermani spricht von der Jugend des Großvaters, dem Werdegang und seiner Bildung. Er führt auf, wie der Werdegang des Großvaters noch zwei Generationen später in der Entwicklung des Enkels nachklingt. Kermani beschreibt die Ankunft der Eltern in Deutschland in der sechziger Jahren, und wechselt in die Gegenwart, in welcher der Protagonist um seine Ehe kämpft und um das Leben der zweiten Tochter bangt, die als Frühchen zur Welt kommt. Religion – Islam, Christentum, christliche Kunst, Muslime in Europa und der Welt – und Religionskonflikte: Bahais im Iran, Muslime und Hindus in Kaschmir. Der Romanschreiber besucht Kaschmir und schildert seine Eindrücke, fährt nach Afghanistan und in den Iran und schreibt, alles auf was er sieht, beschreibt alles was ihn beschäftigt. Zeitweise wirft er Fragen in den Raum – bei manchen bemüht er sich um eine Antwort, andere lässt er einfach stehen. Krankheit und Tod – dies ist schließlich ein Totenbuch, doch Kermani spricht nicht nur von Toten, sondern auch von Krankheiten: dem Krebs der guten Freundin, dem Herzproblem des Vaters, macht auch vor dem Prostatakrebs des Protagonisten nicht halt. Politik - die Integrationspolitik Deutschlands, die Außenpolitik der USA, die Lokalpolitik der Stadt Köln, in der sowohl der Autor als auch der Protagonist beheimatet sind, finden einen Platz in diesem Buch. So fungiert Dein Name stellenweise als Chronik unserer Zeit, mit besonderem Augenmerk auf die Jahre 2006 bis 2010 (inklusive zweier Fußballweltmeisterschaften). Es fällt schwer, ein solches Buch knapp und präzise zusammenzufassen. Kermani hat ein Buch geschaffen, das Ekel erweckt, Freude schafft, zu Tränen rührt und stellenweise unsagbar komisch ist. Sich anfangs zurecht zu finden kann schwer fallen, doch wer sich festbeißt, wird nicht mehr aufhören können. Dein Name ist ein tiefschürfendes Buch, das jedem Leser die Wahl lässt, auf welches der vielen Themen er sich einlassen möchte. Wer versucht, sich durch dieses Ideendickicht zu schnell durchzuschlagen, wird der absoluten Reizüberflutung erliegen. Wer sich Zeit lässt, wird mit einer Vielzahl an neuen Gedanken und schönen Momenten belohnt. Ein starkes Buch, das dem Leser viel abverlangt, doch das jede Minute wert ist, die man damit verbringt, es zu lesen. Mehr Rezensionen unter http://lesemanie.blogspot.de/

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  • Rezension zu "Dein Name" von Navid Kermani

    Dein Name
    asita

    asita

    navid kermani – dein name – schreibt einen roman in einem roman, eine seelenreise, die lebenserinnerung seines großvaters aus dem iran, sein leben in köln, religion, hölderin, jean paul und vieles vieles mehr. es sind 1232 seiten geworden. als das buch von hanser verlag ankam und ich es in den händen hielt, dacht ich mir: oh, was für ein DICKES buch. zur vorbereitung hörte ich am samstag abend den deutschlandfunk. eine leseung und diskussion mit dem autoren. und jetzt habe ich begonnen dieses buch zu lesen. ich bin in den anfängen. und ich glaube es wird mich eine zeit begleiten.

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