Navid Kermani , Moises Saman Einbruch der Wirklichkeit

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Inhaltsangabe zu „Einbruch der Wirklichkeit“ von Navid Kermani

<p>Zu Fuß, in Bussen, Gefängniswagen oder Sonderzügen zieht ein langer Flüchtlingstreck von der griechischen Insel Lesbos in Richtung Deutschland. Navid Kermani war im Herbst 2015 auf dieser "Balkanroute"&#160;unterwegs. In seiner einfühlsamen Reportage berichtet er davon, warum die Welt der Krisen und Konflikte, die wir weit vor den Toren Europas wähnten, plötzlich auch unsere Welt ist.<br /> Navid Kermani beschreibt die Lage an der türkischen Westküste, wo Tausende Flüchtlinge in erbärmlichsten Verhältnissen auf eine unsichere Überfahrt warten. Er hat auf Lesbos die Ankunft derer beobachtet, die es geschafft haben und nun einen Kulturschock erleben. Er hat mit Helfern und Politikern gesprochen, vor allem aber mit den Flüchtlingen aus Syrien, Afghanistan und anderen Ländern: Was treibt sie fort, und warum wollen sie alle nach Deutschland? Auf meisterhafte Weise macht er an unscheinbaren Details deutlich, welche kulturellen und politischen Konflikte die Menschen buchstäblich in Bewegung setzen – und wie Europa auf die Flüchtlinge reagiert.</p>

Ein guter Einblick in das, was gerade passiert - mitfühlend, aber nicht unkritisch. Etwas kurz vielleicht.

— Bri
Bri

Eine Sicht auf die Zustände der Flüchtlinge. Sehr realistisch und nicht verschönerd geschrieben.

— AnniO90
AnniO90

guter Einblick, leider etwas kurz!

— theaa24
theaa24

Kermani ist eine scharfsinnige Demonstration dieser unvorstellbaren menschlichen Dramen auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung gelungen.

— Buecherherbst
Buecherherbst

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  • Auf dem Flüchtlingstreck

    Einbruch der Wirklichkeit
    Bri

    Bri

    02. July 2016 um 09:52

    2015 war für Europa das Land der Flüchtlingsströme, die vermeintlich plötzlich über die unterschiedlichen Länder der Europäischen Gemeinschaft hereinbrachen. Plötzlich aber nur, wenn man das, was schon seit vielen Jahren in Syrien, Afghanistan und anderen Ländern des Nahen Ostens geschieht, aus der eigenen Wahrnehmung ausblendet. Jahrelang war der Krieg, der dort gegen unterschiedliche terroristische Gruppierungen geführt wird, nicht wirklich erfolgreich und vor allem weit weg. Doch ein Land wie Deutschland, das Millionen mit Waffenverkäufen auch in diese Region verdient, muss damit rechnen, dass diese Waffen auch benutzt werden – von wem letztendlich, das ist nicht zu kontrollieren. Doch warum setzten sich gerade letztes Jahr immer mehr Menschen den Gefahren aus, die auf einem langen Weg, der häufig in Schlauchbooten über das Mittelmeer führt, lauern? “ Ohne Freiheit kann man leben, aber nicht ohne Frieden “ Navid Kermani begibt sich im Herbst 2015 selbst auf die sogenannte Balkanroute – allerdings von Köln kommend nach Lesbos, also in umgekehrter Richtung. Und trifft auf Menschen. Allen Alters. Die Flüchtlinge selbst sind überwiegend junge Männer – was den meisten Deutschen suspekt vorkommt, aber eigentlich logisch ist. Die alten, kranken, schwachen oder auch Kinder überleben die Strapazen einer Flucht vielleicht nicht und schicken deshalb die jungen starken, damit diese eine Zukunft finden können. Gut rasiert sind sie, die jungen Männer – auch das ist für manche Deutschen merkwürdig. Doch wer in seinem Heimatland den Tod in Kauf nimmt, wenn er sich den obligatorischen Bart abnimmt, der sieht in einer guten Rasur mehr: Freiheit. Kermani ist nicht alleine unterwegs und auch nicht zu Fuß. Gemeinsam mit dem Magnum-Photographen Moises Saman fährt er zu den Ankunftshäfen, weiter über die Routen und kommt selbst immer wieder in eine moralische Zwangslage: einfach an den Flüchtlingszügen weiterfahren oder anhalten, Leute mitnehmen? Schlussendlich reagieren sie flexibel und kommen in Kontakt. Wobei Kermani, der ja in Deutschland aufgewachsen ist, stärkere moralische Bedenken hat, wenn keine Zeit zu helfen bleibt, als Saman, der die größte Zeit seiner Kindheit und Jugend in Spanien verbrachte, . Die Hilfsbereitschaft, auf die sie aber in Form anderer Menschen treffen, erstaunt sie dennoch. Es sind vor allem junge Menschen, die mehr als ihre Zeit opfern, um Freiwilligendienste zu leisten. Auffallend ist zudem, dass gerade die Menschen, die nicht mehr viel haben, eher teilen und helfen, als diejenigen, denen es materiell gesehen besser geht. Bei aller Empathie, die Kermani in ausreichendem Maße mitbringt, vergisst er nicht, genau hinzusehen und Merkwürdigkeiten zu hinterfragen, ebenso wie die Rolle der Medien bezüglich der erst so „weichgewordenen Republik“ und ihrer Willkommenskultur, die drei Monate später angeblich schon einer kollektiven Überforderung gewichen sein soll. Er hat viel erlebt, gesehen und er wurde von den Menschen und ihren Geschichten berührt. Daran lässt er uns bravourös journalistisch teilhaben. Kurz aber eindringlich, direkt, genau und nie um Effekte heischend. Er wirft Fragen auf, die über die sogenannte „Flüchtlingskrise“ hinausgehen, zum Beispiel. ob wir Europa wirklich wollen und lässt die Betroffenen direkt zu Wort kommen. Denn: “ Die Hilfsbereitschaft jedenfalls ist nicht zurückgegangen, bestätigen die Behörden allerorten und belegt den Augenschein am Flughafenbahnhof von Köln. Und einmal persönlich berührt, von konkreten menschlichen Begegnungen erschüttert, wird die Not der Flüchtlinge und ihre Dankbarkeit Deutschland nicht mehr so leicht loslassen. Auch in Köln sind es, wie an allen Stationen entlang des Trecks, vor allem junge Leute, die sich freiwillig gemeldet haben, zwanzig, fünfundzwanzig Jahre alt und mit so vielen unterschiedlichen Kulturen, Kompetenzen, Sprachen, als seien sie gemeinsam die Verkörperung der europäischen Idee. Wenn, dann werden sie das Europa bewahren und neu beginnen, das unsere nicht mehr von Krieg und Faschismus geprägte Generation zu verspielen droht.“ Kermani ist Jahrgang ’67. Sein Glaube an die Jugend ist tröstlich, doch ich persönlich finde, wir sind noch nicht zu alt, um die Jugend in der Umsetzung der wahren europäischen Idee, die von vielen unserer Generation gerne angenommen wird, wenn es zum Beispiel um Urlaubsreisen geht, zu unterstützen. So wie die hervorragende journalistische Leistung Kermanis durch das geschulte, professionelle Auge und damit durch authentische Photos von Moises Saman unterstützt, ja komplettiert wurde. Gemeinsam geht es eben besser.

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  • Lebenswille kennt keine Grenzen

    Einbruch der Wirklichkeit
    Buecherherbst

    Buecherherbst

    13. March 2016 um 14:45

    Die Forderung nach einer geregelten Flüchtlingsaufnahme, nach Kontingenten und numerischer Obergrenze, ist stets leicht formuliert. Zuvorderst richtet sie sich an die regierenden Politiker. Doch zugleich wird indirekt von den Menschen, die auf der Flucht sind, verlangt, sich dem Verfahren zu fügen. Dabei wissen wohl nur die Wenigsten, welchen Weg und welches Leid die Flüchtlinge bislang ertragen mussten – und deshalb gerade nicht in unterversorgten, unhygienischen Camps verharren möchten, sondern auf der Suche nach einem sicheren, geregelten Leben in der Mitte des europäischen Kontinents sind. Navid Kermani wollte erfahren, wer diese Menschen sind, die vor dem Krieg fliehen und sich auf einen gefährlichen Treck quer durch Europa begeben. Auf seiner Reise in umgekehrter Richtung der Flüchtlingsroute versuchte er, den Menschen ins Gesicht zu schauen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und ihren unermüdlichen Glauben an ein besseres Leben nachzuvollziehen.Navid Kermani ist mit Einbruch der Wirklichkeit eine scharfsinnige Demonstration dieser unvorstellbaren menschlichen Dramen, die sich alltäglich auf den Fluchtwegen zwischen Syrien, Afghanistan oder dem Irak und Deutschland abspielen, gelungen. Man muss sich beim Lesen stets vor Augen führen, dass es sich hierbei nicht um eine Fiktion eines großartigen Autors handelt, sondern Kermani lediglich mit seiner grenzenlosen Sprache Beobachtungen aufgeschrieben hat. Diese Erkenntnis ist eigentlich schon hart genug. Doch mithilfe beeindruckender, eindringlicher und zugleich bedrückender Fotos wird das Grauen der Flucht nochmals ungeschönt unterstrichen. Sie zeigen die Verzweiflung der Menschen und zugleich ihre Hoffnung und Erleichterung, wenn sie an der griechischen Küste angespült werden, ihren Willen, auch die noch folgenden Qualen auszuhalten. Ihre Gesichter mögen zwar von Verzweiflung geprägt sein, aber zugleich ist das unbändige Bestreben, dem Gräuel des Krieges und der Verfolgung zu entkommen, in ihren Augen abzulesen. Dies sollte den Menschen in Europa zweierlei verdeutlichen: Nach all dem, was die Flüchtlinge bereits hinter sich haben, werden sie weiterhin mit aller Macht versuchen, dem Tod und dem Elend zu entkommen. Zugleich sollten die Europäer nie vergessen, was es bedeutet, in Frieden aufzuwachsen und zu leben – ist es wirklich zu viel verlangt, dies auch anderen Menschen zuzugestehen und zu ermöglichen?Die vollständige Rezension unter https://buecherherbst.wordpress.com/2016/03/13/rezension-navid-kermani-einbruch-der-wirklichkeit/

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  • 'Was glauben Sie denn, warum ich hier bin? Ich hatte dort alles, [...]'

    Einbruch der Wirklichkeit
    sabatayn76

    sabatayn76

    08. February 2016 um 17:23

    'Was glauben Sie denn, warum ich hier bin? Ich hatte dort alles, [...] ich war jemand. Jetzt bin ich niemand.' Inhalt: Im Herbst 2015 war Navid Kermani zusammen mit dem Magnum-Fotografen Moises Saman auf der Balkanroute unterwegs. In 'Einbruch der Wirklichkeit' dokumentiert Navid Kermani, was Menschen für die Hoffnung auf ein besseres Leben in Frieden und Sicherheit, ohne Bomben und tagtägliche Gefahr riskieren, was sie auf ihrer gefährlichen Flucht erleben und welchem Risiko sie wochen- und monatelang ausgesetzt sind. Dabei erzählt der Autor exemplarisch Lebensgeschichten von unterwegs getroffenen Flüchtlingen, bettet seine Schilderungen in aktuelle Geschehnisse ein, beschreibt die Situation, den Rassismus und die erlebte Unterstützung in den verschiedenen Ländern der Balkanroute. Mein Eindruck: Ich hatte bislang noch nichts von Navid Kermani gelesen, doch schon das erste Kapitel hat mich für den Autor begeistern können. Seine Wortwahl, sein Scharfsinn und die Gedanken und Gefühle, die er durch seine Schilderungen beim Leser hervorrufen kann, zeigen auf jeder Seite sein Talent zum Beobachten und Schreiben. Und so ist die Lektüre dieses klugen Buches trotz der düsteren Themen - Verzweiflung, Gefahr, Angst, Tod, Hunger, Elend etc. - auch ein Vergnügen, weil es durchweg lehrreich und spannend ist, Navid Kermanis Gedankengängen zu folgen, sich von ihm über die Balkanroute informieren zu lassen, mit ihm hinter die Kulissen zu schauen. Die im Buch abgedruckten Fotos bieten zusätzliche Einblicke in die Gefahren, die Mühen und die große Verzweiflung und das Elend auf der Balkanroute. Mein Resümee: Ein kluges Buch, das aufklärt und informiert.

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