Navid Kermani Große Liebe

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Inhaltsangabe zu „Große Liebe“ von Navid Kermani

Die große Liebe. Aber was ist das? Das erste Mal hat er mit fünfzehn geliebt und seitdem nie wieder so groß: Im Laufe von wenigen, viel zu wenigen Tagen erlebt ein Junge alle Extreme der Verliebtheit, vom ersten Kuss bis zur endgültigen Abweisung. Im Mikrokosmos eines Gymnasiums Anfang der Achtziger Jahre und vor dem Hintergrund der westdeutschen Friedensmärsche führt Navid Kermani das zeitlose Schauspiel der Liebe in ihrer ganzen Majestät und Lächerlichkeit vor. Die Schilderung der ersten Blicke, Berührungen und Abschiedsbriefe verknüpft er mit den Erzählungen der arabisch-persischen Liebesmystik. Für den Leser öffnet sich ein Gang durch irdische und göttliche Seelenlandschaften, der fast unbemerkt Kulturen und Jahrhunderte überbrückt.

Eine kleine Zeitreise ist dieser Roman, hin zu einem liebenden Jungen und der Schönsten des Schulhofs, stets bewacht von mystischen Augen.

— Poesiesoso
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  • Aus anderer Perspektive

    Große Liebe
    serendipity3012

    serendipity3012

    29. October 2016 um 14:32

    Aus anderer Perspektive Ein Fünfzehnjähriger verliebt sich zum ersten Mal, so sehr, dass es ihn erschüttert, dass für nichts anderes mehr Platz ist. Die Angebetete ist ein paar Jahre älter, Abiturientin, doch trotzdem werden die beiden ein Paar. Sehr kurz, eine Woche dauert das Zusammensein nur, in der der Junge dreimal bei ihr übernachtet, erste sexuelle Erfahrungen macht, bevor sie sich ihm entzieht und es schon wieder vorbei ist. Das Leiden des Jungen ist unermesslich, die Eifersucht, das Nicht-wahrhaben-wollen – nie wieder habe er so geliebt wie beim ersten Mal, so sagt er, und genau um diese ersten Erfahrungen geht es in Navid Kermanis Roman „Große Liebe“.Für sich genommen wäre die Geschichte einer Pubertätsliebe, die gerade mal eine Woche gedauert hat, kaum Stoff genug für einen Roman, den auch jene lesen wollten, deren Jugend längst hinter ihnen liegt. Doch Kermani führt seiner Geschichte noch eine, eher zwei weitere Ebenen hinzu, die die Lektüre dann doch zu einem Gewinn machen: Zunächst einmal wechselt der Erzähler immer wieder hin und her zwischen der Er- und der Ich-Perspektive, erklärt dies auch an einer Stelle damit, dass er sich selbst in dem jüngeren Ich nicht wieder erkenne: Es sei also mehr als ein literarischer Trick. Gleichzeitig ist das aber auch eine Art Kokettieren, ein sicherlich bewusstes Verwirren des Lesers, denn „Große Liebe“ ist ganz eindeutig ein Roman. Und doch scheint die Grenze zwischen Erzähler und Autor immer wieder zu verschwimmen, neigt man dazu, zu vergessen, dass wir hier nicht eine autobiographische Episode aus dem Leben des Autors lesen. Ganz automatisch sieht man Kermani vor sich, der – so lässt er uns ja auch glauben – seine eigene Geschichte erzählt. Und zwar aus heutiger Perspektive heraus, mit 30 Jahren Abstand, so dass er dem Erzählten die Perspektive desjenigen gibt, der in der Lage ist, das Geschehene mit Abstand einzuordnen.Was den Roman aber vor allem von anderen Geschichten um eine erste Liebe unterscheidet, dürften die vielen immer wieder eingeschobenen Betrachtungen oder auch nur kurze Zitate aus der persisch-islamischen Liebesmystik sein, die mit dem Geschehen in Verbindung gebracht werden. Zum Beispiel, wenn der Erzähler sich der Eifersucht des Jungen zuwendet und diese vergleicht mit dem, was der persische Mystiker Schibli zu ihr zu sagen hat:„Der höchste Grad der Eifersucht jedoch besteht darin, auf sich selbst eifersüchtig zu sein. Gefragt, was wahre Liebe sei, antwortete Schibli: „Wahre Liebe ist es, wenn du zu eifersüchtig bist, als daß einer wie du sich dem Geliebten zuwenden dürfte.“ Das hat nun alles mit dem Jungen nichts mehr zu tun, dessen Liebe Schibli alles andere als groß vorgekommen wäre. Ich erwähne es nur, um zu illustrieren, daß die Eifersucht nicht erst mit der Verzweiflung auftritt, sondern schon der Verzückung angehört….“ Kapitel 84Der Erzähler macht seinen Leser, den er von Zeit zu Zeit auch persönlich anspricht, gern glauben, dass er sein Konzept, das dem vorliegenden Buch zugrunde liegt, nach Lust und Laune ändert. Er führt auf, wie viele Kapitel er für welches Stadium der Liebe vorgesehen hat, nur um sich doch wieder als unzuverlässig zu erweisen und alles über den Haufen zu werfen. Wir lesen also nicht nur seinen Roman, wir sind auch bei dessen Entstehen dabei – angeblich.Mit „Große Liebe“ ist Kermani ein Roman gelungen, der eine Geschichte, die so alt ist wie die Menschheit, auf andere, neue Art erzählt. Er nimmt sein jüngeres Ich ernst, betrachtet es aber auch ehrlich aus heutiger Perspektive, er benutzt eine Sprache, die sich zwischen gesetzt und gestelzt befindet und die vermutlich nicht jedermanns Sache ist. An einigen Stellen vielleicht ein wenig redundant, so dass man kleinere Längen empfindet. Alles in allem aber eine charmante Geschichte, die durch Kermanis durchdachte Konzeption alles andere als eindimensional ist. 

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  • Viel mehr Spaß als irgendwas

    Große Liebe
    schmives

    schmives

    18. May 2016 um 12:41

    The first cut is the deepest, weiß der Volksmund, und so kann sich Navid Kermani natürlich der Zustimmung eines jeden Lesers gewiss sein, der schon mehr als einmal verliebt war, dass Amors Pfeile niemanden so vernichtend treffen wie den Heranwachsenden, bei dem die Libido zum ersten Mal richtig in Blüte steht. Widerspruch erwartet er jedoch gegen seine Annahme, dass die frühe Liebeserfahrung eines Pubertierenden als wesenhaft verwandt mit dem Streben des Mystikers nach Einheit mit dem Göttlichen angesehen werden könne, und so präsentiert er seinen Roman gleichsam als Plädoyer in dieser Sache. Man merkt sofort, dass der Zugang zur Teenager-Liebe hier kein unmittelbarer ist (wie er vielleicht in Wolfgang Herrndorfs Tschick vorliegt) sondern ein dezidiert intellektueller, reflektierter. Obendrein nähert sich Kermani seinem Thema, indem er die erste große Liebe desjenigen Fünfzehnjährigen Revue passieren lässt, der er selbst dreißig Jahre zuvor war – und macht dabei keinen Hehl daraus, dass ihm dieser mittlerweile in vielerlei Hinsicht fremd gegenübersteht. Auch zeitlich erscheint die Reflexion also deutlich distanziert, aber Briefe und ein Tagebuch aus seiner Jugend ermöglichen es dem Erzähler, seine Erinnerungslücken wenigstens teilweise zu schließen und die eigene Liebesgeschichte in einiger Ausführlichkeit zu rekapitulieren. Diese entfaltet sich einerseits altersgemäß zwischen Schulhof und Jugendgruppe, andererseits aber gewissermaßen von vornherein als Mesalliance, der keine lange Dauer beschieden sein kann, denn „die Schönste des Schulhofs“, die die Leidenschaft des Erzählers weckt, ist vier Jahre älter und als Abiturientin bereits volljährig. Dass sie außerdem der Hausbesetzer-Szene angehört, bereichert die weitgehend unschuldige Schulhofatmosphäre der Erzählung (Stichwort „Raucherecke“) immerhin um private Einblicke in das Sponti-Milieu der frühen 80er Jahre. Im Sinne des Plädoyerplans wird die reale Liebesgeschichte aber immer wieder unterbrochen – bzw. besonders gegen Ende zunehmend überblendet – mit Bonmots und Anekdoten aus der arabischen Weisheitsliteratur. Die Erzählung wechselt also gewissermaßen mit Referaten des habilitierten Orientalisten Kermani, der somit offensichtlich systematisch Mittel zur Distanznahme – wenn man so will: Verfremdung – einsetzt, um den Bogen zu seiner These zu schlagen und den beabsichtigten Bezug zur mystischen Erfahrung herzustellen. Mehr oder weniger demselben Zweck dient wohl auch die formale Struktur, der der Roman im Ganzen unterworfen ist: Die Erzählung ist aufgeteilt auf exakt 100 Seiten (wobei die Einheit der Druckseite allerdings nicht ganz so eng gesehen wird, sodass sich eine „Seite“ auch schon mal über drei, vier Druckseiten erstreckt, die dann aber tatsächlich alle dieselbe Pagina tragen, was dem Buchhersteller vermutlich einige Kopfschmerzen bereitet haben dürfte) und bezieht sich somit auf eine Tradition arithmetisch streng komponierter Dichtung, die auch den im orientalischen Horizont wenig bewanderten Leser mindestens an die Erzählungen aus 1001 Nacht erinnert. An die oriental(ist)ische Literatur lehnt sich auch die Sprache des Erzählers an, die bisweilen archaisierend bis manieristisch anmutet und durch Wiederholung einiger bemüht poetisch geprägter Wendungen (die Geliebte wird durchgehend als „die Schönste des Schulhofs“ apostrophiert und das gemeinsame Liebesnest als „Matratzenlager“) den Text in beinahe lyrischer Weise rhythmisiert. Vereinzelt werden durch den Kontrast von hohem Stil und profaner Realität dabei komische Effekte erzeugt, wenn z.B. von dem „erste[n] Einssein mit der Natur […] zwischen dem Lager einer Spedition und dem Kundenparkplatz eines Baumarkts“ die Rede ist, sodass auch Komik als Mittel der Distanzierung nicht fehlt. Wir haben es hier also mit einem hochgradig konstruierten, artifiziellen Text zu tun, der am Ende eine abschließende Antwort auf die Frage nach der vermeintlich mystischen Verschmelzung des Teenagers in der Liebe schuldig bleibt bzw. das Urteil dem Leser überlässt. Da dieser sich durch die mehrfache Brechung in der Lektüre keiner besonderen Immersion ausgesetzt sieht, kann er ein solches wohl mit klarem Kopf fällen, und wie immer der Richterspruch auch ausfallen mag, so hat er – Offenheit für einen ästhetisch verspielten und tendenziell theoretischen Umgang mit dem Phänomen „Liebe“ vorausgesetzt – zumindest einem kurzweiligen Prozess beigewohnt.

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  • Die erste große Liebe

    Große Liebe
    Bibliomania

    Bibliomania

    25. April 2016 um 22:19

    Jeder war mal jung und verliebt, auch Navid Kermani. In diesem kleinen Büchlein schreibt er unterhaltsam und mit Einbeziehung einer arabischen Liebesgeschichte, wie er gelitten, sich verbogen, begehrt und voll Ungeduld gewartet hat. Irgendwo in Westdeutschland Anfang der 80er Jahre, an irgendeiner Schule vollzog sich dieses Bangen und Hoffen und Freudestrahlen bis hin zu betrübt sein für den 16-Jährigen.Ein Buch voller Mut und gleichzeitig Narrenheit, eingebettet in das politische Leber dieser Zeit. Es muss eine einsame und aufregende Welt gewesen sein. Aber nicht so aufregend, dass es mich für mehr als 3 Sterne begeistern konnte.

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  • Die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2014 steht fest

    Poesiesoso

    Poesiesoso

    Am 13. August hat die Jury die Longlist für den Deutschen Buchpreis bekannt gegeben. Im nächsten Schritt werden sechs dieser Titel für die Shortlist nominiert, die am 10. September veröffentlicht wird. Der Gewinner wird dann am 6. Oktober zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse verkündet.  Ich habe einige Titel so gar nicht auf der Longlist erwartet, andere wiederum hätte ich gern darauf gesehen. Wie geht es euch? Welches Buch ist euer Favorit? Was glaubt ihr, wer auf der Shortlist stehen wird? Hier nun die Kandidaten: Franz Friedrich: Die Meisen von Uusimaa singen nicht mehr, Sasa Stanisic: Vor dem Fest  , Heinrich Steinfest: Der Allesforscher , Thomas Hettche: Pfaueninsel , Lukas Bärfuss: Koala , Michael Köhlmeier: Zwei Herren am Strand , Feridun Zaimoglu: Isabel , Ulrike Draesner: Sieben Sprünge vom Rand der Welt , Antonio Fian: Das Ploykrates-Syndrom , Esther Kinsky: Am Fluss , Angelika Klüssendorf: April , Martin Lechner: Kleine Kassa , Gertrud Leutenegger: Panischer Frühling , Charles Lewinsky: Kastelau , Thomas Melle: 3000 Euro , Matthias Nawrat: Unternehmer , Christoph Poschenrieder: Das Sandkorn , Lutz Seiler: Kruso , Marlene Streeruwitz: Nachkommen. , Michael Ziegelwagner: Der aufblasbare Kaiser

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  • Man sollte die Liebesgefühle 15jähriger ernst nehmen: es könnte die "Grosse Liebe" sein

    Große Liebe
    Gruenente

    Gruenente

    18. July 2014 um 15:51

    Ein 15jähriger verliebt sich in eine Abiturientin. Er ist sich sicher: das ist seine eine große Liebe. Mit Beharrlichkeit und Mut kommt er der Angebeteten ziemlich nahe. Navid Kermani schreibt über sich. Für sein Ich in der heutigen Zeit, welches anhand von Briefen, Tagebüchern und der Erinnerung die 1980iger Jahre heraufbeschwört,  benutzt er die erste Person. Für sein jüngeres ich, über welches er schreibt, benutzt er die dritte Person. Als weitere Ebenen lässt er aktuelle Erlebnisse mit seinem gerade auch 15 jährigem Sohn einfließen. Und alles zusammen ist mit vielen Zitaten aus der arabischen Dichtung gespickt. Von dieser lässt er sich so weit beeinflussen, dass er die benutzte Sprache des Romans in diesem 800 Jahre altem Sprachstil abfasst, was alles sehr schwülstig erscheinen lässt. Trotzdem wird klar, dass die Probleme der Liebenden sich über die Jahrhunderte kaum verändert haben. Für mich war sehr nett, dass er von meiner Zeit schrieb, ich wurde im selben Jahr geboren wie Kermani, habe dieselben Bücher gelesen und die gleiche Musik gehört. Allerdings haben die Jungs bei uns keine Birkenstocksandalen getragen…

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  • Liebe, Mystik - und Gesundheitssandalen

    Große Liebe
    Ginevra

    Ginevra

    Eine Kleinstadt in Westdeutschland, wir schreiben die friedensbewegten 80‘er-Jahre. Ein 15-jähriger Junge verliebt sich auf dem Pausenhof in ein 18-jähriges Mädchen, das für ihn die „Schönste“ ist. Allen Gesetzen der Schülerhierarchie zum Trotz scheint sie an dem „merkwürdigen Galan“ mit Latzhose und Nickelbrille Gefallen zu finden. Bald entsteht eine Romanze - für den Jungen ist es die erste „große Liebe“ seines Lebens, die er nie mehr vergessen wird. Der Schriftsteller und Experte für islamische Mystik, Navid Kermani, wurde 1967 als Sohn iranischer Emigranten geboren. Schon früh begann er sich für Politik zu interessieren, was sich in seinen Romanen niederschlägt. Nach dem Studium der Orientalistik, Philosophie und Theaterwissenschaften promovierte Kermani im Fach Islamwissenschaften, 2006 habilitierte er in Orientalistik. Er ist Mitglied der Deutschen Islamkonferenz und hielt 2014 die Festrede zum 65. Jahrestag des Deutschen Grundgesetzes. Er lebt als freier Autor und Regisseur in Köln. Kermani schreibt diese autobiographische Erzählung aus der Perspektive eines politisch und schriftstellerisch aktiven, lebenserfahrenen Mittvierzigers. Insofern finden immer wieder Exkurse in die politische Landschaft der 80-er statt. Schwerpunkt aber ist immer die ganz persönliche und zugleich universelle Erfahrung der ersten Verliebtheit, die Kermani mit mystischen Erzählungen aus dem mittelalterlichen Persien vergleicht – und wobei er erstaunliche Parallelen findet. Da der Autor Vater eines 15-jährigen Jungen ist, bildet das Buch eine Brücke zwischen Vater und Sohn, die sich im Alltag häufig bekämpfen. Durch die Verflechtung mehrerer Ebenen werden alle Gehirnareale des Lesers aktiviert: Erinnerungen an die erste Verliebtheit tauchen auf, mystische Weisheiten aus dem alten Persien verführen zum Nachsinnen, politische Ideale der 80'er werden reflektiert. Nicht zuletzt gewinnen wir Einblick in Einblick in die Arbeitsweise eines ambitionierten Schriftstellers. Mir persönlich hat dieses außergewöhnliche Buch sehr angesprochen: da ich im selben Alter bin und ebenfalls Mutter zweier „Teenies“ konnte ich mich mit dem Autor sehr gut identifizieren. Die Ausflüge in die persische Mystik fand ich sehr faszinierend. Die Gestaltung des Romans insgesamt hat mich sehr beeindruckt: mehrere Ebenen werden gekonnt verflochten, so dass jedes Kapitel neue Überraschungen und Erkenntnisse birgt. Für mich ganz klar 5 von 5 Sternen und eine absolute Leseempfehlung!

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    • 4
  • Vom ersten Kuss bis zur ersten Trennung

    Große Liebe
    HarIequin

    HarIequin

    „Als ich vorgestern bei dem persischen Dichter Attar die Anekdote von dem Alten las, der nicht ich sein möchte, überfiel mich der Gedanke, daß eben darin, in dem Wunsch, sich loszuwerden, meine erste, niemals größere Liebe gegründet sei.“ (Seite 3) Ungefähr eine Woche dauerte die Liebe zwischen dem 15-jährigen Protagonisten und der etwas älteren „Schönsten des Schulhofes“. Eine Woche, die den Jungen nie mehr loslässt, denn der Trennungsschmerz hält lange an. 30 Jahre später beschließt er seine Geschichte aufzuschreiben. Eine Geschichte von Verliebtheit, Vereinigung, Verlassenheit und Verzweiflung. Sehr originell ist die Struktur des Buchs – anstatt Seitenzahlen gibt es nur Kapitel die jeweils einen Schreibtag des Protagonisten darstellen. Die Sprache ist fließend und sehr schön. Immer wieder webt Navid Kermani Zitate oder Geschichten der persischen Liebesmystik mitten hinein, ohne dass es zu gewollt klingt oder den Lesefluss behindert. Manche davon sind zum schmachten, andere so ironisch aufgebauscht und auf die Geschichte umgemünzt, dass ich unwillkürlich lächeln musste. Die Liebe der beiden wird nicht schmalzig, aufgesetzt oder von einer rosaroten Brille verklärt erzählt, im Gegenteil – sie ist so normal, dass man sich darin wiederfinden kann und genau das hat mich so fasziniert. Obwohl der Protagonist fast verrückt vor Liebe ist, wird er 30 Jahre später doch rational und auch ironisch von sich selbst betrachtet. Keine seichte und süße Liebesgeschichte, die Honig um den Mund schmieren will, sondern auf dem Boden geblieben ist. Für mich sagt dieses Zitat viel über „Große Liebe“ aus: „Erschreckt hat mich, wie wenig Individualität wir gerade dort an den Tag legen, wo wir selbst am entschiedensten meinen, etwas einzigartiges zu erleben.“ (Seite 38) Ich kann das Buch nur empfehlen. Durch die mystischen Elemente aus dem alten Persien ist es etwas anderes und besonderes. Ein Buch, dass man konzentriert und langsam lesen sollte, um es in sich aufzunehmen,

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    • 2
  • Themen-Challenge 2014 - Bücher, die ein vorranging rotes Cover haben

    Daniliesing

    Daniliesing

    Dieses Thema gehört zur Themen-Challenge 2014:

    Hier könnt ihr euch über eure gelesenen Bücher zu Thema 3 austauschen!

    • 71
    kleinechaotin

    kleinechaotin

    26. February 2014 um 09:28
  • Die "Große Liebe" - Verliebtheit, Vereinigung und Verzweiflung

    Große Liebe
    kleinechaotin

    kleinechaotin

    26. February 2014 um 09:23

    Das Buch "Große Liebe" von Navid Kermani erzählt die Geschichte eines 15-jährigen Gymnasiasten, der von einer Abiturientin - für ihn die Schönste - scheinbar magisch angezogen wird. Pause für Pause schleicht er sich auf den Raucherhof oder Oberstufe, um zwischen den Rücken der anderen Schüler einen Blick auf sie zu erhaschen. Da sie die selbe Schule besuchen, belügt er einen Lehrer um ihren Namen zu erfahren und um sie so ansprechen zu können. So begann ihr gemeinsamer Lebensabschnitt... Der Autor schreibt knapp 30 Jahre später über seine eigene große Verliebtheit im Alter von 15 Jahren. Eine Anekdote eines persischen Dichters brachte ihn dazu seine Geschichte aufzuschreiben. Verliebtheit, Vereinigung, Verlassenheit und Verzweiflung prägen die Handlung, welche mit arabisch-persischen Liebesmystik unterlegt wird. Der Schreibstil ist trotz der überwiegend relativ langen Sätze sehr angenehm und flüssig zu lesen. Man sollte mit den Gedanken allerdings beim Buch bleiben und diese erst nach dem Lesen schweifen lassen. Mir gefiel das Buch sehr gut. Für mich war es gewöhnungsbedürftig, dass das Buch keine Seitenzahlen aufweist - der Autor erzählt die Geschichte in 100 Kapitel und die Kapitelnummer fungiert gleichzeitig auch als Seitenanzahl.

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  • Navid Kermani verknüpft seine Geschichte und Erfahrungen mit der persischen Liebesmystik

    Große Liebe
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    13. February 2014 um 11:07

      Er ist gerade fünfzehn Jahre alt, geht in einer deutschen Stadt zur Schule, nimmt aktiv an den Protesten und Versammlungen der Friedensbewegung teil und hat auch bei der Blockade des Verteidigungsministeriums 1983 mitgemacht. Navid Kermani, intelligenter und engagierter Sohn persischer, aus dem Iran emigrierter Eltern, ist für sein Alter schon ein reifer und politisch bewusster Mensch, der in der ESG ein und aus geht und auch von älteren Friedensfreunden anerkannt ist.   Doch für die Raucherecke seines Gymnasiums ist er nicht alt genug. Das ist ein Problem, denn dort steht „die Schönste der Schule“, eine junge Frau, die schon Auto fährt und die es ihm angetan hat. „Das erste Mal hat er  mit fünfzehn geliebt und seither nie wieder so groß.“   So erinnert sich der Mittvierziger, Schriftsteller und Experte für islamische Mystik, Navid Kermani  im Jahr 2013 an eine kurze Phase großer Verliebtheit und beginnt seine Erinnerungen aufzuschreiben. Anlass ist ihm die Lektüre einer Anekdote des persischen Dichters Attar (über ihn hat er schon 2005 ein Buch geschrieben: Der Schrecken Gottes: Attar, Hiob und die metaphysische Revolte. Beck, München 2005), wo es heißt: „Ein König reist durch das Land, in seinem Gefolge Minister, Generäle, Soldaten, Beamte, Diener und die Damen seines Harems. Am Wegrand sieht er einen alten zerlumpten Mann kauern, einen Narren vielleicht. „Na, du würdest wohl auch gerne ich sein“, ruft der König spöttisch von seinem Elefanten herab. „Nein“, antwortet der Alte, „ich möchte nicht ich sein.“   Es ist der Gedanke, sich als Pubertierender selbst loszuwerden, in dem er seine erste Liebe begründet sieht. Und an die erinnert er sich in einhundert kurzen Kapiteln, die die Tage bezeichnen sollen, die er brauchte, um seine Geschichte aufzuschreiben. Tatsächlich hat die ganze Episode wohl nur wenige Tage gedauert, in dem der Junge alle Extreme der Verliebtheit erlebt. Das erste Mal von der Angebeteten beachtet werden, der erste Kuss, der erlebt wird wie ein Sakrament, drei unvergessliche Nächte eher unbeholfener Sexualität…   Doch kaum hat er von dieser Liebe gekostet, die ihn mitreißt wie ein Fluss, ist sie auch schon wieder zu Ende, und die junge Frau beendet abrupt eine Beziehung, in die sie eher hineingeschlittert ist, als dass sie sie bewusst gesucht hätte.   Navid Kermani verknüpft diese persönliche Geschichte und seine erinnerten Erfahrungen mit vielen Erzählungen aus der arabisch-persischen Liebesmystik, um zu verstehen, was damals mit ihm geschehen ist. Er muss diese Geschichte erzählen, nicht nur weil er seinen eigenen 15- jährigen Sohn, der am Ende die Geschichte liest, besser verstehen  will, sondern auch sich selbst und den Schmerz, der bis heute in ihm schwärt: „Gedauert hat die große Liebe, um die mein Gedächtnis so viel Aufhebens macht, keine Woche, gerechnet vom ersten Kuss bis zur Trennung, der Trennungsschmerz natürlich länger, in gewisser Weise bis heute, sonst würde ich nicht unsere Geschichte erzählen.“   Es ist so etwas wie die Angst vor dem Verlust dieser Erfahrung, die ihn zu dieser melancholisch gefärbten Erzählung treibt; ohne Nostalgie, ohne Satire beschreibt Kermani ein unschuldiges Entflammtsein in der Liebe und im politischen Engagement der damaligen Zeit, wie es heute so nicht mehr möglich ist.   Für den Leser, der sich mystischen Texten öffnen kann, bieten die immer wieder in den Text eingestreuten Weisheiten aus dem 9. und 10. Jahrhundert eine Fülle von Reflexionsmöglichkeiten. Ich kann mit jedoch auch vorstellen, dass das Buch Lesern jeden Alters Erinnerungen daran zurückbringt, wie das war, als sie zum ersten Mal geliebt haben.    

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