Navid Kermani Ungläubiges Staunen

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Inhaltsangabe zu „Ungläubiges Staunen“ von Navid Kermani

Was geschieht, wenn einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller, der selbst ein Muslim ist, sich in die christliche Bildwelt versenkt? Navid Kermani sieht staunend eine Religion voller Opfer und Klage, Liebe und Wunder, unvernünftig und abgründig, zutiefst menschlich und göttlich: ein Christentum, von dem Christen in dieser Ernsthaftigkeit, Kühnheit und auch Begeisterung nur noch selten sprechen.
Es ist ein Wagnis: Offenen Herzens, mit einer geradezu kindlichen Neugier steht Navid Kermani vor den großen und vor unbekannten Werken der christlichen Kunst. Und es wird zum Geschenk: Denn seine berückend geschriebenen Meditationen geben dem Christentum den Schrecken und die Schönheit zurück. Kermani hadert mit dem Kreuz, verliebt sich in den Blick der Maria, erlebt die orthodoxe Messe und ermisst die Größe des heiligen Franziskus. Er lehrt uns, in den Bildern alter Meister wie Botticelli, Caravaggio oder Rembrandt auch die Fragen unserer heutigen Existenz zu erkennen – mit klarem Blick für die wesentlichen Details und die untergründigen Bezüge auch zu entfernt scheinenden Welten, zur deutschen Literatur, zum mystischen Islam und selbst zur modernen Heilgymnastik. Seine poetische Schule des Sehens macht süchtig: süchtig nach diesem speziellen Blick auf das Christentum und sehnsüchtig danach, selbst so sehen zu können.

Spannende Betrachtungen christlicher Kunst aus moslemischer Sicht!

— Loukia

sehr beeindruckend!

— Girl56

All diese tiefsinnigen Betrachtungen über die bildliche Darstellung nur vielleicht wahrer Geschichten - für mich zutiefst irrelevant .

— alasca

Sehr gutes Sachbuch, das gar nicht dröge daherkommt. Die gelegentlichen Einschübe zum IS empfand ich teilweise als aufgesetzt.

— CCC

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  • Spirituell, Sachkundig und mit offenem Herzen

    Ungläubiges Staunen

    michael_lehmann-pape

    26. November 2015 um 11:35

    Spirituell, Sachkundig und mit offenem Herzen Im wahrsten Sinne des Wortes ist der Titel des Buches zu verstehen. Nicht als leicht despektierliches Betrachten zentraler christlicher Kunstwerke, nicht als Erstaunen über so manche Verkündigungs-Volte, sondern tatsächlich als ein ernstes, seelisches, empathisches Herangehen an zentrale christliche Kunstwerke aus der einerseits „ungläubigen Sicht“ eines Nicht-Christen, und der ebenso „spirituell suchenden“ Betrachtungsweise eines liberalen Moslems und eines empfindsamen, durchaus in der christlichen Tradition, Dogmatik und Verkündigung überaus sachkundigen Menschen. Wobei jene „schwärmerische Annäherung“, welche die Zeit auf der Rückseite des Buches vermerkt, nicht ganz den Punkt trifft. Denn nicht losgelöst schwärmt Kermani über Kunst und ihre Botschaft, sondern ganz handfest, menschlich, dringt er in die Tiefe der besonderen Verkündigung der bildenden Kunst ein. Gerade am Beispiel des Petrus, im Kreuzigungsbild Caravaggios wird diese einerseits nüchterne, andererseits tief dem Glauben nachspürende Haltung Kermanis deutlich. Der den Menschen sieht, der das Bild in Komposition, Farbgebung, in den Einzelheiten, letztlich im Ausdruck des Blickes des Petrus auf den Punkt hin deutet, abgrenzt gegen andere Kunstwerke mit gleichem Motiv und Feinheiten ins Blickfeld rückt, die sich auch aus der vielfachen Tradition der Kirche speisen und dennoch anderes, neues, mythisches Hinzufügen. Auch wenn man, überraschend für den interessierten Leser, die wohl „hässlichste“ Christusfigur aller Zeiten im Buch zu Gesicht bekommt (und sich wohl nie wieder davon lösen kann, was Kermani an Erläuterung über die „schmutzigen Finger“ der Statue eines halbwüchsigen Kindes mit auf den Weg gibt). Wie aber Kermani dann diese Figur mit der kleinen „Randgeschichte“ eines verwesenden Hundekadavers in Verbindung bringt, die Kindheit Jesu aus einem apokryphen Evangelium deutet, das zeugt von Fantasie, einer ganz unvoreingenommenen Betrachtungsweise. Auch wenn diese Sicht wissenschaftlich-historisch nicht unbedingt zu halten oder erweisbar ist, es verbleibt das Empfinden für ein: So könnte es gewesen sein, so könnte man das ein oder andere an späterer Äußerung, an Überlieferung über Jesus verstehen. Und selbst wenn Kermani mit seinem katholischen Freund sich die Nase an der Glasabdeckung der Chartula des Franziskus platt drückt und einfach das Sultangesicht nicht zu erkennen vermag, aus seiner Herleitung der inneren Haltung des Franziskus dem Islam gegenüber bieten sich vielfache Möglichkeiten zur Reflexion für den Leser und eines anderen, wichtigen Verständnisses des wichtigsten Heiligen (und des Umgangs mit diesem durch die Amtskirche umgehend nach seinem Tod). Seien es große Werke der Weltgeschichte Rembrandt oder Caravaggio oder Benini, die im Buch sich finden, seien es kleine, leicht zu übersehende, ganz am Rand stehende Szenen wie ein Kuss eines älteren Paares, Kermani sieht mit offenen Augen, betrachtet mit dem Blick des glaubenden Suchers und verweist auf Zusammenhänge in den Werken, die originell, empathisch und oft tief berührend sind. Und öffnet dem Leser ein um das andern Mal einen neuen, für manche in Bezug auf manche Kunstwerke vielleicht einen erstmaligen Blick auf jene inhärente Botschaft, die eben nicht vordergründig umgehend dem rein sachlichen Betrachter auffallen würde. So, wie der „Kain“ in allen Menschen (und auf diesem epischen Werk von Fernand Cormon in tiefgreifender Weise) ermattet im Blick seinen Weg mühsam durch das Leben zieht oder bei El Greco Jesus und seine Mutter Maria sich mit ganz besonderem Ausdruck in den Augen begegnen. In Blicken, die „doch jeder erinnern müsste, der je groß geliebt hat“. Liebe. Zeugnis. Anrufung. Das sind die drei großen Themen des christlichen Glaubens, denen Kermani Kunstwerk für Kunstwerk nachgeht und diese sich, dem Leser, dem Christen, Atheisten, Moslem oder jedem Andersgläubigen neu in der tiefen Schönheit des (suchenden) Glaubens ausdrückt. Ein beeindruckendes, hervorragendes, sprachlich wunderbares, klares und zugleich poetisches Werk.

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