Neal Stephenson Cryptonomicon

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Inhaltsangabe zu „Cryptonomicon“ von Neal Stephenson

Das längste produzierte Exklusiv-Hörbuch von Audible für Sie zum Download. Während des Zweiten Weltkriegs legt Japan mit Unterstützung von Nazi-Deutschland eine gigantische Goldreserve an. Die Alliierten werden zwar auf verschlüsselte Mitteilungen aufmerksam, aber selbst ihren besten Kryptographen gelingt es nicht, den Code zu knacken. Mehr als ein halbes Jahrhundert später stößt eine Gruppe junger amerikanischer Unternehmer im Wrack eines U-Boots auf die Anzeichen einer riesigen Verschwörung und auf das Rätsel um einen verborgenen Schatz... >> Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird Ihnen exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich. (Quelle:'herunterladbare Audio-Datei/27.10.2009')
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  • Rezension zu "Cryptonomicon" von Neal Stephenson

    Cryptonomicon

    BuechermonsterBlog

    01. October 2011 um 00:13

    Zum Hörbuch: 47 Stunden und 44 Minuten – „Cryptonomicon“ ist mit großem Abstand das längste Hörbuch, welches ich jemals gehört habe (Stephen Kings 52-Stunden-Blockbuster „Es“ wartet noch in meiner Bibliothek auf mich…). Ehrlich gesagt habe ich den Titel auch ungefähr ein Jahr lang vor mich hergeschoben, da mich die lange Spielzeit nach dem Kauf doch zunächst etwas abgeschreckt hat. Jetzt war es aber langsam an der Zeit, und ich habe mir das Technologie-Epos zu Gemüte geführt. „Cryptonomicon“ spielt in zwei verschiedenen Zeitebenen. Ein Teil der Handlung ist zur Zeit des Zweiten Weltkriegs angesiedelt und dreht sich überwiegend um Corporal Bobby Shaftoe, Lawrence Pritchard Waterhouse und Enoch Root. Waterhouse ist dabei ein begabter Mathematik-Experte, der in Bletchley Park – einer militärischen Dienststelle – damit beschäftigt ist, den codierten Nachrichtenverkehr der Deutschen zu entschlüsseln. Dort trifft er u.a. auf den britischen Kryptoanalytiker Alan Turing, mit welchem er die Verschlüsselungssysteme der Wehrmacht zu knacken versucht. Nachdem das Prinzip der berühmten Enigma-Maschine entdeckt wurde, erhalten die Alliierten durch das Abfangen von deutschen Funksprüchen interessante Informationen, zum Beispiel über den Aufenthaltsort von versenkten U-Booten. Die streng geheime Abteilung 2702 wird gegründet, um vor den Deutschen die Tatsache zu verschleiern, dass Waterhouse und Co. über diese brisanten Details verfügen. Zu dieser Einheit gehören auch die oben genannten Bobby Shaftoe und Enoch Root. Diese sind kurz zuvor lebend aus der Schlacht um Guadalcanal herausgekommen und sollen nun für „2702″ auf Außendienst-Missionen gehen. In der Gegenwarts-Handlung geht es vorrangig um Randy Waterhouse, den Enkel des Codeknackers Lawrence. Dieser betreibt mit seinem Geschäftspartner Avi ein Unternehmen, welches auf den Philippinen einen Datenhafen errichten möchte. In ihrem Business sehen sie sich jedoch mit einer Reihe von Schwierigkeiten konfrontiert, die ihre Planungen durcheinander bringen. Als das Unterfangen schließlich doch in Angriff genommen wird, stößt Douglas Shaftoe (Bobbys Sohn) beim Verlegen eines Seekabels auf eines der gesunkenen deutschen Wehrmacht-U-Boote… Ich muss leider zugeben, dass ich bei dieser kurzen Inhaltsangabe auf die Wikipedia-Zusammenfassung angewiesen war, denn so richtig konnte ich der Haupthandlung nicht folgen. Denn wie man es bei einem Hörbuch dieser Länge erwarten (bzw. befürchten) kann, ist die Geschichte unheimlich komplex. So wird eine Unmenge an Personen eingeführt, die in mehreren Nebensträngen die Story voranbringen sollen. Leider wird dadurch jedoch das genaue Gegenteil erreicht: Durch die unzähligen Nebenhandlungen und Figuren geht die Haupthandlung fast völlig unter, und für den Hörer ist es unglaublich schwer, die für die Geschichte bedeutsamen Passagen herauszufiltern. Neal Stephenson macht es einem bei „Cryptonomicon“ aber auch nicht gerade leicht. So beschreibt er Einzelheiten unheimlich detailliert, was natürlich den Vorteil hat, dass man sich Schauplätze, Personen und Gegenstände sehr gut bildlich vorstellen kann. Allerdings übertreibt es Stephenson auch gerne und dehnt seine Ausführungen oft auf ein unerträgliches Maß aus. Zudem beschreibt er nicht nur wichtige Dinge, sondern auch völlig nebensächliche Sachen, die nur dazu dienen, das Buch in die Länge zu ziehen. Eigentlich sind die Beschreibungen und Erläuterungen dabei gar nicht mal so uninteressant, wenn sie auch oft mathematische Grundkenntnisse voraussetzen. Trotzdem kann man Stephenson bei konzentriertem Zuhören recht gut folgen und erfährt auch das ein oder andere interessante Detail aus dem Bereich der Kryptografie und Computertechnik. Die ungeteilte Aufmerksamkeit des Hörers ist dabei aber absolut notwendig, denn wenn man die Geschichte nur so nebenbei laufen lässt, kann man dem Geschehn nicht wirklich folgen. Allerdings stellt es schon eine enorme Herausforderung an den Hörer dar, den Beschreibungen oft belangloser Dinge interessiert zuzuhören, denn wenn man 30 Minuten lang erzählt bekommt, wie die Hauptfigur eine Schüssel Cornflakes isst, werden die Nerven des Adressaten schon arg strapaziert. Dabei treffen einen die ellenlangen Erklärungen oft völlig unvorbereitet. So springt zum Beispiel einer der Nebenfiguren bei einem Spaziergang die Kette vom Fahrrad. Dieses Ereignis könnte man normalerweise in einem Nebensatz erwähnen und dann vergessen, doch Stephenson nimmt es zum Anlass, minutenlang (ca. 20 Minuten) das Funktionsprinzip einer Fahrradkette zu erläutern. Doch damit nicht genug: Es wird genau berechnet, nach wievielen Radumdrehungen das defekte Kettenglied an die bestimmte Stelle des Rades gelangt, welche letztlich das Abspringen der Kette auslöst. Weiteres Beispiel: Im späteren Verlauf der Geschichte wird sogar detailliert berechnet, in welchen Abständen einer der Protagonisten ejakulieren muss, um dessen Geisteszustand auf einem konstant hohen Level zu halten. Berücksichtigt werden müsse dabei aber der Faktor, ob der Samenerguss nun selbst herbeigeführt wurde oder ob dieser auf eine Prostituierte zurückzuführen ist. Letzteres hätte dann nämlich eine deutlich höhere Wertigkeit und müsste dann auch mit einem anderen Stellenwert in die Berechnungen einfließen. Zugegebenermaßen sind solche Passagen durchaus amüsant, blähen die ohnehin schon superkomplizierte Handlung aber noch zusätzlich auf. Als ich mir die Inhaltsbeschreibung zu „Cryptonomicon“ durchgelesen habe, erwartete ich von diesem Hörbuch eine muntere Abenteuergeschichte, mit ein bisschen Codeknackerei à la „Vermächtnis der Tempelritter“ und packenden Spionage-Thriller-Elementen. Auch die Aussicht auf einen sagenumwobenen Goldschatz feuerte diese Erwartungshaltung zusätzlich an. Die Realität sieht aber anders aus: Vielmehr ist „Cryptonomicon“ eine Art Historien-Drama mit Science Fiction/Fantasy-Elementen und einer großen Portion Computergeschichte und Kryptografie. Die in der Beschreibung beworbene Story ist in den ersten zwanzig Stunden nicht einmal ansatzweise zu erahnen und man fragt sich in dieser Zeit mehrmals, wo die Handlung nur hinführen soll. Der mysteriöse Schatz taucht erst in der zweiten Hälfte des Hörbuches ganz am Rande auf, und die oben erwähnte Geschichte betrifft hauptsächlich die letzten zehn Stunden. Diese sind dann aber auch durchaus unterhaltsam, aber nicht so spannend wie erhofft. Ein weiteres Problem sind die handelnden Figuren. Zwar sind diese nicht unsympathisch und haben auch gerne mal einen lockeren Spruch auf den Lippen, durch die zwei Zeitebenen kommt es jedoch auch oft zu Verwechslungen. Durch die Tatsache, dass es sich immer um verschiedene Generationen einer Familie handelt, bringt man die Protagonisten oft durcheinander, da diese auch oft nur beim Nachnamen genannt werden. So weiß man bei „Waterhouse“ zum Beispiel des öfteren nicht, ob man nun im zweiten Weltkrieg unterwegs ist oder beim Computer-Nerd Randy. Erst wenn dann neuere Technologien wie zum Beispiel Handys zum Einsatz kommen, kann man die richtige Epoche entschlüsseln. Gerade in den ersten Stunden sorgt dies häufig für Verwirrung. Trotz der vielen Kritikpunkte schafft es Stephenson aber irgendwie doch, dass man in die Geschichte eintaucht. Hat man sich erst einmal durch die ersten zwanzig mühsamen Stunden gekämpft, wird die zweite Hälfte zwar nicht wirklich spannender, aber man will trotzdem wissen, wie es nun weitergeht. Auch hat man die teils etwas skurrilen Charaktere mit ihren Eigenheiten (wie z.B. oben erwähnten Masturbations-Zyklen oder Cornflakes-Philosophien) nach geraumer Zeit ins Herz geschlossen. Leider wird man für das lange Durchhalten aber dann nicht richtig belohnt, denn nach 48 Stunden kommt das Ende doch recht abrupt. So braucht Stephenson unzählige Nebenstränge und Figuren, um seine Geschichte zu entwickeln, und dann wird man am Ende doch mit einem recht offenen Schluss abgespeist, der ziemlich unbefriedigend ist. Zum Sprecher: Gelesen wird „Cryptonomicon“ vom deutschen George Clooney, nämlich dessen Synchronstimme Detlef Bierstedt. Dieser liest gewohnt souverän, schafft es aber auch nicht, der Geschichte wirklich Leben einzuhauchen. Oft wirkt es fast so, als wäre Bierstedt von den ausschweifenden Beschreibungen selbst ein bisschen gelangweilt und lese seinen Text daher einfach nur herunter. Allerdings bietet Stephenson ihm aber auch kaum Gelegenheiten, sich besonders auszeichnen zu können. So muss er nur selten seine Stimme verstellen und alle Figuren klingen irgendwie gleich. Hier fehlt es eindeutig an Emotionen, was man Bierstedt selbst aber auch nur teilweise vorwerfen kann, denn viel mehr gibt die Vorlage leider auch nicht her – oder wie könnte man enthusiastisch das Abspringen einer Fahrradkette erzählen? Mein Fazit: Mit „Cryptonomicon“ ist das so eine Sache: Eigentlich hat der Autor einen wirklich tollen Schreibstil, dem man gut folgen kann und der auch die vielen wissenschaftlichen Details verständlich an den Mann bringt. Zudem muss man der Akribie, mit der Stephenson die Unmengen an historischen und mathematischen Details recherchiert hat, einfach den gebührenden Respekt zollen. Jeder Schauplatz, jede Rechnung strotzt nur so vor Detailwissen, sodass hinter dem Roman ein enormen Aufwand stecken muss. Zudem gefällt mir das Setting, welches zu großen Teilen auf den Philippinen spielt, recht gut. Außerdem bietet „Cryptonomicon“ eine Reihe von interessanten Einblicken in die Geschichte der Computertechnik, vor allem was die mühsamen Anfänge betrifft. Doch nun zur negativen Seite: Denn trotz des guten Schreibstils schafft es Stephenson eigentlich zu keinem Zeitpunkt, ernsthaft Spannung aufzubauen. Die Story plätschert 48 Stunden so vor sich hin, und dann ist das Hörbuch plötzlich zuende. Viele Handlungsstränge und Personen sind völlig überflüssig und bringen die Geschichte mit keinem Stück vorwärts, sodass diese den Hörer nur unnötig verwirren und von der eigentlichen Story ablenken. Zudem fehlt es der Handlung an Überraschungen, welche den Hörer bei Laune halten könnten. Eigentlich quält man sich mehr oder weniger durch das Buch, was angesichts der Qualität der vermittelten Informationen fast ein bisschen schade ist. So hart es auch klingen mag, aber man kann ohne Probleme 30 Stunden des Hörbuches komplett streichen, ohne dass es der Geschichte zum Nachteil gerät. Im Gegenteil: Ich bin mir sicher, dass eine deutlich entschlackte Version um einiges spannender wäre und mehr Anhänger finden würde. Von daher ist es mir völlig unverständlich, warum von diesem Titel nicht auch eine gekürzte Fassung angeboten wird. So bleibt ein massiv überlanges, aber letztendlich doch auch gut geschriebenes und recherchiertes Buch, welches Technologie-Interessierte vielleicht zu begeistern weiß. Man sollte jedoch ein gewissen Grundwissen aus der Informatik, Mathematik und Physik mitbringen, um den Ausführen des Autors folgen und den Reiz der Geschichte erkennen zu können. Für den Durchschnittshörer ist „Cryptonomicon“ wohl eher die falsche Wahl, was auch die vielen Rezensionen von Personen zeigen, die das Hörbuch nach einigen Stunden entnervt aufgegeben haben. Ob geniales Historien-Epos oder langweiliger Technik-Kram – die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Somit komme ich auch letztendlich auf eine Wertung, die knapp über dem Durchschnitt liegt, da ich den enormen Rechercheaufwand des Autors auch irgendwie würdigen möchte. Meine Wertung: 6/10

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