Neil Bissoondath Willkommen, Mr. Mackenzie

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Inhaltsangabe zu „Willkommen, Mr. Mackenzie“ von Neil Bissoondath

Geschichten über Freundschaft und Liebe, über Vergangenheit und Erinnerung: In seinem Roman "Willkommen, Mr. Mackenzie" zeichnet Neil Bissoondath ein bewegendes Bild des Lebens, humorvoll und hintersinnig, voller Melancholie und Hoffnung. Alistair Mackenzie, emeritierter Professor für englische Literatur, lebt seit dem Tod seiner Frau allein. Zu seiner Tochter Agnes hat der eigensinnige Witwer ein gespanntes Verhältnis. Als sein Haus bei einem Feuer zerstört wird, ist er jedoch gezwungen, bei ihr und ihrer Familie einzuziehen. Mackenzie hat es nicht einfach, sich in seiner neuen Umgebung zurechtzufinden, und flüchtet in Erinnerungen an frühere Jahre. In Gedanken läßt er Menschen vorüberziehen, die seinen Weg kreuzten oder sein Leben teilten. Er erinnert sich an seine Schwester, die mit einem Zirkusakrobaten durchbrannte, an seinen Schwager, der hoch über den Wolken auf einem Flugzeugflügel spazierenging, an den Gärtner, der für seinen Nachbarn zum Mörder wurde ... und an seine Frau Mary, die er ein Leben lang liebte und beinahe für immer verloren hätte. Kunstvoll verknüpft Neil Bissoondath verschiedene Episoden zu einem faszinierenden Roman über einen Mann, der alles hinter sich lassen mußte, um endlich bei sich selbst anzukommen.

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    Willkommen, Mr. Mackenzie

    Stefan83

    18. September 2013 um 15:42

    Wirft man einen Blick auf die Bibliographie des aus Trinidad stammenden und seit fast 30 Jahren in Kanada lebenden Schriftstellers Neil Bissoondath, erweist sich „Willkommen, Mr. Mackenzie“ als Ausnahme von der Regel, in der dieser vor allem das Themenfeld der Einwandererproblematik beschrieben hat. Hier kehrt er Rassismus, Gewalt und Immigration erstmals den Rücken, um sich ur-kanadischen Problemen zu widmen. Insbesondere die franco-anglophone Zerrissenheit steht im Mittelpunkt der Handlung (verbildlicht in der Beziehung zwischen dem Großvater und seinem Enkel), welche aus Sicht des ebenfalls emeritierten Professors Alistair Mackenzie erzählt, dessen Haus mit all seinen Besitztümern und Erinnerungsstücken vor kurzem abgebrannt ist und der daraufhin notgedrungen Obdach bei der ihm stets fremd gebliebenen Tochter gefunden hat. Jetzt am Weihnachtsabend, im Kreise seiner Familie, wirft Mackenzie einen Blick zurück auf die wichtigsten Dinge seines Lebens, versucht sich an Momente zu erinnern, die im Verlauf der Zeit verloren gegangen sind und ihn doch stark geprägt haben. Ein warmes Wohnzimmer, klirrend kalter Schnee, ein auf dem Boden spielender Enkelsohn – Bissoondath zieht alles Register, um den Zauber von Weihnachten einzufangen und dabei gleichzeitig den Leser auf die gemütliche Erzählweise einzustimmen, welche ihn über die gesamte Distanz des Buches begleiten wird. „Willkommen, Mr. Mackenzie“ kommt von Anfang bis Ende ohne nennenswerte Höhepunkte oder Aha-Effekte aus, ist aber, und das ist das Bemerkenswerte des Romans, zu keinem Zeitpunkt wirklich langweilig. Die leisen, zärtlichen Töne in denen Mackenzie die Verfehlungen und dunklen Episoden der vergangenen Jahre Revue passieren lässt, nehmen den Leser gefangen, sind stets lebhaft und kraftvoll genug, um das Umblättern zur nächsten Seite mit Neugier in Angriff zu nehmen. Bissoondath verkneift sich, trotz vieler durchaus trauriger Themen, den Angriff auf die Tränendrüse, meidet den Kitsch und bleibt in den Gefühlsbeschreibungen subtil genug, um Anteil am Erzähler nehmen zu können. Und dieser wächst einem recht schnell ans Herz, zumal die Offenheit von Mackenzies trockenem und eigenwilligem Humor die üblichen Schranken zwischen Protagonist und Leser schnell fallen lässt. Der Roman lebt hierbei auch von seiner Vielseitigkeit und der Kunst, die Tücken des Alltags, sei es im beruflichen Umfeld der Universität oder im Zusammenleben mit der so geliebten Ehefrau Mary, an den richtigen Stellen prägnant zu würzen. Die Menschen die Mackenzies Weg kreuzt oder gar seine Leben über viele Jahre teilten, wirken als Taktgeber der Geschichte, die von so starken Themen wie Mord genauso berichtet, wie über das Manko des Erzählers einen nicht gänzlich sinnfreien Smalltalk zu führen. Was dabei auffällt: Trotz der vielen thematischen Sprünge kommt „Willkommen, Mr. Mackenzie“ nie aus dem Rhythmus. Im Gegenteil – erzählte Gegenwart und erinnerte Vergangenheit werden brillant und kunstvoll miteinander verknüpft, finden immer den richtigen Zeitpunkt zur Überleitung, was einem als Leser das Gefühl gibt, mehrere Kurzgeschichten zu einer einzigen großen Geschichte zusammenwachsen zu sehen. Es ist ein Konzept auf das man sich einlassen muss, wartet doch am Ende kein überraschendes Highlight, weil hier der Weg das Ziel ist, es die kleinen Dinge am Wegesrand in Mackenzies Blick zurück sind, die den Roman so unheimlich lesenswert machen. Mit „Willkommen, Mr. Mackenzie“ wird der Liebeskind Verlag einmal mehr seinem wohlverdienten Ruf als Entdecker kleiner und größerer literarischer Perlen gerecht. Neil Bissoondaths melancholisch-hintersinniges und doch auch immer humorvolles Buch ist beste Unterhaltung und perfekt für die Entschleunigung des hektischen Alltagstrotts. Und es beweist auch: Es müssen nicht immer die ganz heißen Eisen thematisiert werden, um den Leser gefangen zu nehmen. Das Leben ist manchmal aufregend genug.

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