Nele Pollatschek

 3,8 Sterne bei 208 Bewertungen
Autor*in von Kleine Probleme, Das Unglück anderer Leute und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Nele Pollatschek, 1988 in Berlin geboren, hat Englische Literatur und Philosophie in Heidelberg, Cambridge und Oxford studiert und wurde darin 2018 promoviert. Für ihren Debütroman Das Unglück anderer Leute (2016) erhielt sie den Friedrich-Hölderlin-Förderpreis (2017) und den Grimmelshausen-Förderpreis (2019). Es folgte das Sachbuch Dear Oxbridge. Liebesbrief an England (2020). Nele Pollatschek schreibt für die Süddeutsche, erhielt 2022 den Deutschen Reporterpreis und 2023 die Auszeichnung "Kulturjournalistin des Jahres".

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Nele Pollatschek

Cover des Buches Kleine Probleme (ISBN: 9783869712406)

Kleine Probleme

 (142)
Erschienen am 07.09.2023
Cover des Buches Das Unglück anderer Leute (ISBN: 9783442486694)

Das Unglück anderer Leute

 (29)
Erschienen am 18.03.2018
Cover des Buches Dear Oxbridge (ISBN: 9783869712031)

Dear Oxbridge

 (20)
Erschienen am 20.01.2020
Cover des Buches Kleine Probleme (ISBN: B0CHS9GFLC)

Kleine Probleme

 (11)
Erschienen am 12.09.2023
Cover des Buches Dear Oxbridge: Liebesbrief an England (ISBN: B083JDYTTS)

Dear Oxbridge: Liebesbrief an England

 (4)
Erschienen am 21.01.2020
Cover des Buches Das Unglück anderer Leute (ISBN: 9783864843945)

Das Unglück anderer Leute

 (2)
Erschienen am 25.08.2016

Neue Rezensionen zu Nele Pollatschek

Cover des Buches Kleine Probleme (ISBN: 9783869712406)
marielle_liests avatar

Rezension zu "Kleine Probleme" von Nele Pollatschek

Nieselregen und Nudelsalat
marielle_liestvor einem Monat

Lars ist faul, unmotiviert und träge, außerdem ein unordentlicher Chaot. Seit Jahren gibt er seine Steuererklärung nicht ab, scheitert an ganz alltäglichen Dingen, wie morgens aufstehen, putzen oder Gartenarbeit. Ganz zu schweigen von seinem lang ersehnten Lebenswerk: ein Buch - doch er schafft es einfach nicht, mit dem Schreiben anzufangen. Wieder einmal ist der 31.12. und die To-Do-Liste ist scheinbar unendlich, doch diesmal könnte er wirklich alles verlieren. 

🐦‍⬛🐦‍⬛🐦‍⬛

Ein Reiher steht im Nieselregen und blickt mich vom Cover resigniert an. Ich finde, er passt sehr gut zu Lars, der ebenso hoffnungslos und abgeschlagen wirkt. Mehrfach ging es mir so, dass ich ihn am liebsten schütteln würde, um ihm zu sagen, dass das Leben auch unbeschwert sein kann und dass er doch nur den ersten Schritt gehen muss. Doch immer wieder habe ich auch Mitgefühl mit ihm, denn sein extremes Verhalten gleicht einer waschechten Depression. So würde ich ihm ganz unbedingt eine professionelle Therapie wünschen, wobei er Wege aus seiner Verzweiflung, aus seinem „Nomos“ findet.

Nele Pollatschek beschreibt Lars‘ Situation mit ihrem schonungslosen Schreibstil so greifbar und präzise. Ich liebe die Bilder, die sie in ihrer Sprache verwendet - mein Kopfkino ratterte wie ein Spielfilm. 

Ich habe ein paar Mal gelesen, dass Lars als nervig empfunden wird. Doch mich hat sein dramatischer Abwärtsstrudel eher darauf aufmerksam gemacht, die Augen vor Menschen in ähnlichen Situationen nicht zu verschließen. Vielleicht geht es einem ja selbst mal so.

Wirklich rührend fand ich die vielen humorvollen und mutmachenden Szenen. Ich hab mich so sehr mit Lars gefreut, wenn er etwas geschafft hat. Allen voran das Nudelsalat-Kapitel, das war so erfrischend und kreativ, dass ich richtig stolz auf ihn war!  

Eine tolle Empfehlung für ein kurzes Buch mit leichtem Schreibstil! Aber ein bisschen Geduld solltest du mit Lars haben. 😉

Cover des Buches Kleine Probleme (ISBN: 9783869712406)
Federchen-Frosts avatar

Rezension zu "Kleine Probleme" von Nele Pollatschek

Ich wollte diese Rezension schon längst geschrieben haben…
Federchen-Frostvor 2 Monaten

…aber dann kam mir etwas dazwischen. Okay, flacher Einstieg, aber wer das Buch kennt, wird es verstehen. Wer das Buch nicht kennt, setzt es umgehend auf seine To-Do-Liste und hakt es bitte zeitnah ab!

 

Ich muss gestehen, dass ich mir nicht allzu viel erwartet habe. Einige Stunden leichte Unterhaltung, den ein oder anderen Lacher vielleicht. Dieses Buch ist aber so viel mehr. Ich habe es von der ersten Seite an geliebt, Lars abwechselnd verflucht, gehasst, geliebt und – schlimm, ich weiß! – verstanden. Man schwankt permanent zwischen genervtem Unglauben, wie es ein doch intelligenter und vor Kreativität strotzender Mann so weit hat kommen lassen können, sympathischer Anteilnahme, weil jeder (das behaupte ich, weil ich wirklich fest davon ausgehe, das so verallgemeinern zu dürfen) sich in mindestens einer Situation ertappt gefühlt hat und Tatendrang, weil Lars‘ nicht-reißende Art einen doch mitreißt und man ihm am liebsten selbst unter die Arme greifen möchte.

„Also sieht man besser nicht hin. Und die Welt denkt dann vielleicht, man sei faul, dabei ist man den ganzen Tag schwer damit beschäftigt, nicht hinzusehen.“

Bei jeder angesammelten Aufgabe, der Lars sich zu stellen versucht, gerät man wie magisch angezogen in seinen Sog von „so schwer ist das nicht“ und „mach doch einfach“ zu „wo war ich?“, weil Lars es einfach perfektioniert hat, sich und die Leser so erfolgreich und lebensverändernd abzulenken, dass man nach wenigen Sätzen in einen Zustand delirischer Aufgaben-Amnesie abdriftet. Während man also dabei zusieht, wie Lars nicht das macht, was er machen sollte, schafft er aber dennoch eines mit Bravur, wofür ihm größte Anerkennung gezollt werden muss: Er unterhält einen auf beste Weise, gestaltet sogar den Aufbau eines Jungendbettes als hochemotional anfixenden Akt und lässt einen atemlosen Leser zurück, der nach gut 200 Seiten meint, einen Freund für’s Leben gefunden zu haben, den man abwechselnd schütteln und küssen möchte.

Cover des Buches Kleine Probleme (ISBN: 9783869712406)
-nicole-s avatar

Rezension zu "Kleine Probleme" von Nele Pollatschek

Ein besonderer Roman - detailreich erzählt und mit einer starken zweiten Hälfte
-nicole-vor 2 Monaten

Von kleinen Problemen und großen Hürden…

31. Dezember. Steuererklärung, Wohnung putzen, Bett für die Tochter zusammenschrauben, Lebenswerk schreiben, mit dem Rauchen aufhören – eigentlich wollte Lars, neunundvierzigjähriger Vieldenker und angehender Schriftsteller, die Lücke zwischen den Jahren dafür nutzen, endlich alles zu erledigen, was in den letzten Dekaden so auf der Strecke geblieben ist. Das neue Jahr, so sein Plan, sollte in einem aufgeräumten Leben beginnen. Der Zeitpunkt dafür schien perfekt: Die Kinder waren im Auslandsjahr, die Frau unterwegs. Keiner da, der stören könnte.

Doch die Woche, in der noch alles zu schaffen gewesen wäre – plötzlich ist sie aufgebraucht. Der letzte Tag des Jahres hat begonnen – mit Nieselregen, wie sonst? Das Haus ist immer noch chaotisch. Das Leben sowieso. Und als Lars den ersten Punkt seiner To-do-Liste ansteuert, fühlt es sich an, als müsse er nicht nur sich selbst, sondern eine ganze Welt neu erfinden.
(Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe – Galiani Verlag)


„Kleine Probleme“ ist der aktuelle Roman von Nele Pollatschek und erzählt die Geschichte eines Mannes, der am letzten Tag des Jahres noch eine lange To-do-Liste abarbeiten will. Hier ist der Autorin ein sehr lesenswerter Roman gelungen.

Hauptfigur ist der neunundvierzigjährige Lars Messerschmitt, dessen Leben nicht ganz so verlaufen ist, wie er es geplant hatte. Als angehender Schriftsteller wollte er schon vor Jahren das beste Buch der Welt geschrieben haben, doch dieses lässt auf sich warten. Zudem ist vieles liegen geblieben, was er schon längst erledigen wollte – insgesamt stehen dreizehn Punkte auf seiner Liste, die er zwischen den Jahren erledigen wollte. Der Zeitpunkt ist perfekt, da seine Frau und seine Kinder unterwegs sind. Doch plötzlich ist der 31. Dezember angebrochen und die To-do-Liste noch unberührt. Mit einiger Verzögerung beginnt Lars am letzten Tag des Jahres mit dem ersten Punkt und beginnt seinen ganz eigenen Wettlauf gegen die Zeit…


„Es war Freitag, der 31. Dezember, und ich musste noch was erledigen. Also eigentlich alles.“ 
– Seite 13, eBook


Die Handlung ist in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Lars erzählt, der mit einigen Problemen zu kämpfen hat, vieles fällt ihm manchmal schwer. Gerade dieses wird feinfühlig beschrieben und zeigt, dass einiges nicht so einfach ist:


„Wie beschissen ist es bitte, wenn einem alle Türen offenstehen und man trotzdem stehen bleibt. Wenn man keinen Grund hat, so zu sein, aber man ist halt trotzdem so. Wenn alles einfach ist und einfach ist viel zu schwer.“ – Seite 16, eBook


Doch dann beginnt er mit dem Abarbeiten der To-do-Liste, was hier ganz detailliert beschrieben wird. Das Buch ist neben einem kurzen Einführungskapitel in dreizehn weitere Kapitel unterteilt, die sich den einzelnen Punkten auf der Liste widmen. Vom Antworten auf eine Nachricht und den Aufbau des Bettes für seine Tochter über die Steuererklärung und dem Regenrinnenreinigen bis zum Geschenke einpacken, putzen und das Lebenswerk schreiben - jedes der Kapitel widmet sich ausführlich der jeweiligen Aufgabe. Oft finden sich hier lange verschachtelte Sätze. Dieses passt hier aber ganz gut, da in diesem Stil oft die weit- und abschweifenden Gedanken von Lars zu den unterschiedlichsten Themen beschrieben werden. Auch wird es facettenreich: Manches stimmt nachdenklich und ist tragisch, dann wird es aber auch mal schräg und ziemlich komisch mit etwas Humor.


„Da wartet man acht Jahre lang auf Schnee und ausgerechnet an dem einen Tag, an dem man die Regenrinne reinigen will, fängt es an zu schneien, dachte ich. Und die Regenrinne dachte, da wartet man acht Jahre lang auf Reinigung und ausgerechnet an dem einen Tag, an dem es schneit, bequemt sich der Herr. Zumindest glaube ich, dass sie das dachte, das würde nämlich so zu ihr passen.“ 
– Seite 125, eBook


Einige Abschnitte sind sehr unterhaltsam und überraschend mit ihren Schilderungen – da Lars immer wieder mit seinen Gedanken vom aktuellen Tun abschweift, erfahren wir nach und nach einiges über sein bisheriges Leben sowie über seine Frau Johanna und den gemeinsamen Kindern Yannis und Lina.
Dieses ist ganz gut gelungen, nur ab und an driftet er mit verschiedensten Theorien doch etwas zu weit ab.
Das Buch ist schon außergewöhnlich und man muss sich auf den Schreibstil und die Geschichte einlassen. Mich hat überrascht, wie beeindruckend die Autorin das Abarbeiten einer To-do-Liste so unterhaltsam geschildert hat. Der Roman hat eine starke zweite Hälfte.


„Wenn man das Meer aufschreiben kann, ist es das beste Buch der Welt.“ – Seite 77, eBook


Mein Fazit: Ein besonderer Roman, der mich positiv überrascht hat. An einigen Stellen nachdenklich stimmend, etwas ernst und tragisch, an anderen Stellen sehr unterhaltsam, etwas schräg und humorvoll. Diese Mischung zusammen mit dem detailreichen Erzählstil ist gut gelungen. Die oft langen und verschachtelten Sätze sind natürlich etwas speziell, geben aber gleichzeitig die vielen, manchmal ziemlich labyrinthischen Gedankengänge der Hauptfigur sehr gut wieder. Interessant und gelungen. Ich vergebe 4,5 Sterne.

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