Nell Zink

 3,8 Sterne bei 39 Bewertungen
Autorin von Der Mauerläufer, Das Hohe Lied und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Nell Zink

Philosophische Hintergründe: Nell Zink, eine US-amerikanische Medienwissenschaftlerin und Schriftstellerin, wurde 1964 in Kalifornien geboren.  Nach ihrem Abschluss in Philosophie an dem College of William & Mary in Williamsburg, gründete sie das Magazin Animal Review. Ab 1977 arbeitete sie zeitweise als Sekretärin und technische Zeichnerin in Tel Aviv. Im Jahr 2000 zog sie dann nach Deutschland, wo sie in Medienwissenschaften an der Universität Tübigen promovierte. Nebenbei arbeitete sie für das Schwäbische Tagblatt und als Übersetzerin. In dieser Zeit schrieb sie dann ihren Debüt-Roman „The Wallsreeper“, der es auf die Liste „100 notable books of 2014“ schaffte. Dieser wurde gleich in mehrere Sprachen übersetzt. Für ihre weiteren Romane wurde sie schon für den National Book Award nominiert.

Alle Bücher von Nell Zink

Cover des Buches Der Mauerläufer (ISBN: 9783499271397)

Der Mauerläufer

 (11)
Erschienen am 22.04.2017
Cover des Buches Nikotin (ISBN: 9783499290817)

Nikotin

 (8)
Erschienen am 23.07.2019
Cover des Buches Virginia (ISBN: 9783499271403)

Virginia

 (7)
Erschienen am 13.10.2020
Cover des Buches Das Hohe Lied (ISBN: 9783499291852)

Das Hohe Lied

 (8)
Erschienen am 15.02.2022
Cover des Buches Avalon (ISBN: 9783498003111)

Avalon

 (0)
Erscheint am 16.05.2023
Cover des Buches Mislaid (ISBN: 9780008100575)

Mislaid

 (2)
Erschienen am 10.03.2016
Cover des Buches Doxology (English Edition) (ISBN: B07NKWGLHJ)

Doxology (English Edition)

 (1)
Erschienen am 27.08.2019
Cover des Buches The Wallcreeper (ISBN: 9780008130886)

The Wallcreeper

 (1)
Erschienen am 10.03.2016

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Nell Zink

Cover des Buches Virginia (ISBN: 9783499271403)
SotsiaalneKeskkonds avatar

Rezension zu "Virginia" von Nell Zink

The Old Dominion State
SotsiaalneKeskkondvor 7 Monaten

Peggy, eine überzeugte Lesbe besucht ein Frauencollege im Virginia der Sechziger. Dort unterrichtet auch Lee, schwuler Literaturprofessor und Sohn einer wohlhabenden und alteingesessenen Familie. So weit so gut, doch plötzlich beginnen die beiden eine stürmische Liebesbeziehung, aus der rasch eine Ehe und zwei Kinder, Byrdie und Mickie, hervorkommen. Doch die Ehe scheint ein einziger Interessenkonflikt und dementsprechend lange hält die Ehe auch. Peggy bricht aus, packt ihre Tochter Mickie ein, und flieht in den Südosten Virginias, um sich dort ein neues Leben als schwarze Mutter mit einer schwarzen Tochter aufzubauen. 

Das Reizvolle an dem Buch war für mich von Anfang an, die Aussicht, dass das angestammte Bild von Vorstadtleben mit Mutter, Vater, Kind, das wir alle beim Gedanken an das Amerika der Sechziger und Siebziger vor Augen habe, rasch auf radikale Art und Weiße auf den Kopf gestellt werden würde. Und dementsprechend dauerte es nicht lange, bis die Autorin ihre Leserschaft mit unkonventionellen Gedankengängen und Taten ihrer Protagonistin schockiert. Das Faszinierende dabei ist dann aber auch, dass Nell Zink darauf verzichtet, sich intensiver damit zu beschäftigen, den Finger in die Wunde der damaligen konventionellen Missstände zu legen, sondern einfach mit rasantem Tempo im Leben Peggys weiter voranschreitet. Ungewöhnlich und stilistisch einzigartig. Im Generellen schafft es Nell Zink ihre Protagonist:innen so zu gestaltet, dass diese zwar als lebensechte und nahbare Sympathieträger erscheinen, auch wenn ich beim Lesen immer wieder das Gefühl hatte, dass diese bewusst ein wenig auf Distanz gehalten werden, um so Gefäße für die Rebellion und das Dasein einer ganzen Generation an Menschen zu schaffen, die aus der Norm ihrer jeweiligen Mehrheitsgesellschaft fallen und deren Leben deshalb in jeglicher Weiße aus der Norm fällt. Und dies ist meiner Meinung nach gut gelungen. Und so findet man auf der einen Seite dutzende Denkanstöße darauf, was in den Köpfen der damaligen Amerikaner:innen, aber auch in denen vieler noch heute lebenden, eigentlich falsch läuft. Darüber hinaus findet man sich auch immer wieder Stellen, an denen man sich selbst in den Protagonist:innen wieder erkennt. Das Ende hat mich allerdings ein wenig enttäuscht, denn dieses erschien mir viel zu rasch abgehandelt und ich fand mich stellenweise ein wenig ratlos und alleingelassen. Kurzum: das Ende war für meinen Geschmack zu kurz, gehetzt und ein wenig realitätsfremd - also auf dem Level, bei dem bei mir eine unsichtbare Grenze des Wohlbefindens überschritten wurde. 

Dennoch ist das Buch definitiv ein must read und ich bin beinahe rundum begeistert. 

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Cover des Buches Nikotin (ISBN: 9783499290817)
mapefues avatar

Rezension zu "Nikotin" von Nell Zink

“Eine Wirklichkeit, so wandelbar wie Rauch.“
mapefuevor einem Jahr

Nell Zink lädt in ihrem Roman in ein besetztes Haus. Eine Realistin blickt auf irre Verhältnisse.

Vorgeschichte. 1985. Im kolumbianischen Cartagena trifft die dreizehnjährige Amalia einen mittelalter (51) Amerikaner (Norm) auf einer Müllkippe. Dort wird sie nie wieder zurückkehren, denn Norm wird Amalia adoptieren. 

2005. Penny, Tochter von Amelia und Norm ist 12 Jahre alt, ihr Halbbruder Matt, Müllwagendesigner, 36, drei Jahre älter als seine Stiefmutter Amalia.

Elf Jahre später liegt Norm im Sterben. Nach dem Tod des von Penny geliebten Vaters erfährt sie von einer weiteren Immobilie in seinem Besitz. Nach einem Brand wegen einer vergessenen Zigarette stand es lange Jahre leer. Ein Gebäude in New Jersey mit einem „Monster“; in einem Zimmer stapeln sich Eimer voll mit Exkrementen. Inzwischen hat sich im "Nikotin", so der Name des Hauses ein buntes Grüppchen „netter rauchender Anarchisten“ wohnlich eingerichtet: Sorry aus dem Westjordanland wurde von einem fehlenden Visum daran gehindert, die Revolution in Afghanistan anzuführen, die Malerin Anka verschenkt ihre Bilder und arbeitet mit Aids-Kranken, der gutaussehende Rob bastelt in der Garage an Fahrrädern herum und die Dichterin Jazz trocknet auf dem Dachboden Tabakpflanzen und lebt mit großem Enthusiasmus ihre Sexualität aus. Penny, arbeits- und bald obdachlos ist fasziniert von diesen schrulligen Typen. Sie hat sich auf den ersten Blick in Rob verliebt, doch dieser will keinen Sex mit ihr. Ist er schwul oder impotent? nein einfach nur asexuell.

Doch Sex steht höher im Kurs als Ideologien, auch Matt, der das Haus noch niederreißen wollte, hat in Jazz seine ideale Gespielin gefunden. Nach einer Katastrophe wandelt sich der rohe Matt vom Saulus zum Paulus. Jazz ist geflohen und Matt begibt sich auf die Suche nach ihr.

Die verschiedenen Arten von Liebe spielen eine große Rolle, es geht um komplexe Familienstrukturen, um liebenswerte Außenseiter, Protestbewegungen, um Tod und Abschied, um Glaube und Spiritualität. Ohne Übertreibungen strahlt der Roman eine kompromisslose Direktheit aus, zu verkraften sind extreme Seltsamkeiten.

Der Roman bietet gute Unterhaltung und als Europäer kann man sich an dieser Momentaufnahme der amerikanischen Gesellschaft ergötzen und für einen oder eine der Hausbesetzer/-innen Sympathie gewinnen.

"Das Buch ist Jonathan Franzen (er kämpft mit seiner Nikotinsucht) gewidmet." Nell Zink

Das Leben lebt! Alles ist eins!


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Cover des Buches Virginia (ISBN: 9783499271403)
mapefues avatar

Rezension zu "Virginia" von Nell Zink

Provokante Gesellschaftssatire mit finsterem Humor
mapefuevor 2 Jahren

Verklemmtheit in den frühen 60er Jahren im US-Südstaat Virginia. Selten derart stilistisch Beeindruckendes gelesen:
…aber nun fing er an zu überlegen, ob er wirklich Jungs mochte oder nur die falschen Mädchen kennengelernt hatte.
…und am nächsten Nachmittag heirateten sie für fünfzehn Dollar.

Er: Lee ist der schwule Spross einer konservativen WASP-Familie.
Sie: Peggy fühlt sich zu Frauen hingezogen.

Lee ist mit Emily im indischen Hängebett zugange und steigt bekleidet mit einem engen Netzhemd mit einem Jungen ins Kanu. Lee hatte gedacht, seine Homosexualität sei vielleicht ein gewaltiger Tippfehler. Peggy fährt Lees unersetzlichen VW-kurierwagen Langsam und entschlossen in den See. Ich vermute, das Auto auf dem Cover ist kein VW, aber der See könnte der Salton Sea sein, obwohl er in Kalifornien ist. Die Familienkrise bricht aus.

Peggy hat ihre Flucht vorbereitet und will beide Kinder mitnehmen, doch nur Mickie dabei, für die sie sich die Papiere eines toten schwarzen Mädchens erschwindelt. Fortan gilt die hellblonde Tochter als schwarz und heißt Karen. Und als "Schwarze" leben Mutter Meg und Tochter nun unerkannt in dem kleinen Ort in Virginia, wo sie sich in einem leerstehenden Haus Nachfragen nach ihrem Verbleib entziehen.

Eine Coming-of-Age-Geschichte als Satire über Geschlechterrollen, Rassenzugehörigkeit, College-Leben und ein Schluss Slapstick-Krimi mit Situationskomik und Wortwitz. 

Cover
Die Vorlage für das Cover stammt aus einer Fotoserie von Sean Murphy, Salton Sea, California, USA. Titel: Young man with mobile phone sitting on roof of car in water, wobei der Verlag den jungen Mann wegretuschiert hat; somit ist das „car in water“ übriggeblieben.

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