Ngugi wa Thiong'o Herr der Krähen

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Inhaltsangabe zu „Herr der Krähen“ von Ngugi wa Thiong'o

Der kenianische Schriftsteller Ngugi wa Thiongo zählt zu den wichtigsten Erzählern Afrikas. Sein Roman ›Herr der Krähen‹ ist der Afrikaroman des 21. Jahrhunderts, eine sehr amüsante Satire auf den Prototypen des afrikanischen Despoten. In Aburiria soll das 'Marching to Heaven' entstehen, ein gigantisches Bauwerk, das Himmel und Erde verbindet. Der Herrscher von Aburiria will sich damit ein monumentales Denkmal setzen. Besonders seine Minister Machokali und Sikiokuu wollen vom Ruhm profitieren und buckeln darum umso ergebener. Als der Herrscher in die USA reist, um bei der Global Bank Geld für den Bau zu leihen, wird er von einer mysteriösen Krankheit überrascht, er bläht sich wie ein Ballon auf und hängt seither unter der Zimmerdecke. Kein Arzt kann ihm helfen, nur der ›Herr der Krähen‹, der über Zauberkräfte verfügt und als Heiler und Wahrsager zu Ruhm gelangt.

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    Herr der Krähen

    walli007

    07. April 2013 um 10:16

    Eigentlich sucht Kamiti nur Arbeit. Doch von Titus Tajirika, dem Vorsitzenden des großen Bauvorhabens "Marching to Heaven", wird er rüde abgewiesen. Denn dieser führt ihn zur Hintertür, wo ein Schild angebracht ist, auf dem steht "Keine Stellen frei, komm morgen wieder." Niedergeschlagen kehrt Kamiti zu seinem Unterschlupf zurück, den er bei Nyawira, Titus´ Sekretärin gefunden hat. Vor dem Baubüro bilden sich indessen lange Schlangen, zum einen aus denen bestehend, die sich mittels Bestechung Aufträge verschaffen wollen, zum anderen aus dem Heer der Arbeitssuchenden bestehend. Überwältigt von der Wirkung der Ankündigung des Bauvorhabens auf seinen Geldbeutel verfällt Titus in eine seltsame Krankheit. Und zunächst aus einen Rachegedanken heraus, dann doch mehr aus Mitleid, wird der Herr der Krähen, der große Heiler geboren. Jeder ist hier nur auf seinen Vorteil bedacht, vom allmächtigen Herrscher angefangen bis zum kleinen Beamten. Sie versuchen an das Geld der Global Bank zu kommen, die Kredite für den Bau geben soll. So bekriegen sie sich alle gegenseitig. Mal wird dieser verhaftet, mal jener. Keiner scheint den Überblick zu behalten und immer wieder taucht die seltsame Krankheit auf, bei der nur der Herr der Krähen helfen kann, indem er den Kranken einen Spiegel vorhält und sie zur Selbsterkenntnis zwingt. Kann irgendetwas in diesem korrupten Land zum Besseren gewendet werden. Es scheint schwierig, wenn nicht unmöglich. Die Erfahrung lehrt uns, dass es in der Politik, die oft von der Gier beherrscht wird, selten zu einer positiven Revolution kommt. Denn meist werden auch die Revolutionäre schnell korrumpiert. Diese Satire auf das politische System dieses fiktiven Landes macht uns nichts anderes klar. Da werden Figuren letztlich nur ausgetauscht und für das Volk ändert sich nichts, es überlebt.

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  • Rezension zu "Herr der Krähen" von Ngugi wa Thiong'o

    Herr der Krähen

    Gospelsinger

    31. October 2011 um 18:58

    Afrikanische Despoten hatten schon immer die Neigung, unnütze Prestigebauten zu errichten, aber der Herrscher des fiktiven afrikanischen Staates Aburiria setzt dem Fass die Krone auf. Er plant das irrwitzige Projekt „Marching to Heaven“, einen neuen Turmbau zu Babel. Dazu braucht er mehr Geld, als er aus seinen Untertanen herauspressen kann, also wendet er sich an die „Global Bank“, die ihren Sitz in New York hat. Die will aber Beweise, dass Aburiria ein demokratischer Staat ist… Gleichzeitig verzweifelt der sehr gut ausgebildete Kamiti an seiner erfolglosen Arbeitssuche in Aburiria. Als er bei seiner neuesten Bewerbung auch noch übel verspottet wird, eröffnet sich ihm durch Zufall eine ganz andere Möglichkeit, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er wird zum Seher und Heiler; er ist der Herr der Krähen. Damit wird er einerseits zu einem gefragten Ratgeber, gerade auch der herrschenden Schicht, zum anderen aber auch ein Sündenbock für das, was im Land schiefläuft und die Geldzusage der Global Bank behindern kann. So wird der Herr der Krähen auch für die überall im Land entstehenden Schlangen verantwortlich gemacht. Sobald die Bevölkerung von dem Projekt „Marching to Heaven“ hörte, bildeten sich zwei Typen von Schlangen: Die der Arbeitsuchenden und die Schlange derjenigen, die mittels Bestechungsgelder ihren Anteil am Kuchen sichern wollen. Und schon bricht das Chaos im Land los. Intrigen, Neid, eine ganz eigene Auffassung von Demokratie, die in Morde an politischen Gegnern gipfelt, Voodoo und eine Verwicklung nach der anderen verbinden sich zu einem bizarren Roman. Ganz ehrlich gesagt: Das Buch hat ein paar Längen. Die Intrigen sind mir zu ausufernd beschrieben, dafür hätte ich lieber mehr über die Frauen erfahren. Davon abgesehen ist dieses Buch, das alle Themen des modernen Afrika versammelt, absolut lesenswert. Im Buch ist ohne Weiteres erkennbar, dass der Autor seine schlechten Erfahrungen mit dem kenianischen Diktator Daniel arap Moi verarbeitet hat. Aber auch auf andere afrikanische Potentaten, wie dem togoischen Diktator Gnassingbé Eyadema, passt die Beschreibung des Herrschers von Aburiria. Den Größenwahn, die persönliche Bereicherung an von außen kommenden Geldern, die Unterdrückung der Bevölkerung, die Unfähigkeit zur Demokratie, das chauvinistische Frauenbild und den Glauben an Magie, an Voodoo, haben alle afrikanischen Diktatoren gemeinsam. Ich hoffe, dass dieses außergewöhnliche Buch, das den afrikanischen Kontinent aus einem satirisch überspitzten, aber realistischen Blickwinkel zeigt, viele Leser findet.

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