Ngugi wa Thiong'o Herr der Krähen

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Inhaltsangabe zu „Herr der Krähen“ von Ngugi wa Thiong'o

Ausgangspunkt dieses geistreichen satirischen Romans ist das gigantische Bauvorhaben „Marching to Heaven“, ein moderner Turmbau zu Babel, das dem despotischen Herrscher der fiktiven Freien Republik Aburiria Weltgeltung verschaffen und ein monumentales Denkmal setzen soll.
Der Herrscher ist umgeben von persönlichen Beratern, allen voran den Ministern Machokali und Sikiokuu, die ständig darum bemüht sind, dem gottgleichen Herrscher ihre Ergebenheit zu beweisen und sich eine vorteilhafte Position zu sichern. Das Bauprojekt „Marching to Heaven“ jedoch kann nur mit einem Kredit der Global Bank in New York realisiert werden.
Als Titus Tajirika zum ersten Vorsitzenden des Baukomitees für „Marching to Heaven“ ernannt wird, bilden sich vor dessen Büro zwei endlose Warteschlangen – eine aus denjenigen, die auch ein Stück vom Kuchen abbekommen wollen (indem sie Umschläge voller Bargeld zurücklassen), und eine, die sich aus den zahllosen Arbeitslosen des Landes speist. Diese Menschenschlangen entwickeln sich bald zu einer landesweiten Epidemie.
Während der Herrscher und sein Außenminister Machokali in die USA reisen, um positiv auf die Vertreter der Global Bank einzuwirken, gerät Tajirika ins Blickfeld von Staatsminister Sikiokuu. Die Delegation in New York hingegen sieht sich einer plötzlich auftretenden, rätselhaften Krankheit des Herrschers gegenüber. Hoffnung verspricht allein der unfreiwillig zu Ruhm und Ansehen aufgestiegene Herr der Krähen – ein Zauberer, Heiler und Wahrsager.
"Herr der Krähen" ist eine lebendige, ausdrucksstarke Satire über den Prototyp des afrikanischen Despoten, die mit tiefgründigem Humor die Lebensbedingungen in einer zunehmend globalisierten Welt thematisiert. Ngugi wa Thiong’o gelingt mit diesem Roman eine umfassende Parabel auf die sozialen, politischen und kulturellen Verhältnisse auf dem afrikanischen Kontinent und dessen Beziehung zum Westen.

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    Herr der Krähen

    walli007

    07. April 2013 um 10:16

    Eigentlich sucht Kamiti nur Arbeit. Doch von Titus Tajirika, dem Vorsitzenden des großen Bauvorhabens "Marching to Heaven", wird er rüde abgewiesen. Denn dieser führt ihn zur Hintertür, wo ein Schild angebracht ist, auf dem steht "Keine Stellen frei, komm morgen wieder." Niedergeschlagen kehrt Kamiti zu seinem Unterschlupf zurück, den er bei Nyawira, Titus´ Sekretärin gefunden hat. Vor dem Baubüro bilden sich indessen lange Schlangen, zum einen aus denen bestehend, die sich mittels Bestechung Aufträge verschaffen wollen, zum anderen aus dem Heer der Arbeitssuchenden bestehend. Überwältigt von der Wirkung der Ankündigung des Bauvorhabens auf seinen Geldbeutel verfällt Titus in eine seltsame Krankheit. Und zunächst aus einen Rachegedanken heraus, dann doch mehr aus Mitleid, wird der Herr der Krähen, der große Heiler geboren. Jeder ist hier nur auf seinen Vorteil bedacht, vom allmächtigen Herrscher angefangen bis zum kleinen Beamten. Sie versuchen an das Geld der Global Bank zu kommen, die Kredite für den Bau geben soll. So bekriegen sie sich alle gegenseitig. Mal wird dieser verhaftet, mal jener. Keiner scheint den Überblick zu behalten und immer wieder taucht die seltsame Krankheit auf, bei der nur der Herr der Krähen helfen kann, indem er den Kranken einen Spiegel vorhält und sie zur Selbsterkenntnis zwingt. Kann irgendetwas in diesem korrupten Land zum Besseren gewendet werden. Es scheint schwierig, wenn nicht unmöglich. Die Erfahrung lehrt uns, dass es in der Politik, die oft von der Gier beherrscht wird, selten zu einer positiven Revolution kommt. Denn meist werden auch die Revolutionäre schnell korrumpiert. Diese Satire auf das politische System dieses fiktiven Landes macht uns nichts anderes klar. Da werden Figuren letztlich nur ausgetauscht und für das Volk ändert sich nichts, es überlebt.

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  • Rezension zu "Herr der Krähen" von Ngugi wa Thiong'o

    Herr der Krähen

    Gospelsinger

    31. October 2011 um 18:58

    Afrikanische Despoten hatten schon immer die Neigung, unnütze Prestigebauten zu errichten, aber der Herrscher des fiktiven afrikanischen Staates Aburiria setzt dem Fass die Krone auf. Er plant das irrwitzige Projekt „Marching to Heaven“, einen neuen Turmbau zu Babel. Dazu braucht er mehr Geld, als er aus seinen Untertanen herauspressen kann, also wendet er sich an die „Global Bank“, die ihren Sitz in New York hat. Die will aber Beweise, dass Aburiria ein demokratischer Staat ist… Gleichzeitig verzweifelt der sehr gut ausgebildete Kamiti an seiner erfolglosen Arbeitssuche in Aburiria. Als er bei seiner neuesten Bewerbung auch noch übel verspottet wird, eröffnet sich ihm durch Zufall eine ganz andere Möglichkeit, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er wird zum Seher und Heiler; er ist der Herr der Krähen. Damit wird er einerseits zu einem gefragten Ratgeber, gerade auch der herrschenden Schicht, zum anderen aber auch ein Sündenbock für das, was im Land schiefläuft und die Geldzusage der Global Bank behindern kann. So wird der Herr der Krähen auch für die überall im Land entstehenden Schlangen verantwortlich gemacht. Sobald die Bevölkerung von dem Projekt „Marching to Heaven“ hörte, bildeten sich zwei Typen von Schlangen: Die der Arbeitsuchenden und die Schlange derjenigen, die mittels Bestechungsgelder ihren Anteil am Kuchen sichern wollen. Und schon bricht das Chaos im Land los. Intrigen, Neid, eine ganz eigene Auffassung von Demokratie, die in Morde an politischen Gegnern gipfelt, Voodoo und eine Verwicklung nach der anderen verbinden sich zu einem bizarren Roman. Ganz ehrlich gesagt: Das Buch hat ein paar Längen. Die Intrigen sind mir zu ausufernd beschrieben, dafür hätte ich lieber mehr über die Frauen erfahren. Davon abgesehen ist dieses Buch, das alle Themen des modernen Afrika versammelt, absolut lesenswert. Im Buch ist ohne Weiteres erkennbar, dass der Autor seine schlechten Erfahrungen mit dem kenianischen Diktator Daniel arap Moi verarbeitet hat. Aber auch auf andere afrikanische Potentaten, wie dem togoischen Diktator Gnassingbé Eyadema, passt die Beschreibung des Herrschers von Aburiria. Den Größenwahn, die persönliche Bereicherung an von außen kommenden Geldern, die Unterdrückung der Bevölkerung, die Unfähigkeit zur Demokratie, das chauvinistische Frauenbild und den Glauben an Magie, an Voodoo, haben alle afrikanischen Diktatoren gemeinsam. Ich hoffe, dass dieses außergewöhnliche Buch, das den afrikanischen Kontinent aus einem satirisch überspitzten, aber realistischen Blickwinkel zeigt, viele Leser findet.

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