Fuchsteufelsstill

von Niah Finnik 
3,9 Sterne bei45 Bewertungen
Fuchsteufelsstill
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (32):
Daniel_Allertseders avatar

Überragend gut! Einfach ein toller Roman, der mir mit all seinen Facetten gefallen hat!

Kritisch (5):
jessikrimskramss avatar

Die Story hatte Potential, aber letzten Endes hat sie mich leider nicht überzeugt.

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Inhaltsangabe zu "Fuchsteufelsstill"

Niemand ist normal, ohne verrückt zu sein

Die siebenundzwanzigjährige Juli steht mitten im Leben – manchmal sogar ein bisschen zu sehr. Sie ist Autistin und jeder Tag bedeutet eine gewaltige Masse an Emotionen, die es zu meistern gilt. Als Juli nach einem missglückten Suizidversuch auf eine psychiatrische Station kommt, trifft sie dort auf die überschwänglich-herzliche Sophie und auf Philipp, der mal mehr und mal weniger er selbst, aber stets anziehend für Juli ist. Die drei nehmen Reißaus und verbringen ein gemeinsames Wochenende, nachdem nichts mehr so ist wie zuvor.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783961010035
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:304 Seiten
Verlag:Ullstein fünf
Erscheinungsdatum:07.04.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Daniel_Allertseders avatar
    Daniel_Allertsedervor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Überragend gut! Einfach ein toller Roman, der mir mit all seinen Facetten gefallen hat!
    Überragend gut! Einfach ein toller Roman, der mir mit all seinen Facetten gefallen hat!

    Meine Meinung

    Allein schon das Cover! Als ich das Buch das erste Mal in den Vorschauen des Verlages Ullstein gesehen habe, haben sich diese Farben und dieses Motiv in mein Erinnerungsvermögen eingebrannt: Ein Fuchs mit grauem Fell, auf den Boden zuhüpfend, der Kopf teils im Schnee verschwunden, nicht sichtbar, die Ohren herausstehend, überall weiß, die Schrift in türkiser Koloration gehalten – ein Meisterwerk eines zeitgenössischen Covers, ein Feuerwerk für die Augen – wahrlich sensationell!

        Genauso sensationell ist der Inhalt des Romans "Fuchsteufelstill" der deutschen Autorin Niah Finnik. Der Roman ist – gleich zu Beginn zusammenfassend – herausragend und großartig! Besonders eingehen möchte ich auf den Schreibstil der jungen Autorin – abwechslungsreich, dynamisch, literarisch hochwertig, sehr ausführlich und frech, keck und mit nonchalanten Zügen. Niah Finnik konnte mich mit ihrer herzlich ehrlichen Art sofort von sich überzeugen; ihr Schreibstil ist flüssig, einfach frisch und lebhaft; ohne seitenlangen Ausschweifungen, immer auf den Punkt gebracht, und literarisch wahrlich unterhaltend! Besonders auffällig war die Sicht auf die Welt, die Gesellschaft, auf das Vaterland und auf die unterschiedlichen Systeme, die in unserem Heimatland gepflegt werden, die von Niah Finnik so liebevoll und herzerwärmend vermittelt und kommuniziert werden. Niah Finnik nämlich hat das Asperger-Syndrom, wodurch der Stil des Romans sehr dadurch geprägt wird. Eine umfassende Ansicht auf Alles, ein humorvolles und sehr spannendes Gespür für Details, auf einer hohen Abstraktionsebene verfasst, mit schönen und interessanten Neuentdeckungen gewisser Umstände, die man sich so nie erdacht hätte. Die Autorin schreibt klug, wenn nicht sogar intellektuell, mit schönen, abwechselnden "Designelementen", die die Story wahrlich unterstreichen. Die Story, die darf man selbstverständlich nicht vergessen, ist, wie das Cover und der Schreibstil, nun das dritte fantastische Bauteil in dieser Runde der drei fantastischen Konformitäten im Gewand von "Fuchsteufelsstill": Niah Finnik hat ihre Hauptfigur Juli mit liebevollen, ganz in der Kreativität verwurzelten Zügen gesegnet, die weiteren Figuren, die nicht nur als Deuteragonisten zu verstehen sind, sind ebenfalls krasse Personen mit kuriosen Charakterzügen. Diese drei; Juli, Sophie und Phillip bilden ein beeindruckendes Trio, die gen Süden wandern, der Angst entgegen. Auf deren Reise treffen sie Personen und Menschen aller Art, wir lernen die Emotionen und Gedankengänge der Protagonisten kennen, verfolgen deren Odyssee zur Angst und enden in einem fulminanten, sehr spannenden Ende, welches mich unter anderem sprachlos zurückgelassen hat. Niah Finnik konnte mich, gerne nochmals kurz wiederholend, unglaublich überzeugen - ein absolutes Highlight im Jahre 2018 – und wir haben erst Juni! Das Buch, welches beim Imprint Ullstein fünf erschienen ist (welches ich, so ganz nebenbei, sehr schätze, da zeitgenössische, deutschsprachige Literatur großartig ist und das Imprint mit einem tollen Konzept dieses vertritt) ist die Erfahrung wert – lernen Sie, ebenso wie ich, Juli, Sopie, Phillip – und vor allem: Niah – kennen.

    Fazit

    Ein herausragender, ganz wundervoller Roman, der mich sofort überzeugen konnte. Durchgehend interessante Details, eine Sicht auf die Umwelt wie von einem Mikroskop fokussiert, mit einem tollen Schreibstil und einem beeindruckenden Cover – ganz klar empfehlenswert!

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    BubuBubus avatar
    BubuBubuvor 6 Monaten
    Tolles Debut mit einer außergewöhnlichen Protgagonistin

    Nach einem gescheiterten Suizidversuch begleiten wir die 27-jährige Autistin Juli auf ihrem Weg zu einer psychiatrischen Tagesklinik. Dort hat sie sich einweisen lassen und soll sich dort mit ihren Ängsten konfrontieren. Juli zähl gerne, merkt sich alles und ist generell ziemlich anders als andere Menschen. Sie lässt sich nicht gerne anfassen und mit Gefühlen kann sie auch nur schwer umgehen. Am liebsten erklärt sie die Welt mit Zahlen und Formeln.
    Doch vieles, insbesondere Menschen, bleiben ihr unerklärbar.
    In der Klinik freundet sie sich mit der bipolaren Sophie und dem schizophrenen Phillip an. Als an einem Tag einer ihrer Mitpatienten nicht auftaucht, gehen sie gemeinsam zu seiner Wohnung. Ein Wochenende außerhalb der Klinik beginnt und die drei versuchen im Norden, der Gegenrichtung von Julis Angst, herauszufinden was dort ist…

    "Kennst du einen Autisten, kennst du genau einen Autisten."
    S. 171

    Die Autorin Niah Finnik ist selbst Asperger -Autistin und hat (vermutlich) eigene Erfahrung mit in das Buch einfließen lassen.
    Die Protagonistin Juli ist anders als viele Charaktere, die ich bisher kennengelernt habe. Sie ist seltsam und gleichzeitig erreichbar und unerreichbar.  Sie nimmt die Welt völlig anders wahr als andere Menschen, und das macht für mich die Reise mit ihr durch Berlin und in die Tagesklinik so lesenswert. Ehrlich und offen versteht sie die Welt und Gefühle nicht und nimmt als wörtlich. Ihre Begegnungen in der Klinik sind wundervoll beschrieben. Der Schreibstil und unverblümt und direkt, genau wie die Charaktere und die Geschichte.

    "Es ist viel schwerer, jemanden davon zu überzeugen, normal zu sein, als jemanden davon zu überzeugen, dass man verrückt ist."
    S.27

    Bei vielen ihrer Gedanken musste ich schmunzeln, warum darf man mit Arbeitskollegen im Bikini ins Schwimmbad gehen aber nicht im Bikini zur Arbeit kommen? Warum ist etwas wie es ist und warum machen Menschen das? Bei manchen Dingen habe ich mich selbst gefragt, warum.
    Der Roman ist gespickt mit vielen starken Sätzen, Ich habe mir viel angestrichen und rausgeschrieben. Niah Finnik hat einen tollen, unromantischen und teilweise witzigen und traurigen Roman geschrieben. Wir begleiten drei Menschen, für die das Leben anders ist, für die das Leben viel schwieriger ist als für gesunde Menschen und dabei gelingt es der Autorin trotz schwieriger und in Deutschland leider immer noch stigmatisierten Thematik einen wundervollen Roman zu schreiben.

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    Bibliomanias avatar
    Bibliomaniavor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Außergewöhnlich!
    Fuchsteufelsstill

    Dies war nun schon das zweite Buch, das in irgendeiner Weise mit Autismus zu tun hatte. Das erste hatte einen autistischen Jungen zur Hauptfigur, Niah Finnik ist selbst mit dem Asperger-Syndrom diagnostiziert. Ihren Text zu lesen ist erstaunlich, aufwühlend und mitfühlend.
    Nach einem Selbstmordversuch kommt Juli in eine psychiatrische Tagesklinik und lernt dort ein anderes Leben kennen. Sie verbringt die Nächte in ihrer eigenen Wohnung, hat jedoch einfach eine unermessliche Angst vor allem. Besonders davor Menschen und deren Gefühle zu lesen. Sie kann es nicht. In der Klinik lernt sie Sophie und Philipp kennen, mit denen sie mehr durch Zufall ein Wochenende verbringt, das ihre ganze Welt in Aufruhr bringt.
    Eine faszinierende Welt, die Niah Finnik in ihrem Debüt beschreibt. Eine Welt, wie sie sich Menschen ohne Asperger oder Autismus kaum vorstellen können. Welche Ängste diese Menschen ausstehen müssen, wieviel Unverständnis, kein Wunder, dass die Welt für Betroffene ein einziges Wirrwarr und einfach nur beängstigend ist.
    Natürlich ist die Sprache absolut außergewöhnlich. Zu wissen, dass diese Geschichte das Leben für manche bedeutet, ist schwer vorstellbar. Gleichzeitig haben ja nicht wenige Autisten Insel-Begabungen. Auch Juli weiß viel mit Zahlen und Fakten anzufangen, kann sich sehr viele, komplizierte Formeln und Zahlen problemlos merken, aber Sarkasmus treibt sie an die Grenze.
    Ein eindringliches Buch, das eine ganz andere Welt eröffnet, toll!

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    Paulina95s avatar
    Paulina95vor einem Jahr
    Zwiegespalten

    Nachdem ich das Buch beendet habe, muss ich sagen, dass es mich etwas zwiegespalten zurückgelassen hat. Einerseits nimmt es sich sehr wichtigen (Tabu-)Themen an, wie dem Anderssein, psychischen Krankheiten und der Frage, was ist eigentlich normal. Außerdem zeigt Niah Finnik uns eine besondere Perspektive auf die Welt, da sie und ihre Protagonistin Autistinnen sind. Immer wieder glänzt die Autorin darüber hinaus mit sehr nachdenklich stimmenden und intelligenten Passagen. Das alles hat mir wirklich zugesagt. Allerdings hat mir die doch ziemlich abgehobene Handlung das Lesevergnügen etwas verleidet. Da hätte etwas mehr Realitätsnähe ganz gut getan. 

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    zwischen_meinen_zeilens avatar
    zwischen_meinen_zeilenvor einem Jahr
    Eine ganz andere, famose Weltsicht!


    Sowohl das Cover als auch die vielen Blogs, die das Buch empfohlen hatten, machten mich neugierig. Ich stelle fest, dass ich oft auf die Blogs höre, aber bisher wurde ich nicht enttäuscht. Denn auch dieses ein wenig gehypte Buch ist wirklich gut.


    Protagonistin ist Juli, die sich vor 62 Tagen das Leben nehmen wollte und nun einen Therapieplatz in einer Tagesklinik bekommen hat. Sie ist Autistin, merkt sich alles, was sie sieht und zählt gern Dinge. Menschen erscheinen ihr oft unlogisch und sie wird nicht gern angefasst. Sie mag Routine und wird von kleinsten Änderungen im Tagesablauf aus dem Konzept gebracht. Ihre Gedanken schweifen sehr oft ab, wachsen sich zu richtigen Tagträumen aus. Ihr Problem ist, dass sie dauernd Angst hat, vor allem Möglichen. In der Klinik trifft sie Sophie, die bipolar ist und Philipp, der als schizophren diagnostiziert wurde. Die drei freunden sich an. Eines Freitags bemerkt Juli, dass ein Patient fehlt und sie machen sich auf zu dessen Wohnung. Er hat sich umgebracht und nun liegt das einsame Wochenende vor ihnen. Um nicht allein zu sein, beschließen sie, zusammen zu bleiben und sich immer nach Norden zu bewegen, damit sie herausfinden können, was in der Gegenrichtung von Julis Angst liegt. Also folgen sie dem Kompass durch Berlin.


    „Manchmal rutschte ich auf Einsamkeit aus, knallte gegen Ablehnung oder splitterte an Niederlagen. Diese Verletzungen entzündeten sich schnell, Pflaster gab es dafür keine, stattdessen verzerrten sie die Wahrnehmung und fingen irgendwann an zu verwirren.“


    Ein wirklich gutes, interessantes, ungewöhnliches Buch. Viele starke Sätze über das Leben an sich, über Menschen, die Juli irgendwie von außen betrachtet. Der Beitrag hätte auch einfach aus Zitaten bestehen können, aber ich denke, das eine reicht, um euch neugierig zu machen. Man erfährt aber auch Interessantes über Psychosen und über das Erleben einer Autistin. Die Autorin hat das Asperger-Syndrom, was ihren Text prägt. Genau deshalb ist er glaubhaft. Es gibt auch ein bisschen „Romantik“, ganz anders als sonst, aber trotzdem schön. Ein wahres Leseerlebnis. 

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    Leila_Jamess avatar
    Leila_Jamesvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Stellenweise zieht es sich etwas aber schöne Zitate zum Thema Angst und Panik
    Die Angst vor der Angst

    Aus meiner täglichen Arbeit weis ich wie schlimm die Angst vor der Angst ist. Julia hat ihre ersten Woche in einer Psychiatrischen Tagesklinik und lernt dort Sophie und Philipp kennen. Als Oskar ein andere mit Patienten eines Tages nicht auf der Station auftaucht macht sich das ungleiche Trio auf die Suche. Zwar finden Sie Oskar aber anders als erhofft und so läuft das Trio los; immer Richtung Norden. Sie erleben ein typisches Berliner Wochenende, dsss Juli ihre Angst eine Gestalt gibt während Philipp das Gefühl hat, dass er eine Gestalt verliert. Niah Finnik malt mit ihren Worten eine zarte ehrliche Welt in die sie die drei raus lässt. Viele Worte und Sätze sind mir im Kopf geblieben aber der schönste Satz ist dieser: Niemand war normal, ohne verrückt zu sein.

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    MadamePenumbras avatar
    MadamePenumbravor einem Jahr
    Kurzmeinung: Reden über Tabuthemen - Niah Finnik schafft das!
    Über Tabuthemen reden? Niah Finnik schafft das wie kein anderer.

    Es gibt viele Themen welche von der Gesellschaft tabuisiert werden und zu wenig Gehör finden. Noch besser ist es, wenn diese Themen der Kern mancher Bücher darstellen – wie ich Finnik’s „Fuchsteufelsstill“. Ich selbst wurde mit einer dementsprechenden Situation konfrontiert und habe mich in vielen Stellen des Buches wiedergefunden.

    Niah Finnik hat auf ehrlich und realistische Weise dem Leser das Thema rund um die psychischen Erkrankungen und deren Therapie nahe gebracht. Schonungslos und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen legt sie Tagesabläufe psychischer Erkrankungen offen, ebenso wie der Aufenthalt in der Tagesklinik. Und auch die Thematik soziale Beziehungen wird angesprochen, denn auch psychisch kranke Personen brauchen Freundschaften wie die Luft zum Atmen.

    Finnik’s Schreibstil ist sehr umgangssprachlich und leicht. Der Leser hat das Gefühl, die Geschichte von einer Freundin beim Kaffee erzählt zu bekommen, sodass es trotz der schwerwiegenden Problematik einen richtigen Lesegenuss darstellt. Einige der Kapitel waren mir etwas zu ausgedehnt und hätten besser noch einmal geteilt werden können.

    Das Cover ist wunderschön. Ich liebe Füchse und ich liebe die Farben … also genau mein Ding 

    Ich habe mich sofort mit Juli identifizieren können und musste des Öfteren schlucken, wenn sie ihre Geschichte offen gelegt hat. Ebenso sehr habe ich Sophia und Philipp lieb gewonnen und mit allen drei Charakteren gelitten.

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    buecherpandas avatar
    buecherpandavor einem Jahr
    Ehrlich und bewegend

    Inhaltsangabe

    Wir begleiten Juli
    , die 27-Jährige Autistin zu ihren ersten Tagen auf der psychatrischen Station. Nach ihrem gescheitertem Suizidversuch soll sie sich dort mit ihren Ängsten und Sorgen auseinandersetzen. Juli fällt es schwer, mit Gefühlen umzugehen, am liebsten erklärt sie sich die Welt mit Formeln und Zahlen, doch vieles bleibt für sie unerklärbar. Als Juli, die bipolare Sophie und der schizophrene Phillipp einen Mitpatienten tot auffinden, begeben sie sich auf eine Reise und erleben ein mal mehr mal weniger verrücktes Wochenend

    Niah Finniks Debütroman ist anders als man es im ersten Moment erwartet. Kurzzeitig hatte ich Angst es mit einem Buch zutun zu haben, das gespickt ist mit Vorurteilen und Klischees zu psychatrischen Krankheiten. Doch Niah Finnik weiß wovon sie spricht, denn auch sie hat das Asperger-Syndrom. Inwiefern sie sich mit ihrer Protagonistin Juli identifiziert, kann ich nicht sagen, denn wie es so schön in „Fuchsteufelsstill“ heißt:

    "Kennst du einen Autisten, kennst du genau einen Autisten." S. 171

    Juli ist gleichzeitig eine unnahbare und doch erreichbare Protagonistin. Sie sieht die Welt mit ganz anderen Augen, umkreist ihre Gefühle die vor ihr auf dem Boden stehen, nimmt alles wortwörtlich und versteht das Prinzip von Lügen nicht. Sie nimmt ihre Umgebung auf eine völlig andere Weise war, ungefilterter, was es ihr oft schwer macht, sich draußen aufzuhalten. Dort prasseln scheinbar unendlich viele Eindrücke gleichzeitig auf sie ein, Gerüche, Farben, Geräusche. Für Juli wirkt alles viel intensiver und sie braucht ihre Zeit sich mit allem auseinanderzusetzen. Deswegen vertraut sie auf ihre bisherige Routine, um das Gedankenkarussel in ihrem Kopf etwas zu verlangsamen. Aber genau das lässt sie umso ehrlicher und zugänglicher wirken. Sie ist ein bisschen wie ein kleines Kind, nimmt die Dinge wie sie sind, auch wenn sie es nicht nachvollziehen kann. Juli hat keine bösen Absichten dabei, es fällt ihr nur schwer, länger unter Menschen zu sein, da sie vieles nicht versteht. Warum kann man mit seinen Mitarbeitern im Schwimmbad über die Arbeit reden, aber nicht im Bikini zur Arbeit kommen? An einigen Stellen musste ich schmunzeln, denn in manchen Belangen hat Juli gar nicht mal so unrecht damit, dass gesellschaftliche Konventionen zum Teil wirklich seltsam sind.

    "Jeder durfte beurteilen, was gleichzeitig bedeutete, dass auch jeder beurteilt wurde. Das war die Angst, bewertet zu werden, und das war das blöde an der Freiheit." S. 195

    Niah Finniks Schreibstil ist wenig romantisch oder gefühlvoll, aber dafür umso packender und – ich weiß nicht, wie ich es anders ausdrücken soll – klug. Sie arbeitet mit vielen Metaphern und Vergleichen und ich habe mich wirklich gefühlt, als würde ich mit Juli durch die Stadt ziehen und alles so sehen, wie sie es wahrnimmt. Auf eine besondere Art und Weise reißt Niah Finniks Schreibstil einen mit sich und lässt uns den Freiraum über ihre Worte nachzudenken.

    "Es ist viel schwerer, jemanden davon zu überzeugen, normal zu sein, als jemanden davon zu überzeugen, dass man verrückt ist." S.27

    Fazit

    "Fuchsteufelsstill" ist ein großartiger Debütroman, den man unbedingt gelesen haben sollte. Er bietet uns einen einzigartigen Blick auf die Krankheitsbilder, die in unserer Gesellschaft doch noch mit vielen Vorurteilen belastet sind und zeigt, dass nicht immer alles was normal erscheint, auch tatsächlich normal ist.

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    -Leselust-s avatar
    -Leselust-vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Konnte leider meine (zugegeben) sehr hohen Erwartungen nicht ganz erfüllen. Dennoch ein interessantes und sehr authentisches Buch.
    Authentisch aber distanziert

    Kurzmeinung:
    Konnte leider meine (zugegeben) sehr hohen Erwartungen nicht ganz erfüllen. Dennoch ein interessantes und sehr authentisches Buch über das Besiegen von Ängsten und der Frage: Was ist schon "normal"?

    Meine Meinung:
    In diesem Buch werden viele wichtige Themen angesprochen. Es geht um Freundschaft und Liebe, um Ängste und um Tod. Aber vor allem geht es um die Frage, was eigentlich normal und was verrückt ist.
    Das geschieht allerdings, ohne die psychischen Leiden der drei Protagonisten zu sehr in den Fokus zu rücken. Ihre besonderen Stimmungen, Verhalten und Wahrnehmungen werden einfach als Teil von ihnen beschrieben, ohne sie zu bewerten. Und vor allen Dingen, ohne sie zu romantisieren. Das ist bei Büchern über psychische Störungen nämlich meiner Meinung nach oft die Gefahr. Jemand ist zum Beispiel Autist und wird als ganz besonders mit besonderen Fähigkeiten dargestellt. Es stimmt zwar, diesen Aspekte gibt es, aber die andere Seite, die Ausgrenzung und das Leid, wird dann oft vergessen. Nicht so in "Fuchsteufelsstill", wo eine sehr differenzierte Darstellung der Thematik erfolgt. Auch das Thema Suizid und seine Motive werden behandelt und auch sehr differenziert betrachtet. Das ist wirklich eine Gratwanderung, die Niah Finnik äußerst gut gelungen ist. Gerade der kühle, sachliche Blick mit dem die Protagonistin Juli die Dinge betrachtet ist sehr gut geeignet, solche schwierigen Themen darzustellen, ohne sie verklärt zu betrachten, aber auch nicht zu verurteilen.
    Auch der Aufenthalt in der Psychiatrie wird gut dargestellt. Die Ängste vor Stigmatisierung, die Anstrengungen, sich die ganze Zeit erklären und reflektieren zu müssen. Die Autorin, selbst Autisten, gibt sehr gute und authentische Einblicke und findet gute Metaphern für psychische Vorgänge.


    Was ist eigentlich normal?

    Und auch die Diskussionen, was als normal und was als "gestört" angesehen wird, ist sehr interessant. Wer legt die Definitionen fest? Sind diese Einteilungen naturgegeben oder doch nur Mensch gemacht? Diese eigentlich komplexen und schwierigen Gedanken werden aber immer mit einem Augenzwinkern dargestellt, sodass das Buch trotzdem keine schwere Lektüre ist.
    Herrlich fand ich zum Beispiel, als Juli sich wundert, warum Zwanghaftigkeit eine Störung ist, Intoleranz aber nicht. Kurzerhand schreibt sie einen imaginären DSM 5 Eintrag über Intoleranzitis. (S. 142) bei dem ich laut lachen musste.


    Es könnte so schön sein, aber...

    Das alles klingt ja nach einem großartigen Buch, oder? Und das könnte "Fuchsteufelsstill" auch sein. Warum gibt es dann "nur" drei Sterne, fragt ihr euch?
    Wegen des Schreibstils. Mit dem bin ich nämlich leider überhaupt nicht klar gekommen und der hat mich mit dem Buch kämpfen lassen und mir viel meiner Lesefreude genommen.
    Immer wieder schweift die Protagonistin Juli ab in Gedankenwelten, in die ich ihr einfach nicht folgen konnte oder wollte. Und dann wird das Lesen anstrengend.
    Autismus zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass das Gehirn die Umgebung ungefiltert wahrnimmt und die Betroffenen eine Informationsflut zu verarbeiten haben.
    Das macht die Gedankenausschweifungen, bei denen Juli von einem Aspekt zum nächsten, vom Hundertsten ins Tausendste kommt, zwar wahrscheinlich sehr authentisch, gleichzeitig hat es aber eben auch mein Lesevergnügen stark reduziert.
    Außerdem ist die nüchterne, analytische, manchmal fast schon emotionslose Schilderung zwar für viele der angesprochenen Themen sehr geeignet. Aber auf der anderen Seite sind mir dadurch die Charaktere auch nicht wirklich ans Herz gewachsen. Ich habe ihre Entwicklungen interessiert, aber doch eher distanziert verfolgt.

    Fazit:
    In "Fuchsteufelsstill" gelingt Niah Finnik eine authentische und differenzierte Darstellung von psychischen Störungen und menschlichem Leid. Doch trotzdem ist die Botschaft eine positive, da in jeder Zeile Hoffnung, Kampfgeist und Lebensfreude mitschwingen. Und auch ernste Themen werden mit einem Augenzwinkern dargestellt und lassen den Leser nicht nur einmal schmunzeln.
    So richtig gern gelesen habe ich das Buch leider trotzdem nicht, weil ich sehr mit dem Schreibstil zu kämpfen hatte und mir das ziemlich die Lesefreude verdorben hat.

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    BeeLus avatar
    BeeLuvor einem Jahr
    Die Angst lauert im Süden...

    Nach einem gescheiterten Suizidversuch kommt Juli in ein psychiatrisches Krankenhaus. In der Klinik trifft sie auf Sophie, die wegen ihrer bipolaren Störung dort ist und auf Philipp, der Schizophrenie hat. Der Klinikalltag und die Mitpatienten sind für die autistische Juli oftmals überfordernd und die neue Situation wirft ihre Sicherheit gebende Struktur völlig durcheinander. Als ein Mitpatient fehlt und die drei sich auf die Suche nach ihm machen, beginnt für alle ein verrückter Wochenendtrip durch die Stadt. Nach einem verstörenden Ereignis macht sich das Dreiergespann auf nach Norden, möglichst weit weg von Julis Ängsten, denn die Angst wartet im Süden. 

    Die Autorin weiß, wovon die berichtet, wenn sie Julis Sicht auf die Welt und ihre Eindrücke beschreibt. Niah Finnik ist selbst Autistin und nimmt den Leser auf sehr eindrückliche Weise mit in ihre Erlebniswelt! Die Angst ist ein ständiger Begleiter in Julis Leben, genauso wie die Tatsache, dass das Handeln und Verhalten der Menschen für sie oftmals unergründlich scheint und sie also mit eigenen Regeln und Formeln versucht, eine gewisse Klarheit im Leben zu erreichen. 
    Die Sprache finde ich wunderschön und hat mich wahrlich im Buch festkleben lassen. Die Gefühle, die Wahrnehmungen, sind so fremd und gleichzeitig bekannt und nachvollziehbar gewesen, ich habe mich an mehreren Stellen durchaus selbst erkennen können und war an anderen Stellen verwundert und erstaunt über Julis Sicht der Dinge. Das hat mich richtig fasziniert an dieser Geschichte und es zeigt auf, dass es einfach viele Facetten von Erleben gibt und wie intolerant die Gesellschaft gegenüber etwas ist, was nicht "der Norm" entspricht oder "anders" ist. Was ist überhaupt "normal"? Wer ist eigentlich "verrückt"? Diese Fragen werden hier aufgeworfen und der Leser ist eingeladen, sie für sich selbst zu beantworten und zu reflektieren. 
    Die Geschichte an sich ist etwas skurril und konnte mich zugegebenermaßen nicht ganz überzeugen. Vielleicht ist dieses Buch auch gerade deswegen noch ein Stück mehr besonders, denn es kommt gar nicht so auf die Geschichte an, sondern auf das, was neben der Handlung transportiert wird. 
    Sprachlich war ich schnell gefangen und dieses Buch wird wahrscheinlich noch eine Weile in mir nachwirken.

    "Ich habe von Freude gehört" antwortete ich langsam und schämte mich. 
    Das Wort war für mich nur eine Begriffsruine, in der ich stand und Steinbrocken vor mir herkickte. (S.70)

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Daniliesings avatar
    Hallo ihr Lieben,

    2016 war wohl seit vielen Jahren das Jahr, in dem ich mit Abstand am wenigsten gelesen habe. Aber irgendwie war ich mit Baby plötzlich rund um die Uhr beschäftigt und in den Pausen fand ich oft nicht die Ruhe zum Lesen. Nach fast einem Jahr habe ich mich aber ans Mama-sein gewöhnt und kann auch wieder entspannter lesen. 2016 habe ich kaum Bücher gekauft, dafür kam dann kürzlich der große Kaufrausch.

    Nun habe ich überlegt, wie ich mich selbst motivieren kann, wieder viel zu lesen und davon den Großteil vom SuB und hatte folgende Idee:

    Ich nahm mir ein Notizbuch, machte mir eine Spalte für zu lesende Bücher und noch eine, um einen Haken zu setzen, wenn ich es geschafft habe. Immer 3 Bücher möchte ich ins Buch schreiben und wenn diese gelesen sind, darf ich ein neues kaufen. Aus 3 wird also (so der Plan funktioniert ;-)) 1.

    Damit ich nicht nur die neusten oder zu immer ähnlichen Büchern vom SuB greife, hoffe ich, ihr helft mir ein bisschen. 2 der 3 Bücher würde ich mir immer selbst vornehmen und einen Vorschlag möchte ich hier finden.

    Wer Lust hat, darf hier also gern direkt mal in meinen ungelesenen Büchern stöbern und mir ein Buch daraus vorschlagen. Bitte nur ein Vorschlag pro Person und erstmal nur 3 Bücher. Denn wieder nach dem Prinzip "aus 3 mach 1" werde ich davon erstmal nur eins auf meine Leseliste setzen. So möchte ich vermeiden, dass ich etwas lesen "muss" auf, das ich aktuell gar keine Lust habe. Eure Vorschläge dürfen gern Bücher sein, die ihr selbst schon kennt oder auf die ihr gespannt seid.

    Selbstverständlich halte ich euch über meine Lesefortschritte und meine Neuanschaffungen auf dem Laufenden und hoffe, ich werde so ganz viele Bücher schaffen und 2017 wieder mehr lesen als 2016.

    Für meine erste Buchauswahl stehen auch schon "Mein Freund Pax" und "Fuchsteufelsstill" fest. Ich bin gespannt, was sich als drittes dazu gesellen darf und danke euch schon mal für eure Tipps.
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    »Niemand ist normal, ohne verrückt zu sein.«
    Niah Finnik

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