Niall Ferguson

 4.1 Sterne bei 27 Bewertungen
Autor von Der falsche Krieg, Der Westen und der Rest der Welt und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Niall Ferguson

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Der falsche Krieg

Der falsche Krieg

 (5)
Erschienen am 01.05.2001
Der Westen und der Rest der Welt

Der Westen und der Rest der Welt

 (4)
Erschienen am 14.05.2013
Der Aufstieg des Geldes

Der Aufstieg des Geldes

 (3)
Erschienen am 14.07.2010
Krieg der Welt

Krieg der Welt

 (3)
Erschienen am 05.10.2006
Türme und Plätze

Türme und Plätze

 (2)
Erschienen am 11.05.2018
Der Niedergang des Westens

Der Niedergang des Westens

 (2)
Erschienen am 14.05.2013
Kissinger

Kissinger

 (0)
Erschienen am 15.04.2016

Neue Rezensionen zu Niall Ferguson

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Rezension zu "Türme und Plätze" von Niall Ferguson

Die Informationsflut erschlägt.
wandabluevor 4 Monaten

Die Informationsflut erschlägt.
Der Autor Niall Ferguson macht nichts weniger, als den Leser durch die Geschichte der Menschheit zu führen. Dafür dürfen es gerne einmal ein paar Seiten mehr sein.

Säkulare Macht, das ist gleich Hierarchie, in welcher Form auch immer. König, Staatenlenker, der Boss. Chefarzt. Die Hierarchie steht in Korrelation mit den verschiedensten Netzwerken. Hierarchie und Netzwerk stehen auch in Konkurrenz miteinander, bedingen einander, vernichten einander, sind einander gegenläufig, bauen einander auf.

Davon handelt die vorliegende, sehr umfassende Abhandlung, benannt „Türme und Plätze“, wobei der Turm für die Herrschaft steht und der Platz für die Beziehungen der Bürger untereinander. Oder allem, was nicht Herrschaft ist. Und damit für das Netzwerk. „Ein zentrales Thema dieses Buches ist die Tatsache, dass die Spannung zwischen dezentralisierten Netzwerken und hierarchischen Ordnungen so alt ist wie die Menschheit selber.“

Das Internet ist sehr modern, aber als Netzwerk ist es nicht neu. Jede Art von Beziehungen ergibt eine Art Netzwerk. Ob es sich dabei um die verwandtschaftlichen Beziehungen von Königshäusern handelt oder um eine kriminelle Vereinigung, ob es um Handelsbeziehungen durch die Schifffahrt geht oder um die Informationsbeschaffung durch den Buchdruck, um Al-Quaida oder um Eisenbahn, um Gewerkschaft oder die Fortschritte in der Medizin: egal, was es ist, es ist vernetzt. Und wo Vernetzung ist, entbrennt der Drang nach Regulierung. Wo aber Regulierung ist, entbrennt der Drang, ihr zu entkommen: es entsteht Revolution. Eine Gegenbewegung.

Den Gang durch die Geschichte unter dem Gesichtspunkt von Revolutionen und Gegenrevolution, Netzwerk um Netzwerk, Hierarchie um Hierarchie, ist sehr reizvoll. Es fallen dem geneigten Leser wenige Themen ein, die nicht behandelt werden.

Dennoch ist die Lektüre dieses Sachbuchs nicht einfach. Was allein an der pädagogischen Umsetzung liegt. Denn um seine Thesen zu untermauern zitiert der Autor sehr viele kluge Menschen. Diese Zitate ergeben jedoch nicht eine geradlinige Entwicklung des Gedankenentwurfs des Autors.

Denn im Satz enthalten sind sowohl Informationen über den Zitatgeber, dessen Name selbstverständlich, manchmal seine Bedeutung in der Geschichte, manchmal auch, was er auf seinem Gebiet geleistet hat: sozusagen Einschub im Einschub im Einschub.

Nicht nur bezüglich der Zitate und ihrer Verfasser gibt es Einschübe. Es gibt Einschübe zu allem.

Doch für die Pädagogik muss der Lehrer (Autor) die Kunst des Weglassens erlernen. Man muss und darf nicht alles auf einmal sagen, was man weiß. Selbst wenn man vor Wissen platzt. Dagegen muss man seinen Lehrgegenstand nicht nur darstellen, sondern auch erläutern. Nicht nur im Nachwort.

Was von daher sehr fehlt, ist das Geleit durch das Buch. Hier hätte sich die geneigte Leserin mehr Unterstützung vom Autor gewünscht. Da und dort eine vorgezogene Erläuterung, hier und da eine Stellungnahme. Eine Einschätzung. Dafür wartet es mit viel zu viel Information auf einmal auf und lenkt dadurch vom Ziel ab.

Die Abhandlung „Türme und Plätze“ ist sehr interessant, ausführlich und phantasievoll. Doch prallvoll mit Informationen, die man lieber in Fusszeilen gepackt hätte. Unzählige Verzweigungen und Verästelungen verstellen die rote Linie. Nominalgruppen überall, die man durch Relativsätze hätte auflösen müssen.

Fazit: Die pädagogische Aufbereitung ist nicht gelungen. Die Informationsflut erschlägt einen. Der Ansatz des Buches jedoch ist nicht hoch genug zu veranschlagen!

Kategorie: Sachbuch, Thematik: Netzwerke
Verlag: Prophylän, 2018

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W

Rezension zu "Türme und Plätze" von Niall Ferguson

„Netzwerke, Hierarchien und der Kampf um die globale Macht“
WinfriedStanzickvor 5 Monaten



In seinem neuen hier vorliegenden umfangreichen Buch weist der renommierte Historiker Niall Ferguson, dass „Netzwerke, Hierarchien und der Kampf um die globale Macht“ keine neuen Phänomene der Neuzeit des 21. Jahrhunderts sind, sondern er zeigt, wie die Welt schon immer vernetzt war.

In einer gut lesbaren und faszinierenden Analyse beschreibt er die sozialen Netzwerke seit der frühen Neuzeit und erklärt, welche politische und wirtschaftliche Rolle sie seit dieser Zeit bis in die aktuelle Gegenwart in der Weltgeschichte spielen.

Vor allem die Erfindung des Buchdrucks erweiterte den Horizont der Menschen. In der frühen Neuzeit begann damit die Hoch-Zeit der Netzwerke. Ferguson erzählt von den Freimaurern und Illuminaten bis zu Google, Facebook und Co., den sozialen Netzwerken der Gegenwart. Sie verbreiteten revolutionäre Ideen und trugen zum Umsturz von Regierungen und Herrschaftssystemen bei.

Spione, Banker, Wissenschaftler oder gar Freimaurer forderten die politischen Machthaber heraus. Niall Ferguson zeigt, dass solche Vernetzungen unterhalb der Machtebene der lang übersehene Schlüssel zum Verständnis der Geschichte sind, analysiert aber auch moderne Netzwerke wie Facebook, Google oder den "IS". Sein Fazit: Hierarchisch organisierte Staaten und Institutionen können sich nur dann dauerhaft halten, wenn sie es schaffen, sich mit den modernen Netzwerken zu arrangieren.






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M

Rezension zu "Der Niedergang des Westens" von Niall Ferguson

Dringender Aufruf zu Reformen
michael_lehmann-papevor 5 Jahren


 

Nach „Der Westen und der Rest der Welt“, Fergusons letztem, vielfach gelesenem Buch, macht sich der Professor für Neuere Geschichte in Harvard nun auf, das zu verteidigen, zu erhalten, wieder herzustellen, was ihm an Lebensweise, Werten, stabiler Gesellschaftsform und auch persönlicher Lebensprägung wichtig und wert ist. Und er tut dies, in dem er sachlich-nüchtern, quasi mit dem Seziermesser, jene Entwicklungen benennt und in ihren historischen Kontext stellt, die dieses „westliche Erfolgsmodell“, im letzten Jahrzehnt mit spürbar zunehmender Geschwindigkeit, gefährden.

 

Und konstatiert durchweg, dass einerseits der „freie Westen“ in seinen Institutionen, in seiner Finanzwirtschaft, in seiner politischen und wirtschaftlichen Stärk zunehmend rasanter verfällt und nur durch immer mehr Schulden überhaupt in der Lage ist, das Bild gewohnter „Normalität“ aufrecht zu erhalten, während gleichzeitig profitorientierte „Mächte“ mehr und mehr die Gesellschaft spalten, die Institutionen zum eigenen Nutzen aushöhlen und damit die Gegenwart, vor allem aber die Zukunft gefährden. Andererseits konstatiert Ferguson kühl im Blick auf ehemals „rückständige“ und „diktatorische“ Gesellschaften, wie diese nicht nur ökonomisch aufholen, sondern ebenso ihre Gesellschaftsmodelle entwickeln hin zu vielfach jenen Werten hin, die „den Westen“ einst stark gemacht haben.

 

Ein Argument gerade für die ökonomische und gesellschaftliche Stärke dieser Werte in den Augen Fergusons. Kaum mit ansehen mag er, so scheint es bei der Lektüre, wie sich einerseits die konstruktiven Kräfte „alter westlicher Werte“ aufs Neue an anderem Orte erweisen, während dieselben im Westen selbst mehr und mehr aus dem Blick geraten. Nicht nur im Blick auf die immense Verschuldung (und deren stetige Zunahme“ für spätere Generationen. Nicht nur im Blick auf die scheinbare Ohnmacht politisch Handelnder, die sich im starren Festhalten an altbekannten Instrumenten und Methoden alleine noch festmachen. Sondern auch in der Aufkündigung der „Partnerschaft der Generationen“ und der auf Gemeinsamkeit orientierten Lebensform an sich.

 

Dabei verbleibt Ferguson durchaus sachlich in seiner Sprache und seinen Argumenten. Er stellt keinen reinen „Unterganspropheten“ dar, sondern kann seine kritischen Betrachtungen jederzeit fundiert unterfüttern. Eher kann man ihn verstehen als einen „Mahner in der Wüste“

 

Ein fundiertes Programm „zurück“ nun bietet Ferguson allerdings ebenfalls nicht an, außer es sei im Sinne einer „Rückbesinnung“ und einer Stärkung der degenerierten und dem Stillstand entgegen treibenden Institutionen. Demokratie, Freiheit der Lebensweise, Solidarität, Partnerschaft innerhalb aller Institutionen der Gesellschaft und ebenfalls der Generationenproduktive Ideenentwicklungen und, bei all dem wesentlich, ein Eingrenzen, beschränken jener Kräfte, die das Wertgefüge aushöhlen. Für (wieder) konstruktiven Wettbewerb statt „Feudalherrschaft“, für (wieder) allgemeine Rechtsstaatlichkeit und für Ideen und Wissenschaftlichkeit. Gegen Lobbyismus und eine lähmende, ausufernde Bürokratie Um nur einige jener „Institutionen“ zu benennen, die Ferguson meint.

 

Inhaltlich findet sich in diesem Buch wenig anderes als im Vorgängerbuch, nur dass Ferguson seinen historischen Befund pointiert  und konzentriert sammelt und in die Leitfrage einrahmt, was genau zur beobachtbaren „Verschiebung der Kräfte“ geführt hat. Zudem ist die Mahnung zwar deutlich zu hören, ein „konstruktiver Weg zurück“ aber auch in diesem Werk nur schwer ablesbar.

 

Alles in allem ein prägnante, aufrüttelnde „Bestandsaufnahme“ einer mehr und mehr festgefahrenen westlichen Gesellschaft, in der die politischen Kräfte mit entweder falschen oder zu kurz greifenden Mitteln versuchen, „Bestandswahrung“ zu betreiben, statt „Befreiungsschläge“ „back to the roots“ zu wagen.

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