Niall Ferguson Der Westen und der Rest der Welt

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Inhaltsangabe zu „Der Westen und der Rest der Welt“ von Niall Ferguson

Alle reden vom Niedergang des Westens. Was aber hat seinen Aufstieg ermöglicht? Niall Ferguson beschreibt sechs »Killerapplikationen«, die dem Westen gegenüber dem Rest der Welt Überlegenheit verschafft haben: Wettbewerb, Wissenschaft, Eigentum, Medizin, Konsum und Arbeitsmoral. Und er geht der Frage nach, ob wir gerade das Ende dieses Vorsprungs erleben, weil andere Weltregionen inzwischen genau auf diesen Gebieten besser sind als der Westen.

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  • Rezension zu "Der Westen und der Rest der Welt" von Niall Ferguson

    Der Westen und der Rest der Welt

    michael_lehmann-pape

    03. December 2011 um 14:48

    Eine Zeitreise durch die Geschichte des Westens „Wie kam es dazu, dass einige kleine Staaten am Westrand der eurasischen Landmasse um das Jahr 1500 begannen, ihren Einfluss auf die übrige Welt rasch zu vergrößern und sich eine Vormachtstellung ..... zu sichern“. Dies ist die Leitfrage des Buches von Niall Ferguson, Professor für neuere Geschichte in Harvard, und die für ihn „interessanteste Frage, die ein Historiker in der Gegenwart stellen kann“. In sechs großen Themenbereichen geht Ferguson sodann dieser Frage ausführlich und breit, ohne es an der notwendigen Tiefe fehlen zu lassen, im Buch nach und endet mit einem Ausblick auf „Die Rivalen“ (der Moderne), der in die nähere Zukunft ein stückweit schauen lässt. Geordnet hat Fergusson hierbei sein Unterfangen durchaus sinnvoll nicht rein chronologisch, sondern themenorientiert. In den großen gesellschaftlichen Feldern des Wettbewerbs (Grundlage aller Entwicklungen nach Ferguson), der Wissenschaft, des Eigentums, der Medizin, des Konsums und der Arbeit vollzieht er umfassend die Entwicklung der Welt nach dem 1500 Jahrhundert nach und weist in allen Feldern jene Entwicklungen auf, die zu Zeiten diesen „kleinen Staaten des Westens“ die entscheidenden Vorsprünge „vor dem Rest der Welt“ gesichert haben. Vorsprünge, die nicht nur zu wirtschaftlichen Vorteilen geführt haben, sondern auch zu jener Jahrhunderte andauernden Haltung, die eigene Kultur quasi zu „exportieren“ und andern Kulturen durchaus auch gewaltsam aufzudrängen. Ein Gewicht der Kräfte, dass in unseren Tagen deutlich ins Schwanken gerät und, so Ferguson, durchaus in naher Zukunft zu ungunsten des Westens sich nachhaltig entscheiden kann (so dies nicht bereits geschehen ist). Dies ist die Diagnose der Moderne, das Spannungsverhältnis zwischen schwindendem Einfluss, zunehmender Schwäche des Westens und der dennoch in Teilen ungebrochenen, aus der Geschichte erwachsenen, Haltung der kulturellen Hybris, die eigene Weltanschauung weiterhin weltweit zu verbreiten (vornehmlich in amerikanischer Prägung). Eine Entwicklung, die Ferguson im Buch wie in einer Fieberkurve nachvollzieht. Der Aufstieg des Westens und damit einhergehend der Niedergang ehemals in ihren Bereichen führender Hochkulturen (an dem in beeiden Richtungen die christliche Religion, vornehmlich die katholische Kirche maßgeblich beteiligt waren) und nunmehr die wiederum erstarkenden anderen Kräfte (vornehmlich China) und der damit einhergehende, durchaus klar zu beobachtende, Niedergang des Westens als kulturelle und wirtschaftliche Vormacht. Ein wieder Erstarken, das, auch dies weist Ferguson schlüssig nach, auf der Grundlage der westlichen Errungenschaften beruht. Auf allen Feldern hat vornehmlich China die „Kopie“ zunächst intensiviert und nun, darauf aufbauend, eigene Weiterentwicklungen vorangetrieben, ohne dabei fundamentale „schwächende Entwicklungen“ des Westens (u.a. überbordender Konsum und damit einhergehende massive Verschuldung) zu übernehmen. In dieser überbordenden Konsumhaltung (und deren Folgen) sieht Ferguson dann auch den zentralen „Systemfehler“ des Westens und die Ursache für alle folgenden Schwächungen. Nicht das „Ende aller Tage“ sieht Ferguson gekommen, wohl aber prognostiziert er das Ende der westlichen Vorherrschaft in jedem Sinne und wirft zudem die sorgende Frage auf, wieweit der Westen überhaupt in Zukunft noch kulturell existieren wird oder ob gar eine völlige Assimilation an eine kommende asiatische „Vorherrschaft“ sich vollziehen wird. Ferguson bietet im Buch eine durchaus fundierte Darstellung der geschichtlichen Entwicklung und legt sämtliche entscheidenden Entwicklungen und Themenfelder breit vor. Ebenso fundiert vollzieht er seine Analyse des langsamen Niedergangs der westlichen Kultur (die in ihren gewaltsamen Ausprägungen weltweit auch kaum vermisst werden wird). In seinen Schlüssen für die Zukunft, die der aus all diesem zieht, wirkt er manches Mal allerdings sehr eng. Auch andere, differenziertere Entwicklungen sind möglich und noch ist nicht entschieden, ob die (selbstverschuldete) wirtschaftliche und kulturelle Ideenschwäche des gesamten Westens quasi zur kulturellen Auflösung führen wird, oder ob das „Erbe der Geschichte“ eine neue Wendung mit neuer Kraft zu nehmen vermag. Grund zur Sorge, das weist Ferguson nachdrücklich nach, besteht allerdings sehr. Auch wenn man Ferguson in seinen Zukunftsthesen nicht in Gänze zu folgen bereit ist, legt er doch ein wichtiges und gehaltvolles Buch zur westlichen Haltung und deren geschichtlichen Wurzeln vor.

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