Nicholas Epley Machen wir uns nichts vor!

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Inhaltsangabe zu „Machen wir uns nichts vor!“ von Nicholas Epley

Warum gibt es so oft Missverständnisse selbst zwischen guten Freunden? Warum wissen die wenigsten Ehemänner, was ihre Ehefrauen wollen – und umgekehrt? Warum scheitern Verhandlungen, obwohl sich alle Beteiligten optimal vorbereitet haben? Nicholas Epley hat sich intensiv mit den Fallstricken der menschlichen Kommunikation auseinandergesetzt. Wir alle glauben, uns selbst gut zu kennen, so Epley – und irren uns meist gewaltig. Der nächste fatale Fehler: Wir schließen von uns selbst auf andere. Wir müssen lernen, unsere Empathie zu nutzen. Wie das funktioniert, wie wir eigene und fremde Motive und Bedürfnisse ergründen können, erläutert der Autor anhand von aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Eine Gebrauchsanleitung für erfolgreiches Mind Reading in jeder Lebenslage – beruflich wie privat.

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  • Der „soziale Sinn“

    Machen wir uns nichts vor!

    michael_lehmann-pape

    14. October 2014 um 08:03

    Der „soziale Sinn“ Den „sechsten Sinn“ nennt Eplay die im Menschen angelegte Fähigkeit, die Welt „durch die Augen eines anderen“ zu sehen. Wobei Epley in seinem Buch weder über die Tricks professioneller Hellseher noch marketingerfahrener Werbefachleute informiert (die aber sicherlich, wie auch andere, sehr grundsätzlich etwas aus diesem Buch lernen könnten). Als Professor für Verhaltensforschung legt Eplay die Grundlagen seiner Erkenntnisse in sehr flüssiger, populärer Sprache dem Leser vor Augen und führt in die Fähigkeit des „sozialen Sinns“ ein mit all seinen „instinktiven“ Vor- und Nachteilen, ebenso, wie er auf die vielen Fehler verweist, die im alltägliche Miteinander entstehen, wenn dieser Sinn nicht mit Ratio genutzt wird, wenn auf rein „intuitive“ Eindrücke gesetzt wird. „Die Fehler unseres sechsten Sinns können auch großes Leid verursachen“. Da, wo aus reinen Stereotypen her (vor) schnell geurteilt wird, da, wo das eigene Denken ad absolutum gesetzt wird und die Fantasie nicht reicht, zu erkennen, dass andere Menschen (meist) anders ticken und anders denken als man selbst. Da, wo Vorurteile die Einschätzung anderer bestimmen. Da, wo nur rein intuitiv schnell ein Urteil gefällt wird (und leider allzu oft bestehen bleibt aufgrund einer weiteren menschlichen Eigenart, sich nach ersten Urteilen über andere mit diesen eher weniger Mühe zu geben). Fehler allerdings, die zu zerbrochenen Beziehungen und nicht funktionierenden Organisationen bis hin zum bewaffneten Konflikt führen (am Bespiel der Kuba Krise verdeutlicht Eplay eindeutig, wie zentral der direkte Kontakt zwischen Kennedy und Chruchtschow per Telegramm zur Lösung der Krise beigetragen hat. Ein Kontakt, in dem Chruchtschow deutlich darauf hinwies: „Sehen sie die Dinge einmal aus meiner Sicht“). Fehler, die unter Umständen wertvolle Beziehungsmöglichkeiten schon im Keim ersticken oder falsche Beziehungen zu lange „hoch gehalten“ haben, weil ein „feineres Instrumentarium“ zum Verständnis des anderen nicht zur Verfügung steht oder als zu mühselig angesehen wird. Um aber die Fehlerquote (und oft sind es entscheidende Fehler) so zu verringern, dass tatsächlich ein gutes und zutreffendes Verständnis des Gegenübers entsteht, bedarf es der Fähigkeit zur „Feinjustierung“. Auch hier trifft Epley den Ton, wenn er das Bild vom anderen mit einem „grobkörnigen Fernsehbild“ in Vergleich setzt zum „HDTV Bild“, das der Mensch von sich selbst besitzt (zumindest besitzen kann). Für diese Feinjustierung legt Epley auf den gut 300 Seiten des Buches die zentralen Parameter vor, die sowohl vom Inhalt wie auch vom Ton her umgehend motivierend wirken, sich seine Mitmenschen deutlich genauer und mit deutlich differenzierteren Gedanken anzusehen. In beide Richtungen hin. Denn ebenso pointiert geht Epley der Neigung nach, „Bewusstsein dahin zu implantieren, wo es keines gibt“, sprich, sich über andere etwas vorzumachen, weil es gerade den eigenen Interessen dient (so „vermenschlicht“ Tom Hanks in „Castaway“ gar einen alten Basketball). „Wir unterschätzen die Komplexität ihrer Gedankenwelt. (Gerade) Wenn uns andere Menschen gleichgültig sind, übersehen wir leicht, dass auch sie ein Bewusstsein haben und betrachten wie eher wie geistlose Tiere“. Pointiert immer wieder auf den Punkt gebracht, verweist Epley den Leser auf sein vorhandenes, noch grobes Handwerkszeug der „Intuition“ und bietet in den einzelnen Kapiteln vielfache Hinweise und praktische Beispiele an, wie diese als „grobes Werkzeug“ dem „Feintuning“ des Verstehens, was in anderen vorgeht zur Verfügung steht und was es sonst noch braucht. Mit teils verblüffenden Einsichten, die im Nachgang betrachtet doch immer schon nahe lagen. „Wenn sie ein Feindbild brauchen, rate ich ihnen, Menschen nicht näher kennenzulernen. Aber wenn sie andere nicht falsch interpretieren und hassen, sondern wirklich verstehen wollen, wissen sie jetzt, was sie zu tun haben“. Wobei nicht verschwiegen werden soll, dass es mit Aufwand, Zeit und echtem Interesse verbunden sein muss, die Welt hier und da „durch die Augen eines anderen“ zu sehen. Eine Form der Übung, die allerdings im Lauf der Zeit durchaus Kompetenz vermittelt und damit auch fließender vonstatten gehen wird. Eine sehr interessante Lektüre abseits populärer „Verhaltens-Ratgeber“.

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