Nicholas J. Conard

 3.4 Sterne bei 8 Bewertungen

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Nicholas J. ConardDie Venus aus dem Eis
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Die Venus aus dem Eis
Die Venus aus dem Eis
 (8)
Erschienen am 08.09.2010
Nicholas J. ConardDas Vogelherdpferd und die Ursprünge der Kunst
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Das Vogelherdpferd und die Ursprünge der Kunst
Nicholas J. ConardThe Vogelherd Horse and the Origins of Art
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The Vogelherd Horse and the Origins of Art
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Erschienen am 18.11.2016

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Rezension zu "Die Venus aus dem Eis" von Nicholas J. Conard

Rezension zu "Die Venus aus dem Eis" von Nicholas J. Conard
Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren

Ein archäoliterarischer Versuch – oder: wie vor 40000 Jahren unsere Kultur entstand

Mit „Die Venus aus dem Eis“ betritt der Leser die menschliche Urzeit und trifft sowohl auf die ersten modernen Menschen – homo sapiens –, als auch auf die Neandertaler – homo neanderthalensis – und verfolgt, wie jene Kultur entstand, die den modernen Menschen von den ganzen anderen Lebewesen im Tierreich unterscheidet.

Vor drei Jahren fand ein Team von Archäologen bei Ausgrabungen am Südfuß der Schwäbisch Alb eine sensationelle Entdeckung: eine etwa sechs Zentimeter hohe aus Mammut-Elfenbein geschnitzte Venusfigur und unabhängig davon einige geschnitzte Flöten. Dir Archäologen um den Grabungsleiter Nicholas Conrad waren sich bereits zu Anfang ziemlich sicher, dass sie den Anbeginn der menschlichen Kultur vor sich hatten. Nach einigen Analysen konnte der Fund auf ein Alter von 31000 – 35000 Jahre datiert werden, was bedeutet, dass die Kultur ihren Anfang vor ungefähr 40000 Jahren mitten in Deutschland nahm.

Seit dem Fund beschäftigen sich, wie auch schon bevor, wenn auch jetzt mit höherer Intensität, Archäologen, Anthropologen und immer mehr Wissenschaftler unterschiedlichster Fachrichtung mit der Entstehung der menschlichen Kultur. Doch eines steht seit dem Fund fest: die menschliche Kultur entstand in Deutschland, zu jener Zeit, als die letzten Neandertaler auf die ersten modernen Menschen trafen!

Nicholas Conrad ist Leiter der Abteilung Ältere Urgeschichte an der Universität Tübingen und gehört zu den Entdeckern der Venus aus dem Hohlen Fels und beschäftigt sich seit September 2008 mit dem Funk. Als Wissenschaftler muss er seine Aussagen belegen, weshalb ein rein spekulatives Buch über den genauen Anfang der Kultur nicht möglich ist, doch glücklicherweise gibt es Literaturwissenschaftlicher, die diese Lücke füllen können. Jürgen Wertheimer ist Professor für Neuere Deutsche Literatur und Komparistik, ebenfalls an der Universität Tübingen, hat sich mit dem Conrad zusammengetan und „Die Venus aus dem Eis“ geschrieben – einen archäoliterarischen Versuch über die Anfänge der Kultur.

In dem Buch schreiben die beiden Professoren eine Art Novelle, die von der jungen Neandertalerin Khar erzählt. Khar wird von ihrer Gruppe getrennt und lebt von dem an bei einer Gruppe von modernen Menschen. Khar wird zum Bindeglied zwischen alter und neuer Welt – und zum Beginn der menschlichen Kultur.

Conrad und Wertheimer schreiben eine sehr anschauliche und abenteuerliche Geschichte über die Frühzeit des Menschen und die Kultur und verstehen es, die Leser zu packen, was vor allem an den Möglichkeiten dieses Buches liegt: eine Reise in die Steinzeit, eine Reise zu den Neandertalern und eine Reise zum Beginn des Menschseins.

Sowohl sprachlich, wie auch inhaltlich ist dieses Buch ausgezeichnet ausgearbeitet und bietet viel Potential, das die Autoren wissen zu nutzen. Doch gleichzeitig zeigt dieses Buch eine große Schwäche: viel zu viele langatmige Stellen! Gerade jene Passagen, die zwischen den zentralen Stellen in diesem Buch liegen, wirken viel zu langatmig und als einfache Bindeglieder, um die Story langzuziehen.

Meiner Meinung nach könnte dieses Buch viel besser gemacht werden, nämlich indem die Geschichte auf ein Minimum gekürzt wird, soweit, dass nur noch die zentralen Stellen, mit einigen kleinen Bindestücken, vorhanden sind und der Rest des Buches würde aus einen rein wissenschaftlich-faktischen Teil bestehen, der von dem Fund schildert, die Analysen und die daraus gezogenen Schlüsse.

Insgesamt ein interessantes Buch, das auf literarische Art und Weise von den Anfängen der Kultur erzählt und mit tollem Inhalt und grandioser Sprache lockt und verführt. Doch gleichzeitig gibt es viel zu viele, sich in die Länge ziehende Passagen, die den Lesefluss unheimlich unterbrechen. Hier wären weniger Literatur und mehr Sachwissen definitiv besser gewesen!

Erstveröffentlichung auf http://literaturecosmos.wordpress.com/

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Rezension zu "Die Venus aus dem Eis" von Nicholas J. Conard

Rezension zu "Die Venus aus dem Eis" von Nicholas J. Conard
michael_lehmann-papevor 8 Jahren

Archäoliteratur

Eine Wortschöpfung ist es, die im Sinne der Autoren Sinn und Ziel des Buches beschrieben. Es stellt einen archäoliterarischen“ Versuch dar. Das zumindest soll entstehen, wenn zwei anerkannte Wissenschaftler ihre Fachrichtungen zusammen bringen, um eine ganz andere Art der Kunstgeschichte zu schreiben.

Nicholas John Conard leitet als Professor die Abteilung Ältere Urgeschichte an der Universität Tübingen, Jürgen Wertheimer ist Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, ebenfalls in Tübingen.

Beide gemeinsam geben der Geschichte ihren Inhalt und ihren Rahmen. In der Form einer abenteuerlichen Novelle stellen beide eine junge Neandertalerin mit Namen Khar in den Mittelpunkt ihrer Geschichte. Diese trifft auf eine Gruppe einer sich neu entwickelten Menschenart, der Homo sapiens und soll auf diese Weise zu einem Bindeglied zwischen den Welten geworden sein. Und das in einer Welt, die sich anschickt, tiefen Wandlungen entgegen zu sehen. Die klimatischen Bedingungen ändern sich rapide, soziale Strukturen entfalten sich, ständige Aufbrüche kennzeichnen das Leben der frühen Menschen, Neandertaler wird es bald nicht mehr geben. Innerhalb der sozialen Strukturen entfaltet sich zudem erste Ansätze von Kunst und Kultur. Das zeigen die archäologischen Funde der „Venus aus dem Eis“ und, fast zeitgleich, einer Flöte aus der gleichen Zeit. Aus diesen Ansatzpunkten durch die Funde her gestalten die Autoren die Grundintention ihres Buches, dass gerade die beginnende Kunst aus den verschiedenen Gruppen früher Menschen, eben aus Neandertalern und Homo sapiens gemeinsam hervorgegangen ist. Daher erklärt sich der Untertitel des Buches „Wie vor 40.000 Jahren unsere Kultur entstand“.

Im gesamten also erzählen beide Autoren einerseits eine abenteuerliche Geschichte mit ausgeprägten Charakteren, die sowohl sprachlich wie inhaltlich durchaus zu fesseln weiß. Die besonderen Stärken der Erzählung liegen dabei weniger auf aktionsgeladenen Szenen (auch wenn die ein oder andere schwierige Situation zu bestehen ist), sondern vor allem darin, den Leser in die Welt der Steinzeit zu entführen und vermittels der gestalteten Charaktere die Lebensumstände und Entwicklungen der prähistorischen Zeit fassbar zu gestalten. Mit fachlichen Einschüben und Erläuterungen werden zudem Geographie, Flora und Fauna, klimatische Bedingungen, Werkzeuge und Waffen, Lebensweisen und frühe Musik u.a. jeweils erläuternd eingeschoben.

Ein intensiver und durch die abwechslungsreiche Geschichte aus vielerlei Blickrichtungen der handelnden Personen auch differenzierter plastischer Eindruck des Lebens der Steinzeit dringt so durch die Seiten des Buches in die Gegenwart, bei dem die Autoren akribisch darauf achten, dem aktuellen Stand der Forschung jener Zeit zumindest nicht zu widersprechen.

Dennoch bleibt es nicht aus, das eine Reihe von Elementen doch eher dem Bereich der Fantasy zuzuordnen sind, zu ungesichert sind viele Erkenntnisse, auch wenn Erklärungsversuche durchaus plausibel erscheinen mögen. Gerade über das Zusammentreffen von Neandertalern und Homo sapiens liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor. So muten manche Passagen des Buches denn auch wie ein mythischer Bericht über Schamanen an oder wie eine Verlagerung aktueller sozialer Sinnfragen hinein in die Steinzeit.
Ebenfalls ist die sprunghafte Entwicklung der Kunst gerade im Bereich des Schnitzens sicherlich in dieser Form kaum in einem solch kurzem Zeitraum wie im Buch entstanden.
So verbleibt eine in sich schlüssige und gut zu lesende Geschichte des Lebens in der Steinzeit, getragen von überzeugend gestalteten Figuren, die allerdings gerade dem Untertitel nicht gerecht wird. Es hätte eher heißen müssen „So könnte es vor 40.000 Jahren auch gewesen sein“.
Dennoch ein empfehlenswertes Buch ob der vielen feinen und prägnanten Details der Lebensumstände, die in solchem gesammelten Überblick innerhalb einer literarisch fiktional gut zu lesenden Geschichte tatsächlich einen leicht verständlichen und teils intensiven Einblick in die Entwicklung der Menschheit geben.

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