Nicholas Müller

 3.8 Sterne bei 21 Bewertungen

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Ich bin mal eben wieder tot

Ich bin mal eben wieder tot

 (21)
Erschienen am 02.10.2017
Kühe schubsen

Kühe schubsen

 (1)
Erschienen am 05.10.2015

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Annejas avatar

Rezension zu "Ich bin mal eben wieder tot" von Nicholas Müller

Ein Buch voller Mut, Kraft und Hoffnung
Annejavor 3 Monaten

Sich selbst einzugestehen das man unter Ängsten leidet, bedarf viel Kraft. Es dann auch noch öffentlich zuzugeben, auch noch Mut.
Sagen wir es wie es ist, ich kannte weder die Band noch den Autor des Buches, sondern wurde einzig und allein von der Thematik angezogen. Ein junger Mann, der über seinen Kampf gegen die Panikattacken und Ängste schrieb, das musste ich einfach lesen, mit der Hoffnung nützliche Tipps für meinen eigenen Kampf zu erhalten. 
Schon nach den ersten Seiten, war das Buch für mich tief bewegend, da es mir zeigte, das nicht nur ich Angst habe oder eine Panikattacke erleide, sondern auch andere. Besonders berührend war es für mich, als das Buch beschrieb, wie sich eine Panikattacke für ihn anfühlte, was er dabei dachte, machte und beobachte. Mir kamen die Tränen, da ich nun wirklich wusste, dass ich nicht allein war, denn die Symptome glichen meinen sehr stark. Dies dann auch noch mit so ehrlichen Worten zu lesen, war erstmal heftig, am Ende aber das hilfreichste, was ich seit langen erfahren durfte. 
Allgemein ist der Autor sehr offen und erzählt nicht nur von sich, sondern auch von seinem Leben als Sänger, Mann und Vater. Dies erfolgte stets sehr gefühlsvoll und melodisch und sorgte dafür das ich trotz des ernsten Themas, das stetige Gefühl hatte weiter lesen zu müssen. Ich wollte unbedingt wissen, was genau passierte, was genau gemacht wurde und wurde schließlich nicht enttäuscht. Gerade der Teil, in dem über den Klinikaufenthalt gesprochen wurde, ließ mich einen Block zücken, um die verschiedenen Therapien aufzuschreiben, um sie später nachzuschlagen. Es zeigte sich, das viele Therapien erst einmal komisch klangen bzw. eine eigenartige Vorgehensweise hatten, aber schließlich Erfolge brachten, die man ihnen nicht zugetraut hätte. Hier heißt es jedoch offen sein und nicht gleich alles ablehnen, nur weil man es nicht kennt. 
Das Beste am Buch war der Umstand, das man den Verlauf der Krankheit genau nachvollziehen konnte. Ich lernte Herrn Müller als lebenslustigen Mann kennen, der für die Musik lebte und aufgrund seiner Ängste zu einem völlig neuen Mensch wurde und es nach der Therapie auch blieb. Er nahm sich selbst mehr wahr und achtete nun mehr auf sich. Dabei half ihm der Gedanke an seine Tochter, da er nie wollte, dass sie ihn in einer Situation erlebt, wo er sich vielleicht nicht komplett unter Kontrolle hätte. Ein schönes Ziel, welches dafür sorgte, das ihm selbst an den schlimmsten Tagen nicht der Mut verloren ging. 
Noch immer werden Männer dafür belächelt, dass sie an Panikattacken leiden, Phobien entwickeln oder sogar depressiv werden. Die Offenheit des Buches brachte mich zum Nachdenken und ließ meine Gedanken schweifen. Wie viele Männer gibt es in Deutschland die unter Panikattacken leiden? Wie viele trauen sich, es zu sagen? Wie viele schweigen? Die Zahlen wären bestimmt erschreckend. Egal ob Patient oder Angehöriger, wenn sie dieses Buch lesen, so hoffe ich, dass er sie den Mut haben, sich öffnen und den Kampf beginnen. Denn auch wenn man selbst nicht betroffen ist, so ist wichtig zu wissen, wie man helfen kann. Ich selbst kämpfe ebenfalls weiter, denn ich habe durch das Buch eine Menge Hoffnung geschöpft. Ich habe es sogar meiner Psychiaterin ausgeliehen, da sie meinen Hang zu Bücher mit psychologischen Hintergrund teilt. 
Am Ende kann ich sagen, das er unglaubliches Glück hatte, da er nicht nur eine ansprechende Behandlung bekam, sondern auch ein Umfeld besaß, dass ihn unterstützte und auf seinem schwierigen Weg half. Viele, darunter auch ich, müssen um Hilfe förmlich betteln, da es meist keine passenden Therapieplätze gibt oder das Umfeld das Ganze nicht so ernst nimmt, wie sie es tun sollten. Zudem kann ich nicht sagen, ob die Berühmtheit des Autors, eine bessere Versorgung ermöglichte. Ich möchte natürlich nichts unterstellen, muss aber aus Erfahrung sagen, dass mir eine so ausgewogene Therapie noch nicht untergekommen ist. Leider. 
 

Mein Fazit
 

Ehrlicher könnte ein Buch nicht sein, denn der Autor schaffte es, mich über meine eigene Symptomatik aufzuklären. Ich erfuhr vieles, was ich noch nicht wusste und schöpfte dadurch eine Menge Mut. Gerade die tolle Wortwahl und das ungehemmte Wiedergeben von Erlebnissen sorgte dafür das ich emotional bis an meine Grenzen ging. Ein wirklich tolles Buch. 

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katzenminzes avatar

Rezension zu "Ich bin mal eben wieder tot" von Nicholas Müller

Verzichtbar
katzenminzevor 6 Monaten

Verzichtbar

Oh, das hier fällt mir schwer. Ich habe großen Respekt vor Nicholas Müllers Krankheitsgeschichte. Vor dem, was er jahrelang durchlitten hat und davor, dass er das nun öffentlich macht. Dass er helfen will. Das ist großartig. Aber auch wenn ich das wertschätze und seine Lebensgeschichte keinesfalls abwerten will: Gefallen hat mir das Buch nicht.

Angefangen hat es ganz solide. Wie er über seine Kindheit schreibt, über seine Familie und darüber, wie sie alle durch die Krebserkrankung seiner Mutter erschüttert wurden, las sich sehr gut. Mal war es traurig, mal eher witzig verpackt. Genauso der Teil, in dem er später über seine Therapie erzählt. Das waren sicher die stärksten Stellen des Buches. Zwischendurch erzählt er mal über seine Bands, über seine Tochter, über seine Angsterkrankung und schildert Situationen aus seinem Leben. Insgesamt war das alles leider recht wirr geschrieben. Dass die Angsterkrankung das Hauptthema des Buches ist, kam nicht richtig heraus. Dazu gibt es ein wildes Durcheinander von Kapitel, Unterkapiteln, Einschüben und Themen. Eine bessere Struktur und vor allem eine chronologische Erzählweise hätten sehr geholfen!

Vom Inhalt ist es zweigeteilt: Einmal geht es natürlich um seine Krankheitsgeschichte. Dann geht es aber auch viel um seine Karriere. Ein guter Teil des Inhalts ist in erster Linie für Fans interessant, was ja vollkommen in Ordnung ist. Ich hatte ja selbst gehofft, dass sein Ausstieg bei Jupiter Jones zur Sprache kommen würde. Zum Ende hin wurde es mir aber zu wild. Mit einem Mix aus Appellen an Leser mit einer Angststörung sich helfen zu lassen, Sinnieren über den Tod und die Welt, mit viel Euphorie über seine neue Band und einer riesigen Portion Vaterstolz konnte ich leider nicht mehr viel anfangen. Die letzten Seiten zogen sich sehr und ich dachte des öfteren: „Ok, schönes Ende. Aber warum sind denn da noch 70 (60/50/...) Seiten?“

Nicholas Müller schreibt nicht allgemein über Angststörungen, sondern ausschließlich über seine persönlichen Erfahrungen. Von seiner Kindheit bis ins „Jetzt“ erfahren wir die wichtigsten Stationen seines Lebens. Dabei gibt es viele Infos, auf die ich hätte verzichten können. Eine vernünftige Struktur und ein konsequentes Lektorat hätten den Buch sehr geholfen. Auch hätte ich mir von Nicholas Müller als Botschafter der Angst-Hilfe e.V. in Sachen praktischer Hilfe ein bisschen mehr erwartet. Links zu Hilfeseiten, psychiatrischen Einrichtungen oder Ärzten fehlen zum Beispiel komplett. Statt dessen gibt es Werbung für seine neue Band. Für mich insgesamt ein ziemlich verzichtbares Buch.

2,5 / 5 Sternen

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Lucinda_im_Wunderlands avatar

Rezension zu "Ich bin mal eben wieder tot" von Nicholas Müller

Eine Reise, die Angst zum Teil des Lebens zu machen - starke Worte, große Emotionen.
Lucinda_im_Wunderlandvor 7 Monaten

Auf einmal ist alles anders. Panik kriecht aus den Ecken der Seele und ergreift Besitz vom Körper. Adrenalin wird in Massen ausgeschüttet, der Fluchtinstinkt setzt ein. Vor dem eigenen Leben lässt es sich aber nur sehr schlecht fliehen. Anstatt dem Bedürfnis nachzugeben irgendwohin zu verschwinden, lähmt sich der Körper selbst. Die Gedanken drehen sich in Spiralen, der Atem beschleunigt sich, der Herzschlag ebenso. Doch was passiert hier eigentlich? Eine schlimme Krankheit? Krebs, Schlaganfall, irgendwas in der Richtung?

Nicholas Müller kennt diese Gedanken. Als er zum ersten Mal die Symptome erlebt, hat er Angst vor dem was er haben könnte. Und da diese Unannehmlichkeiten hartnäckig sind und absolut nicht von alleine weggehen, muss er sich unzähligen medizinischen Untersuchungen stellen, denn es wirkt sich auf sein Leben aus. Nach einer Ärzteodyssee stehen die Diagnosen endlich fest - generalisierte Angststörung mit starken Panikattacken, vermischt mit Hypochondrie und depressiven Episoden.

Der Sänger der erfolgreichen Band Jupiter Jones hat ein Problem. Eine Krankheit, die man nicht sieht und die weitere Probleme nach sich zieht. Nicholas Müller zieht sich immer weiter zurück, es behindert ihn in seinem Leben und er muss eine Entscheidung fällen, die ihm mehr als schwer fällt. Währenddessen seine Band mit dem Song „Still" den Höhepunkt ihrer Karriere feiert, zieht er sich zurück, da es ihm nicht mehr möglich ist, aufzutreten.

Sein Leben ist nun komplett von der Angst geprägt. Nicholas muss lernen mit der Angst zu leben und begibt sich in Therapie.



Psychische Erkrankungen haben immer noch einen schweren Stand in der Gesellschaft. Krankheiten, die man nicht sieht, die man nicht nachvollziehen kann, können schlecht in Worte gefasst werden. Das, was wir nicht ausdrücken können, negieren wir lieber und leugnen der Einfachheit halber die Existenz.

Nicholas Müller schafft es, Worte zu finden. Er erzählt offen über seine Erkrankung und schönt nichts, auch nicht seine depressiven Episoden. Mit starker Sprache spricht er über die Angst vor der Angst und die Schwierigkeit, sich selbst und seinen Angehörigen gegenüber ehrlich zu sein.

Der Leser wird mitgenommen auf seiner Reise, die Angst zum Teil seines Lebens zu machen, mit dem er leben kann. Die Beschreibung des ersten Auftauchens der Krankheit, der Diagnosefindung, der Therapie und des Weges zu sich selbst, ist bildhaft und rührt teilweise zu Tränen, da man als Leser selbst die Emotionen spürt.

Dieses Buch ist mehr als der Versuch, allen Menschen, die an einer Angststörung leiden, Mut zu machen. Es ist für mich ein Werk, das allen Menschen empfohlen werden sollte, die selbst mit dieser Krankheit zu kämpfen haben, und ihren Angehörigen.

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