Nicholas Searle

 3.7 Sterne bei 18 Bewertungen
Autor von Das alte Böse, Verrat und weiteren Büchern.

Neue Bücher

Verrat

 (6)
Erscheint am 26.03.2019 als Taschenbuch bei ROWOHLT Taschenbuch.

Alle Bücher von Nicholas Searle

Das alte Böse

Das alte Böse

 (10)
Erschienen am 20.02.2018
Verrat

Verrat

 (6)
Erschienen am 26.03.2019
Der Sprengsatz

Der Sprengsatz

 (0)
Erschienen am 18.06.2019
Das alte Böse

Das alte Böse

 (2)
Erschienen am 27.03.2017
The Good Liar

The Good Liar

 (1)
Erschienen am 14.01.2016

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Rezension zu "Verrat" von Nicholas Searle

Eskalation von Spannung
Thomas_Lawallvor 10 Tagen

Erinnerungen an das beschauliche Leben im irischen Carrickcloghan. Es liegt "größtenteils im Sterben". Jenes Dorf, unsichtbar, selbst für die britischen "Besatzer". Bridgets Kindheit verlief unspektakulär. Unbedeutend und doch jede Erinnerung wert.

Unbedeutend vielleicht auch im Gesamtzusammenhang und doch bildet dieses Kapitel einen wichtigen Kontrast zu jenen Ereignissen, die auf Bridget in ihrem späteren Leben noch zukommen werden. Es änderte sich bereits, als es mit den Anschlägen begann. Hier eine Bombe, dort ein Hinterhalt und immer wieder Polizisten und Soldaten, die durch das Dorf stürmten. Fast schon eine Art seltsame Normalität. War es nicht völlig sinnlos, dieses Leben? "Nichts als Furcht, das ständige Gefühl, von allen Seiten belauert zu werden, und schließlich der Tod."

Die Wahrheit: Nichts in diesem Buch ist unbedeutend. Nicholas Searle schildert den Nordirlandkonflikt als eine Art Innenansicht aus dem Blickwinkel einzelner Beteiligter. Den Fokus richtet er dabei auf Bridget O'Neill, die eher zufällig und ohne jede Ahnung in den aktiven Wirkungskreis der IRA gerät. Am Anfang stand die Begegnung mit Francis in der Nähe jenes Pubs und seine spontanen, unbekümmerten Worte, die er damals an sie richtete. Seit jenem Tag änderte sich der Lauf der Dinge.

Letztlich bleibt aber auch für Francis nichts, wie es war. Die Zeiten ändern sich. Ob es nun seine eigenen Befindlichkeiten sind, die politischen Rahmenbedingungen oder die Zielführungen der Organisation und die Sache selbst, für die er sich ins Zeug legt. Die verschiedenen Ebenen beleuchtet der Autor von allen Seiten. Für Leserinnen und Leser bedeutet dies einen ständigen Wechsel der jeweiligen Beobachtungspositionen.

Fanatismus, Heuchelei, blinde Wut, Verrat und erschreckende Kaltblütigkeit wechseln sich ab mit Unsicherheit, Zweifel und der aussichtslosen Suche nach Wegen, die längst verloren sind. In diesem Durcheinander der Emotionen, die nur ins Chaos führen können, so etwas wie Spannung aufzubauen, scheint theoretisch unmöglich zu sein. Nicholas Searle beweist das Gegenteil, auch wenn er den Spannungsbogen zunächst sehr verhalten angeht.

Doch das, was auf leisen Sohlen beginnt, summiert sich in eine Eskalation von Spannung. Politisches Kalkül und persönliche Katastrophen verstricken sich immer mehr und Nicholas Searle vermag dies in einer fast beiläufigen Art und Weise zu schildern. Die Kunst dabei ist, vermeintlich unauffällig und wie aus einem Hinterhalt heraus, mit den weiteren zwischenmenschlichen Entwicklungen und äußeren Bedingungen die Leserschaft in eine sich ständig steigernde Unruhe zu versetzen.         

"Verrat" ist, was keinesfalls immer gelingt, eine Multiplikation des gelungenen Debüts, insbesondere was die Charaktertiefe der Hauptpersonen betrifft. Nach "Das alte Böse" eine weitere, unbedingte Leseempfehlung. Sogar eine zusammenfassende Nachhilfestunde in Geschichte darf man erwarten. Nicholas Searle schildert in einem ausführlichen Nachwort den geschichtlichen Hintergrund seines Romans, wobei er hier den Bogen unerwartet weit spannt.

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Rezension zu "Verrat" von Nicholas Searle

Historie mit Spannung und Tiefgang
MaternaKuhnvor 4 Monaten

VERRAT von Nicolas Searle ist mal wieder ein hervorragendes Beispiel, wie schwer es manchmal ist, Bücher in ein Genre zu kategorisieren. Ein Thriller - ja, vielleicht. Aber wenn, dann einer der ganz leisen und weichen Töne. Dieses Buch ist mehr. Es ist auch ein sozialkritischer Roman. Das Buch hilft Geschichte zu verstehen. Und es ist auch eine Appell für die Menschlichkeit und wider sinnlosen Tötens aus ideologischen, selbstsüchtigen und hirnlosen Gründen.

Bridget und Francis sind ein „normales“ nordirisches Paar in Zeiten der „Troubles“, der erbitterten, gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten, Armen gegen Reiche, Separatisten gegen Nationalisten, Iren gegen Briten, jeder gegen jeden, der an die Macht will. Francis führt für die IRA terroristische Anschläge aus, Bridget hütet wohlbewacht und umsorgt von anderen IRA-Frauen Haus und Hof. Im Rahmen einer Reise nach Singapur zur Hochzeit von Freunden ergibt sich aber für beide und getrennt voneinander die Chance auszusteigen. Wenn da nicht die Hindernisse im Kopf und vor allem die unverhohlenen totalitären Drohungen der „Mitstreiter“ wären gegenüber jedem, der Verrat an der Sache begeht. Gerade die, die bedingungslose Linientreue einfordern, sind mal wieder die ersten, die zweigleisig aufgestellt sind und sich für alle Eventualitäten in Zukunft positionieren.

Wie beide mit der Versuchung umgehen, in ein neues, sorgenfreies Leben zu wechseln, wird vom Autor hervorragend hergeleitet und einfühlsam in Szene gesetzt. Auch die eigentlich nicht-existierende Kommunikation zwischen den beiden introvertierten und wortkargen Charakteren entwickelt er treffend und stimmungsvoll. Das nordirische Naturell ist sicher Basis für das Verhalten der Protagonisten, aber andererseits findet sich das in Beziehungen weltweit nahezu identisch wieder. Beide schweben ständig zwischen Freiheit und Tod, zwischen selbstbestimmtem Handeln einerseits und der Abhängigkeit von Tradition, Ideologien und Repressalien anderseits. 

Wer verrät am Schluss wen, ist die Frage, die ständig über allem schwebt. Und natürlich ist es am Schluss ganz anders. Wie es ein gutes Buch ausmacht.

Noch ein Highlight. Als letztes Kapitel beleuchtet der Autor die Geschichte der jahrhundertelangen irischen und irisch-britischen Konflikte. Er versucht etwas zu erklären, „was eigentlich niemand erklären kann“. Und das gelingt ihm ganz hervorragend. Natürlich versteht man historische Ereignisse immer besser aus der Metaebene und aus der Distanz vieler Jahre. Aber Nicholas Searle beweist auch bei dieser kurzen Geschichtsstunde sein feines Händchen für wohl gesetzte Worte.

Manchmal hätte man sich im gesamten Buch noch etwas mehr Prosa und Bildermalerei gewünscht, dann wäre es ein richtig guter, hochklassiger 5-Sterne-Roman geworden. So aber bleibt die Sprache oft doch etwas spröde, sachlich. Also dann doch vom Stil her eher ein Thriller. Oder das Handwerk eines Autors mit viel Empathie für die nordirische Mentalität.

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Rezension zu "Verrat" von Nicholas Searle

getrieben von der Spannung
detlef_knutvor 9 Monaten

Der in Cornwall aufgewachsene Schriftsteller stellt mit diesem Roman eine Geschichte vor, die er sicherlich nicht nur aufgrund von Recherchen erarbeitet hat. Wegen seiner langjährigen Tätigkeit im Staatsdienst dürften reale Begebenheiten seines ehemaligen Umfeldes einen auslösenden Effekt gehabt haben.

Es beginnt 1989. Zentraler Hintergrund mit enormen Konfliktpotenzial ist der Konflikt zwischen Nordirland und Großbritannien. Protagonist ist Francis, ein Soldat der IRA, der Menschen für ein vereintes Irland tötet. Seine Dienste werden geschätzt, er hat sich einen Namen gemacht. Auch bei den Briten. Die nehmen zu ihm Kontakt auf, um ihn auf ihre Seite zu ziehen. Doch es läuft einiges aus dem Ruder. Als er Jahre später aus britischer Haft entlassen wird, ist der Kampf Geschichte. Niemand braucht mehr einen Kämpfer, deshalb kümmert er sich umso verbissener um die Suche nach seinem Verräter.

Mit sanften und ruhigen Tönen vollzieht Searle eine gewisse Bestandsaufnahme. Seine Bilder erzählen nicht nur die Zusammenhänge und Situationen der Nordirland-Krise, sie lassen die Zeit von damals im Kopf des Lesers neu entstehen. Und sie geben ein Gefühl, was damals geschah, wie sich die Menschen fühlten, die mittendrin waren. In einer Zeit, in der in Deutschland an ganz andere Sachen gedacht wurde.

In parallelen Szenen wird der Leser getrieben von der Spannung, wie es den einzelnen Figuren, nicht nur dem Protagonisten Francis, zukünftig gehen mag. Dazu gehören Francis Frau, sein Führungsoffizier und zwei britische Agenten. Der kalte Krieg scheint in der Welt zu Ende zu sein, doch auf Irland und den britischen Inseln geht er gnadenlos weiter.

Zu Beginn habe ich mich einfangen lassen von der Atmosphäre, von dem Geschehen, von dem ich damals nur in den Nachrichten gehört hatte. Doch mit immer mehr Fragezeihen im Kopf (Was geschieht hier?) hat mich Searle hineingezogen. Am Ende war der Romsn einfach nur noch fesselnd und schaffte es trotzdem nicht, Morde und Tötungen im Namen irgendeines Freiheitskampfes zu rechtfertigen.

Lesenswert allemal!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018

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