Verrat

von Nicholas Searle 
3,8 Sterne bei5 Bewertungen
Verrat
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Subtil, psychologisch, politisch. Ein spannendes Buch darüber, was der große politische Konflikt für die "kleinen Leute" bedeutet.

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getrieben von der Spannung

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Inhaltsangabe zu "Verrat"

Nordirland, Ende der Achtziger Jahre: Francis O‘Neill tötet Menschen. Er tut es für ein vereintes Irland. Die IRA schätzt seine Dienste - und verhandelt zugleich heimlich mit den Briten. Bridget O’Neill erträgt das Morden schon lange nicht mehr. Sie lässt sich vom britischen Geheimdienst anwerben und verrät ihren eigenen Mann.
Als Francis nach Jahren aus dem Gefängnis kommt, ist der Bürgerkrieg Geschichte. Und Francis beginnt die Suche. Die Suche nach dem Verräter

Ein ungeheuer fesselnder Thriller über den nordirischen Bürgerkrieg und über das, was die große Geschichte mit den einfachen Menschen macht.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499273179
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:336 Seiten
Verlag:ROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum:26.03.2019

Rezensionen und Bewertungen

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    MaternaKuhns avatar
    MaternaKuhnvor einem Monat
    Historie mit Spannung und Tiefgang

    VERRAT von Nicolas Searle ist mal wieder ein hervorragendes Beispiel, wie schwer es manchmal ist, Bücher in ein Genre zu kategorisieren. Ein Thriller - ja, vielleicht. Aber wenn, dann einer der ganz leisen und weichen Töne. Dieses Buch ist mehr. Es ist auch ein sozialkritischer Roman. Das Buch hilft Geschichte zu verstehen. Und es ist auch eine Appell für die Menschlichkeit und wider sinnlosen Tötens aus ideologischen, selbstsüchtigen und hirnlosen Gründen.

    Bridget und Francis sind ein „normales“ nordirisches Paar in Zeiten der „Troubles“, der erbitterten, gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten, Armen gegen Reiche, Separatisten gegen Nationalisten, Iren gegen Briten, jeder gegen jeden, der an die Macht will. Francis führt für die IRA terroristische Anschläge aus, Bridget hütet wohlbewacht und umsorgt von anderen IRA-Frauen Haus und Hof. Im Rahmen einer Reise nach Singapur zur Hochzeit von Freunden ergibt sich aber für beide und getrennt voneinander die Chance auszusteigen. Wenn da nicht die Hindernisse im Kopf und vor allem die unverhohlenen totalitären Drohungen der „Mitstreiter“ wären gegenüber jedem, der Verrat an der Sache begeht. Gerade die, die bedingungslose Linientreue einfordern, sind mal wieder die ersten, die zweigleisig aufgestellt sind und sich für alle Eventualitäten in Zukunft positionieren.

    Wie beide mit der Versuchung umgehen, in ein neues, sorgenfreies Leben zu wechseln, wird vom Autor hervorragend hergeleitet und einfühlsam in Szene gesetzt. Auch die eigentlich nicht-existierende Kommunikation zwischen den beiden introvertierten und wortkargen Charakteren entwickelt er treffend und stimmungsvoll. Das nordirische Naturell ist sicher Basis für das Verhalten der Protagonisten, aber andererseits findet sich das in Beziehungen weltweit nahezu identisch wieder. Beide schweben ständig zwischen Freiheit und Tod, zwischen selbstbestimmtem Handeln einerseits und der Abhängigkeit von Tradition, Ideologien und Repressalien anderseits. 

    Wer verrät am Schluss wen, ist die Frage, die ständig über allem schwebt. Und natürlich ist es am Schluss ganz anders. Wie es ein gutes Buch ausmacht.

    Noch ein Highlight. Als letztes Kapitel beleuchtet der Autor die Geschichte der jahrhundertelangen irischen und irisch-britischen Konflikte. Er versucht etwas zu erklären, „was eigentlich niemand erklären kann“. Und das gelingt ihm ganz hervorragend. Natürlich versteht man historische Ereignisse immer besser aus der Metaebene und aus der Distanz vieler Jahre. Aber Nicholas Searle beweist auch bei dieser kurzen Geschichtsstunde sein feines Händchen für wohl gesetzte Worte.

    Manchmal hätte man sich im gesamten Buch noch etwas mehr Prosa und Bildermalerei gewünscht, dann wäre es ein richtig guter, hochklassiger 5-Sterne-Roman geworden. So aber bleibt die Sprache oft doch etwas spröde, sachlich. Also dann doch vom Stil her eher ein Thriller. Oder das Handwerk eines Autors mit viel Empathie für die nordirische Mentalität.

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    detlef_knuts avatar
    detlef_knutvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: getrieben von der Spannung
    getrieben von der Spannung

    Der in Cornwall aufgewachsene Schriftsteller stellt mit diesem Roman eine Geschichte vor, die er sicherlich nicht nur aufgrund von Recherchen erarbeitet hat. Wegen seiner langjährigen Tätigkeit im Staatsdienst dürften reale Begebenheiten seines ehemaligen Umfeldes einen auslösenden Effekt gehabt haben.

    Es beginnt 1989. Zentraler Hintergrund mit enormen Konfliktpotenzial ist der Konflikt zwischen Nordirland und Großbritannien. Protagonist ist Francis, ein Soldat der IRA, der Menschen für ein vereintes Irland tötet. Seine Dienste werden geschätzt, er hat sich einen Namen gemacht. Auch bei den Briten. Die nehmen zu ihm Kontakt auf, um ihn auf ihre Seite zu ziehen. Doch es läuft einiges aus dem Ruder. Als er Jahre später aus britischer Haft entlassen wird, ist der Kampf Geschichte. Niemand braucht mehr einen Kämpfer, deshalb kümmert er sich umso verbissener um die Suche nach seinem Verräter.

    Mit sanften und ruhigen Tönen vollzieht Searle eine gewisse Bestandsaufnahme. Seine Bilder erzählen nicht nur die Zusammenhänge und Situationen der Nordirland-Krise, sie lassen die Zeit von damals im Kopf des Lesers neu entstehen. Und sie geben ein Gefühl, was damals geschah, wie sich die Menschen fühlten, die mittendrin waren. In einer Zeit, in der in Deutschland an ganz andere Sachen gedacht wurde.

    In parallelen Szenen wird der Leser getrieben von der Spannung, wie es den einzelnen Figuren, nicht nur dem Protagonisten Francis, zukünftig gehen mag. Dazu gehören Francis Frau, sein Führungsoffizier und zwei britische Agenten. Der kalte Krieg scheint in der Welt zu Ende zu sein, doch auf Irland und den britischen Inseln geht er gnadenlos weiter.

    Zu Beginn habe ich mich einfangen lassen von der Atmosphäre, von dem Geschehen, von dem ich damals nur in den Nachrichten gehört hatte. Doch mit immer mehr Fragezeihen im Kopf (Was geschieht hier?) hat mich Searle hineingezogen. Am Ende war der Romsn einfach nur noch fesselnd und schaffte es trotzdem nicht, Morde und Tötungen im Namen irgendeines Freiheitskampfes zu rechtfertigen.

    Lesenswert allemal!

    © Detlef Knut, Düsseldorf 2018

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    walli007s avatar
    walli007vor 7 Monaten
    Karfreitag

    Während Bridget ein scheinbar normales Leben führt, in dem sie ihrer Schwiegermutter gefallen will, ist ihr Mann Francis in den späten 1980ern für die IRA unterwegs. An verschiedenen Orten kann es sein, dass er sich mit einem Team zusammenfindet, um Anschläge vornehmlich auf englische Soldaten zu verüben. Dabei läuft nicht immer alles glatt und gerade, wenn es die falschen trifft, beginnt auch Francis zu überlegen, ob dieser bewaffnete Kampf noch zeitgemäß ist. Seine Frau, der schon klar ist, was ihr Mann so treibt, kommt ins Überlegen über den Sinn. Wäre es nicht doch besser, nicht mehr wie unter einer Dunstglocke aus Misstrauen, Geheimhaltung und möglichem Verrat leben zu müssen? 


    Der Konflikt um und in Nordirland ist seit der Unterzeichnung des Karfreitagsabkommens etwas in Vergessenheit geraten. Mit diesem Buch erinnert der Autor an die Vorkommnisse hauptsächlich in den Jahren bevor die Vereinbarung abgeschlossen wurde. Die eher in ärmlichen Verhältnissen lebenden Katholiken, die ihren gerechten Anteil von der privilegierten Minderheit der Protestanten per Terror einklagen. Der Konflikt im Rahmen der englisch-irischen Geschichte ist für einen Festlandeuropäer, der immer im Frieden gelebt hat nur schwer nachzuvollziehen. Ein wenig hilfreich ist hier das Nachwort des Autors, das allerdings auch einen guten Anreiz bietet auf eigene Faust weiter zu forschen. Nicht zu unterschätzen ist wahrscheinlich auch der Hinweis von Nicolas Searle, die Erfolge des Abkommens könnten durch den Brexit bedroht sein. Zwar kann man überhaupt nicht sicher sein, ob man es selbst besser gemacht hätte, manchmal fragt man sich aber dennoch, wer da mit welchen Gedanken über was wie abgestimmt hat. Nun, es gilt für die Politik, eine Lösung zu finden.


    Vor diesem Hintergrund erscheint das Buch in Deutschland gerade im richtigen Moment. Auch wenn zunächst in relativ trockenen und unberührten Worten geschildert wird, wie Briget und Francis ihre Ehe erleben, wird doch recht bald deutlich, dass beide auf ihre eigene Art mit ihrer Verbindung zur IRA hadern. Als Ehefrau ist Bridget nicht direkt betroffen, dennoch sorgt sie sich hinter ihrer glatten Fassade des nicht Wissens. Auch Francis kommen nach verunglückten Aktionen Bedenken an der Rechtmäßigkeit des Kampfes. Etwas woran er als kleiner Befehlsempfänger eigentlich nicht zweifeln darf. Doch über dieses Thema herrscht Schweigen zwischen den Eheleuten. Wo sich also ein Ausweg bieten könnte, sehen sie nur die Möglichkeit des Stillhaltens, des weiter so, um nicht aufzufallen. Seltsam still sind sie in diesem Buch, vieles wird nur angedeutet, wenig deutlich ausgesprochen. Und auch die mitwirkenden Briten scheinen immer auf mehreren Hochzeiten zu tanzen. Doch wie eigenartig wird die Situation erst, wenn der Kampf durch das Abkommen beendet wird und alles, um das man bisher herum geschwiegen hat, auf einmal nicht mehr gefragt ist.


    Ein eindringlicher Roman, der einige Details der näheren irischen Geschichte aufzeigt und der die Besorgnis weckt, wie sich die Dinge nach dem Brexit entwickeln werden.

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    schreiberlingvor 6 Tagen
    Kurzmeinung: Subtil, psychologisch, politisch. Ein spannendes Buch darüber, was der große politische Konflikt für die "kleinen Leute" bedeutet.
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    Nisniss avatar
    Nisnisvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Leider kein ankommen in der Geschichte möglich. Aber es mag an mir liegen.
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    In seiner Subtilität erinnert das an John le Carrés ‚Eine kleine Stadt in Deutschland‘, wo es auch um die emotionalen Verwerfungen in den Herzen derer geht, die im Schatten des Verrats tätig sind. Höchstes Lob.

    Das ist einer der Thriller, die Spannung nicht nur durch eine temporeiche Handlung erzeugen, sondern auch damit, dass wir Einsicht in eine uns sonst unzugängliche Welt erhalten.

    Searle schreibt gut über das, was er kennt.

    Eine Geschichte über schäbige Kompromisse und schmerzhafte Entscheidungen … Searles Antiheld kann nicht anders als Verrat und Gewalt in die Welt zu bringen, und sein Dilemma hat eine moralische Botschaft: Selbst der härteste Mann ist verletzlich durch die Liebe.

    Searle schreibt mit so viel Mitgefühl und Verständnis, dass der Leser seine Sympathie auch den Figuren nicht verweigern mag, die Grauenhaftes tun. Das verdoppelt die Spannung, denn man zittert als Leser auch um die Bad Guys … ‘Das alte Böse‘ war ein exzellenter Thriller, aber dieses Buch liest sich persönlicher; es ist noch besser.

    Unerträglich spannend … Dies ist das Abbild einer realen Welt, es kommt von jemandem der in ihr gelebt hat.

    'Das alte Böse' war ein exzellenter Thriller, aber dieses Buch liest sich persönlicher. Es ist noch besser.

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