Nick Dybek Der Himmel über Greene Harbor

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Inhaltsangabe zu „Der Himmel über Greene Harbor“ von Nick Dybek

In Loyalty Island, einem Fischerdorf im pazifischen Nordwesten der USA, dreht sich seit Generationen alles um den Krabbenfang. Als der Besitzer der Flotte stirbt und sein zwielichtiger Sohn Richard die Geschäfte übernehmen soll, bricht Panik aus im Ort. Auch dem 14-jährigen Cal, der zufällig ein Gespräch zwischen seinem Vater und zwei weiteren Fischern belauscht, wird mulmig. Ist es möglich, dass die Männer vorhaben, Richard aus dem Weg zu räumen?

Ich hatte immer das Gefühl, es schrappt haarscharf am Genialsein vorbei, insgesamt waren mir dann aber doch zu viele Probleme im Text.

— Amilyn
Amilyn

Ein toller Roman, der zwar etwas anders als erwartet, aber dadurch nicht minder zum Nachdenken angeregt hat.

— Misteringreen
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  • Fast genial und doch nicht gut

    Der Himmel über Greene Harbor
    Amilyn

    Amilyn

    18. December 2016 um 19:47

    In Greene Harbor sind alle vom Fischfang abhängig, und als der Besitzer des ansässigen Fischereibetriebes stirbt, steht die Existenz der Bewohner auf dem Spiel, denn sein Sohn Richard will alles an die Japaner verkaufen. Als der 14jährige Cal seinen Vater und dessen Kollegen dabei belauscht, wie sie darüber reden, den ungeliebten Fischereierben zu töten, weiß er nicht, was er davon halten soll. Doch bald hört jeder von der Nachricht, Richard sei während der aktuellen Saison über Bord gegangen ... Wenn Stewart O'Nan ein Buch lobt (Zitat auf dem Klappentext: "Ein Pageturner voller Geheimnisse, Gefahr und Verrat."), dann muss ich ihm folgen. Doch auch allein von der Beschreibung her, glaubte ich, ein wahres Schätzchen vom Wühltisch gerettet zu haben. Und das ist es ja eigentlich auch. Der Horror liegt hier (so wie bei O'Nans Geschichten z. B. auch) ganz knapp unter der Oberfläche, und wir erleben die Angst einer ganzen Dorfgemeinschaft aus der Sicht eines 14jährigen Jungen. Es geht hier nicht darum, ein Verbrechen aufzuklären, sondern darum, was passiert, wenn Dinge schiefgehen. Ich liebe solche Geschichten. Beim Lesen hatte ich immer das Gefühl, diese hier könnte es sein: genial, einzigartig, großartig. Leider war sie das haarscharf nicht, und zusätzlich gab es noch zwei große Probleme, die mich fast zur Weißglut getrieben haben. Problem Nr. 1: die WiederholungenDer Anfang ist toll. Wir lernen Cal kennen, seine Familie, einige andere Bewohner aus Greene Harbor, und es ist, als würde die Welt stillstehen, als der beliebte Fischereimogul unerwartet stirbt. Wirklich toll geschrieben ist das. Doch in der Mitte der Geschichte passiert eigentlich ständig dasselbe. Der Ablauf gerät ins Stocken, und ich hatte das Gefühl, ich lese 150 Seiten lang immer und immer wieder dieselbe Story, was ich streng genommen auch getan habe. Problem Nr. 2: die DialogeIch glaube, dass der Autor die Dialoge unbedingt besonders intellektuell halten wollte. Als etwas ganz besonderes, damit der Leser ihn für einen wahnsinnig kreativen Schreiberling hält. Dass 14Jährige untereinander so reden, kann ich mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, denn besonders die Dialoge zwischen Cal und seinem besten Freund Jamie waren einfach furchtbar. Klar, wenn sie in einem solchen Roman mit Fäkalsprache um sich geworfen hätten, hätte es einfach nicht gepasst, aber sie haben die ganze Zeit nur aneinander vorbei geredet. Der Eine hat eine Frage gestellt, auf die der andere mit irgendwas geantwortet hat, nur nicht mit der passenden Antwort, und so ging das permanent. Stellenweise war es so schlimm, dass ich überhaupt nicht wusste, worüber die da eigentlich reden, und auch die andere Dialoge waren nur geringfügig besser. Fazit: Der Himmel über Greene Harbor hätte wirklich etwas ganz besonderes sein können, aber bei aller Liebe, das war es wirklich nicht. Der Schreibstil an sich war wirklich schön und gut zu lesen, aber der zu lange Mittelteil und vor allem die Dialoge haben es nicht geschafft, mich zu überzeugen, und so wird aus einem potentiellen 5*****-Buch ganz schnell ein 3***-Mittelmaß. Schade ...

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  • Eine grausame Entscheidung

    Der Himmel über Greene Harbor
    zenia_xanadu

    zenia_xanadu

    20. June 2015 um 17:55

    Cal ist 14 und wohnt in einem gottverlassenen amerikanischen Fischerdorf. Sein Vater ist das halbe Jahr auf See, seine Mutter bekämpft ihre Depressionen mit ihrer Plattensammlung und ausländischen Filmen. Doch als John Gaunt, der Besitzer der Krabbenfischer-Flotte, stirbt, steht plötzlich die Existenz der ganzen Gemeinde auf dem Spiel – und Cal muss eine Entscheidung treffen, die sein Leben für immer verändern wird. Für Cal und seinen Freund Jamie ist die Zukunft klar: Wie ihre Väter und deren Väter wollen sie Krabbenfischer werden. So ist das nun mal auf Loyalty Island. Zumindest für die, die dazugehören. Nicht dazu gehört John Gaunts Sohn Richard: Er ist ein Außenseiter, hat studiert, durfte nie mit seinem Vater aufs Boot – und ist im ganzen Dorf als arroganter Schnösel verschrien. Als John Gaunt stirbt, erbt ausgerechnet Richard die komplette Flotte und hat das Schicksal von Loyalty Island in seiner Hand. Doch Richard will die Schiffe verkaufen…Wie weit würde ein Mann gehen, um seine Familie zu retten? Als Richard nach einem scheinbaren Sinneswandel mit den Fischern in See sticht und kurz darauf über Bord geht, kommen bei Cal Zweifel auf. Er wohnt den Winter über bei Jamie, seine Mutter hat die Familie verlassen. Doch dann hört Cal bei einem seiner heimlichen Besuche in seinem alten Haus Musik aus dem Keller kommen. Als er sich endlich ein Herz fasst und nachsieht, macht er eine Entdeckung, die ihn selbst vor eine grausame Entscheidung stellt. „Der Himmel über Greene Harbour“ ist ein Buch über Gut und Böse, über Väter und Söhne und über das Erwachsenwerden. Der englische Originaltitel „When Captain Flint was still a good man“ deutet all das bereits an. Captain Flint ist der Schurke aus dem Roman „Die Schatzinsel“, der zu Cals schönsten Kindheitserinnerungen zählt. An langen Abenden hat ihm sein Vater Geschichten über den Piraten erzählt – was er erlebte, bevor er zum gierigen Mörder wurde. Der Wunsch nach der Anerkennung seines Vaters ist es schließlich, der Cal am Ende des Buches selbst vor die Wahl zwischen Gut und Böse stellt.Nick Dybeks Roman hat eine ganz eigene Magie, die mich von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen hat. Das liegt zum einen an der fast kargen, spröden Sprache, die einen die salzige Meeresluft fast selbst auf den Lippen spüren lässt. Zum anderen entwickelt die Geschichte einen Sog wie ein Film, bei dem man das Ende eigentlich kennt, aber nie die Hoffnung aufgibt, dass alles doch noch gut ausgehen mag. Meine Wertung: absolut lesenswert.

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  • Nur bis zur Hälfte lesenswert

    Der Himmel über Greene Harbor
    Ralphfwild

    Ralphfwild

    22. September 2014 um 10:39

    Was treibt jemandem um, ein solches Buch zu schreiben? Der junge Autor hat mit seinem Erstling ein Werk geschaffen, das eine Berücksichtigung in so manchen Kritikerregalen finden wird. Doch wenn ich mir die (anhaltenden) Hochpreisungen anschaue, muss ich für mich ganz klar sagen: Das Buch ist deutlich überwertet. Der Pazifik weht einem um die Nase, die Fischerei ist zum Greifen nahe, die Krebse in den Körben kann der Leser schon fast berühren - das Buch ist grandios. Aber leider nur bis zur Hälfte. Bis Nick Dybek abtaucht in seine Welt der Verleumdung, nur noch arbeitet mit Ängsten, mit Verwirrungen. Dann verliert "Der Himmel über Greene Harbor" deutlich an Tempo. Uplötzlich verlässt Dybek den so engen Kontakt zur Welt der Fischer und entflieht in ein abstruses Szenario. Und ab diesem Zitpunkt war der Roman nur noch eine Qual - Durchbeißen bis zum Schluss. Zwei Jugendliche, die sich uneins sind wie sie mit einem - von ihren Vätern - Entführten umgehen sollen. Die dabei immer wieder über die Probleme in ihren eigenen Familien stolpern, die der Fischerei geschuldet sind. Väter, die keine andere Lösung wissen, als den jugendlichen Inhaber der Reederei zu kidnappen und ihn für tot erklären zu lassen... Das alles hat mich, nach der hundertsten inneren Wiederholung, irgendwann nicht mehr gefesselt. Einzig wissen zu wollen, wie das Buch endet, hat mich schließlich doch angetrieben, auch die letzten Seiten vollends hinter mich zu bringen. Während der Inhalt mich also schließlich nicht mehr fesseln konnte, ist Dybek sprachlich durchweg ein Genie. Schade, dass er den Weg, den er über die ersten 150 Seiten eingeschlagen hatte, nicht durchhält. Ansonsten wäre "Der Himmel über Greene Harbor" auch für mich ein Meisterwerk eines Jungautors geworden. So aber blieben mir (maximal) drei Sterne übrig, da mich das Buch zuletzt dann nur noch gelangweilt hat.

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  • Bleibt hinter meinen Erwartungen zurück

    Der Himmel über Greene Harbor
    bookgirl

    bookgirl

    11. August 2014 um 14:39

    Inhalt Der 14jährige Cal lebt mit seiner Familie auf Loyalty Island. Die Männer leben vom Fischfang und fahren im Herbst mit den Schiffen in die Beringsee Alaskas, um dort das Geld zu verdienen von dem sie den Rest des Jahres versorgt sind. Ihre Frauen bleiben zurück und müssen teilweise auch mit der Angst leben, dass die Männer nie wiederkehren. Als John Gaunt, der reichste Mann im Ort und noch dazu der Reeder, dem die gesamte Flotte gehört, stirbt, liegt das Schicksal der Bewohner in den Händen seines Sohnes Richard. Dieser ist jedoch alles andere als gewillt das Erbe seines Vaters fortzuführen und möchte lieber alles verkaufen, was die Einwohner von Loyalty Island in den Ruin treiben würde. Doch sie finden ihre ganz eigenen Mittel, um dem entgegenzuwirken. Meine Meinung Als ich die Kritik von Christine Westermann "Der Autor ist ein Maler mit Worten … Pures Lesevergnügen" las, wurde ich neugierig auf das Debüt von Nick Dybek. Doch leider kann ich die Begeisterung nicht teilen und das Buch bleibt hinter meinen hohen Erwartungen zurück. Der Autor greift Themen auf, wie z.B. das Ende einer Kindheit, die Schwierigkeit eine funktionierende Ehe zu führen und auch ein guter Elternteil zu sein, aber auch Verrat und moralische Verfehlungen. Die Hauptfrage ist jedoch: wie weit ist ein Mensch bereit zu gehen, um sein Ziel zu erreichen. Die amerikanische Presse hat das Buch als mitreißend bezeichnet und genau das ist für mich der größte Kritikpunkt. Denn das ist bei mir leider gar nicht der Fall gewesen. Die Handlung plätschert vor sich hin und es gibt gerade mal eine Überraschung, von deren Verlauf jedoch die Fortführung der Geschichte abhängt und das Verhalten, der darin verwickelten Protagonisten bestimmt. An überraschenden Wendungen war es das dann allerdings auch schon und das Buch macht da weiter, wo es aufgehört hat. Dabei hat Nick Dybek eigentlich einen guten Schreibstil, der durchaus schöne Lesemomente kreieren kann, aber mir war das Buch über weite Teile zu emotionslos, als das es mich hätte berühren können. Den Hauptprotagonisten Cal finde ich jedoch sehr gut gewählt. Aus seiner Sicht wird die Geschichte erzählt, die ihn gleichzeitig vom Kind zum Erwachsenen hat werden lassen. Er ist es, der seinen Vater mit den Bewohnern von Loyalty Island belauscht und über die Pläne dieser, wie mit Richard zu verfahren ist, fassungslos ist. Er ist es, der ohne Vater und Mutter und bei Nachbarn aufwachsen muss, da die beiden nicht mehr miteinander leben können und jeder seines Weges geht. Und er ist es, der eine ungeheuerliche Entdeckung macht, die in ihm Zweifel aufkommen lässt, was richtig und was falsch ist. Wäre er nicht gewesen, hätte ich das Buch sicher irgendwann zur Seite gelegt. Nur Cal ist es jedoch zu verdanken, dass ich bis zum Ende diese raue Klima – und damit ist nicht nur das Wetter gemeint – weiter verfolgt habe. Fazit "Der Himmel über Greene Harbor" ist ein solides Debüt, das mich jedoch nicht ganz überzeugt hat. Hauptprotagonist und Schreibstil tragen aber dazu bei, dass man weiter liest und wissen möchte, wie die Geschichte endet.

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  • Ein solides Debüt

    Der Himmel über Greene Harbor
    Duffy

    Duffy

    08. August 2014 um 09:49

    Loyality Island ist ein Fischerdorf im Nordwesten der USA. Als John Gaunt, der die dortige Fangflotte besitzt und die Infrastruktur um das Herzstück des Ortes, den Krabbenfang, aufgebaut hat, stirbt, soll sein Sohn Richard den Betrieb übernehmen. Doch der ist recht ahnungslos und unberechenbar und der Verkauf der Flotte an asiatische Investoren steht im Raum. Cal, der 14jährige Sohn eines der betroffenen Fischer im Dorf, belauscht ein Gespräch, das zumindest den Verdacht erweckt, das Richard aus dem Weg geräumt werden soll. Als die Schiffe zum ersten Mal nach dem Tod ihres bisherigen Besitzers zum Saisonfang nach Alaska auslaufen, hat man Richard mitgenommen, um ihn mit der Arbeit und der Bedeutung für die Fischer und deren Familien bekannt zu machen und dadurch zu bewegen, nicht zu verkaufen. Irgendwann während der Fangfahrt erreicht die Bewohner von Loyality Island die Nachricht, dass Richard über Bord gegangen ist. Währenddessen macht Cal zuhause eine folgenschwere Entdeckung. Mit beeindruckendem, bildhaftem Stil gelingt es Dybek, die Atmosphäre des kleinen Fischerdorfs zu beschreiben. Er zeichnet ein detailliertes Bild seiner Protagonisten, überzeugt mit Details über die einzelnen Personen, sei es, was äußerliche Merkmale betrifft, oder charakterliche Eigenschaften. Die Handlung an sich ist gradlinig, fast überraschungsarm. Lediglich zwei bis dreimal lässt er wirklich entscheidende und für den Verlauf wichtige Dinge geschehen. In die Zwischenräume packt der Autor dann das, worauf es ihm offensichtlich ankommt. Moralische Aspekte genauso wie die Themen Versagen, Beziehungen zwischen Eheleuten, Eltern und Kindern, Freundschaft, den Umgang der Dorfbewohner untereinander, sowie das wichtige Verhältnis der Menschen zu ihrer Arbeit. Doch irgendwann entsteht der Eindruck, dass der Autor sich verzetteln könnte. Wenn er plötzlich mit Retrospektiven arbeitet, die für den Leser meist unerwartet kommen. Cal, der Ich-Erzähler, verliert sich zu oft in seine Situation, das sind Momente, wo Längen entstehen, die den Fluss hemmen. Es gibt auch Dialoge, die in dieser Form fehl am Platze wirken. Eine sorgfältigere Dosierung hätte dem Buch gut getan. Es ist nicht das umwerfende und spektakuläre Debüt eines Autors. Es ist ein gutes und interessantes Buch mit großem handwerklichen Potential und stilistischer Indiviualität. Das ist eigentlich schon eine ganze Menge und man darf auf das nächste Werk gespannt sein.

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  • Sensibel, spannend, überraschend - beeindruckend.

    Der Himmel über Greene Harbor
    ladyhopeless

    ladyhopeless

    21. June 2014 um 17:28

    Cal ist 14 Jahre alt, als er von heute auf morgen erwachsen werden muss. Er lebt als Sohn eines Fischers in Loyalty Island, einem kleinen Fischerort auf der Olympic-Halbinsel an der Küste von Washington State. "Loyalty Island – das war der Gestank von Hering, Lackfarbe und fauligem Seetang an Anlegestellen und auf Stränden. Der Geruch von Kiefernnadeln, die sich am Boden braun verfärbten. Das Rumpeln von Außenbordmotoren, von Windböen und Eismaschinen, das Heulen hydraulischer Winschen. Es war graues Dämmerlicht, das morgens und abends kam und ging – wie Ebbe und Flut." Das Leben dort ist geprägt von der Krebsfischerei. Zur Fangsaison fahren die Männer raus aufs Meer, nach Alaska, und kehren erst ein halbes Jahr später wieder heim. Während die Männer auf hoher See sind, einzelne Gliedmaßen oder auch das Leben aufs Spiel setzen im winterlichen Pazifik, kümmern sich die Frauen darum, dass es an Land weitergeht, allein auf sich gestellt, isoliert vom Rest der Welt, immer auch in der Erwartung schlechter Nachrichten. Dieser Rhythmus prägt die Menschen von Loyalty Island seit Generationen. "Die Zurückbleibenden igelten sich ein. Den ganzen Herbst, den ganzen Winter lebten wir – so kam es uns vor – an der Grenze zum richtigen Leben, das sich woanders abspielte. Es schien, als ob wir die Abwesenden waren, nicht die anderen, dass wir diejenigen waren, die sich verabschiedet hatten." Doch 1986 droht sich alles zu ändern. John Gaunt, Besitzer der Fangflotte, Inhaber der Fischereirechte und der verarbeitenden Industrie vor Ort, stirbt. Richard, sein einziger Sohn, wird Universalerbe. Doch Richard denkt nicht daran, dass Erbe seines Vaters fortzuführen. Die Beziehung zu seinem Vater und seiner Heimat ist von Hass geprägt. Er hat in seinem ganzen Leben keinen Fuß auf ein Fischerboot gesetzt. Als die Fischer, deren Boss Richard nun ist, erkennen, dass dieser ihnen droht, durch den Verkauf der Fangrechte die Existenzgrundlage zu entziehen, sehen sie sich gezwungen zu handeln. Nick Dybek hat in meinen Augen mit „Der Himmel über Greene Harbor“ ein unglaublich gutes Buch geschrieben. Vielschichtig sind die Themen: Erwachsenwerden, Väter und Söhne, Loyalität, Freundschaft, Verantwortung, moralische Integrität und die Frage, wie weit man als Einzelner, aber auch als Gemeinschaft gehen würde, um die Existenz zu sichern. Konsequent erzählt er die Geschichte aus der Sicht des 14-jährigen Cal, Sohn eines der Skipper. Ein Kniff Dybeks, den ich aus unterschiedlichen Gründen großartig finde: Er erlaubt damit dem Leser eine unschuldige Sicht auf die Vorgänge. Es sind lediglich Puzzleteile, Gespräche, die Cal belauscht, Erlebnisse und Beobachtungen, die ein Bild der Vorkommnisse ergeben. Ob dieses Bild mit den tatsächlichen Geschehnissen übereinstimmt, welche Entscheidungen wer getroffen hat und wohin genau diese führen, man weiß es nicht. Die Dinge entwickeln sich, sie widerfahren Cal, denn sein Leben wird natürlich noch von den Handlungen der Erwachsenen bestimmt - er muss die Konsequenzen tragen. Doch ein 14-Jähriger fängt an, sich eigene Gedanken zu machen, sich von seinen Eltern zu distanzieren und ihre Handlungen zu hinterfragen. Und so beginnt auch Cal seinen eigenen Weg auszuloten. "Offensichtlich war mir klar, dass es für mich ein Leben jenseits von Loyalty Island geben könnte. Ich hatte nur keine Ahnung, wie anders die Welt auf der anderen Seite des Pudget Sounds und des Kaskadengebirges aussah. Mir war nicht klar, was es bedeutete, in Loyalty Island zu bleiben und mir einen Platz auf den Schiffen bei meinem Vater zu erarbeiten. Es hieß nicht etwa, alles erreicht zu haben – es bedeutete vielmehr, unermesslich viel verpasst zu haben." Bemerkenswert ist für mich, wie glaubwürdig und sensibel Dybek diese Entwicklung schildert. Die Aufsässigkeit, die Herzlosigkeit gegenüber der Mutter, die einen selbst überrascht, der Trotz aber auch die Verwirrung. Der Wunsch, das Richtige zu tun und die Erkenntnis, nicht mehr sicher zu wissen, was das Richtige ist. Für 320 Seiten war ich wieder 14 Jahre alt. Aber jenseits davon hat mich vor allem Dybeks sprachliche Wucht beeindruckt. Die Art, mit der er das Leben der Fischer beschreibt, die Entbehrungen, die Gefahren, aber auch die Gründe dafür, all das immer wieder aufs Neue auf sich zu nehmen. Man riecht das Salz, hört die Möwen über sich kreischen, rast mit dem Krabbenkorb in die Tiefe, wird von einem Brecher über das Deck geschleudert. "Wenn sie arbeiten, gibt es weder Tag noch Nacht. Keine Zeit zu essen, keine Zeit zu schlafen, keine Arbeitszeit, keine Zeit zu spielen, keine Ruhezeit. Es ist alles eine einzige große Schmiere. Sie haben alles plattgemacht, die Zeit zerfetzt. Aber sie machen alles gemeinsam. Ich glaube, das ist es, was Liebe bedeutet, dieses Ding, das Zeit zerstört. Man braucht keine Zeit mehr." Mit „Der Himmel über Greene Harbor“ hat Nick Dybek ein Debut geschrieben, das alles hat, was eine gute Geschichte haben muss - es ist spannend, überraschend, vielschichtig, sensibel, klug. Herausragend wird dieses Buch aber für mich - zum einen - durch die sprachliche Eindringlichkeit, die Intensität seiner Beschreibungen. Ich habe keine Ahnung, wie oft ich die Luft angehalten, geseufzt oder Laute der Überraschung oder des Schrecks von mir gegeben habe. Zum anderen gelingt dem Autor eine thematische Tiefe und Vielfalt ohne das Buch zu überfrachten. Nachdem ich die letzte Seiten gelesen hatte, dachte ich noch Tage lang über die Geschichte nach und stellte dabei immer wieder neue Zusammenhänge her. „Der Himmel über Greene Harbor“ ist eines der ganz wenigen Bücher, das ich noch einmal lesen möchte. Zu sagen „Unbedingt Lesen!“ reicht nicht. Ich gehe soweit und sage, ein Verlust für jeden, der es nicht liest. 

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  • So viele Möglichkeiten für das Ende

    Der Himmel über Greene Harbor
    Wassollichlesen

    Wassollichlesen

    04. June 2014 um 21:50

    Als ich angefangen habe, dass Buch zu lesen habe ich mich ein bisschen gesträubt. Der Beginn, Cals Schilderungen seines Alltags, seiner Familie und seiner Umwelt, haben mich nicht so richtig vom Hocker gehauen. Kein Verhältnis zum Vater, keine richtige Beziehung zur Mutter. Was ist bloß los mit dieser Familie? Das Buch ist ruhig. Zumindest zu Beginn. Die anfängliche Langeweile verabschiedet sich aber relativ schnell, nicht zuletzt durch John Gaunts Tod, sondern auch durch Cals Erzählungen über die Erlebnisse mit seinem besten Freund Jamie. Das macht Spaß, zwei Jungen, die gemeinsam ihre Zeit verbringen und aufwachsen und die später ein gemeinsames Geheimnis verbindet. Aber nicht so schnell! Wobei der Klappentext relativ viel verrät.. Oder doch nicht? Als ich den Klappentext gelesen habe dachte ich nur "alles klar, die bringen diesen komischen Kautz um und vertuschen alles und der arme Cal weiß nicht, wie er sich verhalten soll". Aber das wäre viel zu einfach. Nick Dybeck hat hier einen guten Verlauf der Ereignisse um den Todesfall drum herum gestrickt, der bis zuletzt alle Möglichkeiten offen hält. Außer der Variante, die sich dann abspielt, mit der ich niemals gerechnet hätte bzw. die mir nie in den Sinn gekommen wäre.Gibt es hier Parallelen zu Meer (erst ruhig und dann stürmisch)?? Okay, zukünftig keine Interpretationsversuche mehr..Fazit: Das Buch bekommt von mir 4 Sterne. Warum? Die moralischen Aspekte für Cals Handeln sind ein Grund für die gute Bewertung. Ein anderer, und der ist für mich eigentlich der entscheidendere ist, dass das Buch nicht bloß für einen Lesespurt bei mir gesorgt hat, sondern für zwei. Der Teil, in dem Cals Beziehung zu Jamie dargestellt wird ist stark und besonders, natürlich, das unvorhersehbare Ende und dessen Folgen. Toll! Ein Buch mit ruhigen Grundton, das zum Nachdenken anregt.

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  • Geheimnisse an Land und am Meer

    Der Himmel über Greene Harbor
    Callso

    Callso

    06. March 2014 um 08:18

    Wie ist es so schön auf dem Buchrücken formuliert: Ein feines Buch über Geheimnisse, Verrat und Gefahr. Eindeutig ein Buch, dass das schriftstellerische Können von Autor Nick Dybek zeigt. ES geht um einen 14 jährigen Jungen, der an nördlichen US-Westküste aufwächst. Seine Eltern leben alles andere als die perfekte Harmonie vor. Der Vater ist als Fischer monatelang im Meer rund um Alaska unterwegs. Es geht aber auch um das Einsperren eines Erwachsenen, um den plötzlichen Auszug der Mutter und Entscheidungen, die geheimnisvoll getroffen werden... Es ist bei einem Roman sicherlich ganz reizvoll, wenn man sich einige Inhalte selber ausmalen oder frei interpretieren kann, im Laufe des Buches blieben dennoch für mich zu viele Handlungen unschlüssig oder unklar. Dennoch ein Buch, das man gut lesen kann, das eine interessante und intelligente Geschichte beheimatet. So komme ich als Landratte auf ordentliche 3 1/2 Sterne und bin gespannt, was der noch jungen Autor noch fabriziert....  

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  • Der gefährlichste Job Alaskas

    Der Himmel über Greene Harbor
    thelexxx

    thelexxx

    27. May 2013 um 21:35

    Loyalty Island, das ist Wind, Regen, der Geruch von Fisch, Salz und Seetang - und es ist die Heimat des jungen Cal, der als Sohn eines Fischers im Panorama eines stürmischen, dunklen Ozeans aufwächst. Cal ist vierzehn Jahre alt und wartet nur darauf, selbst mit den Männern in See zu stechen, wie sein Vater. Doch seine Mutter ist dagegen. Das Verhältnis der Eltern ist zerrüttet und von Einsamkeit und Gefahr geprägt, was jedoch nichts Besonderes in dieser Ecke der Welt ist. Das gesamte Leben auf der kleinen Halbinsel im Bundesstaat Washington ist auf eines ausgerichtet: den Fischfang. Daneben hat nicht viel Platz. Er ist die Hauptschlagader des einfachen Lebens und allgegenwärtig; Jahr für Jahr machen sich die Männer des Ortes im Herbst mit ihren Schiffen auf in die zerstörerische Beringsee Alaskas, um am Abgrund der Welt das Geld für den Rest des Jahres zu verdienen. Jeder Job und jedes Leben hier scheint irgendwie mit der Fischerei verknüpft, und so ist die Aufregung auf Loyalty Island auch nur nachvollziehbar, als John Gaunt, der reichste Mann der Gegend und noch dazu der Besitzer der wichtigen Fanglizenzen, der Fabriken und der gesamten Fangflotte, stirbt. Das Schicksal und die Existenzen aller scheinen nun in den Händen des einzigen Erben zu liegen: Gaunts eigenwilligen und verantwortungsscheuen Sohn, Richard, der nicht im Traum daran zu denken scheint, an das Leben seines Vaters anzuknüpfen, sondern stattdessen lieber alles zu verkaufen droht und die Einwohner Loyalty Islands somit ihrem kläglichen Schicksal zu überlassen. Und das, kurz vor Beginn der Fangsaison. Der junge Cal spürt, dass sein Vater und die anderen Kapitäne der Flotte das so nicht hinnehmen können, sondern im Stillen daran denken, irgendetwas zu tun, um nicht nur ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, sondern gleichsam die Existenzen aller Einwohner vor dem sicheren Unheil zu bewahren. Doch würden sie Richard Gaunt tatsächlich umstimmen können oder gar Schlimmeres? Wäre Cals gutmütiger Vater wirklich dazu fähig? Um es kurz zu machen: Dybek hat mit "Der Himmel über Greene Harbor", das im Original den wesentlich besseren Titel, "When Captain Flint Was Still a Good Man", trägt, einen vielversprechenden und grundsoliden Debütroman über Moral, Familie und die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens geschrieben. Mit schönen Sätzen, angenehmen Charakteren und klugen Dialogen zeichnet Dybeck das Porträt eines einfachen Lebens, das manchmal doch ziemlich kompliziert und gar höchst dramatisch sein kann. Sicher, der Roman verliert gegen Ende ein wenig an Fahrt, doch das schmälert nicht den Eindruck, dass wir uns auf mehr von dem jungen Amerikaner freuen können. auch zu lesen auf: buchpiraten.blogspot.de

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