Es ist ein bisschen so, als hätte Nick Jentsch meine Gebete erhört, denn ich liebe außergewöhnliche Settings. Und mit einem Jahrmarkt hat er genau meinen Geschmack getroffen.
Jetzt ist es sein Erstlingswerk, soweit ich weiß und ich will nicht zu hart mit ihm ins Gericht gehen, denn das Buch war eindeutig unterhaltsam, hatte aber auch seine Schwächen. Und hier muss ich auch mal mit dem Piper Verlag schimpfen: Wie stiefmütterlich habt ihr bitte dieses Buch behandelt (das mit 16 Euro auf nicht einmal 300 Seiten echt nen Haufen Asche kostet)? Nicht nur, dass von Lektorat gleich mehrere Tippfehler/Doppelwörter übersehen wurden, gab es auch immer wieder widersprüchliche Aussagen, die einem erfahrenen Lektor eigentlich hätten auffallen müssen, selbst, wenn der Autor erst mal denkt, das, was er schreibt, sei schlüssig. Ich muss sagen, das war gerade zu Beginn der Geschichte oftmals ein Aufreger, gab sich aber im Laufe des Buchs – oder ich habe einfach irgendwann meinen Kopf ausgemacht beim Lesen.
Die Geschichte war durchaus unterhaltsam. Ich mochte das Setting, ich mochte den jungen Geisterbahnbetreiber mit seiner verstörenden Lebensgeschichte und Susie, die Wurstverkäuferin, auch, wenn der Autor nie aufgelöst hat, was es mit ihrer Gefriertruhe auf sich hat. Ich mochte auch Paula – nur Max, unseren eigentlichen Protagonisten fand ich etwas blass.
Der Fall um die auf dem Volksfest verschwundenen Personen war durchaus nicht schlecht, aber er war nicht sonderlich spannend aufgebaut. Es gab also eher nicht den Thrill, sondern es war einfach interessant, zu erfahren, wie es weitergeht. Ich denke, wenn der Autor noch ein bisschen rumprobiert, könnte er den Dreh aber noch rausfinden.
Das Ende fand ich leider etwas zu hastig geschrieben und ehrlich gesagt auch nicht anch meinem Geschmack.
Das klingt jetzt alles so negativ, aber der Unterhaltungsfaktor des Buches war echt gegeben und ich habs gerne zur Hand genommen, um zu erfahren, wie die Geschichte weitergeht.
Etwas muss ich aber noch loswerden: Der Schreibstil ist durchaus einnehmend, aber auch ziemlich altbacken. Manchmal kam es mir vor, als würde ich ein Buch aus den 80ern lesen.
Die Figuren haben sich mit ihren 30 Jahren verhalten wie Teenager, haben aber geredet wie alte Leute. Da würde ich mir in Zukunft noch etwas mehr Frische wünschen.




