Lyle Hovde und seine Frau Peg haben ihren eignen Sohn verloren, als dieser noch ein Baby war. Lyle hat damit auch den Glauben an Gott verloren. Jahre später erfährt das Ehepaar von einer jungen Mutter, die ihre Tochter zur Adoption freigibt und sie nehmen sich um das Mädchen an. Zu Beginn des Buches lesen wir von einem Lyle, der bereits Opa von einem kleinen Isaac ist, den er vergöttert. Seine Tochter Shiloh hat sich indes jedoch einer kirchlichen Gemeinschaft angeschlossen und wird von dem charismatischen Prediger Steven umgarnt, der Isaac als Wunderheiler stilisiert.
Nickolas Butler hat ein sehr komplexes Geflecht an Themen in seinen Roman gepackt, über allem steht der Glaube, aber es geht auch um Familie, Freundschaft, Krankheit, Wut, Schuld und Liebe. Als Leser/in bleibt man in Lyles Welt, den er ist die Figur, die durch die Handlung und die Geschichte führt und der auch viel von seinem Innenleben preisgibt. Die anderen Figuren bleiben daher eher blass beschrieben und sind mehr oder weniger Beiwerk, was ich persönlich sehr schade gefunden habe, eben deswegen weil einige der genannten Themen viel mehr mit den anderen Figuren zu tun hatte, als mit Lyle selbst. Somit hat das Buch einiges an Sprengkraft verloren, die aber eigentlich dagewesen wäre.
Zudem verheddert sich der Roman im letzten Drittel sehr stark in Nebenhandlungen, die völlig irrelevant für die Geschichte waren. Außerdem werden Fragen aufgeworfen, die nie beantwortet werden und auch das Ende fand ich zu offen. Für mich muss ein Ende nicht unbedingt alles abschließen, es ist schon in Ordnung, wenn man als Leser/in eigene Gedankenspiele haben darf, aber zuviele lose Enden sind dann nicht wirklich so meines. Genauso ging es mir aber mit diesem Roman.
Sehr angenehm empfinde ich Butlers Schreibstil, der mir auch schon bei "Die Herzen der Männer" aufgefallen ist. Er hat dahingehend eine Gabe, dass er Landschaften und auch Hauptcharaktere sehr nahe an die Leserschaft herantragen kann.
Grundsätzlich würde ich nicht sagen, dass man "Ein wenig Glaube" ganz unbedingt lesen muss, ich würde eher sagen, dass man zumindest einen Blick darauf werfen kann. Die Erwartungshaltung sollte aber nicht abgehoben groß sein.





















