Nickolas Butler Die Herzen der Männer

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Inhaltsangabe zu „Die Herzen der Männer“ von Nickolas Butler

Über eine Zeitspanne von drei Generationen und ebenso vielen Kriegen erkundet dieser Roman die Herzen der Männer: ihre Schwächen und Geheimnisse, ihre Bedürfnisse und Werte. Damit legt Nickolas Butler nach »Shotgun Lovesongs« ein vielschichtiges und sensibles Epos über die Verletzungen, die Männer einander und anderen zufügen, vor.

In den Augen seines Vaters ist Nelson eine Enttäuschung. Wer will schon ein Kind, das weder Freunde noch Selbstbewusstsein besitzt? Je intensiver der verunsicherte Junge sich nach Zuwendung sehnt, desto stärker sondert sich der Vater ab, bis er irgendwann ganz aus dem Leben seines Sohnes verschwindet. Doch in einem Punkt hat er sich getäuscht. Nelson ist nicht allein. Jonathan, sein bester Freund aus dem Pfadfinderlager, ist das genaue Gegenteil von Nelson: bei allen beliebt, pragmatisch und mit einer unverwüstlichen Leichtigkeit ausgestattet. Was aber treibt jemanden wie Jonathan dazu, sich mit einem Außenseiter anzufreunden? Und stand Jonathan wirklich immer so rückhaltlos zu ihm? Das Leben im rauhen Wisconsin verlangt Nelson, Jonathan und dessen Familie Prüfungen ab, die Freundschaft und Loyalität auf eine harte Probe stellen.

Stimmen zum Buch

»Ein zärtliches, einfühlsames Buch – eine wunderbare Lektüre.«
People

Ein Einblick in die Vorstellungen und Werte amerikanischer Männer über 3 Generationen

— Caro_Lesemaus

Über den "scheinbaren Verlust" von Männlichkeit und der Umgang damit! Konnte mich im Großem und Ganzen überzeugen!

— Miamou

Der bemerkenswerte Schreibstil ist ein großer Pluspunkt des Romans. Ansonsten lässt dieser mich leider etwas ratlos zurück...

— LitteraeArtesque

Drei Abschnitte, drei Jungen, eine Freundschaft, zwei Leben, tausend Themen - mich verlor der Roman irgendwann in dieser Vielfalt...

— parden

Starker Anfang, aber danach doch anders als man es vom Titel und Klappentext her vielleicht erwarten würde.

— Betsy

So viele widerstreitende Gefühle, so viele verdeckte Hintergründe, das muss man erst einmal so glaubwürdig und mitreißend verknüpfen.

— once-upon-a-time

Geschichte v. 3 Generationen, über d. emotionale Innenleben der Männer m. Pfadfindersein, Freundschaft, Moral & Ehe.Bildhaft & wütendmachend

— simone_richter

Drei Generationen amerikanischer Männerherzen. Sehr gut geschrieben.

— c_awards_ya_sin

So wirklich nah kommen einem die Männerherzen nicht. Dafür lernt man einiges über das Pfadfinderdasein.

— sabotage65

Ein gutes Buch, wenn auch nicht perfekt

— Charlea

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  • Starker Anfang, schwacher Abgang

    Die Herzen der Männer

    Abibliophobia

    25. April 2018 um 09:12

    Der Roman „Die Herzen der Männer“ von Nickolas Butler handelt von der Männerfreundschaft von Jonathan und Nelson, die sich über mehrere Generationen entwickelt und auch die Kinder und Enkelkinder einschließt. Der Titel des Buches war mir im ersten Moment zu kitschig. Das Cover ist nett, entfernt man den Schutzumschlag hat das Buch doch eine sehr gewöhnungsbedürftige Farbe. Das Buch beginnt mit der Beschreibung Nelsons, ein todtrauriger Außenseiter, dessen Geschichte dem Leser wirklich ans Herz geht. Nelsons Vater ist ein Arschloch, die Mutter hilflos und die Beschreibung von Nelsons Geburtstagsparty ist so herzzerreißend traurig, das man nicht Weiterlesen mag. Selten hat mich ein Buch so angesprochen und ich hatte die Hoffnung, dass dieses Buch wirklich tiefe Emotionen wecken kann. Als Jonathan auftaucht, der einzige Junge der Nelson wirklich wahrnimmt, wünscht man sich so sehr, dass Nelson endlich einen echten Freund bekommt.  Nelson ist ein begeisterter Pfadfinder, was ihn in den Augen der anderen noch mehr zum Außenseiter macht. Das Pfadfindercamp ist zentraler Bestandteil des Buches, leider weckte dieser Teil nicht wirklich mein Interesse, wofür der Autor nichts kann. Teilweise waren mir die Beschreibungen zu heftig. Mobbing, Gewalt etc. sollte man auf keinen Fall verharmlosen, aber die Beschreibung einiger Szenen, insbesondere der Mutprobe, haben in mir das Gefühl geweckt, nicht weiterlesen zu wollen. Die Pfadfindergeschichten ziehen sich sehr in die Länge, es wirkt im Camp alles sehr spießig und regelorientiert. Die Entwicklung der Personen ist mir nicht tiefgehend genug, Nelsons Vater beispielsweise zeigt weichere Charakterzüge, bleibt aber während des ganzen Buches ein Arschloch. Nelsons Mutter bäumt sich einmal kurz auf, verfällt dann aber ebenfalls wieder in ihre alte Rolle. Der zweite Teil des Buches beginnt mit Jonathans Leben als Erwachsener, im ersten Teil kam die Geschichte Jonathans etwas zu kurz. Jonathan und Nelson treffen im Camp wieder aufeinander, nach großer Freundschaft klingt das Ganze aber nicht. Ich habe einfach keinen Zugang zu den Personen gefunden. Die Geschichte ist gut, aber ich konnte keine Verbindung zu den Charakteren herstellen, weder zu den Vätern, noch zu den Söhnen. Der Erzählstil ist sehr gut, der Pfadfinderhintergrund ist Geschmackssache, aber der letzte Funke zur Begeisterung hat bei mir einfach leider gefehlt.

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  • Kontroverse Themen in bildhafter Sprache - reichlich Diskussionsstoff!

    Die Herzen der Männer

    Caro_Lesemaus

    20. April 2018 um 14:26

    Der Klappentext weckt unter Umständen die Erwartungen, man würde Nelson und Jonathans Freundschaft ihr Leben lang begleiten. In gewisser Weise tut man das auch, aber auf andere Art und Weise als zunächst gedacht. Das Buch beginnt 1962 in einem Pfadfinderlager in Wisconsin, wo Nelson Außenseiter und Mobbingopfer ist. Der etwas ältere Jonathan ist sein Gruppenführer und scheint stellenweise Mitleid mit ihm zu haben. Öffentlich bekennt er sich nicht zu ihm. Eine Freundschaft würde ich das daher nicht nennen. Dennoch bleiben sie in Kontakt und treffen im zweiten Drittel in den 90'er Jahren als Erwachsene mittleren Alters wieder zusammen. Die Erzählperspektive wechselt hier von Nelson zu Jonathan, der sich mit seinem jugendlichen Sohn Trevor wiederum auf dem Weg zum gleichen Pfadfinderlager macht. In einem weiteren Zeitsprung in die Gegenwart begleiten wir Trevors Sohn Thomas und dessen Mutter, Hauptschauplatz ist erneut das Pfadfinderlager, in dem der betagte Nelson der Leiter ist. Dieser letzte Abschnitt wird aus Sicht der Mutter erzählt. Mehr möchte ich zur Handlung nicht verraten.  In diesem Buch warten gewaltige, grundsätzliche Themen, zu denen jeder von uns seine Meinung hat oder sie sich spätestens während der Lektüre bildet. Mir hat der Austausch in der Leserunde sehr geholfen, diese Gedanken besser zu sortieren. Ja, es geht auch um freundschaftliche Werte, aber nicht so vordergründig, wie der Klappentext vermuten lassen könnte. Diskussionsanregend sind vielmehr auch die Themen Mobbing, Geschlechterrollen, Gewalt, Waffen und das Militär, Vater-Sohn-Beziehungen und die jeweiligen Erwartungen daran sowie generelle Vorstellungen von Moral in der jeweiligen Gesellschaft (zeitlich gesehen) und wie diese verteidigt werden können - in diesem Buch aufgezogen an den Wertevorstellungen der Pfadfinder. In jedem Abschnitt gibt es einen pubertären Jungen. Jeder von ihnen hat mit den unterschiedlichen Vorstellungen seiner Generation in irgendeiner Weise zu kämpfen - allen vorangestellt die Erwartungen ihrer Väter (bzw. im letzten Abschnitt der Mutter). Jeder der Jungen erfüllt mindestens eine dieser Erwartungen nicht, was natürlich zu Konflikten führt. In den daraus entstehenden Szenen beschreibt Butler die verschiedenen Ansichten, ohne sich merklich zu positionieren. Das Stellung beziehen bleibt ganz dem Leser überlassen. Den Jungen ist außerdem gemeinsam, dass ihnen in ihren jeweiligen Abschnitten sehr verschiedene, aber doch ein so einschneidendes Erlebnis widerfährt, dass eine charakterliche Veränderung bzw. Weiterentwicklung stattfinden MUSS.  Ein anderes für mich wiederkehrendes Thema in den drei Abschnitten war eine gewisse Perfektion nach außen, die letztlich nur Fassade ist. Jeder von uns hat sein Päckchen zu tragen und oft sind die Dinge nicht so, wie sie scheinen.  Den Perspektivwechsel auf eine Frau im dritten Abschnitt fand ich überraschend, aber sehr gelungen. Der Gesamteindruck wird damit abgerundet und durch die weibliche Sicht erhält man nochmals einen anderen Einblick. Für dieses Buch schadet es nicht, wenn man ein paar Dinge über die amerikanische Gesellschaft weiß. Die Haltungen der Protagonisten und Nebenfiguren und einige vordergründige Themen begründen sich hierauf. Wäre der Roman in Europa angesiedelt, wäre der ein oder andere Fokus sicherlich verschoben. Hierzu kann ich nur sagen: Offen sein und einen Eindruck erlangen, mit welchem Selbstverständnis uns fremde Werte oder Einstellungen verankert sind. Für mich wurde es über alle drei Generationen hervorragend widergespiegelt.  Fazit: Von einigen Mitlesern/-rezensenten wurde die Fülle an Themen in nur einem Buch bemängelt - Ich finde das fast unumgänglich, wenn man ein vollständiges Bild über mehrere Generationen zeichnen will. Und ich unterstelle Butler einfach, dass er genau das wollte. Das Leben besteht eben leider nicht nur aus einem Problem nach dem anderen, denen man sich der Reihe nach widmen kann. Gerade in der Pubertät stürzen doch so viele Dinge gleichzeitig auf einen ein und jede/r versucht, sich selbst und den Platz in der Welt zu finden. Da geht es den drei Jungen nicht anders. Zusätzlich lesen wir hier von der Elterngeneration, die mit dem Aufwachsen ihrer Kinder auch verschiedene Phasen und Problemthematiken durchlebt. Aus meiner Sicht war es nicht zu viel und auch nicht verzettelt. Es ist kein Buch zum "mal schnell nebenbei lesen", denn es stößt viele Gedanken und im Austausch mit anderen Diskussionen über die verschiedenen enthaltenen Themen an. Dazu kommt die wunderbar bildhafte Sprache, die mich von Anfang an überzeugt hat. Unbedingt lesen!

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  • Wann ist ein Mann ein Mann?

    Die Herzen der Männer

    Miamou

    18. April 2018 um 22:23

    „Ein Mann, ein Wort! Eine Frau ein Wörterbuch!“ Nun…so einfach scheint es scheinbar dann doch nicht, besonders, wenn man sich mit Nickolas Butlers neuesten Roman „Die Herzen der Männer“ auseinandersetzt. Er legt dabei den Fokus auf Männer und kann damit auch ein ganzes Buch füllen und im Grunde auch die Gedanken seiner Leser. Die Geschichte beginnt mit Nelson, der den Sommer gemeinsam mit seinem Vater in einem Pfadfinderlager verbringt. Er ist sehr pflichtbewusst und sensibel und findet vielleicht deswegen sehr schwer Anschluss. Einzig Jonathan dringt zu dem schüchternen Nelson vor und kann ihn so nehmen wie er ist. Das Verhältnis von Nelson zu seinem Vater ist alles andere al einfach, denn der Vater versteht Nelson nicht. Er findet ihn zu verweichlicht, zu „weibisch“ und schreckt auch nicht davor zurück diese Seite aus Nelson herauszuprügeln. Nelsons Mutter ist zu schwach um ihren Sohn vor dem aggressiven Vater zu verteidigen, liebt Nelson aber alles. Dass sie deswegen selbst oft vom Vater selbst misshandelt wird, nimmt sie dafür in Kauf. Als eines Abends die Situation eskaliert, verschwindet Nelsons Vater spurlos aus seinem Leben und er wächst ohne ihm auf. Soweit zum ersten Teil der Geschichte, die insgesamt vier gegliedert ist. Als Leser begleitet man Nelson einige Wochen seines Jugendlebens. Er ist ein Charakter, der einem sehr schnell ans Herz wächst. Vielleicht eben gerade deswegen, weil er der Außenseiter ist und vieles einfach erträgt, damit er sich nicht zu sehr in den Mittelpunkt stellen muss und auch, weil das von ihm, und speziell auch von seinem Vater, verlangt wird. In gewisser Weise schafft es Nelson aber trotzdem auf dem sogenannten „Pfad der Tugenden“ zu bleiben, denn er lässt sich nicht mitreißen irgendetwas Verbotenes mitzumachen. Als sein Vater die Familie verlässt wird Wilbur, der Leiter des Pfadfinderlagers, in gewissem Sinne zu seiner Vaterfigur. Ein Vorbild von dem er sich für sein späteres Leben so Einiges abschauen kann. Im zweiten Teil des Buches rückt Jonathan in den Fokus der Geschichte. Er und sein Sohn Trevor machen sich gerade auf den Weg ins Pfadfinderlager und machen den Abend davor noch Halt in einem Restaurant, wo sie gemeinsam mit Nelson zu Abendessen wollen. Dieses Abendessen ist aber alles andere als gewöhnlich. Denn Jonathan stellt Trevor seine Geliebte vor, was Trevor aus allen Wolken kippen lässt. Auch Trevor schlägt in die Kerbe von Nelson. Er hat seine Ideale, seinen Kodex, sein Pflichtbewusstsein und kann mit dem leichten Leben seines Vaters nur bedingt etwas anfangen. Jonathan liegt jedoch viel daran, dass Trevor realistisch in die Welt geht und will ihn fast verbiegen, indem er ihm aufzeigen will, dass jeder Mensch, auch wenn er den Moralkodex von Trevor besitzt, zu Fall kommen kann. Dieser Teil der Geschichte kam mir fast so vor, als ob er in Echtzeit erzählt worden wäre. Der Abend im Restaurant hat eine fast unendlich Länge erzeugt. Lediglich in Zwischenkapitel wird der weitere Werdegang von Nelson angerissen, der es zum Elitesoldaten geschafft hat und in Vietnam gedient hat. Was Wilbur für Nelson war, ist nun Nelson für Trevor, da dieser wesentlich mehr von Nelson als von seinem Vater hält. Im dritten Teil schlussendlich tritt eine Frau als Erzählerin auf, die einen Blick von außen in die Männerwelt wirft. Sie ist Witwe, da ihr Trevor auf ziemlich brutale Weise genommen wurde. Sie ist ebenfalls auf den Weg ins Pfadfinderlager, gemeinsam mit ihrem Sohn Thomas, der eigentlich ziemlich wenig Freude damit hat. Er hat wenig Lust in die Fußstapfen des Vaters zu treten, der ebenfalls ein Elitesoldat wurde und in Afghanistan gedient hat. Das Pfadfinderlager ist selbst im Jahr 2019 (in dem der letzte Erzählstrang spielt) nach wie vor eine Männerdomäne und Rachel wird als Frau nicht wirklich geduldet, was sie auch zu spüren bekommt. Schlussendlich sogar auf eine sehr drastische Art und Weise. Butler hat eine Handlung über vier Generationen geschaffen, wobei eine fünfte im Hintergrund immer wieder mitschwing. Nelson hat eine Trompete von seinem Großvater bekommen, gepaart mit einer erlogenen Geschichte aus dem Ersten Weltkrieg. Der Großvater ist für Nelson ein Held, sein Vater nicht. Die Frage, die der Autor aber in jedem der Erzählstränge stellt ist, wann ein Mann ein Mann ist? Und was einen Mann denn nun tatsächlich ausmacht? Jede/r seiner Protagonist/innen hat eine andere Zugangsweise und auch als Leser stellt man sich diese Frage eigentlich ununterbrochen. Sehr geschickt stellt es Nickolas Butler auch damit an, dass er seine Handlung zum größten Teil in einem Pfadfindercamp spielen lässt. In einem Interview mit ihm habe ich gelesen, dass das Pfadfindertum in den USA so etwas wie eine paramilitärische Aufgabe hat. Die Kinder lernen dort schießen, haben Uniform und müssen einem gewissen Drill folgen. Der Autor entlarvt diese scheinbare Perfektion, denn auch Pfadfinder sind nicht unfehlbar und gerade der schrecklichste Teil der Handlung spielt sich in einem Pfadfindercamp ab. Man könnte in diese Geschichte mit viel Wut und Moral vortragen. Nickolas Butler macht diese jedoch nicht. Er erzählt, ohne zu werten, denn dies überlässt er den Lesern seines Buches. Und er bringt genügend Themen dazu mithinein. Neben den allzu perfekten Pfadfindertum, auch noch Familienstrukturen, Rolleverteilungen, Gewalt, Waffenbesitz, Sex und vieles andere mehr. Schlussendlich kann er dies alles in einer sehr realistischen Form darlegen und umsetzen. Sein Schreibstil ist wegen dem Weglassen irgendeiner Wertung sehr sachlich, trotzdem vermag er es den Leser immer wieder in eine emotionale Ebene zu führen. Besonders der erste Teil, in dem Nelson ein wirkliches Mobbingopfer ist, kann man sehr mitfühlen oder auch am Ende, wo auch wieder Nelson für viel Rührung sorgt. Aber auch dazwischen kann man immer wieder mit den Männern, aber auch mit den Frauen mitleiden oder sich mitfreuen. Trotzdem gibt es in diesem Buch auch immer wieder Längen oder man hat das Gefühl gewisse Dinge schon zum gefühlten zwanzigsten Mal zu lesen. Alles in Allem hat mir das Buch aber wirklich gefallen und ich würde es in jedem Fall weiterempfehlen.

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    • 3
  • Von Pfadfindern, Freundschaft und mehr...

    Die Herzen der Männer

    parden

    VON PFADFINDERN, FREUNDSCHAFT UND MEHR...In den Augen seines Vaters ist Nelson eine Enttäuschung. Wer will schon ein Kind, das weder Freunde noch Selbstbewusstsein besitzt? Je intensiver der verunsicherte Junge sich nach Zuwendung sehnt, desto stärker sondert sich der Vater ab, bis er irgendwann ganz aus dem Leben seines Sohnes verschwindet. Doch in einem Punkt hat er sich getäuscht. Nelson ist nicht allein. Jonathan, sein bester Freund aus dem Pfadfinderlager, ist das genaue Gegenteil von Nelson: bei allen beliebt, pragmatisch und mit einer unverwüstlichen Leichtigkeit ausgestattet. Was aber treibt jemanden wie Jonathan dazu, sich mit einem Außenseiter anzufreunden? Und stand Jonathan wirklich immer so rückhaltlos zu ihm? Das Leben im rauhen Wisconsin verlangt Nelson, Jonathan und dessen Familie Prüfungen ab, die Freundschaft und Loyalität auf eine harte Probe stellen.Ganz bewusst stelle ich hier meiner Rezension den Klappentext voran, damit deutlich wird, was mich an dem Buch reizte - und was ich erwartete. Ich erwartete einen Roman über eine Freundschaft zwischen zwei heranwachsenden Jungen, vielleicht auch über die beiden als Erwachsene - und wie sich diese Freundschaft im Laufe der Zeit verändert. Nun, der erste Abschnitt, der im Sommer 1962 spielt, erfüllte diese Erwartung vollkommen. Nach drei Seiten war ich dem Roman bereits verfallen, weil Nickolas Butler so eindringlich und bildhaft schreibt, dass ich richtiggehend begeistert war. Nelson steht im Mittelpunkt des Geschehens und ist mit seinen 13 Jahren ein einsamer Junge. Strebsam und pflichtbewusst, aber ohne Freunde und ohne die Anerkennung seines Vaters. Nun, im Sommer, befindet sich Nelson wie jedes Jahr im Pfadfinderlager und bläst morgens als erstes mit seiner Tompete die Reveille - das Signal für alle Pfadfinder, sich zum Flaggenhissen zu sammeln. Auch hier ist er einsam, und lediglich Wilbur, der alte Leiter des Pfadfinderlagers, hegt eine gewisse Sympathie für den Heranwachsenden. Und da gibt es noch Jonathan Quick, den zwei Jahre älteren Jungen aus Nelsons Nachbarschaft, der sich ihm gegenüber meist freundlich verhält. Allerdings irgendwie auf eine unverbindliche Art. Doch Nelson wagt zu hoffen, dass die Freundschaft echt ist. Die Ereignisse in dem Pfadfinderlager spitzen sich zu, die heitere, unbeschwerte Atmosphäre nimmt allmählich zunehmend bedrohliche Züge an, nach dem Sommer wird nichts mehr so sein wie zuvor - vor allem nicht für Nelson. Ihm stehen harte Prüfungen bevor, die ihn verändern werden. Und ihm wird klar sein, was er von der Freundschaft zu Jonathan zu erwarten hat."Es ist ein herrlicher Tag, und Nelson wünscht sich, wie schon so oft, er hätte einen Freund, mit dem er sich die Zeit vertreiben könnte. Irgendein anderer Junge, der neben ihm am Feuer säße und mit dem er sich über Baseball, Bücher, Verdienstabzeichen oder die Schule unterhalten könnte. Aber er ist allein. Natürlich ist er das." (S. 127)Nach ca. einem Drittel des Buches beginnt jedoch plötzlich ein ganz anderer Abschnitt, der im Sommer 1996 spielt. Wieder ist das Pfadfinderlager das Ziel, doch den alten Wilbur gibt es dort nicht mehr. Jonathan ist mit seinem 16jährigen Sohn Trevor dorthin unterwegs, doch nicht ohne eine ordentliche Ladung an Flaschen mit Hochprozentigem. Trevor freut sich nur halbherzig auf das Lager, denn schließlich bleibt seine Freundin Rachel zu Hause - und er vermisst sie jetzt schon. Am Abend vor dem Pfadfinderlager treffen Jonathan und Trevor auf Nelson, der das Lager inzwischen leitet, seitdem er aus dem Vietnamkrieg wieder da ist. Der nette gesellige Abend eskaliert zunehmend - und Jonathan spielt hierbei keine rühmliche Rolle. Trevor wird in dieser Nacht viele seiner Illusionen und Ideale verlieren und als ein anderer erwachen."Es ist ihm nach Weinen zumute. Er hat das Gefühl, sehr weit von zu Hause entfernt zu sein, sehr weit entfernt von dem jungen Mann, der er geglaubt hatte zu sein." (S. 303)Und im letzten Drittel schließlich gibt es erneut einen großen zeitlichen Sprung sowie einen weiteren Perspektivwechsel. Im Sommer 2019 plagt sich Rachel als alleinerziehende Mutter mit dem 16jährigen Thomas herum, der sich mit Händen und Füßen gegen die Fahrt ins Pfadfinderlager zu wehren versucht. Doch die Mutter besteht auf das Sommerlager - schließlich benötigt Thomas nur noch wenige Prüfungen, um das Adlerabzeichen zu erhalten, und überhaupt findet sie es allein aus Nostalgiegründen schon notwendig. Thomas' Vater Trevor hätte es sicher so gewollt. Und es ist Nelsons letzter Sommer als Pfadfinderleiter, bevor er sich zur Ruhe setzt. Um es kurz zu machen: auch diesmal wird etwas geschehen, das den heranwachsenden Thomas für immer verändern wird."Der Junge nickt. Die schwere Pistole in seiner noch so weichen, kindlichen Hand riecht nach Waffenöl. Er kann den Blick nicht davon losreißen, von dem bläulichen Metall, dem aus Holz geschnitzten Griff." (S. 447)Der Leser begleitet durch den zeitlich gestaffelten Aufbau des Romans Nelson und Jonathan von der Jugend an bis zum hohen Alter, doch leider bringen es die Zeitsprünge und Perspektivwechsel mit sich, dass Nelson nach dem ersten Abschnitt nur noch eine Rolle am Rande spielt, ebenso wie Jonathan nach dem zweiten Teil. Einzelne Charaktere werden punktuell nahezu plastisch herausgearbeitet, nur um ein paar Seiten später als blasses Abbild weiter zu existieren und kaum mehr etwas von seinen Gedanken und Gefühlen preiszugeben. Andere Charaktere werden eher oberflächlich skizziert und sind so zu keinem Zeitpunkt wirklich greifbar. In jedem Abschnitt muss sich der Leser auf neue Charaktere einlassen sowie auf einen neuen Handlungsschwerpunkt, der jedoch selbst immer wieder durch Rückblenden auf andere Geschehnisse und Charaktere unterbrochen wird. Nickolas Butler verwebt hier eine Unzahl von Themen miteinander, die für sich genommen durchaus interessant sind, in der Vielzahl jedoch nicht den Raum erhalten, der ihnen zustünde: Vater-Sohn-Beziehungen die Veränderungen der Funktion und Bedeutung der Pfadfinder im Verlaufe der Jahre Pubertät und Erwachsenwerden posttraumatische Belastungsstörungen nach Kriegserlebnissen Waffen Mobbing Freundschaft Liebe zur Natur und bedrohte Umwelt Gewalt in der Ehe Vergewaltigung Prügelstrafe Respekt und Anerkennung Parallelen von Pfadfindern und Militär  Rolle Mann und Frau Heldentum gesellschaftlicher Werteverfall u.v.m.  Hier habe ich mich zeitweise überfordert gefühlt - drei Abschnitte, drei Jungen, eine Freundschaft, zwei Leben, tausend Themen - mich verlor der Roman irgendwann in dieser Vielfalt... Hätte der Roman mit dem ersten Abschnitt geendet - er hätte von mir fünf Sterne erhalten. Die Zeitsprünge habe ich als deutlichen Bruch erlebt, und ich bekam immer weniger Zugang zu den Handlungssträngen und den Charakteren. Vieles erwies sich zudem als 'typisch amerikanisch', wie z.B. der selbstverständliche Besitz und Umgang mit Waffen sowie der überzogene Patriotismus - diese Details finde ich gelinde gesagt einfach nur befremdlich. Der Schreibstil allerdings ist ein großer Pluspunkt des Romans, denn bis zum Schluss stieß ich immer wieder auf bemerkenswerte Formulierungen und eine bildhafte Schilderung. Nickolas Butler hat sich bemüht, einen sorgfältig komponierten Roman zu präsentieren. In meinen Augen hat er sich hier allerdings eher verzettelt, und das Thema, das durch den Buchtitel in den Vordergrund gerückt wird, ist hier nur eines von vielen. Für mein Empfinden wäre hier weniger mehr gewesen...© Parden

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    • 9

    clary999

    17. April 2018 um 19:08
  • Leserunde zu "Die Herzen der Männer" von Nickolas Butler

    Die Herzen der Männer

    aba

    "Ihr müsst keine Lügen über euer Tun und Lassen erzählen, ihr müsst nichts verbergen und euch wegen nichts schämen. Ihr müsst euch niemals entschuldigen." Mit seinem neuesten Roman "Die Herzen der Männer" möchte der US-amerikanische Schriftsteller Nickolas Butler herausfinden, wie Jungen zu Männern werden. Sechs Dekaden, mehrere Kriege und drei Generationen lang erforscht Butler die Herzen seiner Protagonisten, die alle Männer sind. Warum sind sie so, wie sie sind? Was macht sie zu Tätern oder zu Opfern? Zu Gewinnern oder zu Verlierern?"Die Herzen der Männer" ist ein Roman über Gut und Böse, über Ehre und Moral und über einen echten Helden.Wir freuen uns sehr, euch mit "Die Herzen der Männer" den nächsten Titel im LovelyBooks Literatursalon  vorstellen zu dürfen, in dem euch literarische Neuerscheinungen und spannende Spezialaufgaben erwarten.Wenn ihr zusammen mit uns eine besondere und exklusive Literaturreise eintreten möchtet, dürft ihr diese Leserunde nicht verpassen.In unserem LovelyBooks Literatursalon warten außerdem weitere literarische Neuerscheinungen und spannende Spezialaufgaben auf euch.Zum InhaltIn den Augen seines Vaters ist Nelson eine Enttäuschung. Wer will schon ein Kind, das weder Freunde noch Selbstbewusstsein besitzt? Je intensiver der verunsicherte Junge sich nach Zuwendung sehnt, desto stärker sondert sich der Vater ab, bis er irgendwann ganz aus dem Leben seines Sohnes verschwindet. Doch in einem Punkt hat er sich getäuscht. Nelson ist nicht allein. Jonathan, sein bester Freund aus dem Pfadfinderlager, ist das genaue Gegenteil von Nelson: bei allen beliebt, pragmatisch und mit einer unverwüstlichen Leichtigkeit ausgestattet. Was aber treibt jemanden wie Jonathan dazu, sich mit einem Außenseiter anzufreunden? Und stand Jonathan wirklich immer so rückhaltlos zu ihm? Das Leben im rauhen Wisconsin verlangt Nelson, Jonathan und dessen Familie Prüfungen ab, die Freundschaft und Loyalität auf eine harte Probe stellen.Hier geht es zu der spannenden LeseprobeZum AutorNickolas Butler, geboren 1979 in Allentown, Pennsylvania, wuchs in Eau Claire, Wisconsin auf. Er studierte an der University of Wisconsin und beim University of Iowa Writers' Workshop. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Im Herbst 2013 erschien sein Roman "Shotgun Lovesongs".Seid ihr bereit für eine Geschichte, die unter die Haut geht?Zusammen mit Klett-Cotta verlosen wir 30 Exemplare von "Die Herzen der Männer" unter allen, die sich über diesen aufwühlenden und zu Herzen gehenden Roman im Rahmen einer Leserunde austauschen und im Anschluss eine Rezension schreiben möchten. Wenn ihr neugierig geworden seid, bewerbt euch* über den blauen "Jetzt bewerben"-Button bis zum 11.02. und antwortet auf folgende Frage:Was reizt dich an dieser Geschichte?Warum möchtest du dieses Buch unbedingt lesen?Ich freue mich auf eure Antworten und wünsche euch viel Glück!Ihr seid noch kein Literatursalon-Mitglied? Ihr könnt jederzeit eintreten. Alle Infos dazu findet ihr hier und in unserer Literatursalon-Plauderecke. * Bitte beachtet vor eurer Bewerbung unsere Richtlinien für Buchverlosungen und Leserunden.Die Leserunde endet am 26.03.2018.

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    • 1556
  • Stärke, Rücksichtnahme und Güte - der Stoff aus dem wahre Männer gemacht sind

    Die Herzen der Männer

    Bri

    Shotgun Lovesongs heißt Nickolas Butlers erster Roman, der mich vor ein paar Jahren bereits begeisterte. Der Grund für meine damalige und noch immer anhaltende Begeisterung lag in der Figuren Butlers. Fünf Menschen, die in einer Kleinstadt Wisconsins leben und sich bereits lange Zeit kennen, mit so leichtem Strich warmherzig, fast zärtlich und doch mit Ecken und Kanten versehen gezeichnet, dass ich mit dem Ende dieser wunderbar erzählten Geschichte beinahe so etwas wie einen Verlust verspürte. Nach diesem Roman stand für mich fest, Butler kommt auf meine All-time-Fav-Liste. Nach einem gelungenen Debüt ist es manchmal schwer für einen Autor, sein nächstes Projekt ebenso zufriedenstellend in Angriff zu nehmen und auch abzuschließen. Druck seitens des Verlags, der Leser und nicht zuletzt hausgemachter Druck machen sich leicht breit und können zu einer handfesten Schreibhemmung werden. Nicht wenige Autoren wissen davon zu berichten - einer meiner anderen Lieblingsautoren, Michael Chabon, zum Beispiel hat diese Zeit des so dringend Schreiben Wollens und Müssens wunderbar in seinem Roman Wonderboys verpackt. Sieben ganze Jahre hat er selbst für seinen zweiten Roman gebraucht. Nickolas Butler hat auf sein nächstes Buch glücklicherweise nicht so lange warten lassen. Es war kein Roman, sondern eine Ansammlung von großartigen, dichten, herben und doch wunderschönen Stories. Alleine der Titel Unterm Lagerfeuer, unter dem dieser Erzahlband erschien, erschafft ganz eigene Assoziationen. Damit man unter dieses Lagerfeuer auf einem zugefrorenen Teich auch wirklich drunter kommt, braucht es nichts geringeres als eine Kettensäge. Kraftvolle Geschichten, atmosphärisch nicht immer in der Wohlfühlzone angesiedelt, nährten meine Vermutung, dass diese Stories bereits in der berühmten Schublade schlummerten und nach dem Erfolg von Shotgun Lovesongs ebenfalls ihre Druckreife erhielten. Ein Glücksfall, wie ich meine. Nun hat Butler, in dessen Geschichten immer auch Männer, deren Gefühlswelten und die Erwartungen der anderen an sie stehen, einen weiteren Roman vorgelegt, der - so sehr ich Shotgun Lovesongs mag - in einer komplett anderen Liga spielt und etwas beleuchtet, das tatsächlich nicht einfach auszuloten ist: Die Herzen der Männer."Sie fragt sich, ob diese Männer fähig sind, etwas böses zu tun, oder ob sie jemals dazu fähig waren. Sie erwischt sich dabei, dass sie sich fragt, was sich wohl in ihren Kellern und auf ihren Speichern verbirgt. Was sie in ihren Scheunen aufbewahren. Was sie vielleicht draußen auf ihren Feldern vergraben. Sie fragt sich, wie sie ihre Ehefrauen, Töchter und Nichten behandeln."Ich bin in meinem Leben schon so einigen Männern über den Weg gelaufen: privat, beruflich, an der Uni, in der Schule. In Männerdomänen eingebrochen bin ich nicht wirklich, außer wenn man das Fahren einer BMW R 80 GS oder einen Job in der Kundenbetreuung mit starkem IT-Bezug als solches bezeichnen mag. Überall wo ich hin kam, gab es Männer, die respektvoll mit mir umgingen, aber auch solche, die - ich nenne es jetzt mal - ein schlüpfriges Verhalten an den Tag legten oder mich einfach nicht ernst nahmen. Bei letzteren kann natürlich eine persönliche, geschlechtsunspezifische Komponente eine Rolle gespielt haben, das möchte ich nicht ausschließen. Woran es liegen mag, dass ich immer wirklich großes Glück hatte und keiner schlimmen Situation ausgesetzt war, kann ich nicht sagen, mein bester Freund aber hatte einen bestimmten ersten Eindruck von mir, der ihn an einen Kühlschrank denken ließ ... Vielleicht war es auch mein Glück, dass ich irgendwie immer an die wirklich guten Jungs geraten bin. Die sich auch mal dazwischen gestellt haben, bevor überhaupt eine Situation hätte entstehen können. Es ist müßig, das klären zu wollen, doch über mein Männerbild habe ich in den letzten Jahren häufig nachgedacht und meine Lektüre führte mich immer wieder verstärkt zu Geschichten, die ausloten wollen, wie es so ist, als Mann in einer männlichen Welt.Neulich habe ich einen Artikel entdeckt, der mir als Mutter eines Sohnes aus dem Herzen spricht, weil er klar macht, dass Mädchen, die sich gegen ihre traditionelle Geschlechterrolle wehren, als cool gelten, während Jungs, die das tun - zumindest in einem gewissen Alter - als Freaks abgestempelt werden. Häufig werden sie schikaniert von den anderen Jungs, klein gemacht, beschämt, oft auch von den eigenen Vätern, die es nicht ertragen einen Sohn zu haben, der Gefühle hat und diese zeigt, die sie als unmännlich erachten. Solch ein Junge ist Nelson.Wisconsin, 1962 - Nelson ist Pfadfinder und Trompeter. Sein ganzer Stolz ist die Trompete seines Großvaters, die dieser aus dem ersten Weltkrieg mit nach Hause gebracht haben soll. Im jährlichen Pfadfinderlager ruft Nelson damit zum Morgenappell. Doch Nelsons Vater, beruflich mäßig erfolgreich und sonst vom Leben auch eher enttäuscht, empfindet seinen Sohn meist als zu weich, weinerlich und eben ungenügend. Im Sommercamp des Pfadfinderlagers hat es Nelson nicht minder schwer als zuhause. Einzig Jonathan, ein Mit-Pfadfinder erscheint, zwar verspätet aber mit einem selbst gebastelten Geschenk, zu Nelsons Geburtstagsfeier. Auch später im Camp ist er derjenige, der Nelson zunächst versucht einzubeziehen, doch Nelson ist eben der geborene Außenseiter, so sehr er sich bemüht, so sehr er sich wünscht, dazu zu gehören. Er hat etwas, was andere einfach nicht sehen: eine gewisse Vorstellung von dem, was gut und richtig ist. Man könnte es auch Wertvorstellung, Charakter oder moralische Richtschnur nennen. Aber es ist das, was ihn zum Außenseiter macht."Das liegt daran, dass sie dich als Herausforderung empfinden. Du gehörst nicht zu diesem Haufen, zu diesem Pöbel.Und das ist auch der Grund dafür, warum du später mal ein Anführer sein wirst."Jonathan hingegen ist etwas älter als Nelson und ein "cooler Typ", der ohne sich groß anstrengen zu müssen, bei den anderen Jungs gut ankommt. Obwohl Nelson und Jonathan befreundet sind, kommt es zu einem Vorfall, der Nelson tief beschämt. Wieder zuhause ist es nicht besser. Die Familiensituation verschärft sich und schlussendlich nimmt Nelson sein Heft selbst in die Hand und sucht sich dort Hilfe, wo er weiß, dass er sie finden wird: beim Lagerleiter des Pfadfindercamps.Nickolas Butler hätte es sowohl sich als auch den Leser*innen einfach machen und Nelsons Geschichte stringent weitererzählen können, mit der Stimme, die nach dem ersten Kapitel des Buches so vertraut ist, dass man einfach nur weiterlesen möchte. War das erste Kapitel ein Nachhausekommen, ein sich Einrichten in einem Text, der eine gewisse Atmosphäre alter Photos mit diesem unvergleichlich gelbstichigen Licht von Fotos der 60er ausstrahlt - und das im besten Sinne - so ist das zweite Kapitel ein Weckruf. Denn hier nimmt Jonathan das Heft in die Hand und lenkt die Handlung. Wir schreiben das Jahr 1996 und befinden uns immer noch in Wisconsin. Jonathan ist Familienvater und besorgt. Besorgt darüber, dass sein Sohn Trevor sich zu früh an eine Frau binden könnte. Dass es so etwas wie eine wahre Liebe gibt, die man auch in jungen Jahren bereits finden kann, daran glaubt Jonathan nicht. Der Tradition folgend, fährt er mit Trevor zum alljährlichen Sommerlager der Pfadfinder, wo sie sich vor dessen offiziellem Beginn mit dem neuen Lagerleiter treffen. Es ist niemand anderes als Nelson, der jedoch eine turbulente Zeit hinter sich hat. Doch sie treffen nicht nur Nelson und für Trevor wird der kleine Umweg zu mehr als nur einer denkwürdigen Erinnerung.Und nun verlagert Butler seinen Fokus von Nelson und damit von einem Außenseitertum, das mehr Jungs bekannt ist, als man so gemeinhin denkt, auf zwei Personen: Jonathan und Trevor, Vater und Sohn und damit auf eine meist nicht ganz einfache Beziehung. Aus den beiden Freunden sind Erwachsene geworden, die immer noch befreundet, völlig unterschiedliche Leben und Beziehungen pflegen. Ihre Werte, die sie gemeinsam bei den Pfadfindern vertieft hatten, bilden eine gewisse Basis für das Verständnis voneinander. Von dem, was sie als männlich ansehen und dennoch oder vielleicht gerade deshalb, haben beide Männer einen komplett unterschiedlichen Zugang zu Trevor. Natürlich ist eine Vater-Sohn-Beziehung immer auch davon geprägt, dass sich der Sohn absetzen muss, um seine eigene Identität zu finden. Doch im Grunde genommen scheint Trevor ähnliche, wenn nicht gar dieselben, Ansichten und Werte zu haben, wie Nelson.Konzeptionell und strukturell verlangt Butler mit diesem Fokus- und dem damit einhergehenden Tempowechsel seinen Leser*innen einiges ab. Die Atmosphäre wechselt - weg vom Gelbstichigen hin zu eher grellen, jedoch verblichenen Polaroids. Der Lesefluss kommt aus dem Tritt, was aber auch zur Folge hat, dass man tatsächlich liest, nicht an der Oberfläche bleibt. Das bringt Tiefe in die Story, obwohl die Szenerie eher die Oberfläche ausleuchtet. Die Crux bei der Sache ist folgende: Jonathan ist im Grunde ein sympathischer Mensch, seine Lässigkeit wirkt nicht unangenehm und scheint echt. Aber er ist komplett desillusioniert, was die Liebe angeht." 'Ich glaube, ich bin in Rachel verliebt.'Die Luft im Auto füllt sich mit Zitronenpudding, mit einer süßlichen schweren Zitronennote, als wäre gerade die beschissene Wolke sieben geplatzt und hätte ihre buttergelben Strahlen aus Sonneblumenlicht über ihn ausgeschüttet oder so etwas in der Art. Es ist schon ein wenig peinlich, wie glücklich dieser liebestrunkene Junge da gerade ist."Im Grunde hat Jonathan Angst. Angst davor, dass sich sein Sohn zu früh binden wird, später etwas bereut oder denkt, vieles verpasst zu haben. Seine Haltung Trevor gegenüber, die dem Wunsch entspringt, der Sohn möge sich in der Welt umsehen, bevor er sich allzu fest legt, ist durchaus nachvollziehbar. Was er aber tut, um den Jungen davon abzuhalten erscheint zunächst unangenehm und übergriffig. Weshalb muss jetzt ein Mann, der eigentlich doch soweit ganz vernünftig mit seiner Umgebung umgeht, plötzlich seinem Sohn quasi in die Parade fahren? Butler schreibt aber einfach so verdammt gut, dass es nicht möglich ist, trotz einer leichten Verärgerung, das Buch einfach beiseite zu legen. Ganz im Gegenteil: Im Verlauf der Lektüre wird deutlich, es kann gar nicht anders sein. Und wieder einmal beweist sich, dass nur wenn man die eigene Komfortzone verlässt, eine Erweiterung des (Lese-)Horizontes möglich ist.Butler jedoch hat noch nicht genug. Mosaiksteinchen reichen nicht aus, um die Vielschichtigkeit seines Themas zu begreifen und deshalb ist die Stimme des dritten und letzten Kapitels, das im Jahr 2019 spielt, eine weibliche. Somit erweitert sich das potentielle Beziehungsgeflecht - Jungen untereinander, Vater und Sohn Beziehungen - um eine weitere, nicht unbedeutende Ebene: Die Beziehung sowohl zwischen Mann und Frau, als auch die Mutter - Sohn- Beziehung. Um diese weibliche Komponente einzubringen - die im übrigen einigen Leser*innen als zu viel oder nicht passend erschien - bedient sich Butler eines geschickten strukturellen Tricks. Trevor - der Sohn Jonathans - ist abwesend, doch seine Geschichte wird von dem Menschen erzählt, der ihn wohl besser kennt, als alle anderen, von seiner großen Liebe Rachel. Auch sie fährt ins alljährlich stattfindende Pfadfinderlager, das sowohl Trevor, als auch dessen Vater und Nelson besucht hatten. Nelson ist zwar noch immer der Campleiter, aber bereits hoch betagt und mit Rachel befreundet. Sie begleitet ihren Sohn Thomas dorthin, der wie schon Generationen 16 Jähriger vor ihm, keine rechte Lust mehr auf das ganze Pfadfinderleben haben. Die außergewöhnliche Konstellation, eine Frau in einem sonst rein männlichen Pfadfinderlager zu sein, birgt so manchen Fallstrick und zeigt auch die unschönen, aber alltäglichen Seiten eines Männerlebens ..."Diese anderen Männer, die waren schon okay. Obwohl um ehrlich zu sein, waren die meisten von ihnen ziemliche Jammerlappen. Sie waren nicht - ich weiß auch nicht - sie waren keine echten Männer. Sie haben mir nie die Tür aufgehalten oder Blumen gekauft, sie waren nicht gütig oder liebenswürdig und sie waren auch kein bisschen zäh oder stark. Nach einer Weile haben sie mich immer angewidert. Mit ihren dämlichen Golfhemden und Fitnessstudio-Mitgliedskarten und unechten Muskeln und ihrer künstlichen Sonnenbräune und ihren Handys und neuen Autos. [...] Es geht mir auch gar nicht um Ritterlichkeit oder so was. [...] Es geht mir vielmehr um Stärke. Um Rücksichtnahme. Güte."Was für viele Leser*innen ein Zuviel war, ist tatsächlich ein Muss, möchte man die geheimnisvollen Vorgänge in den Herzen der Männer - wenn auch nur ansatzweise - nachvollziehen oder einfach nur mal sichtbar machen: die Komplettierung durch die weibliche Stimme, die Reaktion auf die Anwesenheit von Frauen und der Blick der Frau auf die guten Jungs. Denn das sind die Hauptprotagonisten auf jeden Fall: gute Jungs, Helden. Auch wenn sie schwierige Lebensläufe haben mögen, Dinge taten, die unaussprechlich sind, sie hatten immer ihre Werte im Blick.Dieser Roman ist einer der besten, den es derzeit und auch vorher auf dem deutschen Buchmarkt gibt und Nickolas Butler wird zu Recht als eine der führenden literarischen Stimmen Amerikas gehandelt. Man könnte noch wahnsinnig viel über dieses Buch erzählen, was hier noch keinen Niederschlag fand, alleine die unzähligen Merkzettel im Buch zeigen das an, doch am allerbesten wäre natürlich, ihr lest dieses Buch selbst. Es ist ein Schatz, ganz wahrhaftig."Ich habe in meinem Leben sowohl Feiglinge als auch Helden kennengelernt" sagt er, "Die Helden haben sich immer von ihren Herzen leiten lassen und die Feiglinge von ihrem Verstand. Vergiss das nicht. Helden kalkulieren nicht und sie kalibrieren nicht. Sie tun einfach nur, was richtig ist."

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    • 7

    Bri

    15. April 2018 um 22:48
    dicketilla schreibt Ich wurde extra auf die Rezension aufmerksam gemacht, und ich muß sagen, es hat sich gelohnt. Chapeau!

    Oh huch, extra aufmerksam gemacht - von wem denn, wenn ich fragen darf, das würde mich interessieren;) Danke für das Lob! War mir sehr wichtig, das Buch ist großartig.

  • Allzeit bereit! Die Lektionen des Lebens

    Die Herzen der Männer

    Betsy

    15. April 2018 um 14:21

    "Die Herzen der Männer" beginnt mit der Geschichte des 13jährigen Nelson, der keine Freunde hat und für seinen Vater wegen seiner sensiblen und wissbegierigen Art eine Enttäuschung ist, da er so ganz anders ist als er es sich wünschen würde. Nur Jonathan, ein Junge aus der Nachbarschaft, scheint Nelson ein Freund zu sein, besonders im Pfadfinderlager wo dieser als einziger neben dem Campleiter Wilbur nett zu ihm ist. Nelson will dazugehören, aber scheint es nicht zu schaffen und erst als er auf die harte Tour eine Lektion lernen muss, scheint er seinen Weg zu finden und sich nicht länger unterdrücken zu lassen. Die Jahre vergehen und wir erleben die nächste Generation anhand von Jonathans Sohn Trevor, der es ebenfalls seinem Vater nicht recht machen kann, aber in Nelson ein strahlendes Vorbild sieht und diesem nacheifern will. Letztendlich erleben wir noch eine dritte Generation, die ebenfalls in punkto Vater keine guten Erfahrungen hat. Was diese Männer/Jungen alle verbindet ist ihre Zeit im Pfadfinderlager, die Probleme mit ihren Vätern, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise, sowie ihre Mütter, die ihre Söhne umso mehr lieben und trotz gebrochener Herzen immer für ihre Kinder da sind, selbst wenn diese es ihnen scheinbar nicht gleichtun. Definitiv ein Buch, das alles andere als Anleitung zum Verstehen von Männern ist und einem als Leser zwar Einblicke in ihre Herzen gibt, aber bei weitem nicht genug. Der Titel selbst ist ein wenig irreführend, da man ebenfalls Einblick in die Frauen in ihrem Leben bekommt, wenn auch mal mehr und mal weniger ausgeprägt und man deshalb nicht nur männliche Perspektiven zu lesen bekommt, sondern, vor allem gegen Ende, auch die weibliche Sicht. Das Buch hat mich am Anfang mit seinem ruhigen, aber so ausdrucksstarken Stil begeistert und mich emotional völlig mitgerissen. Nelson schließt man sofort in sein Herz und man ist geschockt wie er behandelt wird, wo er sich doch einfach nur nach der Liebe seines Vaters sehnt und Freunde haben will. Was mit Nelson beginnt und sich wie ein roter Faden durch die Geschichte durchzieht ist hier vor allem das amerikanische Pfadfindertum und die verschiedensten Beziehungen von Vätern zu ihren Söhnen bzw. was es heißt ohne einen aufzuwachsen. Leider entwickelt sich das Buch dann ein wenig anders als erwartet und während anfänglich Nelson im Fokus steht, rückt nach einem großen Zeitsprung Jonathan in den Mittelpunkt, während Nelson zur Randfigur wird. Jonathan hat sehr pragmatische Vorstellungen vom Leben und will seinem Sohn Trevor die Naivität austreiben. Dieser ist mit seiner rechtschaffenen, verantwortungsbewussten und ernsten Art nicht ganz das was sein Vater von einem 16jährigen erwartet und erinnert hierbei stark an Nelson und dessen Vater. Nelson ist dann für Trevor auch ein großes Vorbild, nachdem dieser in Vietnam gekämpft hat und scheinbar alles präsentiert was er selbst einmal sein will. Genau wie Nelson damals bei seinem Campleiter, tritt auch hier ein wenig Heldenverehrung auf den Plan und Trevor will seinem Idol nacheifern. Nach einem weiteren großen Zeitsprung befinden wir uns im Jahre 2019, der nahen Zukunft, warum gerade dieses Jahr bleibt ein Fragezeichen, und erleben nun die Sicht einer Frau, die in die Männerdomäne der Pfadfinder eindringt und versucht ihren Sohn zu einem anständigen Mann zu erziehen und ihn über alles liebt, ist er doch das einzige was ihr von seinem Vater geblieben ist und ihn mit den Pfadfindern versucht eine Verbindung zwischen ihm und seinem Vater zu schaffen. Meist gilt es hier für die Jungen etwas zu lernen. So muss Nelson im ersten Abschnitt auf die harte Tour erkennen, dass man sich am besten nur auf sich selbst verlässt, Trevor im 2. Abschnitt, dass jeder der Verführung erliegen kann und sich niemals zum Richter über andere machen sollte und im 3. Abschnitt, wie schnell jemanden verlieren kann den man liebt und sich wieder darauf besinnt worauf es im Leben wirklich ankommt. Die Lektionen werden anschaulich und auch recht radikal präsentiert. Zugleich gehen alle dann aber gerade dadurch gestärkt hervor, gehen ihren Weg und werden "bessere" Menschen. Immer wieder gibt es Dinge die man nicht gänzlich nachvollziehen kann und manche der Figuren bleiben im Vergleich zu anderen leider blasser als erwartet. Etliches wirkt dann auch überzogen, aber zugleich wird auch gut dargestellt wie kompliziert das Leben sein kann und es nicht nur schwarz oder weiß gibt. Durch die 2 großen Zeitsprünge angefangen im Jahre 1962 bis ins Jahr 2019 muss man sich immer wieder neu einstellen auf die aktuelle Situation und wer nun im Vordergrund steht. Man erfährt zwar im Verlauf immer wieder zu einzelnen Personen was mit ihnen in der Zwischenzeit passiert ist, aber es ist einfach nicht dasselbe Gefühl wie zu Beginn und die Geschichte wo man völlig gefangen darin ist und es wird teilweise immer deprimierender zu lesen. Vor allem ist es schade, dass Nelson seine anfängliche Hauptrolle verliert und man nur noch hin und wieder was über ihn erfährt. Dafür ist aber gerade er es wieder der am Ende für volle Emotion sorgt und sehr schön den Kreis vom Beginn der Geschichte mit Jonathan schließt und einmal mehr diese eigenwillige Beziehung der beiden im Fokus steht, die nicht nur für den Leser ein Rätsel ist. Butler verarbeitet in diesem Buch eine ganze Menge, wie etwa Mobbing, die Beziehungen von Vätern zu ihren Söhnen, Drogen, Sex, Alkohol, das Geschehen im Pfadfindercamp, wo Männer wieder zu echten Kerlen werden, Sexismus, Missbrauch, Enttäuschungen, Männerfreundschaften, Verlust, die Verherrlichung des Militärs, die Verarbeitung von Kriegserinnerungen, Prüfungen des Lebens, Liebe, Generationskonflikte aufgrund des Zeitgeistes uvm. Bei den ganzen Themen wird der Leser sehr gefordert, da Butler etliches ungeschönt präsentiert, aber immer wieder gibt es auch Lichtblicke und wunderschöne Momente. Vieles ist vielschichtiger als gedacht, wenn man quasi in Rückblenden erfährt was alles davor passiert ist und wie gewisse Dinge die Personen geprägt haben. Der Autor zeigt auf eine recht kritische Art was in einem Pfadfindercamp vor sich gehen kann und auch, dass es ein wenig wie ein Vorbereitungslager für zukünftige Soldaten wirkt, zumindest in früheren Jahren. Man erlebt mit wie sich in den nachfolgenden Generationen zwar der Stellenwert der Pfadfinder ändert, aber auch wie wenig sich an den Männern selbst ändert, die dort als Väter aufeinander treffen. Dazu zeigt die weibliche Sicht, wie ungemütlich es als Frau dort werden kann, wobei hier am Ende leider ein wenig zu sehr auf Effekthascherei gesetzt wird und alles ein wenig zu überzogen wirkt. Vor allem Nelson der Vorzeigepfadfinder und spätere Soldat, zeigt zum Ende hin, dass auch er müde und immer desillusionierter ist, was die Zukunft der Pfadfinder betrifft. Einerseits hat das Pfadfindertum also durchaus eine erzieherische Aufgabe, da es für bestimmte Werte eintritt und die Teilnehmer durchaus viel praktisches lernen, es werden Freundschaften geknüpft und ehemalige Mitglieder unterstützen es mit Geld. Ein richtiges Netzwerk also, dass aber auch durchaus für Kontroversen sorgt und dies hat der Autor hier sehr schön veranschaulicht. Hier wird gezeigt, das im Pfadfindercamp Männer noch Männer sein können und ihr herkömmliches Leben (ihre Frauen und Verpflichtungen) für kurze Zeit zurücklassen, aber auch dass es scheinbar immer noch eine reine Männerdomäne ist, wo Frauen nicht gebilligt sind und es durchaus zu Ausschreitungen kommen kann. Immer wieder gibt es zwar sehr schöne und innige Momente mit den Darstellern dieser Geschichte, aber es ist auch einfach ein wenig viel was hier hineinspielt und manches wird nur oberflächlich gestreift, so bleibt vor allem auch die so seltsame Freundschaft zwischen Nelson und Jonathan für den Leser nur sehr schwer greifbar. Ich finde es schade, dass gerade diese Freundschaft, die hier ein Knackpunkt der Geschichte ist, weniger Aufmerksamkeit bekommt als erwartet. Neben dem Pfadfindern und den Beziehungen von Kindern zu ihren Eltern, spielt auch der Krieg eine Rolle und wie hier die starken Vorbilder, die ebenfalls im Krieg waren diese dazu bewegen selbst in den Militärdienst zu treten und zugleich es wird gezeigt wie die Zeit als Pfadfinder oftmals als Vorbereitung dazu gedient hat und was für eine Ehre es ist Soldat zu sein. Wir erleben anhand unserer Protagonisten am Rande die Schrecken des Krieges und erst die 3. Generation scheint diesen Teufelskreis zu durchbrechen, indem mit den Pfadfindern, als auch mit einer Zukunft beim Militär aufgrund der Geschichte des Vaters, aber auch des Zeitgeistes, abgeschlossen wird. Besonders im heutigen Zeitabschnitt hatte ich so meine Probleme, das Pfadfindertum in Amerika zu verstehen, da es bei uns hierzulande doch mittlerweile auch Frauen dort gibt und Mädchen und Jungen gleichermaßen daran teilnehmen, weshalb der letzte Abschnitt es mir sehr schwer machte zu glauben, dass man dort wirklich noch so sexistisch ist. Hier hätte ich es nett gefunden wenn es einen Anhang gegeben hätte, wo ein wenig mehr über die Pfadfinder in Amerika eingegangen wird. Fazit: Das Buch entpuppt sich beim Lesen doch anders als man es sich vielleicht durch Titel, Klappentext oder Leseprobe vorgestellt hat und könnte dadurch falsche Erwartungen wecken. Überraschend stark präsent ist die Institution der Pfadfinder in Amerika vertreten, die hier als wahrer Männerverein präsentiert wird und alle Generationen miteinander verbindet. Die Handlung selbst ist eigentlich recht deprimierend und etliche Klischees über Männer werden einmal mehr bedient, aber wohl auch über die Amerikaner an sich. Es gibt 3 große Abschnitte mit 2 großen Zeitsprüngen und 3 Generationen, wobei die Sichtweisen teilweise überraschen. Mir persönlich gefiel es leider nicht wie die Geschichte aufgebaut ist und so einiges blieb mir zu oberflächlich, während es am Ende alles fast schon zu viel des Guten war. Auch der so ruhige und ausdrucksstarke Stil verlor sich ein wenig und es wurde teilweise etwas langatmig, dennoch bringen die Figuren und ihr Verhalten durchaus starke Emotionen beim Leser hervor, wenn auch nicht unbedingt positive, und regen zum Nachdenken an. Das amerikanische Pfadfindertum zeigt sich hier rückständiger als man es erwarten würde und es fällt sehr schwer dies wirklich zu glauben, weshalb ein Nachwort dazu sehr interessant gewesen wäre. Ein sehr vielschichtiges Buch, aber vom Aufbau her doch gewöhnungsbedürftig und nicht alles wird wirklich greifbar. Ich finde es schade, dass vor allem die Freundschaft von Nelson und Jonathan, die hier ein Knackpunkt der Geschichte ist, weniger Aufmerksamkeit bekommt als erwartet, dennoch zeigt es einmal mehr wie geprägt man von der Beziehung zu wichtigen Menschen ist und auch wie Erfahrungen uns zu jeder Zeit prägen.

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    • 2
  • Drei Generationen Liebe und Streit

    Die Herzen der Männer

    once-upon-a-time

    10. April 2018 um 07:44

    So unmöglich es dem Leser auch erscheinen mag: Nelson ist mit Leib und Seele Pfadfinder, obwohl niemand der anderen ihm das leicht macht, am allerwenigsten sein Vater. Doch irgendwie fügen sich die Dinge und schließlich erleben wir drei Generationen einer Familie, die sich in Nelsons Dunstkreis als Hauptcharaktere dieses Romans durchs Leben schlagen.Betrachtet man das Cover aus dem ästhetischen Blickwinkel, ist es schon hübsch; schaut man es sich jedoch nach dem Lesen des Romans an, eröffnet es eine ganz neue Tiefe: Nelson, der kleine Junge, der in die Herzen der Männer (und Frauen) sieht. Das gefällt mir ziemlich gut, obwohl ich befürchte, dass ich der Motivwahl damit zu viel Bedeutung beimesse. Aber gerade solche Details sind es, die mir auffallen und die mich begeistern können – und so auch die Geschichte.An nicht wenigen Stellen ist diese Geschichte nur schwer erträglich. Nelsons Campkameraden springen echt nicht zimperlich mit ihm um, die von ihm ausgesprochene Geburtstagseinladung schreit geradezu danach, in einem demütigenden Ereignis zu münden, wir bekommen kleine Einblicke in Geschichten aus dem Krieg und kommen auch um (Achtung, manche könnten das als Spoiler empfinden) (Achtung, ich hätte an dieser Stelle gern vorher eine Triggerwarnung gehabt) eine Vergewaltigung nicht herum. (Spoiler Ende)Harter Tobak, meinem Empfinden nach jedenfalls.Sehr interessant und stellenweise gruselig fand ich die Einblicke in das amerikanische Pfadfindersystem. Dass Homosexualität dort in vielen Fällen nicht einmal stillschweigend geduldet wird, hatte ich spätestens seit der Serie „The New Normal“ im Kopf, doch auch abgesehen davon fällt es mir schwer zu glauben, dass man dort mit einer weltoffenen Einstellung glücklich wird. Es würde mich wirklich interessieren, wie nah das hier geschilderte an der Realität ist.Insgesamt hat mir „Die Herzen der Männer“ wirklich richtig gut gefallen. Es besitzt eine gesunde Portion Handlung, die mich schlucken ließ, es wird zum Ende hin richtig spannend und ließ mich sogar ein, zwei Tränen vergießen. Und trotzdem bin ich nicht restlos begeistert, ein kleines Fünkchen fehlte mir noch.

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  • Amerikanische Männlichkeit

    Die Herzen der Männer

    krimielse

    06. April 2018 um 12:39

    Schwierige Beziehungen zwischen den Generationen prägen den Roman von Nickolas Butler „Die Herzen der Männer“. Im Zentrum steht Nelson, als Kind ein freudloser Außenseiter ohne Selbstbewusstsein und für seinen Vater eine Enttäuschung. Traurig tröpfelt zu Beginn des Romanes Nelsons Leben aus den Seiten des Buches, die wenigen glückliche Momente seiner Kindheit verdankt er seiner Mutter. Nelson sehnt sich nach Zuwendung durch seinen Vater, doch dieser wendet sich immer mehr von ihm ab. Vor allem im Sommer-Pfadfindercamp wird für Nelson überdeutlich, dass sein Vater sich einen lauten, unerschrockenen Sohn wünscht, Nelson hingegen hat dort einiges zu erdulden und bleibt trotz oder gerade wegen seines strebsamen Eifers im Erlernen pfadfinderischer Überlebensfähigkeiten allein und wird als Außenseiter gemobbt. Nur der alte Campleiter Wilbur unterstützt ihn und richtet ihn auf. Umso erstaunlicher ist Nelsons Freundschaft mit Jonathan, dem beliebten, unerschrockenen und coolen älteren Jungen, die nach dem Sommercamp für ein ganzes Leben bestehen bleibt. Jonathans Sohn Trevor verbringt genau wie in der nächsten Generation dessen Sohn Thomas seine Sommer im Pfadfindercamp im rauhen Wisconsin. Verknüpft durch die Lagererfahrungen und das schwierige Verhältnis der Söhne zu ihren Vätern verbinden sich die Männergeschichten und der Kreis schließt sich nicht zuletzt dadurch, dass ihr Verhältnis zu ihren Müttern immer durch große Liebe geprägt ist. Wann ist ein Mann ein Mann? Nickolas Butler beleuchtet in seinem Buch die verschiedenen Formen der Männlichkeit. Am Beispiel der zentralen Figur Nelson wird sowohl der Wandel von Männlichkeit im Laufe der Zeit als auch die Erwartung der amerikanischen Gesellschaft an echte Männer besonders deutlich gemacht. Die Geschichte begleitet Nelson vom sensiblen, klugen, ausgegrenzten und geächteten Jungen, als Elitesoldat im Vietnamkrieg bis hin zum unerschrockenen alten Lagerkommandanten des Pfadfindercamps. Er, der als Kind Außenseiter und Streber war, nach Aufmerksamkeit seines Vaters gelechzt hat, stolpert als Held durch den Vietnamkrieg, flüchtet nach seiner Rückkehr vor der mütterlichen Fürsorge und wird schließlich Lagerkommandant und Nachfolger des von ihm als Kind so bewunderten alten Wilson im Pfadfindercamp. Er, der unmännliche kleine Außenseiter begibt sich auf das besonders negative brutal-männliche Kriegsterrain, aus dem er sich allerdings nach traumatischen Kriegserfahrungen wieder zurückzieht, keine militärische Karriere durchläuft, sondern sozusagen „back to the roots“ im Pfadfinderlager versucht, anderen kleinen Jungen der nächsten und übernächsten Generation klare Regeln und Strukturen auf althergebrachte männliche Art zu vermitteln. Butler zeigt, wie vernarbt äußerlich und innerlich ein Leben mit einer schlechten Vater-Sohn-Beziehung trotz vielen Unbills gelebt werden kann, wie wichtig Beziehungen im Leben eines Kindes und eines Heranwachsenden sind, dass oft nur Schutz und Hilfe im rechten Moment die Rettung bedeuten und dass es durchaus möglich ist, aus beengenden und brutalen Verhältnissen auszubrechen und seinen Weg zu gehen. Und ja, es ist auch ein Buch über Lagerfeuer-Romantik und einer daraus erwachsenden Männerfreundschaft, die das ganze Leben hält. Und obwohl man die amerikanischen Pfadfinder durchaus als militärisch angehauchte Organisation betrachten kann mit ihren Uniformen, Regeln und den Dingen, die den kleinen Jungen in den Camps beigebracht werden, steht das Pfadfindertum für mich hier nicht ausschließlich und vordergründig als Heldenschmiede für spätere Soldaten, sondern für althergebrachte Werte wie Freundschaft, Treue, Ehrlichkeit und Redlichkeit und Kameradschaft im positiven Sinn. Doch auch Frauen spielen in diesem so männlichen Kosmos eine Rolle, und nicht nur eine nebensächliche. Auffallend, dass viele Beziehungen der männlichen Figuren zu den Frauen der Geschichte zum einen von großer Zuneigung und inniger Liebe, zum anderen von Untreue geprägt ist. Und ebenso ungewöhnlich, dass eine Frau die Männerdomäne Pfadfinderlager erobern darf, Rachel, die Mutter von Thomas, begleitet ihren Sohn zum Sommercamp, so wie es sonst nur die Väter der Jungen tun. Spricht das für einen Wandel im Bild der Männlichkeit? Vielleicht, denn der Focus des Autors ist neben der Beziehungen von Vätern/Müttern zu ihren Söhnen auch auf das Bild der Männer in der amerikanischen Gesellschaft und seinen Wandel gerichtet. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, es kommt ohne großes Pathos und ohne inhaltslose Allgemeinplätze zur Frage nach Männlichkeit aus, ist durch verschiedene Perspektiven und Zeitebenen spannend zu lesen und in meinen Augen sprachlich auf dem Niveau wirklich anspruchsvoller Literatur. Ich empfehle es ausdrücklich zu lesen.

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    • 4
  • Geschichte der Männlichkeit und der dazugehörigen Werte in der USA

    Die Herzen der Männer

    simone_richter

    03. April 2018 um 19:43

    Der Roman über verschiedenen Protagonisten in unterschiedlichen Jahren beginnt 1962 mit dem 13-Jährigen Nelson im Pfadfinderlager Camp Chippewa. Dieser ist mit Leib und Seele Pfadfinder und jagt ein Abzeichen nach dem nächsten und ist dem Ehrenkodex dieser Vereinigung sehr angetan. Leider ist er für seinen Vater eine Enttäuschung und gibt auch im Lager ein Mobbingopfer ab. Unterstützung erhält er allerdings vom älteren Jonathan. In den 2 weiteren Kapiteln geht es wieder um andere Jungs und Männer, jedoch tauchen die bekannten Personen teilweise immer wieder auf. Das macht das Buch abwechslungsreich und erstreckt sich über Nelsons ganzes Leben und zeigt, wie sich manche Personen verändern und was es für sie für Prüfungen bereithält mit Freundschaft und Loyalität. Nicolas Butler hat hier einen anspruchsvollen Roman verfasst, der es einem nicht leicht macht und man manchmal wütend ist. Aber genau diese Emotionalität macht das Buch aus und man erlebt einen Wertewandel der USA und was wichtig ist. Wie werden die Söhne erzogen und was nehmen sie von ihren Vätern mit. Das ist wort- und bildstark beschrieben und lässt einen zum Teil traurig zurück. Man darf nicht zimperlich sein mit der amerikanischen Ideologie, die den Umgang mit Waffen einschließt und es ist - entgegen des Titels -  kein Spiegelbild aller Männer der Welt.

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  • Lesemarathon zu Ostern vom 30. März bis 2. April 2018 bei LovelyBooks

    LovelyBooks Spezial

    Daniliesing

    4 Tage LeserEi – Mit LovelyBooks durch die Oster-Tage! Ein langes Osterwochenende steht bevor und wie könnte man diese Zeit am besten nutzen? Natürlich auch zum Naschen von Schoko-Osterhasen und Eiersuchen, aber vor allem doch zum gemütlichen Lesen, oder? Deshalb starten wir in unseren nächsten Lesemarathon und freuen uns hier auf einen tollen Austausch rund um unsere aktuellen Bücher.Was ist ein Lesemarathon?Bei unserem Lesemarathon vom 30. März  - 2. April (Karfreitag bis Ostermontag) möchten wir uns ganz bewusst Zeit dafür nehmen, endlich einmal längere Zeit am Stück zu lesen. Sonst kommt doch immer der Alltag dazwischen und plötzlich hat man die schöne Lesezeit mit Putzen, Fernsehen usw. verbracht. Natürlich müsst ihr nicht die gesamten 4 Tage durchlesen, sondern es ist so gedacht, dass jeder mitmachen kann, wann und wie er möchte. Hier haben wir einen gemeinsamen Platz, an dem wir uns über unsere Lesefortschritte und die gelesenen Bücher austauschen können.Wie kann man mitmachen?Jeder ist herzlich willkommen hier jederzeit mitzumachen. Einfach drauflosschreiben und dabei sein – wir freuen uns über jeden, der uns ein kleines oder auch großes Stück unseres Lesemarathons begleiten möchte. Für die Abwechslung zwischendurch, werden wir hier im Zeitraum der 4 Tage kleine Fragen oder Aufgaben stellen, bei denen ihr gern mitmachen könnt. Natürlich ist das kein Muss, aber es macht immer wieder viel Spaß, auf diese Weise andere Leser kennen zu lernen, neue Bücher zu entdecken und sich sein eigenes Leseverhalten näher anzuschauen. Selbstverständlich könnt ihr gern auch über eure Blogs und Social Media Kanäle teilnehmen. Verwendet hierbei bitte den Hashtag #lblm - so können wir unsere Beiträge leicht wiederfinden.Jetzt heißt es nur noch, ein paar Tage warten und schon ist unser Lesemarathon da. Wir freuen uns auf viele schöne Lesestunden mit euch!

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    • 655
  • Empathisch und bestens erzählt

    Die Herzen der Männer

    michael_lehmann-pape

    31. March 2018 um 11:33

    Empathisch und bestens erzähltSommer 1962. Der fast 13jährige Trompeter der Pfadfinder im Lager, seit einiger Zeit mit einem Zelt ganz für sich alleine, braucht keinen Wecker. Zuverlässig wacht er auf, um sein Signal zu geben.Eine uramerikanische Tradition, kann man sagen, auch wenn die Pfadfinder nicht dort gegründet und weltweit tätig sind, dieses Lagerleben, diese feste Einrichtung im Leben so vieler Jugendlicher hat durchaus etwas amerikanisch-prägendes in dieser Form.„Er würde bereit sein, ein zweites Feldbett aufzustellen. Er würde hilfreich, freundlich, höflich, liebenswürdig und stets munter und vergnügt sein“.Werte, die er sich gibt, die er im Lager als einer der jüngsten aufsaugt und Werte, die ihn durch all die Jahre und Jahrzehnte seines Lebens begleiten werden, die der Roman umfasst. Denn auch am Ende der Geschichte wird Nelson, der kleine Trompeter, noch Pfadfinder sein. Verantwortlich, loyal, Sicherheit gebend, soweit er es vermag. Und ein Streber, das kann man zu der Zeit nicht anders sagen.Wie überhaupt natürlich durch den ganzen Roman hindurch amerikanische Alltagssituationen, Bräuche, Lebensweisen eine feste Rolle spielen.Und dennoch, das, was Butler mit seiner Geschichte und durch diese hindurch zu erzählen hat, hat allgemein menschliche Tiefe, bietet Einblick in Herzen (übrigens nicht nur von Männern, auch wenn zwei Männer die Hauptfiguren des Romans bilden), der allgemeingültig ist, der in seiner dichten, präzisen, emotionalen Schreibweise jeden Leser in den Bann zu ziehen vermag.Denn überall auf der Welt wäre das gleich verletzend, zum Verzweifeln, niederschmetternd. Wenn man Wochen zuvor mit Liebe viele Einladungen zu seinem 13 Geburtstag geschrieben hat, die Mutter alles mit Liebe vorbereitet hat und dann niemand, keiner kommt. Den ganzen Tag lang nicht.„Nelson hatte keine Freunde“.In diesem Alter, in dem es um Sportkanonen, Cheerleader, um klassische Attitüden von Erfolg geht, da kann er nicht mithalten.„Während des Abendessens fiel es ihm schwer, seine Tränen zurückzuhalten, und als sie dann kamen, flossen sie ihm heiß und ungestüm an den sonnenverbrannten Wangen herab“.Was den Vater den Gürtel zur Hand nehmen lässt, denn Männer weinen nicht (es gibt einige verschiedene „Männerherzen“ im Buch, keine Frage).Bi dann, plötzlich, die Rettung, Jonathan auftaucht. Kaum Freund, entfernter Bekannter und genau das, was Nelson nicht ist. Ein Sonnyboy, ein „All-American Boy“. Der nur kurz bleibt, aber eine Verbindung sich schließt, die das Leben begleitet. So erzählt von da an Butler die Geschichte der beiden Männer und ihrer Familien, Frauen, Nachkommen (so es welche geben wird), die inneren Entwicklungen und das, was beide dauerhaft verbinden wird.Mit „männlicher Ausprägung“, in der der eine Weisheit und Lebensklugheit und Reichtum erlangen wird und der andere Aufrichtigkeit und Standhaftigkeit im Leben lebt.„Ein enger Freund aus Kindertagen, stimmt das überhaupt? Was haben sie einander bedeutet? War es nicht viel mehr ein sehr dünnes, fragiles Band, das sie zusammengehalten hat? Sommerferien, Briefe, gelegentliche Treffen“?Eine Geschichte, die lohnt, gelesen zu werden, wenn aus einem unbeachteten, bedrückten kleinen Jungen jemand wird, für den sich der gesamte Paradeplatz füllen wird mit allem, was die Welt vom Müllmann bis zum Star, vom Kellner bis zum Professor, zu bieten hat. Für ein Lebenswerk, das nicht ohne Grund am Ende in eine gefahrvolle Situation zur Rettung einer Frau führen wird. Denn die Fragen, was für ein Mann man sein möchte und was es an Männerhaltungen im Umfeld gibt, um sich daran zu orientieren oder zu distanzieren, diese Frage durchzieht den Roman als hintergründiger, roter Faden.

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    • 2
  • Männerherzen

    Die Herzen der Männer

    c_awards_ya_sin

    28. March 2018 um 20:58

    Drei Generationen amerikanischer Männer. Butler schafft es mit seiner wunderbaren Sprache den Charakteren Leben einzuhauchen. Spannend, abwechslungsreich und nie kitschig geht er den Gefühlen dieser Männer auf den Grund. Es geht um Nelson und Jonathan mit ihren Familien und ganz unterschiedlichen Vater Sohn Beziehungen. Aber auch ihre Beziehung zu Frauen. Welcher Charakter im nächsten Abschnitt im Mittelpunkt steht und in welcher Zeit man sich befindet ist immer eine Überraschung, was das Buch sehr interessant macht. Schwierig war für mich mich an das Denken der Amerikaner zu gewöhnen. Es wird schon sehr deutlich, dass dies anders ist als das von Europäern. Zudem ist dieses Buch kein Gute-Laune-Buch sondern befasst sich mit so manchen unschönen Dingen die einem im Leben passieren können. Mobbing, schwierige Beziehungen. Das gefällt mir sehr gut und wird von Butler gekonnt umgesetzt.

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  • unglaublich gut geschrieben

    Die Herzen der Männer

    Andrea-Karminrot

    22. March 2018 um 07:03

     Nelson ist ein 13 jähriger Junge, der einfach zu schlau, zu sensibel, für seine Mitschüler ist. In seiner näheren Umgebung hat Nelson keine Freunde. Nur ein einziger Junge kommt, viel zu spät, zu seinem Geburtstag und bleibt auch nur aus Anstand. Im Pfadfinderlager bewohnt Nelson ein Zelt alleine. Keiner möchte mit ihm etwas zu tun haben. Er ist ein einsames Kind, das von den Anderen geärgert und gehänselt wird. Nur Jonathan, der ihn an seinem Geburtstag besucht hat, scheint zu ihm zu halten. Aber eines Tages nimmt sich Nelson ein Herz, und beweist sich und den anderen Jungen, dass er ein tougher Kerl ist. Auch zu Hause, wird Einiges anders. Der Vater wird, von der sonst so stillen Mutter, aus dem Haus gejagt und Nelson bekommt die Chance, auf eine Militärschule zu gehen. Das Buch ist in drei Kapitel unterteilt (1962, 1996, 2019) . 60 Jahre lang, werden Nelson und Jonathan begleitet. Eine seltsame und tiefe Freundschaft. In diesem Buch anzukommen, braucht es höchstens 3 Seiten. Nickolas Butler schreibt so wunderbar, dass man sich innerhalb kürzester Zeit mit seinen Charakteren identifizieren kann. Seine Schreibweise, ist einfühlsam und direkt. Vielleicht liegt es auch daran, dass Nickolas Butler aus seinem eigenen Leben erzählt. So enthält das zweite Kapitel einige Episoden aus dem Leben des Autors. Butler war mit seinem Vater als Fünfzehjähriger unterwegs, als der Vater ihm seine neue Lebensgefährtin vorstellte.  Butlers Männer zeigen sich mit angeblicher Stärke, sie zeigen Muskeln und wollen nicht weich sein. Doch hinter den Figuren stecken empfindliche und verletzliche Helden, die in den Kriegen dieser Zeit, viele Blessuren (körperlich, wie seelische) davontragen. Das Pfadfinderlagersteht als Metapher zur amerikanischen Gesellschaft. Welche Werte sind heute noch wichtig, die damals unerlässlich schienen. Gemeinschaft, Würde, Miteinander und Füreinander, waren 1960 noch vorrangig. Aus den „gestählten“ Pfadfindern, gingen wichtige Persönlichkeiten hervor. Heute, steht jeder für sich alleine, ist mit seinem Handy oder Computer in der Welt unterwegs und übersieht seinen Nachbarn. Die Pfadfinderlager verkommen zu Witzveranstaltungen, die nicht mehr ernst genommen werden, obwohl sie doch genau für die guten Werte stehen und geschulte, selbstbewusste Männer hervorbringen sollten. Kritisch beschreibt Butler die selbstsüchtige (amerikanische) Gesellschaft. Eine wunderbare Geschichte. Ich kann es nur empfehlen.

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  • Die Herzen der Männer

    Die Herzen der Männer

    Buecherwurm1973

    21. March 2018 um 14:13

    Nelson ist der Trompeter eines Pfadfinderlagers irgendwo im Nirgendwo. Er ist ein vorbildlicher Pfadfinder und sammelt alle Abzeichen in Rekordzeit. Logischerweise wird er häufiger Opfer von Mobbing. Zu Hause ist seine Mutter seine einzige Verbündete. Nelson jedoch sehnt sich nach der Aufmerksamkeit seines Vaters, der sich jedoch irgendwann aus dem Staub macht. Jonathan ist der einzige „Freund“. Das Buch zeichnet die Lebensgeschichte von Nelson, Jonathan und seiner Familie über drei Generationen auf.  Das zentrale Thema ist die Vater-Sohn-Beziehung über drei Generationen gesehen. Mich hat das Buch lange nicht losgelassen. Warum? Ich habe nach Beendigung der Lektüre die Botschaft nicht ganz verstanden, es war mir alles zu amerikanisch. Dieses Fazit befriedigte mich nicht. So habe ich Radiobuchbesprechungen gehört und Interviews gelesen. Wie schon in seinem Erstlingswerk „Shotgun Lovesongs“ hat der Autor wieder Erlebnisse aus seinem Leben einfliessen lassen. Das lässt mich zum Entschluss kommen, dass mein Unverständnis nicht an Nickolas Butler liegt, sondern an der Denk- und Lebensweise der Amerikaner, die sich von den Europäer doch etwas unterscheidet. Tatsächlich habe ich danach meine Meinung zu gewisse Passagen und zu Jonathan, den ich im Buch einfach nur widerlich fand, geändert.   Dieses Buch ist nicht mehr ganz so poetisch wie „Shotgung Lovesong“, dennoch einfühlsam geschrieben. Der Autor hat mich alle Arten von Emotionen durchmachen lassen. Keiner schreibt wie Nickolas Butler – so gefühlsvoll, berührend und intensiv, aber niemals kitschig.  

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