Nico Naldini Pier Paolo Pasolini

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Inhaltsangabe zu „Pier Paolo Pasolini“ von Nico Naldini

Nico Naldini, ebenso wie sein acht Jahre älterer Cousin Pier Paolo Pasolini in Casarsa im Friaul aufgewachsen, beschreibt in dieser Chronologie das Leben und das gesamte Werk Pasolinis. Sie beginnt mit den idyllischen gemeinsamen Jugendjahren in Casarsa, den ersten poetischen Versuchen Pasolinis im friaulischen Dialekt, den verwirrenden Erfahrungen der frühen Liebe – bis zu jenem ersten Konflikt mit der bürgerlichen Welt, der Anklage wegen »obszöner Handlungen«, dem damit verbundenen Verlust seiner Stelle als Lehrer und dem Ausschluss aus der Kommunistischen Partei. Naldini zitiert eine Fülle von Zeugnissen von und über Pasolini: Tagebücher, private Korrespondenz und Erinnerungen seiner Freunde, außergewöhnliche Fotos, aufgezeichnete Gespräche, journalistische Polemiken und ästhetische Auseinandersetzungen mit seinen Kollegen – Bausteine aus Leben und Werk eines Poeten, der dreißig Jahre lang beinahe täglich angegriffen und beleidigt wurde, während man ihn gleichzeitig fast wie ein Orakel las und befragte.

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  • Rezension zu "Pier Paolo Pasolini" von Nico Naldini

    Pier Paolo Pasolini
    Eselsohren-Werner

    Eselsohren-Werner

    17. June 2012 um 19:20

    Die Biografie für Kenner Wer war Pier Paolo Pasolini? – Ein Lyriker, Romanschriftsteller, Kolumnist, Autorenfilme-Macher (und Maler), der Zeit seines Lebens der kommunistischen Partei nahestand, die ihn jedoch wegen seiner Homosexualität ausgeschlossen hatte. Ein politisch engagierter Publizist, der gegen die Gleichmacherei des Neokapitalismus aufgetreten ist und dessen Werk immer wieder für Skandale gesorgt hat. Ein widersprüchlicher Mensch und Künstler, schwer zu fassen und schwer zu beschreiben. Nico Naldini behalf sich in seiner neu aufgelegten Biografie damit, dass er sich einer These oder Meinung über Pasolini enthielt. Anscheinend wollte er einen Künstler möglichst objektiv darstellen. Um den Überblick nicht zu verlieren Das Buch beginnt ohne einleitende Worte mit Pasolinis Eltern, bevor es mit dessen Kindheit in Bologna und den zahlreichen Umzügen und Schulwechseln fortfährt. Auch in der Folge werden Fakten aufgezählt und viele Briefe und Dokumente von oder über Pasolini zitiert. Damit man dabei den Überblick nicht verliert, empfiehlt es sich, vorab eine Kurzbiografie Pasolinis zu lesen (und es wäre von Vorteil, wenn dem Buch eine solche beigefügt worden wäre). Und es muss jedenfalls eine Heidenarbeit gewesen sein, aus Pasolinis Korrespondenz, aus den Tagebüchern und Werken jene Passagen herauszusuchen, welche seine Lebenslinie illustrieren oder erhellen sollen. Objektiv – subjektiv – retrospektiv Otto Schweitzer ist an seine – nur mehr antiquarisch erhältliche – Rowohlt-Monographie subjektiver herangegangen, und jener Pasolini, der uns dort begegnet, mag dem „echten“ vielleicht nur zum Teil ähnlich sein. Es wäre interessant, dieses Bild anhand von Naldinis zur selben Zeit entstandener Biografie zu überprüfen. Fragt sich nur, ob sich jemand heutzutage noch die Mühe macht, wo Pasolinis Werk eher retrospektiv behandelt wird. Von seinen Büchern ist kaum mehr eines (auf Deutsch) erhältlich und die Filme werden eigentlich nur mehr zu bestimmten Anlässen gezeigt. Auch bei oberflächlicher Betrachtung lässt sich jedoch feststellen, dass Schweitzer Pasolinis Homosexualität ausführlicher thematisiert hat als Naldini. Schweitzer hat auch Pasolinis Werk durchaus kritisch betrachtet, während Naldini eher dessen Entstehung und Rezeption behandelte. Ein geborenes Genie? Bei Naldini hat man den Eindruck, Pasolini wäre ein geborenes Genie gewesen, das sich in verschiedenen Bereichen ausgedrückt hat, während Schweitzer drei Lebensabschnitte deutlich voneinander abtrennt: der Lehrer mit schriftstellerischen Ambitionen in Friaul, der immer berühmter und berüchtigter werdende Schriftsteller in Rom und schließlich der Filmemacher. Davon, dass sich Pasolini, so Schweitzer, kurz vor seiner Ermordung am Übergang zu einem noch nicht definierten vierten Schaffenszyklus befunden haben soll, findet man bei Naldini nichts, dessen Pasolini bei aller Ausführlichkeit seltsam undefiniert bleibt. Mehr Lust auf Pasolini Wenn es noch erhältlich wäre, könnte Schweitzers Buch jedenfalls mehr Lust darauf machen, Pasolini zu lesen oder seine Filme anzusehen, wohingegen sich das von Naldini wohl eher für Pasolini-Kenner eignet, die ihr Wissen vertiefen wollen.

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