Nico Walker

 4.2 Sterne bei 6 Bewertungen
Autor von Cherry, Cherry und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Nico Walker

Die unschönen Seiten: In seinem Debütroman »Cherry« erzählt Nico Walker eine sehr persönliche, teils autobiographische Geschichte: Ein junger Mann aus Cleveland lernt in seinem ersten Jahr an der Uni ein Mädchen kennen. Die beiden verlieben sich, erleben eine wilde Zeit, nehmen Drogen. Bis die Zeit jäh vorbei ist und Emily zurück nach New York muss. Und der junge Mann sein Studium schmeißt, um sich beim Militär zu verpflichten. Kurz bevor er in den Irak aufbricht, heiraten die beiden in einem verzweifelten Versuch, ihre Beziehung zu retten. Doch die Entfernung, die Zeit und die schrecklichen Dinge im Kriegsgebiet treiben unausweichlich ihren Keil zwischen das Glück der beiden. Nico Walker hat als Sanitäter bei über 250 Einsätzen im Irak der amerikanischen Armee gedient. Nach seiner Rückkehr verfällt er dem Heorin, genauso wie Emily. Er begeht einen Bankraub und wird zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Dort, auf einer alten Schreibmaschine, verfasst er seinen ersten Roman.

Neue Bücher

Cherry

 (5)
Neu erschienen am 15.04.2019 als Hardcover bei Heyne.

Cherry: Roman

Neu erschienen am 15.04.2019 als Sonstige Formate bei Heyne Verlag.

Alle Bücher von Nico Walker

Cherry

Cherry

 (5)
Erschienen am 15.04.2019
Cherry: Roman

Cherry: Roman

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Erschienen am 15.04.2019
Cherry

Cherry

 (1)
Erschienen am 14.08.2018

Neue Rezensionen zu Nico Walker

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Rezension zu "Cherry" von Nico Walker

Wider den weißen Gartenzaun!
BettinaR87vor 14 Tagen

Anfang der 2000er Jahre trödelt ein junger Mann in Cleveland sich durch sein Leben – hier mal eine Dosis Heroin, da mal noch eine Line, dort ein Gelegenheitsjob, am anderen Tag mal  eine Bank ausrauben: Er ist das amerikanische Sinnbild eines vergeudeten Lebens auf der schiefen Bahn. Und das, obwohl der Junge sogar mal ganz brav im Dienste der US Army stand, was für Amerikaner gleichbedeutend mit Disziplin, Ehre und Nationalstolz ist. Wie geriet er, der Unbekannte, also ins Kreuzfeuer des Lebens?

Zunächst muss man das Buch ganz eindeutig mit „die USA und ihre gesellschaftlichen Eigenheiten“ im Hinterkopf lesen. Denn Nico Walker frei vom Fleck weg – direkt, offen, nicht auf Komplimente aus. Man bekommt quasi Gedanken in Reinform mit, die nicht geschönt und auch nicht anders künstlich verändert werden: Straftaten werden beispielsweise völlig lapidar erzählt, die emotionale Distanz des Erzählers zu seiner Umwelt ist offensichtlich. Obwohl angeblich nicht im Geringsten autobiographisch inspiriert, könnte einiges davon tatsächlich seinen Ursprung in der Realität haben: Der Autor ist aktuell noch im Gefängnis. In „seinem“ Buch zeichnet er das Bild eines Menschen, der in seiner Jugend eigentlich alles hatte und damit die besten Voraussetzungen, ein gesellschaftlich anerkanntes Mittelschichtleben zu führen.

Trotzdem rutscht er in die Drogensucht ab und verkörpert damit die Horrorvorstellung amerikanischer Eltern schlechthin: Trotz finanziell stabiler Eltern aus dem gesunden Mittelstand und Zugang zu Bildung wählt sein Le­ben ganz absichtlich den „falschen“ Weg. Da muss etwas ganz falsch gelaufen sein, den­ken sich so manche und die Antwort ist „Ja“. Was Nico Walker aber sehr gekonnt macht, ist, dieses „Ja“ mal bei seinem Protagonisten und mal in der ame­rikanischen Gesellschaft zu verankern. Heraus kommt ein Porträt des Mittelstands in den USA, das eigentlich gar nicht so schockierend ist, zumindest, sofern man zu den Lesern gehört, die mit offenen Augen durch das Leben gehen. Dem Buch nur wegen der hohen Anzahl von Flüchen, Schimpfworten, Fäkalausdrücken und Co hat einen „Hardcore-Status“ zu verleihen wirkt etwas redundant. Dennoch ist das Buch eines, das man sich durchaus gepflegt zu Gemüte führen sollte.

Was tatsächlich also viel interessanter als dieses persönliche Schicksal ist, sind die Schemen, die hinter der Geschichte auftauchen: Dass der amerikanische Traum vom Haus mit dem weißen Gartenzaun et cetera manchen Menschen offenbar nicht reicht, um sich den gesellschaftlichen Anforderungen zu beugen. Denn unser Hauptcharakter, nonchalant, wie er sich gibt, hat darauf schlichtweg keinen Bock – und entzieht sich damit den gängigen Wertvorstellungen. Niemand übt Macht über ihn aus: weder seine Mitmenschen, noch die Gesellschaft. Auf Gesetze pfeift er nicht so richtig, aber richtet sich auch nicht ganz danach.

Ohne diesen Druck entwickelt auch sein Geist, natürlich unter Drogeneinfluss massiv geschädigt, sich in eine ganz andere Richtung weiter. Während der Rest sich mit Krediten abmüht, um „den Traum“ gut sichtbar für alle zu realisieren, macht er sich unabhängig von dem ganzen Theater. Auch in dieser Hinsicht ist er vielleicht eine “Cherry”, wie die Frischlinge bei der US Army genannt werden.


PS: Sensationelles Cover!

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Rezension zu "Cherry" von Nico Walker

Kein einfaches Leben
MissNorgevor 16 Tagen

✿ Kurz zur Geschichte ✿
Cleveland, 2003. Ein junger Mann beginnt sein Studium am College, wo er Emily kennenlernt. Sie verlieben sich Hals über Kopf und heiraten. Aber bald zieht Emily zurück zu ihrer Familie nach Pennsylvania, während er die Uni verlässt und der Armee beitritt. Im Irakkrieg erlebt er die Schrecken des Krieges, die er nach seiner Rückkehr nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Der Kriegsheld verfällt den Drogen, während die Opioid-Epidemie Amerika überschwemmt. Um seine Sucht zu finanzieren, beginnt er Banken auszurauben.
(Quelle: Amazon.de)
✿ Meine Meinung ✿
Ja, ich weiß, man soll nicht vom Aussehen her ein Buch beurteilen, aber dieses Cover finde ich schon echt toll und es paßt auch irgendwie zum Inhalt. Es ist kein gewöhnlicher Roman, sondern der Autor Nico Walker beschreibt sein Leben, obwohl zu Beginn des Buches folgendes steht: "Diese Geschichte sei frei erfunden, diese Dinge wären nie geschehen und die Menschen würden nicht existieren". Doch er kann nicht ablenken davon, das Nico über sich und sein bis dahin verkorkstes Leben schreibt. Momentan sitzt er noch in Haft, mit der Aussicht 2020 entlassen zu werden. Der Schreibstil und seine Ausdrucksweise ist hart, oftmals dreckig und schonungslos, aber genau so stelle ich mir vor, spricht und lebt man in den Gangs der USA, wenn man auf Drogen ist und keinen anderen Ausweg sieht. Um sich Geld für Drogen zu beschaffen überfällt Nico Banken. Im Gegensatz zum realen leben, benimmt er sich dort eigentlich noch recht höflich, doch es nutzt nichts, ein Überfall ist und bleibt ein Verbrechen. Zugute halten muss man Walker das er nicht in die Schiene des Selbstmitleids verfällt, er weiß was er getan hat und das muss er nun ausbaden. Sehr intensiv und knallhart schreibt er über seinen Lebensabschnitt in der Army, als er in den Irak muss um dort als Sanitäter zu helfen. Hier muss man echt hart sein, um so etwas zu lesen, aber es hautnah noch selbst mitzuerleben, das ist kaum vorstellbar. Kein Wunder, das diese Bilder und Gedanken einen ein Leben lang begleiten werden.
✿ Fazit ✿
In den letzten Jahren habe ich kaum ein Buch gelesen, in dem der Autor so einen Seelenstrip hinlegt und mich damit begeistern konnte, wie es Nico Walker geschafft hat. Ich wünsche, das er nach der Haft sein Leben in den Griff bekommt.

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Rezension zu "Cherry" von Nico Walker

Ein ungeschönter Blick oder Schreiben als Therapie
Haversvor 2 Monaten

„Cherry“ speist sich aus der Biografie des Autors. Allerdings bleibt es dessen Geheimnis, inwieweit die geschilderten Episoden seinen eigenen Erlebnissen entsprechen. Aber man darf davon ausgehen davon, dass er den Großteil dessen, was er schildert, genau so erlebt hat.

Aufgewachsen in einer amerikanischen Mittelklasse-Familie, kommt Nico Walker bereits als Jugendlicher mit Drogen in Kontakt. College in Cleveland, Abbruch, danach Army. Knapp zwanzigjährig wird er in den Irak geschickt, heiratet vor der Abreise seine Freundin und leistet seinen Militärdienst an der Front bei über 250 Einsätzen in einem Sanitätskorps ab, wofür er zahlreiche Auszeichnungen erhält. Diese Zeit geht nicht spurlos an ihm vorüber. Opiode und Drogen betäuben. Nach seiner Rückkehr findet er sich im Alltag nicht mehr zurecht, kämpft mit posttraumatischen Belastungsstörungen. Heroin hilft, und so wird er abhängig. Die Sucht will finanziert werden, also beschafft er sich das Geld durch Banküberfälle, wobei die erbeuteten Summen überschaubar sind. Er wird geschnappt und zu elf Jahren Haft verurteilt. Seine Entlassung steht für November 2020 an.

„Cherry“, Army-Slang für Frischlinge, ist sicherlich keine große Literatur, sondern eher der Versuch des Autors, Erlebtes mittels Schreiben zu verarbeiten. Eigentherapie, sozusagen. Obwohl die Sprache simpel ist, gewinnt das Buch spätestens dann an Tiefe, wenn Walker seine Erlebnisse im Irak-Krieg schildert. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass er nach der Rückkehr in die Heimat von Erinnerungen heimgesucht wird, die sich in PTBS manifestieren. Und hier zeigt sich  dem Leser auch ein ungeschönter Blick auf ein Amerika, das seinen Veteranen nichts, aber auch gar nichts zu bieten hat und sie mit ihren Problemen, ganz gleich, ob gesundheitlicher oder finanzieller Natur, allein lässt. Die medizinische Betreuung erschöpft sich im Verschreiben von Medikamenten, die Abhängigkeit generieren. Und zu der Opiod-Krise geführt haben, die mittlerweile die gesamten Vereinigten Staaten überzieht.

Der Roman ist authentisch. Geschrieben von einem, der das Grauen er- und überlebt hat und glücklicherweise geschnappt wurde. Wer weiß, ob er sonst noch leben würde. Positiv vermerken muss man die Tatsache, dass Walker sich nicht in Selbstmitleid suhlt, sondern seine „Karriere“ mittlerweile aus der Distanz sieht und beschreibt. Bleibt zu hoffen, dass er auch nach seiner Entlassung einen großen Bogen um Drogen machen wird.

Die Filmrechte sind mittlerweile verkauft, für die Hauptrolle ist der englische Schauspieler Tom Holland im Gespräch.

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