Nicolás Ferraro

 4,4 Sterne bei 28 Bewertungen
Autor*in von Ámbar.

Lebenslauf

Nicolás Ferraro wurde 1986 in Buenos Aires, Argentinien, geboren und studierte Grafikdesign. Heute arbeitet er in der Abteilung für Kriminalliteratur der Nationalbibliothek. Er entdeckte das Noir-Genre für sich und schrieb daraufhin seinen Debütroman »Dogo«, der 2016 veröffentlicht wurde und Finalist beim Extremo Negro Award war. Mit »Ámbar« (2023) gewann er den renommierteren Premio Hammett. Seine Romane wurden ins Portugiesische, Englische, Italienische und Französische übersetzt.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Nicolás Ferraro

Cover des Buches Ámbar (ISBN: 9783865329011)

Ámbar

(28)
Erschienen am 05.02.2025

Neue Rezensionen zu Nicolás Ferraro

Cover des Buches Ámbar (ISBN: 9783865329011)
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Rezension zu "Ámbar" von Nicolás Ferraro

stiller
Coming-of-Age-Thriller

Ámbar hat Sorgen – aber nicht die eines typischen Teenies. Die 15-Jährige lebt zwischen einsamen Landstraßen und heruntergekommenen Motels, an der Seite ihres Vaters Víctor Mondragón, einem gefährlichen Gangster. Statt am Wochenende zu Rockkonzerten zu gehen und Freund:innen zu treffen, verarztet sie Víctors Schussverletzungen oder denkt sich neue Tarnidentitäten aus.

Nicolás Ferraro hat mit seinem Roman ein durchaus spannendes Szenario geschaffen, das Thriller, Roadmovie und Coming-of-Age-Geschichte miteinander verbindet. Dabei zeigt er geschickt, wie normalisiert Gewalt für das Mädchen geworden ist, wie sie zwischen kindlicher Loyalität und dem instinktiven Wissen um die Falschheit ihres Lebens schwankt.

Allerdings offenbart sich hier auch eine der Schwächen des Romans: An einigen Stellen verhält sich Ámbar wie eine normale 15jährige, an anderen erscheint sie abgebrüht und bereits in der Erwachsenenwelt angekommen. Diese Inkonsistenz in der Charakterzeichnung macht es schwer, wirklich mit der Protagonistin mitzufühlen. Liegt vielleicht auch daran, dass ein männlicher Autor die Perspektive eines jugendlichen Mädchens annimmt.

Trotzdem ist „Ámbar“ ein interessanter Genre-Mix, eine spannende Geschichte mit Szenen voller Nervenkitzel und einem fantastischen Ende. Außerdem hat Ámbar die beste Musik im Walkman und fantastische T-Shirts. Kleines Bonus-Sternchen dafür. Für Jugendliche sicher ein empfehlenswertes Buch, erwachsene Leser:innen müssen hier Abstriche machen – oder nicht mehr als einen Jugendbuch-Thriller erwarten, um nicht enttäuscht zu werden.

 

Cover des Buches Ámbar (ISBN: 9783865329011)
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Rezension zu "Ámbar" von Nicolás Ferraro

Eternal-Hope
Die Schärfe von Munition und Erinnerungen

"Jeder entschärft seine Erinnerungen, so gut er kann, damit sie so wenig wie möglich wehtun." (S. 252)

Ámbar ist erst 15, doch ihre Kindheit ist schon seit einigen Jahren vorbei. Atem- und heimatlos zieht sie mit ihrem Papá, dem Gangster und Killer Víctor, von einem heruntergekommenen Motel zum nächsten, von einem Ort zum anderen. Immer wieder muss sie dabei Identitäten, Namen, persönliche Geschichte hinter sich lassen und ihr Äußeres verändern, um von den vielen Feinden, die ihr Vater sich gemacht hat, nicht erkannt zu werden. Regelmäßig muss sie Schnitt- und Schusswunden ihres Vaters flicken und auch den Umgang mit Waffen hat er ihr schon früh beigebracht. Eine abgeschrägte Schrotflinte trägt sie immer mit sich herum.

In vielem ist Ámbars Leben sehr trostlos. Viele Tage und Stunden verbringt sie in gesichtslosen Motels, wartend auf ihren Vater. Kaum hat sie sich an einem Ort eingelebt und zaghaft begonnen, Freundschaften zu schließen, muss sie schon wieder fort. Dabei sehnt sie sich nach dem normalen Leben eines Teenagersmädchens, wünscht sich ein Tattoo und beginnt, sich für junge Männer zu interessieren. Víctor macht ihr durchaus immer wieder Versprechungen, dass sie an einem Ort bleiben könnten, doch halten kann er diese nie. Und auch nun ist ihm wieder ein Feind auf den Fersen, dem es schon gelungen ist, Víctors besten Freund zu töten und ihn selbst schwer zu verwunden.

"Ámbar" ist ein rasanter Roadtrip-Coming-of-Age-Thriller-Noir, und damit insgesamt ein sehr gelungener Genremix. Spannend wie ein Thriller und gleichzeitig tiefgründig wie eine Gesellschaftsstudie der untersten Sozialmilieus Argentiniens, die durchdrungen von Überlebenskämpfen, patriarchalen Denk- und Verhaltensweisen und Gewalt sind - und mitten drin eine toughe, intelligente und selbstbewusste junge Frau, die versucht, in all dem Dunkel ihren Weg zu finden, für sich einzustehen und erwachsen zu werden. 

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, es hat mich gut unterhalten und gleichzeitig nachdenklich gemacht über die Bedingungen, in denen Menschen leben und was sie mit uns machen. Immer wieder finden sich kleine Sprachperlen und Einladungen zur tieferen Reflexion in diesem Buch, wie zum Beispiel diese aus einem Gespräch zwischen Ámbar und ihrem Papá zum Thema Gewissen, als er zu ihr folgendes sagt: 

"Gewissen ist Luxus, Ambareté. Was für Reiche. Die haben ein reines Gewissen, weil sie andere dafür bezahlen, dass sie sich die Hände für sie schmutzig machen, andere, die sich ein Gewissen nicht erlauben können." (S. 249)

Ein gelungenes und vielseitiges Buch, das ich einer breiten Leserschaft empfehlen kann, sofern man bereit ist, sich auf einen sehr düsteren Noir mit viel Gewalt einzulassen. Wer das aber kann und will, wird mit guter Unterhaltung, authentisch gezeichneten Figuren und vielen Impulsen zum Nachdenken belohnt.

Cover des Buches Ámbar (ISBN: 9783865329011)
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Rezension zu "Ámbar" von Nicolás Ferraro

stefanb
Einmal quer durch Argentinien

Das Cover des Romans "Ámbar", welches im Pendragon Verlag erschienen ist, ist recht schlicht gehalten. Gerade diese Schlichtheit macht neugierig. Was wohl hinter dem Ausdruck der Protagonistin steckt?

In dem Thriller "Ámbar" nimmt der Autor Nicolás Ferraro die Lesenden mit auf einen spannenden Roadtrip durch Argentinien. Die Protagonistin Ámbar ist stets an der Seite ihres Vaters Víctor Mondragón, seines Zeichens Gangster und Killer. Ebenso ist Gewalt ein stetiger Begleiter. Grausam und durchaus gewalttätig geht es zur Sache. Aber da sind natürlich auch die normalen Gefühle und Wünsche einer Jugendlichen. Thriller und Coming of Age werden zu einer ansprechenden Story verflochten und fesseln die Lesenden.

Der Schreibstil gefällt und man fliegt durch die Seiten. Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung von Ámbar. Ihr Charakter ist facettenreich skizziert, wobei mir auch die anderen Charaktere gefallen haben.

Die Mischung aus Thriller und Coming of Age überzeugt. Ein Leben inmitten von Gewalt. Die Geschichte berührt und bleibt im Kopf.

Gespräche aus der Community

Die 15-jährige Ámbar folgt ihrem Papá, einem berüchtigten Gangster, auf seinem Rachefeldzug durch das raue Land. Die Unterwelt Argentiniens ist ihr Zuhause, nie hat sie etwas anderes kennengelernt. Doch dann passiert etwas, das sie ihr ganzes Leben hinterfragen lässt. Kann sie ihrem Vater wirklich vertrauen? Oder ist es vielleicht endlich an der Zeit, dass Ámbar ihr Schicksal selbst bestimmt?

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Letzter Beitrag von  Claudia_Reinländer

Vielen lieben Dank, dass ich dabei sein durfte.

Rezi ist verfasst und gestreut. Facebook und Instagram folgen auch noch.

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