Nicolás Obregón

 3.8 Sterne bei 6 Bewertungen

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Schatten der schwarzen Sonne

Schatten der schwarzen Sonne

 (6)
Erschienen am 12.03.2018

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Rezension zu "Schatten der schwarzen Sonne" von Nicolás Obregón

Schwächen in der B-Note.
Gulanvor 4 Monaten

Japan ist momentan literarisch schwer angesagt. Nicht nur, dass der letzte und angesichts der Verhältnisse des Komitees wohl längere Zeit amtierende Literaturnobelpreisträger aus Japan kommt, auch in Sachen Kriminalliteratur gibt es einige aktuelle japanische Titel mit hoher Aufmerksamkeit. Ich muss gestehen, dass ich mit japanischen Titel immer so meine Schwierigkeiten hatte, zu sehr unterscheiden sich teilweise der westliche und japanische Kulturkreis, so dass ich mit manchen Handlungen und Figuren so meine Probleme hatte. Zuletzt ließ mich Kanae Minatos „Geständnisse“ einigermaßen ratlos zurück. Nun dachte ich mir: Probiere ich es doch mal mit einem Titel, der in Japan spielt, aber von einem europäischen Autor. Gesagt, getan.

Schatten der schwarzen Sonne von Nicolás Obregón, ein Autor mit spanisch-französischen Wurzeln, in London geboren und für ein englisches Reisemagazin lange in Japan unterwegs gewesen. Aber um es vorweg zu nehmen: So richtig überzeugt war ich am Ende auch wieder nicht.

„Max Weber hat mal gesagt, ‚der Mensch ist ein Wesen, das in selbstgesponnene Bedeutungsgewebe verstrickt ist‘. Der, den du suchst, ist verstrickt in dieses System der schwarzen Sonne. Es ist nicht seine Visitenkarte. Ich glaube, es ist sein ganzes Gewebe. Er lebt und atmet damit.“ (Seite 101)

Kommissar Kosuke Iwata ist neu in die Mordkommission im Tokioter Stadtbezirk Shibuya versetzt worden. Sein Vorgänger hatte kurz zuvor Selbstmord begangen und hinterlässt ihm direkt einen mysteriösen Fall: Eine koreanische Familie wurde auf grausame Weise getötet. Am Tatort die Zeichnung einer schwarzen Sonne, offenbar von einem der Opfer gezwungenermaßen geschrieben. Iwata recherchiert im Umfeld der Familie, ein psychisch gestörter Bekannter der Mutter ist der perfekte Täter. Damit ist Iwata allerdings nicht zufrieden. Da geschieht ein weiterer Mord. Eine alte Frau wurde getötet, die Witwe eines Richters. Wieder am Tatort ist das Symbol der schwarzen Sonne. Iwata versucht verzweifelt, den Zusammenhang zwischen den Taten herzustellen, um einen nächsten Mord zu verhindern. Aber gleichzeitig wird an seinem Stuhl gesägt, seine Suspendierung droht. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Schatten der schwarzen Sonne ist der Auftakt zu einer Reihe. Dadurch erhält die Hauptfigur Kosuke Iwata und seine Vergangenheit sehr großen Raum im Buch. Iwata ist der typische Außenseiter-Cop in seinem neuen Revier. Ein Einzelgänger, der sich auch direkt mit den Platzhirschen anlegt und dadurch in Schwierigkeiten gerät. Seine Vergangenheit, die regelmäßig in Rückblicken erzählt wird, ist außerdem traumatisch. Als Kind von der Mutter sitzengelassen, im Waisenhaus aufgewachsen. In den USA lernt er seine Frau Cleo kennen, die er nun in einer Psychiatrie besucht. Erst nach und nach offenbart sich eine weitere Familientragödie. Der englische Originaltitel „Blue Light Yokohama“ bezieht sich übrigens auf einen Song der Sängerin und Schauspielerin Ayumi Ishida, einen japanischen Nr.1-Hit aus dem Jahr 1968, auf den auch im Buch regelmäßig Bezug genommen wird.

Der Kriminalroman, der außerdem über ausgedehnte Thrillerelemente verfügt, ist grundsätzlich sehr solide, verfügt über einen guten Spannungsbogen, vielleicht sind die Rückblicke in die Vergangenheit des Kommissars manchmal etwas ausschweifend. Wichtigste Nebenfigur ist die pfiffige Kommissarsanwärterin Sakai, die anfangs Iwata zur Seite gestellt ist, später abgezogen wird, aber irgendwie in die Geschichte verwickelt ist.

Obwohl Schatten der schwarzen Sonne ein ordentlicher Krimi ist, der das Genre nicht neu erfindet, aber passabel unterhält, gab es für mich irgendwie einen faden Beigeschmack. Ich war ein wenig enttäuscht von der Geschichte und das lag für mich an deutlichen Schwächen in der Authentizität. Zunächst mal die internen Reibereien im Polizeirevier. Sexismus, Mobbing, Korruption. Das war für mich so schematisch, es hätte anstatt Shibuya auch das LAPD oder die Pariser Polizeipräfektur sein können. Des Weiteren mag Nicolás Obregón ein ausgewiesener Japan-Kenner sein, aber dann hätte er auch ein wenig mehr in die japanische Seele eintauchen können. Die Themen, die er in diesem Krimi vermischt, sind wirklich ein paar der gängigsten (kriminellen) Japan-Themen (Selbstmorde, Rassismus gegenüber Koreanern, fanatische Sekten). Das wirkt auf mich dann doch etwas sehr kalkuliert. Schade. Allerdings könnte ich mir auch vorstellen, dass das viele andere nicht stört.

Kommentare: 3
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S

Rezension zu "Schatten der schwarzen Sonne" von Nicolás Obregón

Krimi im japanischen Umfeld
sapadivor 8 Monaten

Klappentext:
Eine ganze Familie, hingeschlachtet von einem grausamen Mörder. Am Tatort finden sich merkwürdige rituelle Spuren, darunter die Zeichnung einer schwarzen Sonne... Als Kommissar Kosuke Iwata an das Tokioter Polizeipräsidium versetzt wird, übernimmt er einen höchst mysteriösen Fall. Einen Fall, der zudem seinen Vorgänger in den Selbstmord getrieben zu haben scheint - und an dessen Aufklärung nicht jeder im Präsidium wirklich Interesse hat. Dann schlägt der Mörder erneut zu. Und an der Seite seiner neuen Kollegin Sakai wird Iwata hineingezogen in eine gnadenlose Jagd, auf der er sich auch seinen eigenen Dämonen stellen muss...

Der Autor:
Nicolás Obregón wurde als Sohn einer französischen Mutter und eines spanischen Vaters in London geboren. Er arbeitete als Steward in Sportstadien, als Reiseschriftsteller und Redakteur im Bereich Legal Publishing. Als er bei einem Reisemagazin angestellt war, kam er mit der japanischen Kultur in Kontakt und war von ihr so fasziniert, dass er diesen Roman mit japanischem Ambiente schrieb. Es handelt sich um den ersten Roman von Nicolás Obregón,

Buchcover:
Das Cover ist typisch japanisch mit dem roten Kreis in der Mitte und dem in weiß und grau gehaltenen Cover. Also durchaus stimmig, wenn mir ein wenig japanische Schrift oder ähnliches noch besser gefallen hätte.

Handlung:
Die Handlung hat einen roten Faden an dem der Leser durch das Buch geführt wird. Es gibt immer wieder kleine Überraschungen wodurch die Spannung von Anfang bis zum Ende hoch gehalten wird.

Schreibstil:
Der Schreibstil ist ein leicht zu lesender mit einem gewissen Anspruch durch die Zitate aus der japanischen Kultur. Einzig die Orte hätten ein wenig mehr Einführung und Beschreibung benötigt, damit ich mir diese vorstellen konnte.

Protagonisten:
Der Protagonist ist anschaulich dargestellt, mit ein paar Höhen und Tiefen und wirkt dadurch sehr sympathisch. Die Handlungen sind größtenteils nachvollziehbar und lassen den Leser vom Epilog an mitzittern.

Fazit:
Ein Krimi mit nahezu fünfhundert Seiten und das mit viel japanischem Hintergrund. Es gibt viele Ortswechsel und diese alle im japanischen Raum, der mir nur bedingt bekannt ist. Aus diesem Grund wäre ein wenig mehr Beschreibung schön gewesen und hätte das Bild abgerundet. Durch die direkt am Anfang einsetzende Spannung entsteht dennoch ein kurzweiliges Lesevergnügen und ein Buch mit einem gewissen Anspruch. Die Mischung ist also durchaus gelungen, wobei durch die kleinen Schwächen nur vier Sterne am Ende bleiben.

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