Ein Mensch brennt

von Nicol Ljubic 
4,0 Sterne bei4 Bewertungen
Ein Mensch brennt
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V

Interessant, aber nicht berührend

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Für alle, die sich für die jüngere Vergangenheit interessieren hochinteressant

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Inhaltsangabe zu "Ein Mensch brennt"

Aufrüttelnd und provokant, zugleich warmherzig und witzig

Wenn es um Fußball geht, kann man dem zehnjährigen Hanno Kelsterberg nichts vormachen. In Sachen Protest allerdings auch nicht. Seit zwei Jahre zuvor der asketische Hartmut Gründler ins Souterrain der Familie zog und sich als unbeugsamer Politkämpfer entpuppte, steht Hannos einst heile Welt auf dem Kopf. Statt Fußball zu spielen, muss er nun mit zu Demos und verteilt Handzettel. Während der Vater den Mann im Keller zunächst belächelt, gerät die Mutter in den Bann des kompromisslosen Idealisten, die Ehe zerbricht. Ein provokanter und berührender Roman über eine Familie, die unversehens von der Zeitgeschichte gestreift wird.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423281300
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:336 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:08.09.2017

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Rezensionen und Bewertungen

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    thiefladyXmysteriousKathas avatar
    thiefladyXmysteriousKathavor 5 Monaten
    Atomproteste aus der SIcht eines Kindes

    Ein Mensch brennt

    Dieses Buch war im letzten Herbstprogramm von dtv ein absoluter Spitzentitel und ich war sehr gespannt auf die Geschichte und Ljubics Schreibstil. Über Hartmut Gründler wusste ich vorher ehrlich gesagt nicht viel und auch Selbstverbrennung als Protest war mir noch relativ neu. Dieses Buch ist wirklich empfehlenswert aber hat mich dennoch nicht vollkommen überzeugen können. Trotzdem lohnt sich ein genauerer Blick auf die Geschichte und Ljubics andere Bücher.

     

    Inhalt

    Aufrüttelnd und provokant, zugleich warmherzig und witzig

    Wenn es um Fußball geht, kann man dem zehnjährigen Hanno Kelsterberg nichts vormachen. In Sachen Protest allerdings auch nicht. Seit zwei Jahre zuvor der asketische Hartmut Gründler ins Souterrain der Familie zog und sich als unbeugsamer Politkämpfer entpuppte, steht Hannos einst heile Welt auf dem Kopf. Statt Fußball zu spielen, muss er nun mit zu Demos und verteilt Handzettel. Während der Vater den Mann im Keller zunächst belächelt, gerät die Mutter in den Bann des kompromisslosen Idealisten, die Ehe zerbricht. Ein provokanter und berührender Roman über eine Familie, die unversehens von der Zeitgeschichte gestreift wird.

     

    Meine Meinung

    Die Geschichte wird aus der Sicht des zehnjährigen Hanno erzählt und genau das macht sie so besonders. Hanno versteht natürlich nicht viel von Atompolitik und wieso seine Mutter und der neue Untermieter Hartmut Gründler so sehr auf die Regierung und ihre Energiepolitik schimpfen. Er wünscht sich die Anerkennung und Liebe seiner Mutter und lässt sich von ihr zu vielen Dingen überreden, um Hartmut und den Kampf gegen die Atompolitik zu unterstützen, ohne wirklich zu verstehen worum es geht. Dies nutzen die Erwachsenen in diesem Buch sehr aus und ich denke es geht nicht zu weit von sozialem Missbrauch zu sprechen. Außerdem beginnt seine Familie nach und nach auseinanderzubrechen und dies ist für den Jungen nicht leicht zu verarbeiten. Emotional und sozial gesehen ist das Buch demnach sehr interessant und thematisiert wichtige Punkte.

    Die Geschichte von Hartmut Gründler hingegen kam mir dann doch etwas zu kurz. Man versteht nicht alle seiner Handlungen, er erscheint dem Leser eher wie ein deprimierter Atomgegner, der nicht so wirklich weiß, was er noch tun soll. Ich hätte mir mehr von Hartmuts Gedanken gewünscht, um ihn besser zu verstehen. Außerdem wird seine Selbstverbrennung immer nur als Akt des Protests thematisiert aber nie wirklich als Suizid. Natürlich kann man dies damit erklären, dass Hanno es noch nicht versteht oder nicht so wahrnimmt, aber ich hätte mir einen größeren Schwerpunkt auf dem Thema Selbstverbrennung gewünscht, denn schließlich heißt der Roman „ein Mensch brennt“.

    Der Schreibstil war aber toll und mir hat die Herangehensweise der Geschichte, also das Erzählen aus Hannos Sicht, aus früher und heute, sehr gefallen. Daher vergebe ich letztendlich 4 von 5 Sternen und werde mir sicherlich noch einmal ein Buch von Ljubic kaufen und lesen.

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    Vielhaber_Juergenvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Interessant, aber nicht berührend
    Auf kleiner Flamme

    So eben haben wir, also die noch Lesenden, den 40.Jahrestag des deutschen Schlüsseljahres 1977 hinter uns gebracht.
    Auch der vorliegende Roman spielt 1977 bzw. in den Jahren zuvor.
    Der reale Titelheld bricht nicht nur mit vielen Konventionen, er bricht auch in eine mehr oder wenige heile Familie, die von Hanno.
    Was bei Stefan Lohses Roman Ein fauler Gott schnell gelang, mich, der zur gleichen zeit aufwuchs zu berühren, bleibt diesmal aus.
    Sämtliche Charaktere bleiben merkwürdig schablonenartig. Allen voran Mutter Martha, die  immer mehr von dem Aktivisten Gründler angezogen wird, ihren Sohn und ihre Ehe vernachlässigt und nach dem Brandopfertod sein Andenken verwaltet und dabei vergisst zu leben.
    Ich ertappte mich sogar dabei, den Demis Roussos hörenden Vater sympathisch zu finden.
    Viele Dinge wiederholen sich, trotz des wirlich interessanten Thema Anti-Atom- Protest hab ich mich gelangweilt.

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    fuxlivor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Für alle, die sich für die jüngere Vergangenheit interessieren hochinteressant
    Interessante Vergangenheit

    Die Hauptfigur des Romans ist Hartmut Gründler, der sich tatsächlich am 16. November 1977 aus Protest gegen die Atompolitik der damaligen Regierung mit Benzin übergossen und angezündet hat Er starb fünf Tage später im Krankenhaus an den Folgen seiner Verletzungen. Erzählt wird die Geschichte aber von einer fiktiven Figur: Hanno Kelsterbach. Zur Zeit von Gründlers Tod ist er gerade mal zehn Jahre alt. Die Geschichte erzählt er als Erwachsener, wobei er eigentlich mehr von seiner Mutter berichtet, einer überzeugten Umweltaktivistin und großen Anhängerin von Gründler. Hanno selbst ist eher skeptisch, wird aber nichtsdestotrotz involviert, schon weil Gründler auch die Ehe von Hannos Eltern entscheidend beeinflusst.

    Beim Lesen vergisst man schnell, dass Gründler und auch einige andere Personen wirklich gelebt haben. Das finde ich schade, wenn es auch wahrscheinlich dem Tempo und dem flüssigen Stil gut tut. Die Darstellung ist jedenfalls mitreißend, aber nicht immer wirklichkeitsnah.
    Leser, die an geschichtlichen Ereignissen der jüngeren Vergangenheit interessiert sind, werden das Buch aber ganz bestimmt gut finden.

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    WinfriedStanzickvor 10 Monaten
    Ein auch sprachlich ansprechender Roman, den ich gerne empfehle



    Der Autor des vorliegenden Romans, Nicol Ljubic, schaffte es nach mehreren Auszeichnungen für seine Reportagen im Jahr 2011 mit seinem Roman „Meeresstille“ auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis. Danach hörte man lange wenig von ihm. Das lag daran, dass er insgesamt 5 lange Jahre an dem nun erschienenen Roman „Ein Mensch brennt“ gearbeitet hat, ein  Roman, der zwischen 1975 und 1977 spielt, auf dem Hintergrund der Zeit, die man später als den Deutschen Herbst bezeichnete und der anhand einer Familiengeschichte das Leben des Umweltaktivisten Hartmut Gründler schildert. Der Rezensent kann sich selbst noch sehr gut nicht nur an jene bleiernen Jahre erinnern, sondern auch an Hartmut Gründler selbst, dessen Aktionen in der noch jungen Umwelt- und Bürgerinitiativbewegung nicht immer unumstritten waren.

    Erzählt wird die Geschichte von dem mittlerweile 44 jährigen Hanno Kelsterberg. Mittlerweile schon seit langer Zeit in therapeutischer Behandlung, versucht er Jahrzehnte später, jener dramatischen Geschichte auf die Spur zu kommen, die sein Leben nicht nur verändert hat, sondern beinahe vollkommen zerstört hätte.

    Hanno Kelsterberg war 1975 gerade einmal zehn Jahre alt, als seine Eltern dem Tübinger Lehrer Hartmut Gründler ein Zimmer in ihrem Haus vermieteten. Schon bald sollte dieser Einzug das Leben der Familie verändern.  Denn besonders Hannos Mutter wird schnell vom Denken Gründlers beeinflusst. Sie stellt die Ernährung der Familie auf die von Gründler bevorzugte Waerland-Kost um und kommt zum ersten Mal in ihrem Leben mit Politik und der Umweltschutzbewegung in Verbindung.
    Und weil sie sich schon bald insgeheim in den fanatischen Umweltaktivisten verliebt, tut sie alles für ihn und entfremdet sich ihrer Familie. Dass sie auch noch über 3 Jahrzehnte nach Gründlers Selbstverbrennung am Buß- und Bettag 1977 in Hamburg ihn verteidigt und verbissen sein Andenken hochhält, muss der über sein Leben schreibende Hanno erschüttert feststellen, als er im Rahmen seiner Recherche seine sterbende Mutter besucht, und in Sachen Gründler nach wie vor keinen Zugang zu ihr findet.
    Es ist die Katastrophe von Fukushima, die 2011 den Autor Ljubic und damit seinen Ich-Erzähler Hanno Kelsterberg auf die Idee kommen lässt, auf dem Hintergrund des Deutschen Herbstes mit seinen dramatischen im Buch alle beschriebenen Vorkommnissen (RAF, Mogadishu, Schleyer-Entführung usw.) sich auf die Spurensuche nach Hartmut Gründler zu begeben, eingebettet in eine überzeugend erzählte Familiengeschichte. Er schildert das, was im kleinen Hanno in den Jahren 1975 -1977 vorgeht genauso überzeugend, wie die Suche des erwachsenen Hanno nach seiner Geschichte und der Bedeutung der Person Gründlers.
    Hanno versucht durch den Rückblick letztlich das ganze Buch hindurch  zu verstehen, wie die schillernde Figur des Umweltaktivisten Hartmut Gründler mitverantwortlich war für das ihn und seine Kindheit zerstörende Ende der Ehe seiner Eltern war.

    Obwohl Ljubics Roman hauptsächlich in Vergangenheit spielt, hat er doch angesichts der nach wie vor bestehenden Bedrohungen der Umwelt durch Atomkraft und andere Gefährdungen und der intensiven Debatten, wie man sich dem entgegenstellen kann und welche Mittel dabei legitim sind eine aktuelle Bedeutung. Wieviel sind Menschen zu opfern bereit, um einer Idee zu folgen? Zählt das Wohl Einzelner, wenn  das ganze Gemeinwohl auf dem Spiel steht?

    Alte und immer sehr aktuelle Fragen, die Ljubic zwischen  den Zeilen aufwirft und die seinen Roman nicht nur zu einem lehrreichen Zeitzeugnis machen, sondern auch zu einem gelungenen literarischen Beitrag über die Bedeutung und die Grenzen politischen Engagements.

    Ein auch sprachlich ansprechender Roman, den ich gerne empfehle. Er hat mich zurückgeführt in mein eigenes Denken und Handeln in jenen Jahren, als ich als Student auch in der damals noch jungen Bürgerinitiativbewegung aktiv war.




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