Nicola Juretko

 4,5 Sterne bei 14 Bewertungen
Autorenbild von Nicola Juretko (©Nicola Juretko)

Lebenslauf

Nicola Juretko (1971) studierte Skandinavistik und arbeitete im Buchhandel sowie als Fremdsprachenkorrespondentin. Reisen und längere Aufenthalte im Ausland haben sie geprägt. Nach mehreren Jahren in Norwegen lebt sie heute am Stadtrand von Berlin. In ihrem literarischen Schaffen richtet sie den Blick auf Menschen in Ausnahmesituationen und auf die Frage, wie Verantwortung entsteht, wenn ferne Krisen näher sind, als man glaubt. Für ihren Roman Freetown in sieben Stunden recherchierte sie intensiv zu Luftfahrt, humanitärer Hilfe und den Hintergründen der Ebola-Krise in Westafrika. Im Mittelpunkt ihres Schreibens stehen moralische Entscheidungen, Ambivalenz und die leise Wirksamkeit menschlicher Bindungen.

Alle Bücher von Nicola Juretko

Cover des Buches Freetown in sieben Stunden (ISBN: 9783384828842)

Freetown in sieben Stunden

(3)
Erschienen am 09.05.2026
Cover des Buches Freetown in sieben Stunden (ISBN: B09L4VHJNY)

Freetown in sieben Stunden

(11)
Erschienen am 25.11.2021

Neue Rezensionen zu Nicola Juretko

Cover des Buches Freetown in sieben Stunden (ISBN: 9783384828842)
Chrysias avatar

Rezension zu "Freetown in sieben Stunden" von Nicola Juretko

Chrysia
Atmosphärisch dicht, rundum überzeugend und ... ein wahrhaft beeindruckendes Buch

Rezension

„Freetown in sieben Stunden“ 

von Nicola Juretko


Das Buch fiel mir bereits vor ein paar Jahren auf; die hervorragenden Rezensionen sprachen für sich. Leider war es seinerzeit nur als Hörbuch erhältlich und ich bin auditiv allenfalls mäßig begabt. Vor ein paar Wochen aber sah ich es als Print und – juchhu – auch als E-Book, obendrein zu einem ausgesprochen fairen Preis. 

Natürlich habe ich es mir gekauft. :-)


Zum Inhalt:

Drei Menschen, drei Schicksale und ... Sierra Leone. 

Zentrale Figur ist der Pilot James Marburgh, der die Dämonen seiner Vergangenheit mit Hochprozentigem in Schach zu halten versucht und dabei Stück für Stück immer weiter abrutscht. 

Die Erzählung startet mit dem Kennenlernen Piloten und dem kanadischen Mikrobiologen Nanook Lavoie, ein sensibler Mann mit Inuit-Wurzeln, der James nach der Frachtbesprechung freundlich, aber bestimmt auf dessen Zustand anspricht. 

Der Flug geht 2 ½ Tage später nach Sierra Leone, wo seit Monaten eine tödliche Seuche grassiert. In einem Researchzentrum arbeitet die talentierte, einheimische Internistin Yabu Kuyateh. 

Während die Epidemie immer weiter aus dem Ruder läuft, kaum beachtet von der restlichen Welt, beginnen sich die Fäden der Schicksale der drei zentralen Figuren zunehmend zu verweben ...


Fazit: 

Tatsächlich hatte ich bei dem Buchtitel zunächst geglaubt, es handle sich um die Geschichte eines einzigen Flugs, der eigentlich nur sieben Stunden dauern soll, aber vollkommen aus dem Ruder läuft, warum auch immer. Schnell erkannte ich, dass ich mich im Irrtum befand. Ja, Sierra Leone ist sieben Stunden Flugzeit von London entfernt, aber wenn es um die Gewichtung geht, könnte das Land ebenso gut auf dem Mars sein. Für mich stellte sich beim Lesen die zentrale Frage: Was ist ein Menschenleben wert? Bzw. im Geiste George Orwells: Sind alle Menschen gleich, oder sind manche gleicher als die anderen?

Nicola Juretko hält uns Leuten in der „westlichen Welt“ den Spiegel vor und was sich darin sehe, gefällt mir nicht. Ja, die Handlung ist Fiktion, allerdings werte ich sie als extrem realistisch. 

Das Buch hat eine irrsinnige Tiefe. Die Sprache ist dicht, die Atmosphäre schwer. Die Geschichte ist nicht zupackend im Sinne reißerischer Actionromane, sondern entwickelt einen ganz eigenen Sog, dem ich mich kaum entziehen konnte. Der Schreibstil der Autorin ist bildhaft und mein innerer Film bezog auch Temperatur, Feuchtigkeit und Gerüche ein, Aspekte, die ich bei einer Filmvorführung im Kino nicht erfahre. 

Einen Teil las ich Ende Juni 2026, als der fiese Hitzedom über Deutschland lag. So erlebte ich das äquatornahe Land bei der Lektüre in der Tat hautnah. Ein bisschen nebenbei erfuhr ich von der Historie Sierra Leones, damit beweist sich wieder einmal, dass Lesen definitiv bildet. :-)

„Freetown in sieben Stunden“ bietet neben der eindrucksvollen Kulisse absolut überzeugende Figuren (z.B. Dr. Perry, den ich im Laufe der Seiten zunehmend zu schätzen begann). Darüber hinaus zolle ich der Autorin für die Detailtreue, wenn es z.B. um das Pilotenhandwerk oder um die Immunologie geht, meinen ehrlichen Respekt. Es ist eines der beeindruckendsten Bücher, das ich in den letzten Jahren gelesen habe.

Cover des Buches Freetown in sieben Stunden (ISBN: 9783384828842)
MichaelaFinkes avatar

Rezension zu "Freetown in sieben Stunden" von Nicola Juretko

MichaelaFinke
Emotional

Kein lauter, dramatischer Roman, sondern einer, der leise unter die Haut geht und lange nachhallt.

Schon nach wenigen Seiten hatte ich das Gefühl, selbst mit im Cockpit zu sitzen, die Hitze zu spüren, die Erschöpfung, die Hoffnungslosigkeit, aber auch diesen unerschütterlichen Willen, trotzdem weiterzumachen.




Das Buch zeigt schonungslos, wie Menschen in Extremsituationen handeln, helfen, zerbrechen und trotzdem weitermachen. Dabei geht es nicht nur um Krankheit oder eine Epidemie, sondern um Menschlichkeit. Um Angst. Um Schuld. Um Hoffnung in einer Welt, die aus dem Gleichgewicht geraten ist.


Der Schreibstil ist ruhig, intensiv und sehr atmosphärisch. Kein typischer schneller Thriller, sondern ein Roman, der Raum für Gedanken und Gefühle lässt. Genau das mochte ich sehr.


Für mich ein eindringliches, kluges und emotionales Buch, das zeigt, wie nah Verzweiflung und Hoffnung manchmal beieinanderliegen. ❤️

Cover des Buches Freetown in sieben Stunden (ISBN: 9783384828842)
Zaubermasus avatar

Rezension zu "Freetown in sieben Stunden" von Nicola Juretko

Zaubermasu
Ein Buch, das unter die Haut geht

Inhalt

Eine Epidemie in Westafrika. Flug- und Seehäfen werden zu neuralgischen Punkten, Hilfssendungen zur letzten Hoffnung. Captain James Marburgh fliegt Fracht – routiniert, jedoch mit nachdenklichem Blick auf die Welt. Dass er es von jeher ablehnt, Passagiere zu befördern, hat einen Grund, und was hinter ihm liegt, hält er mit Arbeit und Alkohol auf Abstand. Doch als er Versorgungsflüge nach Sierra Leone übernimmt, gerät dieses fragile Gleichgewicht ins Wanken. Leid und Krankheit lassen sich nicht aus dem Cockpit aussperren, und auch die Erinnerungen drängen zurück. Mit James’ Reise verknüpfen sich die Lebenswege des kanadischen Mikrobiologen Nanook Lavoie, der in Freetown ein Behandlungszentrum eröffnet, der sierra-leonischen Internistin Yabu Kuyateh und weiterer Menschen, die sich im Kampf gegen die Seuche zusammentun. Sie handeln, obwohl es keine sicheren Maßstäbe gibt. Außen- und Innenwelten verschmelzen – Orte und Zeit. Freetown in sieben Stunden ist ein literarisch verdichteter Roman über den Versuch, der Not etwas entgegenzusetzen. Über das Helfen in allen Widersprüchen, über Nähe und Erschöpfung, Scheitern und Hoffnung, mitten in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist.

 

Mein Fazit 

Ich habe das Buch sehr neugierig gestartet und obwohl es ein dickes Buch ist ( 588 Seiten ), ist die Lesezeit einfach nur dahin geflogen :

Die Geschichte um Pilot James Marburgh, der einen schweren Rucksack aus seiner Vergangenheit mit sich trägt und Fracht und Hilfsgüter nach Sierra Leone fliegt, ist packend und so spannend, dass ich Seite um Seite tief im Geschehen war. James Marburgh kämpft mit andere Protagonisten gegen eine verheerende Seuche und Emotionen wie Verzweiflung oder auch Hilflosigkeit, die sind so spürbar gewesen, weil Nicola Juretko es perfekt versteht, den Leser / die Leserin mitzunehmen. 

Emotionen in Zeilen zu verwandeln, Charaktere real werden zu lassen und Örtlichkeiten detailreich und bildhaft darzustellen; das macht den Schreibstil der Autorin aus. Bei ihr klingt selbst ein einfacher Satz nach Literatur und das macht den Lesegenuss dieses Buches aus.

Man merkt, dass die Autorin Menschen beobachtet und versteht und das transportiert sie auf ihre Figuren, so dass sie total  authentisch sind.  Was mir unheimlich gut gefallen hat, ist, dass man merkt, dass ganz viel Recherche in diesem Buch steckt und es sich trotzdem total flüssig liest – ganz unaufdringlich wird hier Wissen vermittelt und verleiht damit dem Buch absolute Glaubwürdigkeit.

Mich hat das Buch gepackt, gefesselt und sich in mir festgesetzt, weil es literarisch und menschlich auf so hohem Niveau geschrieben ist – eine absolute Kauf- und Leseempfehlung gibt es dafür von mir, mit dem Wunsch, dass es ganz viele Leser*innen erreicht, weil es gelesen werden SOLLTE !

Gespräche aus der Community

Cover des Buches Freetown in sieben Stunden
NicolaJuretkos avatar
NicolaJuretko

Einladung zur Hörrunde

Ein Frachtpilot – eine Epidemie in Westafrika

Freetown in sieben Stunden ist ein Roman über Katastrophenhilfe, Mut und Freundschaft, den Kampf gegen Krankheit und Tod aber auch die Konfrontation mit Ratlosigkeit und Schuldgefühlen, mit sich selbst.

Für die Reise nach Sierra Leone stehen zehn digitale Hörbuch-Rezensionsexemplare zur Verfügung. 

Ich freue mich auf euch!

77 BeiträgeVerlosung beendet

Zusätzliche Informationen

Nicola Juretko wurde am 02. Juni 1971 in Berlin (Deutschland) geboren.

Nicola Juretko im Netz:

Welche Genres erwarten dich?

Community-Statistik

14 Bibliotheken

Worüber schreibt Nicola Juretko?

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks